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Die Wahrheit · 1937-12-03 · Heft 48 (3.12.1937) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 48 (3.12.1937)
Date
1937-12-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 48 — 3. Dezember 1937. Seite 5 Wintersport in den Weihnachtsferien für 6—18 Jahrige Kinderferien-u.Wintersportheim Spital a. Semmering(820 m) Inh: Direktor A- Taglicht Modernst — Rituell — Erstrangig Direktion: II., Rembrandtstr. 12.Tel.A 43-8-49 „BTID" des jüdischen Jugendbundes, der nationale Einschlag der in der Zeitschrift „Jüdische Jugend'' erschienenen oben erwähnten Artikel und nicht zuletzt die Tatsache, daß die Chajes-Feier des „Elternbundes" im Heime einer zionistischen Bezirkssektion veranstaltet wurde, veranlaßten die der „Union österreichischer Juden" angehörigen Mandatare des jüdisch-kulturellen Elternbundes, an -den Obmann desselben, Herrn Dr. Isidor Klaber, einen Brief zu richten, in dem die genannten Herren verlangten, daß ihnen das Vetorecht nunmehr eingeräumt wird und daß die paritätische Besetzung des Vorstandes des „Elternbundes" durchgeführt wird, weil schon die angeführten Tatsachen einwandfrei ergeben haben, daß auf die Meinung der dem jüdisch-kulturellen Elternbunde angehörigen nichtjüdischnationalen Mitglieder keine Rücksicht genommen wird. Gleichzeitig wurde dem Vorstande zur Kenntnis gebracht, daß die Mitglieder der „Union österreichischer Juden" ihre Mandate zurücklegen, wenn nicht ihre Forderungen erfüllt werden. Das Schreiben an den Vorstand des jüdischkulturellen Elternbundes wurde von demselben beantwortet. Die Antwort ging vor allem dahin, daß der „Elternbund" feststellte, daß die Beschlüsse mit Majorität erfolgt seien, welche Tatsache selbstverständlich nicht zu bestreiten ist. Die Antwort ist aber nicht geeignet, den Nachweis zu erbringen, daß der Vorstand des „Jüdisch-kulturellen Elternbundes" bestrebt ist, seine Beschlüsse so zu fassen, daß den Interessen aller Juden ohne Rücksicht auf Politik entsprochen wird. Der Vorhalt, daß in der Zeitschrift „Jüdische Jugend" Artikelenthalten seien, die der jüdischnationalen Propaganda dienen, wurde einfach mit folgendem Satze beantwortet: „Was den Inhalt der Zeitung anbelangt, überlassen wir es getrost der jüdischen Oeffentlichkeit, darüber zu urteilen". Diese Antwort allein rechtfertigt in weitestgehendem Maße das Verhalten der unionistischen Mandatare. Für den Inhalt einer Zeitschrift für die jüdische Jugend ist vor allem der Herausgeber, der „Jüdisch-kulturelle Elternbund" und nicht die Oeffentlichkeit verantwortlich. Schließlich wurde versucht, den Nachweis zu erbringen, daß eigentlich die nicht zionistischen Mandatare im jüdisch-kulturellen Elternbunde die Mehrheit haben, denn den vier oder fünf jüdischnationalen Mandataren stehen die vier unionistischen Mandatare und zwei oder drei sogenannte „neutrale" Mandatare gegenüber. Dieses Rechenexempel ist selbstverständlich ebenfalls nicht geeignet, die schweren Bedenken gegen die -einseitige Führung des jüdisch-kulturellen Elternbundes und gegen die jüdischnationale Leitung der Zeitschrift „Jüdische Jugend" zu zerstreuen. Schließlich hat es der Vorstand des jüdisch-kulturellen Elternbundes für richtig befunden, den Brief mit folgendem Satze zu beenden: „Sollten die Herren trotz dieser .Aufklärung' auf ihrem Standpunkt verharren- und ihre Mandate niederlegen, so wird dies der Ausschuß bedauernd zur Kenntnis nehmen müssen." Auf Grund des angeführten Tatbestandes haben die oben angeführten, der „Union österreichischer Juden" angehörigen Mitglieder des „Jüdisch-kulturellen Elternbundes" den Beschluß gefaßt, ihre IVlandate zurückzulegen. Sie können sich nicht dazu hergeben, der Agitation für die jüdischnationale Sache durch den „Jüdisch-kulturellen Elternbund" die Mauer zu machen. Dem Vorstand des »Jüdisch-kulturellen Elternbundes" gehören also keine Vertreter der „Union österreichischer Juden" mehr an. Dem Vorstand des „Jüdisch-kulturellen Elternbundes" gehören lediglich jüdischnationale Vertreter und sogenannte „neutrale" Vertreter an. Auf diese Tatsache werden die österreichischen jüdischen Eltern besonders aufmerksam gemacht. Theater und Kunst. „Uriel Acosta" im Jüdischen Kulturtheater. In der am 8. Dezember d. J. im Jüdischen-Kulturtheater (F., Franz Joser-Kai 3) stattfindenden Erstaufführung der Neubearbeitung des Trauerspiels „Uriel A c o s t a", von Karl Gutzkow, das von Fritz Links inszeniert wird, sind die Hauptrollen wie folgt besetzt: Manasse Vanderstnaaten, ein reicher Handelsherr in Amsterdam, Marcel Barth, Judith, seine Toohter, Martha Auiiärber, Ben Jochai, ihr Verlobter, Michael Orlan, De Silva Arzt, ihr Oheim, Otto T r i 11, Rabbi Ben Akiba Fritz Links, Ur.iel Acosta, Rudolf Weiss, Esther, seine Mutter, Alice Koch, Rüben, sein Bruder, Max Friedmann, De Santos-Van der Emden, Rabbinen Jaro Klüger und Franz Mann. Das Bühnenbild hat Gottfried Fr. B e rs e r entworfen. „La Grande Illusion." Dieser ungewöhnliche Film wird vielleicht mit dem Vorurteil des Kinopublikums gegen Kriegsthemen zu kämpfen haben. Die Aelteren wollen an das Grauen nicht immer wieder erinnert werden, die Jüngeren können es nicht glauben. Dennoch ist zu hoffen, daß sich dieser Film auch bei uns, insbesondere beim jüdischen Publikum, durchsetzen wird, wie er sich schon in der sanzen Welt durchgesetzt hat. Er behandelt das Kriegsthema von einer anderen Seite: nicht die explodierenden Granaten und die zerfetzten Körper werden gezeigt, sondern die Erlebnisse gefangener französischer Offiziere in deutschen Lagern. Es fällt kein Sohuß und den Helden der Handlung geht es recht gut. Weder die Franzosen noch die Deutschen fühlen sich als Feinde und kommen miteinander vorzüglich aus. Als zwei Franzosen schließlich fliehen, muß sich ein dritter Kamerad für sie opifern, und auch dieses Opfer ist ein nur durch das Reglement notwendiges. Der Kamerad, der ihnen hilft, der deutsche Offizier, der ihn in Erfüllung seiner Dienstpflicht contre coeur erschießt, handeln in Erfüllung dessen, was ihnen Pflicht zu sein scheint. Jean Renoir, ein Sohn des großen Malers, hat hier seinen ersten realistischen Film inszeniert. Man hat schon lange, auch nicht bei den Amerikanern, einen so genauen, gewissenhaft 'gearbeiteten Film gesehen wie diesen. Echtes und falsches Heldentum und die seltsamen Zerreißproben der Kameradschaft geben Material für eine Fülle packender und ergreifender Situationen. Renoir hat ein sehenswürdiges Ensemble versammelt. Pierre Fre snay als sensiblen Aristokraten. Jean G a b i n als den tapferen Dutzendmann Marechal, Erich v. Stroheim als deutsahen Major, Dita Parlo als Bäuerin und den typisch französischen Komiker Carette. Obwohl oder vielmehr weil die Handlung von der Schablone abweicht, ist sie voller Spannung, die keinen Moment nachläßt. Einer inneren Logik gehorchend, sprechen die Deutschen deutsch, die Franzosen französisch und die Engländer englisch. Die Schauspieler sind durchwegs hervorragend eingesetzt, Josef Kosma hat eine interesse Muisik geschrieben. Dieses Standardwerk französischen Geistes verdient den außerordentlich starken Erfolg, den es auch bei seiner Wiener Premiere hatte. Porträiausstellung S. Bojko Sonntag, den 5. Dezember L J„ halb 12 Uhr vormittags, findet in den Räumen der WIZO, Wien L, Schottenring 25, die Eröffnung der Porträtaussteldung Bojko statt. Das Publikum wird Gelegenheit haben, die neuesten Arbeiten dieses anerkannten jüdischen Künstlers kennen zu lernen. Die Ausstellung bleibt vom 5. bis inkL 19. Dezember 1937 täglich von 11 bis 1 Uhr vormittags und 4 bis 7 Uhr nachmittags geöffnet. Briefkasten. Auf mehrfache Anfragen. Unsere Gewährsleute, welche bei der Versammlung des Antisemitenbundes beim Lembacher am 3. November 1937 anwesend waren, bestätigen uns, daß seitens eines Redners Klage geführt wurde, daß die Bezirksgruppe IX. (Aisergrund) des Oesterrächischen Gewerbebundes-, wegen der gegen die Juden gerichteten Boykottparolen zu einer höheren Geldstrafe verurteilt wurde; er erhob gegen das ihnen zmgefügte Unrecht (?!) sahärfsten Protest, dem sich die Leitung des Antisemitenbundes vollinhaltlich anschloß. ittfd)aftüd)e ffiecatungsftelfe in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" 1., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. Jedes Mitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der V/irtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung Dollftommen unentgeltliche Auskunft. T)erfid)emngsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch. Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenpräfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine namhafte 3m3ilnsilgun9 der Prämlansätxe. T>*. Jseaei laoticAt, O&eccaMinec jooh ttiien. Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde hat in seiner Sitzung vom 30. November 1937 einstimmig beschlossen, den Titular-Oberrabbiner Dr. Israel Taglicht, der seit dem Ableben des Herrn Oberrabbiners Dr. David Feuchtwang mit der Führung des Oberrabbinates betraut war, zum Oberrabbiner zu ernennen. Herr Oberrabbiner Dr. Taglicht wird außer der Tätigkeit im Rabbiraate der Kultusgemeide auch die rabbinischen Funktionen im Stadt-Tempel versehen. Diese Nachricht wird sicherlich bei den ungemein zahlreichen Anhängern des nunmehr an die Spitze des Wiener Rabbinates berufenen, allseits hochverehrten Mannes, dessen Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und echt jüdische Menschlichkeit Vorzüge besonderer Art darstellen, Genugtuung und Freude auslösen. Oer Antisemiten bund veranstaltete am 23. November an den Rosensälen im 10. Bezirk eine Versammlung. Diese Versammlung war von zirka 800 Personen besucht, und zwar hauptsächlich von Jugendlichen, welche unverkennbar der NSDAP angehörten. Diese sowie die andern der untersten Schichte der Bevölkerung angehörigen Versammlungsteilnehmer sorgten für wiederholte lärmende Kundgebungen. In dieser Versammlung leitete der Bezirksführer Neidl vom 10. Bezirk den Vorsitz. Der Obmann des A. B„ Dr. J e r z a b e k, sprach als erster Redner, entschuldigte sich wegen seiner Krankheit und beklagte sich, daß er vor einigen Wochen seitens der Polizei dazu verhalten wurde, die Straßen im 10. Bezirk von den gestreuten Flugzetteln des Antisemitenbundes zu reinigen. Dann rührte er noch einige „statistische Daten" an über die Ausdehnung des Judentums in allen Berufschichten und stellte einige Forderungen zur Beschränkung des jüdischen Einflusses, insbesonders zum Boykott jüdisoher Geschäftsleute, auf. Dann sprach als zweiter Redner ein gewisser W e c e k (Urteutone, wie der Name schon sagt. Anm. d. R.), ein Funktionär der Abteilung Graz des Antisemitenbundes, ein unverkennbar nationalistisch aussehender, zirka 20jähriger Junge, der gute Schulungskurse hinter sich hatte, was aus seinen Reden nach „Sürmer"-Art ersichtlich war. Unter anderem berichtete er über die erfolgreiche Tätigkeit des A. B. in Graz, sprach über die schwere Verantwortung, die die heutige Jugend zu tragen hat, und leitete daraus das Recht der Mitbestimmung der Jugend an dem gemeinsamen Geschick des deutschen Volkes ab. Dann beschuldigte er die Juden, der von ihnen betriebenen Rassenschändung junger arischer Mädchen und führte einigeangeblich konkrete Beispiele aus Graz an. Ferner behauptete er, daß es in den jüdischen Weltherrschaftsplänen begründet erscheint, daß die Juden ihre Wirtschaftsvölker rassisch verseuchen etc. (Er hat sichtlich die gefälschten Phrasen der „Weisen von Zion" etc, auswendig gelernt. Anm. d. R.) Peter sprach wieder als letzter Redner; bei seinen lettzen Reden beim Weigl im 12. Bezirk beteuerte

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