Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 48 (3.12.1937)
- Date
- 1937-12-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
- Safed 1× ep/1046078
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DIE WAHRHEIT Nr. 48 — 3. Dezember 1937. Seite 3 Die Lage in Palästina. Scheich Farhan es Saadi, der vom Militärgericht in Haifa zum Tode verurteilt worden war, ist am Samstag, den 27. November, vorm., im Zentiralgefängras von Akko durch den Strang hingerichtet worden. Damit wurde das erste Todesurteil unter der neuen Militärgerichtsbarkeit in Palästina vollzogen. Das Gnadengesuch Scheich Saadis ist von dem Oberkommandierenden der britischen Truppen in Palästina, Gener almajorWayell,abgelehnt worden, nachdem sich herausgestellt hat, daß der Scheich sein Alter unrichtig zuerst mit 80, dann mit 75 Jahren angegeben hatte, in Wirklichkeit aber erst 60 Jahre alt war. Laut muselmaniischem Gesetz blieb die Leiche eine Stunde lang am Galgen hängen. Erst dann wurde sie der Familie Saadis übergeben, die säe zur Beisetzung in das Dorf Nures bei Jenin brachte. _^ Als Protest gegen die Hinrichtung veranstalteten Araber in Nablus, Jenin, Akko und Hebron Streiks, die aber keineswegs total waren, nur ein Teil der Geschäfte war geschlossen. In Nablus veranstalteten arabische Schüler eine Straßendemonstration, die von dar Polizei auseinandergetrieben wurde. In einer Bekanntmachung der Regierung wird die ScMießun'g der von der Regierung erhaltenen airabisohen Mittelschulen in Nablus, die ein Zentrum nationalsozialistischer Agitation geworden sind, angeordnet. In den genannten Städten Wiarden etwa 40 Demonstranten verhaftet. Wie aus Bagdad gemeldet wird, fand dort eine Riesenprotestdemonstration gegen die Hinrichtung Saadis statt, eine Abordnung der Demonstranten wurde vom Premierminkrter des Irak, Jamil Matfia, empfangen. Auch vor dem britischen Konisiulat in Damaskus fanden große Protestdemonstrationen gegen die Vollstreckung des Todesurteils an Scheich Farhan es Saadi statt. An der Kundgebung beteiligten sich 50.000 Memsahen. Zum Schutze des Konsulats mußte Polizei eingesetzt werden. Minister Juatli 'hat eine Abordnung der Demonstranten empfangen. Eine fünfzehnköpfige arabische Terroristenbande überfiel am Sonntag abends ein Automobil, in welchem sich jüdische Arbeiter aus Klar ttachoresch bei Nazareth befanden. Ein jüdischer Arbeiter wiurde SchweT verletzt; er wurde mit einem Pofceäautornobil ins Krankenhaus überführt. Das Polizeiauto wurde während der Fahrt ebenüalls von einer bewaffneten Terroristengruippe überfallen, wobei ein englischer Polizist getötet wurde. In Jerusalem wurde am vergangenen Samstag in der Nähe der amerikanischen Kolonie eine Bombe geworfen, die einem mit britischen Soldaten besetzten Lastkraftwagen galt. Obwohl die Soldaten sofort die Verfolgung des Attentäters aufnahmen, konnte dieser unerkannt entkommen. Eine zweite Bombe explodierte in der King George Avenue, einer der größten Geschäftsstraßen Jerusalems, die insbesondere Samstag außerordentlich belebt ist. Verletzt wurden das 16jähirige jüdische Mädchen Hilde Löwenstein, der zwölfjährige jüdische Junge Gahib Levy und dar zwölfjährige jüdische Junge Naaman Zion. Dem Attentäter gelang es, zu entkommen. Die verletzten Kinder wurden in das Hadassa-Hospital gebracht. Eine ungefähr zu gleicher Zeit gegen einen Autobus, welcher britische Polizisten zu ihrem Lacate Clin Neue Leitung, neu r enovierl IX., Porzellangasse 1 Auch jetzt noch hat der Antisemitismus trotz mannigfacher Versuche in Hildesheim keinen Boden zu gewinnen vermocht (Diesen Teil des Tagesbucihes schrieb Dr. Oüdemann zwischen 1899 und 1900.) Gündemann trat in seinem achten Lebensjahre in die unterste Klasse des bischöflichen Gymnasiums Josephinum in Hildesheim ein. lieber seine Gymnasialzeit schreibt er unter anderem: „Mit meinen Mitschülern stand ich in bestem Verhältnisse. Der Umstand, daß ich Jude, noch dazu der einzige auf dem Gymnasium war, hat mir nie Kränkungen oder sonstige Unannehmlichkeiten weder seitens der Lehrer, noch seitens meiner Mitschüler zugezogen. Ja, es wurde auf meine Religion und religiöse Haltung Rücksicht genommen. Ich schrieb natürlich am Sabbat und an den indischen Feiertagen nicht. Setzte nun ein Lehrer aus Versehen ein Extemporale, d. h. eine schriftliche Prüfungsarbeit auf einen dieser Tage an, dann pflegten meine katholischen Mitschüler den Lehrer zu erinnern, daß ich an dem Tage nicht schreiben könne, worauf alsdann ein anderer Tag festgesetzt wurde. Anderseits nahm ich an manchen Uebungen meiner Mitschüler teil, denen sie als Katholiken oblagen. Im Gesangsunterricht sang ich die Litanei und andere Kirchengesänge mit, daran nahm weder ich, noch nahmen die Lehrer und Schüler Anstoß. In einer Motette von Mozart sang ioh sogar ein Sota, natürlich nur im Gesangsunterricht, nicht in der Kirche. Ich habe auch einmal eine lange Reihe von Predigten angehört, welche von dem berühmten Jesuiten Pater Klinkowström und anderen im Dome gehalten wurden. Ich erinnere mich nicht, daß Aufreizungen gegen die Juden darin vorgekommen wären. Die Juden in-Hildesheim Welten auf ihre Religion und pflegten mit ihren christlichen Mitbürgern einen angenehmen, oft freundschaftlichen und inngen Verkehr. Ich halbe in meinen Kinderjahren : eine Zurücksetzung oder Verspottung wegen meiner Religion nie erfahren. (Fortsetzung folgt) Hausu. Küchengeräte Glas- und Porzellanwaren. Edelkeramik, Bleikristalle, Komplette Ausstattungen in bester Qualität Samuel Zuckermann Wien II, Im Werd 1, Telephon A-41-6-45 ger auf dem Skopus-Berg bringen sollte, geschleuderte Bombe verfehlte ihr Ziel, traf ein jüdisches Haus in dem Scheich Jarach-Vrertel und verletzt eine im Bert liegende Frau leicht Auf der Straße zwischen Akko und Safed ist am 1. Dezember ein jüdischer Autobus von einer Araberbande aus dem Hinterhalt beschossen worden. Der 15jährige Sohn des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Safed, Ascher Poghorzer, wurde schwer verletzt; der jüdische Hilfspolizist Arieh Tschesleir erlitt Verletzungen an beiden Beinen, der jüdische Chauffeur Simon Bolkenhol wurde leicht verletzt. Am Montag, den 29. November, verschwanden auf goheirnn'isvo'fe Weise ein britischer Polizeisergeant und zwei Polizisten. Einer kehrte am Mittwooh zurück und berichtete, daß die Patrouille bei Nazareth von Terroristen überfallen wurde, welche seine beiden Kameraden getötet haben. Wie die Blätter berichten, beabsichtigt die Regierung, Teile der Altstadt von Jerusalem mit den schmalen, gewundenen Gäßchen und Winkeln niederzureißen und beim Neubau die Straßen wesentlich zu verbreitern. Diese Maßnahme sei vorgesehen, weil die Winkel und Gäßchen in der letzten Zeit von Terroristen mit Erfolg a!ls Schlupfwinkel benützt wurden. * Auf eine Anfrage des Abg. J. Sandys teilte Kolomenminister Ormsby-Gore im englischen Unterhaun mit, daß in der Zeit vom 1. Jänner 1936 bis zum 31. Oktober 1937 in Palästina 410 Morde verübt wurden. Insgesamt wurden 113 Personen verurteilt, von ihnen sieben zum Tode. Eines der Todesurteile wurde vom Appellationsgerioht in Zwangsarbeit, fünf wurden vom High Commissioner in langjährige Gefängnisstrafen umgewandelt. 43 Personen, die wegen Mordes verhaftet wurden, harren noch der Aburteilung. Abg. Tom Williams: Kann der Minister sagen, wieviele Morde von Arabern und wieviele von Juden verübt wurden? Minister Ormsby-Gore: Dies ist sehr schwer zu sagen. Sicher ist, daß von Arabern mehr Morde verübt wurden als von Juden. J. T. A. Der Name Mensch ist in Gefahr.66 99 Unter diesem Tite! schreibt Konrad Falke in der „Neuen Zürcher Zeitung" u. a.: Es ist gar nicht erst erforderlich, das gefährliche Gebiet der „Greuelpropaganda" zu betreten und sich mit der deutschen Regierung darüber herumzustreiten, ob in den vergangenen Monaten den Juden wirklich nur vom Haarkräusler „ein Haar gekrümmt wurde". Der ganze Zustand, in welchem sich Deutschland befindet, erfährt seine scharfe gedankliche Formulierung, wenn in einer ostpreußischen Schule vom Lehrer das Aufsatzthema gegeben wird: „Was ist der Unterschied zwischen Menschen und Juden?" Nach all dem Vorgefallenen wäre es nichts als begreiflich, wenn in einer jüdischen Schule das Gegenthema zur Diskussion gestellt würde: Was ist der Unterschied zwischen Deutschen und Menschen? Aber wer sich schon einmal die Mähe genommen hat, in ein jüdisches Vereinsblättchen hineinzuschauen, der war wohl nicht wenig erstaunt zu sehen, mit welch unerschütterlicher Vornehmheit darin über die erlittene Unbill berichtet wird: Nur ein im Leiden wohlgeübtes Volk ist einer solchen seelischen Disziplin fähig, während auf der Gegenseite hemmungslos der Haß aufkreischt! Und doch mag in diesen Monaten unter den Verfolgten manch eine heimliche Träne geweint worden sein: über das eigene Los; über das Schicksal von Verwandten und Bekannten, für die es weder Recht noch Schutz mehr gibt; und — die bittersten, fassungslosesten — über die hilf- und wehrlos verletzte Menschenwürde, an welcher man (sollte es wirklich ein Irrtum gewesen sein?) auch teilzuhaben geglaubt hatte. Gibt es für die Nationalsozialisten (wie ihr Geiselsystem beweist) wirklich nur eine stellvertretende Genugtuung im Bösen, nicht aber im Guten? Wenn Menschenfreunde diejenigen sind, die ihren Reichtum selbstlos in den Dienst des leidenden Nächsten stellen, so stehen mit an erster Stelle jüdische Namen; und wahrscheinlich würJü es schon in Berlin allein des Errötens kein Ende nehmen, wenn man sich all der Stiftungen und Schenkungen bewußt werden wollte, mit denen jüdische Gebefreunde edelster Art zu einer Zeit auf den Plan traten, da der Begriff „Mensch" allgemeinverbindende Kraft hatte und sich noch nicht von völkischem Hochmut verdrängt sah. Aber dies alles scheint nicht mehr gelten zu dürfen unter einem Regime, dessen Wortführer vergessen haben, daß Dankbarkeit gegenüber erfahrenen Wohltaten zu den ersten Geboten für Selbstachtung zählt (und sich eigentlich aus der vielgepriesenen germanischen Treue von selbst ergeben sollte!) Rückblick auf eine Palästinafahrt. Dr. Eva Reichmann-J ungmann beschließt eine Aufsatzreihe >in der Berliner „C.-V.-Zeitung" über ihre kürzlich stattgehabte Palästina-Reise mit folgendem Rückblick: Das Land ist, wie bekannt, durch den afoessinischen Feidaug und später durch die arabische Aufstandsbewegung in einem steilen Konjunkturanstieg jäh gehemmt worden. Den Zustand, der seit zwei Jahren herrscht, nennt man gemeinhin Krise, wenn ihm auch manche nur die Bezeichnung Depression zubilligen mochten. Aber aof das Wort kommt es Tiicht an. Tatsache ist, daß die Wirtschaft schwer getroffen ist, daß der Baumarkt daniederliegt, die Industrie mit großen Schwierigkeiten ringt, der Citrus-Export unter Absatzstockungen leidet, Handwerk und Einzelhandel infolge der grotesken Uebersetzuns einzelner Branchen die Aumahmeunfähfgkeit des inneren Marktes doppelt verhängnisvoll empfinden, daß der Mut zu Neuinvestierungen fehlt, obgleich freies Kapital vorhanden wäre, daß Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit steigen, sobald nicht wie im Augenblick durch die Orangenernte eine saisonmäßig bedingte Nachtrage nach Arbeitskräften eine gewisse Erleichterung schafft. Kurz, die Menschen quälen sich und ihre materielle Existenz ist aufs schwerste gefährdet. Auf dem Lande sind die Mittelstandssiedlungen von den Rückschlägen keineswegs verschont geblieben, und nur einige Kibbuzim bieten das erfreuliche Bild eines wenn auch nicht schwung-