Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 47 (26.11.1937)
- Date
- 1937-11-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 47 — 26. November 1937 DIE WAHRHEIT I ACHTUNG! Die Wouorschoiiiung »Der Judenhaß" von Graf Riebard N. CoHdeahovc-Calergi. die geistige Abrechnung mit dem Nationalsozialismus, das Buch, das IntceinerjUdischenBibliothek fehlen darf, Ist für Mitglieder der „Union" in deren Sekretariat zu m Preise von broschiert S 3.SO, gebunden S 5.50 erhältlich. anbe'rt endlich eine brauchbare Abwehrfront gegen den Antisemitismus sdhaffen. Das etwa sind die weltanschaulichen Grundlagen der Gruppe. An rein materiellen Errungenschaften besitzen wir vorläufig ein Hehn (IX., Berggasse 4), das hauptsächlich als Studiersaal dient; außerdem wurde der Grundstock zu einer Ruhe in Palistina« Nach den blutigen Ereignissen der Vorwoche ist in Jerusalem sichtlich eine Entspannung eingetreten, sodaß die Regierung den am 11. November über die Stadt verhängten Ausnahmezustand am Freitag, den 19. November, aufheben konnte. Das Oberrabbinathat einen vom sephardischen Oberrabbiner Dr. Isaac Herzog und vom aschkenasischen Oberrabbiner Jacob M e i r unterzeichneten Aufruf veröffentlicht, in welchem der Jischuw aufgefordert wird, keine Racheakte zu verüben, um die ethischen Prinzipien der Thora und der jüdischen Moral zu wahren. Die Rabbiner des ganzen Landes werden aufgerufen, ihren Einfluß im Jischuw in dieser Richtung geltend zu machen. Seit Einführung der Militärgerichtshöfe haben sich auch im übrigen Palästina nur vereinzelt kleinere Zwischenfälle ereignet. Im großen und ganzen hält die Ruhe im Lande an. Die Stadtve r w altung von Tel Aviv hat eine Resolution gefaßt, in der gegen das neue Einwanderungsgesetz scharf protestiert und dieses als „offener Bruch des Palästinamandates" und als ,eine Gefahr für die wirtschaftliche Position des Jischuw" bezeichnet wird. Die letzte Mordtat geschah am 19. November in der Nähe von Tel Amal, wo der 24jährige jüdische Arbeiter Jehuda S c h p a n o w, als er auf dem Felde arbeitete, von arabischen Terroristen durch mehrere Schüsse getötet worden ist. Der Ermor- OnUD Asierreidilsdier Jaden Bezirksorganisathm Leopoldstadt EINLADUNG zu der am Donnerstag, den 2. Dezember. 8 Uhr abends, im Saal des Cafe Frelwirth. IL. Praterstrafie. 11. stattfindenden Ordentliches Generolversommluns der BezirkSorxaaisation Leopoldstadt Tagesordnung: 1. Tätigkeitsbericht über das abgelaufene Verefnsialrr. 2. Kassabericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Wahl des Vorstandes. 5. Anträge und Interpellationen. 6. Eventuelles. Anschließend spricht der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde und der „Union" Herr Dr. Josef Ticho über „Aktuelle Fragen des Judentums" An alle Mitglieder Wird die dringliche Bitte gerichtet, zu dieser Generalversammlung mit ihren Damen bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Eingeführte Gäste willkommen! Für die Bezirksorganisation II der Union österreichischer Juden: Markus Pick Dir. Gustav Kol min Schriftführer. Obmann. Skripten-Bibliothek gelegt. — Was die Fürsorgearbeit anlangt, so werden wir trachten, unseren Mitgliedern und Anhängern Stipendien und Inskriptionisizusohüsse zu verschaffen. Es ergeht nun an die unionistischen Altakademiker die dringende Bitte, als F ö r d e r e r o d e r Stifter der „Akademiker-Union" beizutreten. Wir sind überzeugt, daß sie die Ansicht des Zentralvorstandes der „Union" teilen, daß die Sammlung der iinionistiscnen jüdüsch-österrelchischen Studenten eine eminente Lebens- und Zukunftsfrage der „Union österreichischer Juden" darstellt. Darüber hinaus ersuchen wir alle Mitglieder der „Union", uns Studierende ihres Verwandten- und Bekanntenkreises, die weltanschaulich auf unserem Boden stehen, bekanntzugeben. Für alle Spenden und Ratschläge von unionistischen Altakademikern ist herzlich dankbar der Oesterreich-Jüdische Akademiker-Union. dete, dessen Eltern in Tel Aviv leben, hinterläßt eine schwangere Witwe. Unmittelbar nach dem Ueberfall traf Polizei auf dem Tatort ein. Als diese Verstärkung zuzog, flüchteten die Angreifer. Der am Montag verhaftete Araberscheich Karhar Essadi, dem in Haifa der Prozeß gemacht wurde, wurde nach halbstündiger Verhandlung von einem englischen Militärgericht zum Tode verurteilt. Er war einer der führenden Köpfe der arabischen nationalistischen Bewegung. Es wird ihm die Verantwortung für zahlreiche Terrorakte zugeschrieben. 24 Revisionisten, unter ihnen der Führer des palästinensischen Betar Ing. Eri J a b o t i n s k y, die im Laufe des vergangenen Sonntag und Montag verhaftet wurden, sind auf administrativem Wege zu sechs Monaten Internierung in einem Konzentrationslager verurteilt worden. Die Arbeitslosigkeit in Palästina-Fragen. In der Unterhauissitzung am 17. November fragte der Abg. Ga^lj acher den Kolonienminister, wieviel arabische und wieviel jüdische Arbeiter laut der neuesten Statistik beschäftigt sind und wieviele Einwanderer seit 1. Jänner 1937 nach Palästina gekommen sind. Minister Ormsby-Gore antwortete: Ich habe Kenntnis davon, daß als Folge des arabischen Streiks und der Unruhen im vergangenen Jahre bei den jüdischen Arbeitgebern allgemein die Tendenz vorherrschend wurde, arabische Arbeiter durch jüdische zu ersetzen. Die Palästina-Ragierung verfolgt die Lage auf dem Arbeitsmarkt genau. Sofern die Situation es erfordern wird, werden Fonds zur Arbeitslosenunterstützung bewilligt werden. Laut der letzten Statistik gab es Ende September zirka 11.500 arabische und 4500 jüdische Arbeitslose. In den ersten zehn Monaten 1937 sind insgesamt 10.270 Einwanderer aller Altersstufen und Nationalitäten in Palästina eingew ande r t. I. T. A. War das notwendig? In der „Neuen Welt" vom 23. d. M. wird aus einem Protokoll einer am 10. d. M. in Graz abgehaltenen Versammlung des „Antisemitenbundes" folgendes zitiert: „Der Hauptredner des Abends namens Endemann (Wien) sagte: Der Bund jüdischer Frontsoldaten erklärte, er wolle mit dem Antisemitenbund zusammenkommen, um sich über die Judenfrage auszusprechen. (Große Heiterkeit). Wir aber werden nicht verhandeln, sondern zupacken und hinausschmeißen." Wie wir hören, liegt dieser unglaublich klingenden Behauptung des Herrn Endemann, der im weiteren Verlaufe seiner Rede in der infamsten Weise die jüdischen Frontkämpfer beschimpfte und ihnen Diebstahl im Weltkriege vorwarf, eine Korrespondenz mit dem Antisemitenbund, eingeleitet vom Bundesführer des Bundes jüdischer Frontsoldaten, Hauptmann v. Friedmann, zu Grunde, die man nur als mehr als u nnötig bezeichnen kann. GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenmrKoscherfleisch unter Aufsieht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Drei Kammerratssitze für die Juden. In der öffentlich betriebenen Boykottpropaganda wird immer über die furchtbar große Zahl der Juden in einzelnen Zweigen der Wirtschaft geschrien. Es ist aber merkwürdig, daß bei der Vorbereitung des ständischen Aufbaues das jüdische Element überhaupt übersehen wird. Man tut so, als wären die Juden gar nicht vorhanden. Bei der Neuorganisierung der Handelskammern zum Beispiel sind den Juden, die im Handel gewiß eine wichtige Rolle spielen, von zwanzig Räten drei Sitze eingeräumt worden, und dies in Wien. In den Ländern sind sie ganz beiseitegeschoben worden. Franzosische Regierung wird keine Angriffe auf Juden zulassen. Der französische Innenminister Max Dormay erklärte einer Abordnung der in der Volksfront vereinigten Parteien, die vor dem Ueberhandnehmen der antisemitischen Propaganda in Frankreich warnte und von der französischen Regierung eine Kontrolle der Finanzquellen der für diese Propaganda Verantwortlichen forderte, die französische Regierung werde mit aller Energie jeden Versuch, die Juden anzugreifen, unterdrücken, und die Einführung rassischer Theorien irt Frankrelch verhindern. Zum Schluß gab der Innenminister der Abordnung die Versicherung, er werde der Forderung der Volksfront Rechnung tragen und dafür sorgen, daß die Juden in Frankreich entsprechenden Schutz genießen. J. T. A. Mitteilungen der Union. „Das Haus Habsburg und das österreichische Judentum". Der unter diesem Titel am 24. d. M. im Festsaal des Union-Klubheims am Schottenring gehaltene Vortrag des Ehrenpräsidenten der „Union", Herrn Dr. Jakob Ornstein, hatte ein überaus, zahlreiches, distinguiertes Publikum angezogen. Der Vorsitzende des Abends, Vizepräsident Doktor Josef Ticho, konnte unter den Anwesenden,, die den Saal bis zum letzten Plätzchen füllten, folgende prominente Gäste begrüßen: die Rabbiner Dr. M. Rosenmann und Dr. A. K aminka» Herrn Dr. Kraus in Vertretung des Herrn Generals Dr. Zobernigg von der Bezirksgruppe I der „Vaterländischen Front", die Damen Kammersängerin Ella F1 e s c h, Präsidentin Sofia Grünfeld und Irene Harand, eine überaus starke Abordnung des „Reichsverbandes jüdischer Legitimisten" unter Führung des Herrn Generalmajors Emil Sommer, die Herren Dr. Wechs- 1 e r und Konsul Z i 1 z vom „Bund jüdischer Frontsoldaten", Ortsgruppe Graz. Dr. J. Ornstein entwarf in eineinhalbstündiger, bis zum letzten Momente fesselnder Rede ein markantes Bild der schönen Beziehungen zwischen den Habsburgern und den ihrem Stammhause treu ergebenen österreichischen Juden. Er schilderte von diesem Gesichtspunkte mit tiefgründigem historischen Wissen ein Jahrhundert österreichischer Geschichte und unterstrich die Liebe der österreichischen Juden zu Kaiser und Vaterland. Seine Rede, die viele aktuelle Hinweise auf unsere Zeit der Diffamierung der Juden und der Undankbarkeit gegenüber diesen treuen Staatsbürgern enthielt, wurde von dem gespannt dem interessanten Vortrage lauschenden Auditorium wiederholt durch lauten Beifall unterbrochen-