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Die Wahrheit · 1937-11-26 · Heft 47 (26.11.1937) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 47 (26.11.1937)
Date
1937-11-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 47 — 26. November 1937 Seite 5 E I NLÄDUNG zu der am Mittwoch, den 1. Dezeinher. um präzise 8 Uhr abends, im Saale. 1V„ Hauslabgasse 2 (Eingang durch den .Garten), stattr nöeiK'cn VERSAMMLUNG der Bezirksorganisation IV, V, X der „Union". Es spricht Präsident der „Union", Reg.-Rat Dr; Hermann Oppenheim, über das Thema: Jüdischnationale Steuerpolitik Für die Ortsgruppenleitung IV, V und X- Obmann Desider Wollner. wer wollte das bezweifeln? So setzte schon in den ersten Tagen nach ihrer Eröffnung ein starker Besuch ein, so daß die Ausstellung wiederholt wegen des gewaltigen Andranges geschloslsen werden mußte. Ob diese Veranstaltung ihr Ziel erreicht? Wird sich nicht in manchem Besucher eine Emp- Wintersport in den Weihnacfatsterien für 6 - 18 Jährige Kinderferienu. Wintersportheim Spital a. Semmering (820 m) Inh: Direktor A- Taglicht Modernst — Rituell — Erstrangig Direktion: II-, Rembrandtstr. 12.Tel. A 43-8 „flTID" -8-49 findung der Scham regen? Um diese widerstreitenden Gefühle zu bekämpfen, sind die A tt s s t e 1lungsführer besonders gedrillt worden. Erst ihre Erklärungen geben den ausgestellten Objekten die nötige Würze. Worte wie „Jüdisches Verbrechertum" und „Jüdisches Ungeziefer" werden häufig von ihnen gebraucht. Diese Führer sind ganz junge Leute, die mit einem giftigen, jedoch anscheinend aufrichtigen Glauben dieses traurige Geschäft besorgen und wahrscheinlich völlig ruhig die schrecklichsten Verleumdungen aussprechen. Das Publikum äußert sich gar nicht und bleibt unbewegt. Der polnische Hochschulantisemitismus. Anläßlich der Wiederaufnahme der Vorlesungen an der Lemberger Universität am Samstag, den 20. November, ist es zu schweren Zusammenstößen gekommen. Nationaldemckratische Studenten versuchten, die jüdischen Hörer gewaltsam aus den Hörsälen hinauszuireiben. Zahlreiche jüdische Studenten wurden verletzt. Die Vorlesungen wurden unterbrochen. Nach einer Versammlung in der Aula formierten sich die antisemitischen Studenten zu einem Zug durch die Straßen Lembergs, der jedoch von der PoMzei auseinandergetrieben wurde. Die Demonstranten eröffneten ein Steinbombardement gegen die Polizisten; ein Polizist wurde schwer verletzt. Im Verlaufe der Demonstrationen wurden die Fenster zahlreicher jüdischer Geschäfte zertrümmert. Die Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor. Bei dem auf der Lemberger Universität durchgeführten Plebiszit über die Einführung von Ghettobänken hat die Mehrzahl der Studenten mit Nein gestimmt. Nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses veröffentlichte der Rektor, Prof. Kulczynski, eine Erklärung, in der er sagt, er halte es — obwohl er keine separaten Plätze für die jüdischen Hörer einführen wolle — für unmöglich, im gegenwärtigen Zeitpunkt den Studenten bei der Wahl der Sitzplätze völlig freie Hand zu lassen. Er richte daher an die nationaldemokratischen Stüde Ilten den Appell, auf der rechten Seite dei Hörsäle Platz zu nehmen, während die jüd: sehen Hörer ihre Plätze auf der linken Seite einnehmen sollen: die anderen Studenten können wählen, wo sie zu sitzen wünschen. Diese .Lösung sei der einzige Weg. um an der Universität Ordnung zu wahren. Falls au2h dies scheitern sollte, werde er die Universität schließen. Auf den Warschauer Hochschulen ist ein gemeinsamer Block jüdischer und polnisch-demokratischer Organisationen zum Kampf gegen den Antisemitfcmugebildet worden. Es wurde ein „Monat des Kampfes gegen Ghetto" proklamiert. fm Zusammenhang damit wurden von sämtlichen demokratischen Organisationen unterzeichnete Aufrufe verbreitet, in denen die Einführung des Hochschulghettos eine „Schande für die polnis'chei Kultur und eine Vergewanlti- Kung der elementarsten Menschenrechte"' genannt und ein „unbeugsamer Kampf iür Gleichheit. Freiheit und Demokratisierung an den polnischen Hochschulen" angekündigt wird. Die demokratischen Studenten der Fakultät der Freien Künste an der Warschauer Universität haben demonstrativ auf den den jüdischen Hörern zugewiesenen Bänken Platz genommen. Auf Grund einer Verfügung des Rektors der Wawelberg-Hochschule in Warschau wurden die jüdischen Hörer am Freitag, den 19. November, nicht in das Gebäude der Hochschule hineingelassen, da sie erklärt hatten, auf den G h e 11 o b ä n k c r) p i c h t P1 a t c u e hm e n zu wollen. Die antisemitischen Zeitungen nernen die Verfügung des Rektors das; erste Beispiel eine* „inoffiziellen Numerus clausus" und schreiben, die jüdischen Studenten würden so lange nicht in die Hochschule hineingelassen werden, als sie sich nicht verpflichten, auf den Ghettobänken Platz zu nehmen. Wie dio JTA erfährt, hat der Kurator der Hochschule, Michae' Wa we 1 brg, beim Obersten Gericht im Namen der Erben der Jüdischen Gründer der Schule Hfppolit Waweiberg und Henryk Rotwand eine Klage eingebracht, in der er die Rückgabe des Gebäudes rlcr Hochschule durch die Regierung an die Erben verlangt, da durch die Einführung von Ghettobänken das 19V) zwischen den Gründern der Schule und der Regierung getroffene Abkommen verletzt, das in Punkt! besagt, daß sich das Unterrichtsministerium verpflichtet, keine religiösen und nationalen Unterschiede zwischen den Hörern der Hochschule zu machen. In einer Erklärung an die Presse betonte Michael Wawelberg, er werde unter keinen Umständen der Einführung von Ghettobänken in öiner von seinem Vater gegründeten Schule zustimmen. JTA. Österreichisch-jüdische Akademiker - Union. Es wird gegenwärtig so viel über die ständig zunehmende Not und Verelendung der Angehörigen des Akademikeristandes gesprochen und geschrieben, daß man annehmen kann, die Kenntnis davon sei heute wirklich allgemein verbreitet. Deswegen scheint es überflüssig, die Tatsache selbst an dieser Stelle besonders zu erwähnen. Wenn man bedenkt, daß die großen historischen und ökonomischen Prozesse der letzten 150 Jahre (die allen „heldischen" Auffassungen zum Trotz immer den Weg des geringsten Widerstandes gegangen sind) uns Juden in die verschiedenen freien Berufe förmlich hineingedrängt hallen, daß die Begabteren unter uns dabei zwangsläufig auf die verantwortungs- und arbeitsvolle Laufbahn des Akademikers geraten mußten, daß heute, als natürliche Folge davon, in einigen akademischen Berufen Juden in starker Zahl tätig sind, dann ist es klar, daß wir Juden unter der Not und Verelendung der Akademiker besonders zu leiden haben. Abgesehen von diesen allgemeinen Umständen wird der Daseinskampf des jüdischen Akademikers noch durch die verschiedenen, heute gangbaren antisemitischen Tendenzen empfindlich verschärft. Daher darf es uns nicht wundernehmen, wenn heute fast alle Altakademiker den jüdischen Mittelschulabsolventen von einem Weiterstudium nachdrücklich abraten. Denn den meisten der heute Studierenden kann mit Rücksicht auf die allgemeinen Verhältnisse wenig Günstiges für ihre Zukunft vorausgesagt werden. Mehr aBs die Hälfte der Universitätshörer muß infolge Mittellosigkeit verschiedene Studienbegünstigungen in Anspruch nehmen, deren Gewährung an immer schwierigers Bedingungen geknüpft wird und für immer kürzere Fristen erfolgt, wie wir es kürzlich bei der rechts- und staatewissenschaftfiahen Fakultät ge- |Tpirtfcl)aftHd?e ffiecatungsftelle in der „Union'' anter Leitung des Obmannes des Organisation - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. Jedes Mitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Vtirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung ootthommen unentgeltliche Auskunft. Derfidjerungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprufung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine mmmhmftm BrntBaatiammm Prämlmmsttxm. sehen haben. Kurzum die Akademikernot beginnt iür viele schon während der Studienzeit. Die Vertretung der Interessen der jüdischen Studenten hat derzeit der Gesamtverband jüdischer Hochschüler Oesterreichs „J u d ä a" inne, deren Exekutive sich kurz und vielversprechend „J ü d ischer Hochschulausschuß" nennt. Theoretisch unpolitisch, verlangt er in § 5 seiner Statuten von seinen Angehörigen das „Bekenn tnis zur jüdischen Nation". Damit allein ist zur Genüge erwiesen, daß der „Jüdische Hochschulausschuß" heute praktisch völhg in den Händen der verschiedenen jüdischnationalen Parteien ist, unter denen sich die Revisionisten durch gute Organisation und taktische Geschicklichkeit einen besonderen Einfluß auf die Leitung gesichert haben. Demgemäß ist natürlich die „Interessenvertretung" auf das nachhaltigste von jüdisohnationalen und revisionistischen Gedanken beeinflußt. Es darf niemand waindernehmen, daß ein großer Teil der jüdischen Studierenden heute Mitglied der „Judäa" ist. Sie verfügt über einen gut ausgebauten Fürsorgeapparat, der bei der heutigen Not der Hochschüler natürlich gern und viel in Anspruch genommen wird. Sie stellt Studdenbehelfe zur Verfügung, sie erteilt Inskription»- und Studienauskünfte. Auf einem wesentlich niedrigeren Niveau steht allerdings ihre weltanschauliche Arbeit. Hier begegnet man andauernd den aus jeder jüdischnationalen oder revisionistischen Versammlung sattsam bekannten SchJagworten und Phrasen. Die Radikalisierung der heutigen Jugend, dieses seltsame Gemisch von Resignation und Denkfaulheit, erleichtert diese weltanschauliche Propaganda natürlich ganz besonders. Man kann es heutzutage einem jungen Menschen nicht sehr übelnehmen (die wenigsten von uns sind jemals in eine strenge Schule des kritischen Denkens genommen worden), wenn er den Schlagworten und Phrasen, die heute dichter denn je auf ihn niederhatgeln, erliegt. Trotzdem gibt es auf den Wiener Hochschulen viele jüdische Studenten, die den Gedanken des politischen Zionismus und jüdischen Nationalismus aus Ueberzeugungsgründen ablehnen. Diese wollen wir in dem staatüch bereits genehmigten Verein „Oesterreich-jüdische Akademiker-Union" zusammenzufassen trachten. Als unsere vornehmste, weltanschauliche Aufgabe haben wir heute den fast aussichtslosen, langwierigen Kampf gegen Oberflächlichkeit und Halbbildung innerhalb unserer eigenen Kreise aufzufassen; jeder von uns muß über genügend geschichtliche, religiöse, volkswirtischaftliche und soziologische Bildung verfügen, um Schlagrworte mit Daten, Phrasen mit Ziffern zu widerlegen gleichgültig ob es sich um Antisemiten oder lüdischnationale handelt. Wir halten den politisch-zionistischen Gedanken als Lösung der „Judenfrage" für abwegig; wir sind der Auffassung, daß durch die Versuche, ihn zu verwirklichen, der Kampf gegen den Antisemitismus in eine falsche Richtung gelenkt wurde; wir glauben, daß wir es seinen Methoden verdanken, wenn dieser Kampf vielfach völlig aussichtslos geworden ist. Wir wollen in bestandiger Aufklärangs-

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