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Die Wahrheit · 1937-11-26 · Heft 47 (26.11.1937) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 47 (26.11.1937)
Date
1937-11-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 47 — 26. November 1937 Seite 7 Wien I.) Seitenstetiengasse 2 XI.t Zentralfriedhof neben dem 1. Tor '_Samstag g«achIo»sera!_ Am Schlüsse dankten die Zuhörer durch begeisterten Applaus dem Referenten für seine inhaltsreichen Ausführungen und akklamierten lebhaft dem Schluß worte des Vorsitzenden Dr. J.Tic ho, der den Gefühlen des Stolzes und der Bewunderung Ausdruck gab, die die „Union" angesichts der an diesem Abend 'neuerlich gebotenen hervorragenden geistigen Leistung ihres Ehrenpräsidenten beseelen. Versammlung der Bezirksorganisation Landstraße der „Union österreichischer Juden". Die Bezirksorganisation Landstraße eröffnete am Dienstag, den 16. November ihre Herbst- Werbearbeit mit einer ausgezeichnet besuchten Versammlung, die im Saale des Cafe Residenz, vorm. Ihon, III., Löwenglasse 39, stattfand. Der Obmann der Bezirksorganisation, Herr Ing. Hugo Koditschek, konnte eine große Anzahl von prominenten Anhängern der Union im 3. Bezirke, sowie einige neu eingeführte Gäste, mit eineT herzlichen Ansprache begrüßen. Als erster Versammlungsredner sprach Herr Kommerzialrat Alexius Sa 1 zer über das Thema: „Der Antisemitismus im Gefolge der Weltkrise" und erntete reichen Beifall für seine gehaltvollen Ausführungen. Herr Komm.-Ratt Salzer sprach eingehend von den Leistungen, isowie wirtschaftlichen Opfern, welche die Juden im Kriege, sowie nach dem Umsturz für unser gemeinsames Vaterland brachten, legte weiters ausführlich dar, daß unsere Glaubensbrüder, immer wenn der Ruf an sie erging, ihre Verpflichtungen dem Staate gegenüber in der loyalsten Weise erfüllten. Trotz alledem wird aber immer wieder seitens gewisser Kreise versucht, den wirtschaftlichen Antisemitismus zu verbreiten. Redner verwies auf die Tätigkeit des Antisemitenbundes, die sich in der letzten Zeit besonders schädigend in dieser Hinsicht in Wien bemerkbar machte, so daß die „Union" gezwungen war, die Intervention der Behörde anzurufen, als im 9. Bezirke das Schlagwort ausgegeben wurde „Christen, kauft nur bei Christen". Wir Juden streben keine Führerstellen im Staate an und wollen uns auch in keiner Weise irgendwie vordrängen, doch möge man uns nur in ruhiger Weise unserem Erwerb nachgehen lassen, da schließlich auch hiedurch dem ganzen Staate wirtschaftlich gedient ist. Als zweiter Redner sprach Herr Kultusvorsteher Dr. Feldsberg über „Die gegenwärtige Lage des Judentums in Oesterreich". Er besprach die tristen Verhältnisse in Palästina, welche jeden von uns auf das tiefste berühren, sprach von der Aussichtslosigkeit, unsere Jugend dortselbst in größerer Anzahl unterzubringen, und -verwies darauf, daß alles versucht werden müsse, unsere Existenz in den Ländern, wo wir seit Jahrhunderten uns befinden, auch •dauernd zu erhalten. Er berichtete von der Tätigkeit-der unionistischen Vertreter in der Kultusstube und: in den Institutionen der Kultusgemeinde und welch wichtige Arbeit dortselbst für unsere Gkubensbrüder zu leisten ist. Der Obmann, Ing. Koditschek, dankte den beiden Rednern für ihr eingehenden Ausführungen und schloß die Versammlung, die bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war, mit dem Ersuchen, speziell an die Neuerschienenen, im Bezirke recht eifrig für die Ziele der „Union" mitarbeiten zu wollen. Weiters teilte der Obmann mit, daß in der nächsten Zeit an den Ausbau der Frauen- sowie J ugendgruppe geschritten werden wird. Der Erfolg der Versammlung war die Neuanmeldung zahlreicher Herren, welche sich spontan auch zur Mitarbeit im Bezirksausschusse bereit erklärten. Die Bezirksorganisation Floridsdorf der „Union" hat gleich allen übrigen Bezirkscrganisaticnen in der letzten Zeit eine überaus lebhafte Propagandatätigkeit entfaltet, die bereits schöne Erfolge zu verzeichnen hat. Wesentlich zu diesen Erfolgen, die in zahlreichen Neubeitritten zur „Union" zum Ausdrucke kommen, trugen zwei Veranstaltungen der rührigen Bezirksorganisation bei, die in den letzten Wochen stattfanden: eine sehr gut besuchte Versammlung, bei der die Herren Dr. Ernst Feldsberg . und Sigmund Freund überaus interessante Referate hielten, und ein Gesellschaftsabend, der vergangenen Sonntag im großen Saale des Kaffee-Restaurant „Goldener Engel" arrangiert wurde. Dieser Abend, dessen gutes Gelingen vor allem den eifrigen Bemühun- Haben Sie schon den ersten jüdischen Tonfilm Jidl mit'n Fidl mit der berühmten Künstlerin MALY PICON gesehen? Wenn nicht, dann kommen Sie bestimmt zu der von der Bezirksorganisation IV, V. X der „Union" veranstalteten SONDER - VORSTELLUNG am Sonntag, den 5. Dezember 1937. 10 Uhr vormittags, ins Wiedner Grand-Kino. Wien V.. Atittersteijg 15. Karten im Vorverkaui bei: Desider W o 11 n e r. V., Schönbrunnerstr. 61. A 35-4-25, Samuel Rosenberg. V.. Pilgramgasse 17. B 29-8-95, Arnold Steinfeld. V.. Reinprechtsdorferstraße 56, B 25-5-61. Philipp Stern, IV.. Suttnerplatz 10, A 30-2-47. Leopold Grünspan. X., Laxenburgerstr. 44. B 10-5-69. Wegen starker Nachfrage empfiehlt es sich, die Karten im Vorverkauf zu besorgen. gen des Obmannes der Bezirksorganisation Doktor J. Qrfinwald und seiner Gattin zu danken ist, war ausgezeichnet besucht, insbesondere konnte der launige Conferencier Leitungsmitglied L. Kettner zahlreiche Herren des Kultus- und Zentralvorstandes der „Union" mit ihren Damen unter Führung des von den Anwesenden stürmisch begrüßten Präsidenten Re?.-Rat Dr. Hermann Oppenheim willkommen heißen, ebenso erscholl lauter Beifail bei der Begrüßung des Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann und seiner Gattin. Sehr stark war die Jugend vertreten, ein Beweis für das Aufblühen der in Floridsdorf kürzlich reorganisierten Bezirksgruppe der „Jugend-Union". Die Darbietungen fanden viel Applaus, der Abend verlief sehr animiert und hatte auch ein schönes finanzielles Ergebnis, das den Floridsdorfer jüdisch-humanitären Vereinen, insbesondere dem dortigen Frauenverein zugute kommen wird. Gemütliche Zusammenkunft der Sauerbrunner Kurgäste in den Prachträuimen der „Union" I., Schottenring 25 (Mez.), Sonntag, den 38. November, 4 Uhr nachmittags. Für gute und billige Jause sowie für Karten für Rummy und Bridge ist vorgesorgt. JUGEND-UNION. Bez.-Gruppe IV. V. X. Leitung; Dr. Julius Klügler. Wien I., Annagasse 3 a. Tel. R 22-3-87. Waren Sie schon an einem Montagabend bei uns? Sie finden dort im Kreise von Freunden bei Vorträgen Anregung, Zerstreuung und Unterhaltung. Nach den Vorträgen Tanz und Spiele. Unser Programm für die nächste Zeit: 29. November: Chanukafeier, Festrede: Prof. Dr. Manfred Papo. 6. Dezember: Ueber das Zeitungswesen: Red. Oskar HrrscIlfeld. Beginn der Vorträge pünktlich halb 9 Uhr aibends im Heime: IV., Hauslabgasse 2 (Eingang durch den Garten). IKomm/Rat D. Schwager I Ehrenpräsident der Jüdischen Kultusgemeinde Linz. Am 19. d. M. verschied in Wien Herr Kommerzialrat Benedikt Schwager ganz unerwartet im 75. Lebensjahre. Was Komm.-Rat Schwager der Kultusgemeinde Linz im engeren Sinne und der Judenschait Oberösterreichs, ja dem gesamten Judcntume im weiteren Sinne war, kann nur der ermessen, der ihn in seinem Wesen und Wirken kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Schwager war der geborene Führer. iVi't seltener Rednergabe und grolier Liebenswürdigkeit ausgestattet, verstand er es, die Herzen im Sturme zu erobern und vieler Schwierigkeiten, die sich infolge der verschiedenen politischen Konstellationen innerhalb der Linzer Kultusgemeinde im Laufe seiner Tätigkeit als Vorsteher, bzw. Präsident ergaben, Herr zu werden. Als kleines Kind kam Schwager im Jahre 1864 nach Linz und empfing daselbst — wie er erzählte — seine ersten und nachhaltigsten Eindrücke. Schon in Sctanflckung sei Gruiten und Gräbern LEopoldDeutsch,HißnXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhot IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen jungen Jahren in den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Linz berufen und als Vorsteherstellvertreter tätig, wurde der Verewigte im Jahre 1907 zum Vorsteher bzw. Präsidenten gewählt, welches Amt er bis zum Jahre 1935 bekleidete. Es gab wohl keine Institution, Veranstaltung, keine Wohltätigkeitsaktion, keine Beerdigung, an der Komm.-Rat Schwager nicht teilgenommen hätte. Krankenbesuche waren ihm selbstverständlicha religiöse Pflicht und er verstand es auch, den Kranken Trost und Zuversicht einzuflößen. Besonders am Herzen lag ihm auch die Wanderfürsorge, in der er Vorbildliches leistete. Er war auch langjähriges und treues Mitglied der „Union österreichischer Juden", des Bundes B'nai B'rith u. s. w. Auch für den Bund jüdischer Frontsoldaten hegte er großes Interesse. Besonders groß war die Inanspruchnahme, die ihm während des Krieges durch die Flüchtlinge und internierten auferlegt wurde. So wie er in jüdischen Kreisen beliebt war, genoß er auch bei' der nichtjüdischen Bevölkerung hohes Ansehen. Nach vollbrachter MiKtärdienstzeit bei der Kavallerie, errichtete Schwager 1887 im ehemaligen Postgebäude auf der Landstraße in Linz ein Zuckerwarengeschäft und war ihm unter Mitwirkung seiner ihm im Tode vorausgegangenen Gattin auch im geschäftlichen Leben voller Erfolg beschieden. Er gehörte dem Vorstande der Zuckerbäckergenossenscbaft an und wurde im Jänner 1927 anläßlich des 40jährigen Geschäftsjubiläums zum Ehrenvorstandsmitgliede ernannt. Viele Jahre war Komm.-Rat Schwager im Stadtschul- und Armenrate der Stadtgememde Linz tätig. Anläßlich seines 70. Geburtstages und des 30jährigen Jubiläums als Kultusvorstand fand am 12. März 1933 im jüdischen Tempil in Linz ein feierlicher Festgottesdienst statt und wurden ihm viele Ehrungen erwiesen. Mit Entschließimg des Bundespräsidenten vom 8. Februar 1934 wurde dem nun fn Gott Ruhenden der Titel eines Kommerzialrates mit Nachsicht der Taxe verliehen. Schon früher war er mit dem silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Oesterreich ausgezeichnet worden. Kom.-Rat Schwager war als streng konservativer Jude der Typus eines echten und aufrichtigen Oesterreichers. Im Jahre 1936 zog er sich gänzlich von seiner geschäftlichen Tätigkeit zurück und übersiedelte na:h Wien. Einem inneren Drang folgend, war er auch in Wien karatativ tätig. Er wirkte als administrativer Leiter im Verein „Einheit", IL, Malzgasse 12 und wurde am 14. März 1937 in der Generalversammlung des Leopoldstädter Tempelvereines „Aeschel Awroho ni" einstimmig in den Vorstand und zum Obmann des Personalausschusses und der Finanzsektion gewählt. Uni ihr-en Vater trauern 4 Kinder u. zw.: Herr Dr. Karl Schwager, Päsident der jüdischen Kultusgemeinde Linz, Herr Wilhelm Schwager, Linz, Frau Elsa Tauber, Wien und Frau Paula Schiller. Tel Aviv. Am Sonntag, den 21. November 1937 fand in Linz das Begräbnis des Herrn Kommerzialrat Benedikt Schwager statt. Die Leiche wurde um 2.30 Nachmittau in den Tempel gebracht, der bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. Eine unübersehbare Menge von Mensche» hatte außerhalb des Tempels bleiben müssen, wei! der Tempel die erschienenen Personen nicht ifassen konnte. Im Tempel hielt Herr Rabbiner Dr. K u r r e i n dem Verstorbenen einen ergreifenden Nachruf, er schilderte die Leistungen des Verstorbenen im Dienste seiner Gemeinde und rühmte ganz besonders seine Friedenspolitik, die es ihm ermöglichte, durch drei Jaiirzciintc als Präsident der Gemeinde den Frieden in der Gemeinde aufrecht zu erhalten. Den Sohn des Versicrbenen, der nach seinem Vater zum Präsidenten gewählt wurde, hat Dr. Kurrein, im Geiste des Vaters der Gemeinde vorzustehen, denn dann wird auch der Segen des Yat'jrs seine Wege begleiten. Nachdem ein Mitglied des Knltusvorstandes die Verdienste des Verblichenen um die Kultusgemeinde gewürdigt hatte, wurde die Leiche in einem Fourgon auf den Friedhof geführt. Die Friedhofhalle kennte die große Menschenmenge nicht fassen., die auf dem Fricdhcfc erschienen war. Es wurde daher die Bahre mit der Leiche vor der Halle im Freien abgestellt. Im Namen des Humanitätsvereines B'nai Brith sprach Hofrat Dr. Werner herzliche Werte des Abschieds. Er rühmte die Treue des Verstorbenen zu seiner

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