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Die Wahrheit · 1937-11-26 · Heft 47 (26.11.1937) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 47 (26.11.1937)
Date
1937-11-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 47 — 26. November 1937 DIE WAHRHEIT Unentgeltliche Becbtsaushanffsstelle für die Mitglieder der „Union österreichischer Juden" in allen juristischen und Steuerangelenheiten(Qewerbe-,Miet-,Alimentations- und sonstigen Rechtsfragen. Gebühren und Steuern) ausschließlich an jeden Dienstag vormittag 11-12 Ohr L. Sdiottenrliig 25. tci \ M-2-11 gen." — ..Jüdischer Geist dringt in die deutsche Kultnr ein." Mit diesen Aussprüchen will man die Emanzipation der Juden geißeln, als Beweis für diese „unheilvolle Entwicklung" legt man das preußische und bayrische Emanzipationsedikt vor. Rothschild wird vorgeführt als angeblicher Wegbereiter des Kapitalismus, Marx und Lassalle als Vorlauter des Bolschewismus. Der Jude ist natürlich auch der „Schöpfer des Parteienstaates*', was Bilder von konservativen, liberalen und sozialistischen Politikern beweisen sollen. Es wird hingewiesen auf die „Alliance Israelite Universelle", die angeblich eine Organisation des jüdischen Strebens nach der Weltmacht äst In einem anderen Raum sehen wir Bilder von Wien: als Beispiel für die „jüdische Zersetzung im Ausland". Darüber geschrieben steht „Das daitsche Wien". „Das Eldorado des Judentums.*' .,No vember-Deu tsch 1 and ward das Eldorado des Judentums. Jetzt hat es den Höhepunkt seiner Machtentfaltung erreicht Alles ist ihm Untertan. Der Film, das Theater, die Revue, die Presse, die Literatur, der Rundfunk, die Mode, die Justiz, die Heilkunde, die Universität." So charakterisiert der „Völkische Beobachter", Süddeutsche Ausgabe vom 7. November 1937, in seiner Ausstellungsbeschreibung die Abteilung, die ebenso verlogen wie alle andern das Leben und Wirken der deutschen Juden vor dem Hitler-Regime darstellen will. Es gibt da zunächst einen Raum, in dem Filme vorgeführt werden. Bei einer solchen Vorführung wird erst allgemein über die in der „Systemzeit" produzierten Filme gesprochen und dabei betont, -welch zersetzende Wirkung diese Filme hatten. Viele originelle Plakate von alten Filmen sollen die Entartung dieser Kunst beweisen, immer unter der Voraussetzung, daß diese Filme, die zum Teil heute noch mit Erfolg außerhalb Deutschlands gezeigt werden, von Juden stammen. So liest man Titel wie: „Freudlose Gasse", „Dreigroschenoper", „Im Westen nichts Neues" .usw. Die Darstellung des Theaters, der Revue, des Konzertsaals zeigt immer wieder dieselbe Tendenz: Schauspieler, Sänger, Dirigenten, Geiger und Pianisten von Weltruf sollen verächtlich gemacht werden, nur weil sie Juden sind. Der Führer zeigte auf die jüdischen Wunderkinder, wobei er sagte, diese Phänomene hätten gerade in der „Systemzeit" so geblüht, denn damit sei so viel Geld zu verdienen, kein Wunder, daß es sich um eine typisch jüdische Erscheinung handele. In derselben Galerie stehen verkleinerte Litfaßsäulen, völlig bedeckt mit roten Plakaten, auf denen antisemitische Versammlungen aus der Vergangenheit artgekündigt wurden. So lesen wir auf einem Plakat: -Judentum ist organisiertes Verbrechertum — so schrieb Streicher." Auf einem anderen Plakat nur das Wort: -Ritualmord". Die indische Verkaufsstraße. Von der Kunst gelangt man zur Wirtschaft. Dem auch heute noch ungläubigen Ausstellungsbesucher soll an drastischen Beispielen klar gemacht werden, daß der jüdische Kaufmann nur schlechte Ware führt, daß der jüdische Buchhändler nur Schmutz und Schund verkauft Wir sehen: Erster Laden: Radio und Schallplatte a. Im Schaufenster vergrößerte Schallplatten, die Titel tragend: „Was macht der Meyer auf dem Himalaya?' und „Wer hat den Käse zum Bahnhof gerollt?" und sonstige unsinnige Titel. Gleichfalls im Schaufenster: „Heute eine Schallplatte gratis". Im Laden selbst etwas pikante Texte aus Revuen und Schlagern, Bilder von Juden aus diesem Betrieb. Dazu ertönt Lautsprechermusik, die u. a. Verdi und Wagners Grals-Erzählung persifliert Danach kommt ein Stoffladen. Auf der Scheibe die Inschrift: „So billig war noch keiner, so billig ist nur einer". Im Schauraum selbst: „Glauben Sie wirklich, daß der Jude etwas verschenkt?" „Es sind alles Ausschußwaren. Der ehrliche Kaufmann wird sie als solche bezeichnen. Sittenwidrige jüdische Reklamen bieten sie als besondere Gelegenheit". Der Jude macht ein Geschäft — das Volk zahlt." Der folgende Laden zeigt eine Kunstg a 1 e r i e mit aus der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst" bekannten Bildern. „Juden machen deutsche Kunst." Man sieht Bilder jüdischer 'Kunsthändler. Der vierte Laden ist eine Buchhandlun-g. Man sieht ein Aushängschild: „Erotik! Pikant!" Im Schaufenster Bücher von Juden ohne jegliche Bemerkung. Im Innern befindet sich ein separater Raum, in dem erotische Bücher und isogenannte sexualwissenschaftliche Schriften (gezeigt werden, dazu noch manche pikante Blätter. Es ist kaum nötig zu sagen, daß gerade diese Abteilung sich des besonderen Interesses der Männer erfreuen darf, die diese Schau mit besonderem Behagen genießen. Man wendet hier also die Methode des „Stürmers", dem man auch einen Platz eingeräumt hat an, ändern man den Antisemitismus mit Pornographie verbindet. Wissenschaft und Presse. Es folgt dann ein Saal, der den Aerzten gewidmet ist. Man sieht Bilder von Magnus Hirschfeld, Sigmund Freud, Adler usw. Ein stark vergrößerter Zeitungsartikel über Sexualfragen soll wohl beweisen, als ob jüdische Aerzte nur zu diesem Problem sich geäußert haben. Statistiken über die Anzahl jüdischer Aerzte und Namen aus der jüdischen Aerztekammer verfolgen eine ähnliche Tendenz. Hat es noch Zweck, zu polemisieren, wenn die hingebungsvolle Arbeit der deutschjüdischen Juristen mit den Worten herabgesetzt wird: „Juden verhöhnen und vergewaltigen deutsches Recht." Die besten Eisea Wirstul SelfewareB 3mal täglich frisch bei HGO. Hin IL, rraiersinK Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche) zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten. Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. In der Mitte dieses Saals sieht man das Bild eines jüdischen Richters, der ein Auge zukneift und in der Hand eine Waage hält In diesem Raum der Rechtsfragen fällt das Auge sofort auf eine Darstellung des Prozesses Frankfurter: ein Bild des Grabes Gustlofs und eine Abbildung einer Zigarettenschachtel, auf der der „Mordbefehl" mit genauen Instruktionen abgebildet ist. Ueber dem Eingang die Worte: „Der Jude als politischer Mörder" mit einer Liste angeblich von Juden ermordeter politischer Personen. Eine Liste von 238 jüdischen Prozessoren der Berliner Universität soll natürlich die „Verjudung" der deutschen Hochschulen beweisen, aber sie sagt nicht, daß es niemals so viele jüdische Dozenten dort segeben hat, und sie verschweigt die Namen der deutschjüdischen N ob c In r ei s t r äse r. Im nächsten Raum die Presse: Die Decke bemalt mit den Worten: „Die jüdische Presse-Journaille einst in Deutschland — jetzt in der ganzen Welt." In der Mitte ein Bild Georg Bernhards. Links eine Karte der Vereinigten Staaten, auf der durch verschiedene Farben gezeigt wird, welchen Einfluß die Juden prozentmäßig in der amerikanischen Presse besitzen. Rechts: Bilder ausländischer Zeitungen mit Anwürfen gegen Hitler, die die Ueberschrüten tragen: „Hitler entweiht das Heilige", „Hitler schachtet dreitausend Juden". Dazu Statistiken über die Zusammensetzung der Budapester Redaktionen und der englischen Zeitungen (besonders im Hinblick auf die Anzahl jüdischer Mitarbeiter. Wirtschaftsiührer Arbeiterführer. Die Ladenstraße, die wir bereits besichtigt haben, verfolgt das Ziel, den Boykott jüdischer Geschäfte zu propagieren. Wie kleinlich wirkt die Polemik gegen die großen Männer, deren Werk dazu beitrug, Deutschlands Wirtschaft zu höchster Entfaltung zu bringen! Riesenhaft vergrößerte Bilder von Albert B a 11 i n, Walther Rathenau, Carl Fürstenberg, Max Warburg u. a. werden hoffentlich das Gedächtnis an ihre Leistungen für die deutsche Wirtschaft wieder wachrufen, trotz der Inschrift die dieser Saal zeigt: „Die deutsche Wirtschaft — ein willkommenes Objekt jüdischer Ausbeutung.'' Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern Das Buch „J.11 de u 11 d A rbe i t e r'\ von F. O. H. Schulz, herausgegeben vom Institut zum Studium der Judenfrage, Berlin 1934, hatte bereits mit demselben Gedanken operiert, der als Motto in dieser Ausstellung groß plakatiert ist: „Verführer und Verführte." Soll etwa auch diese Schau beweisen — der Tendenz der zahlreichen nationalsozialistischen Bücher folgend — daß die 67 Millionen „reiner Arier" in Deutschland stets von der halben Million Juden „verführt" worden sind? So sieht man in diesem Raum Bilder und Aeußerungen von Marx, Lassalle, Kautsky (der kein Jude ist!), Rosa Luxemburg usw., und zahlreichen Reichstagsabgeordneten. Auf der Seite gegenüber stehen die Worte: „Was sie versprochen und nicht gehalten haben." Dazu gehören Bilder von Arbeitslosen, Stempelstellen und von Streiks. Die Führung sagt in diesem Raum fast buchstäblich folgendes: „Sind Juden auch Menschen? Ja, so wie Hyänen und Wölfe Tiere sind. Darum antworten wir, wenn man uns -fragt, warum wir die Juden so hassen, daß wir n0ch immer nicht genug hassen, um ihren 2000 Jahre hindurch währenden Haß gegen uns zu beantworten." Die Freimaurerei. Zu einer Schau „Der Ewige Jude" gehört auch die Freimaurerei, schrieben die „Münchner Neuesten Nachriohten" vom 6. November 1937 .in Ihrem Ausstellungsvorbericht. „Ihr Wesen wird ebenfalls vielfältig offenkundig gemacht, am stärksten durch eine mit all ihren jüdischen Symbolen aufgebaute Freimaurerloge." Dem erotischen Kabinett folgt hier ein Raum für den Mann, der das Gruseln lernen wollte! Skelette sehen Dich an! Der Bolschewismus. Wir haben bei der Wanderung durch die zwanzig Ausstellungssäle schon des öfteren betont, daß den Veranstaltern in ihrem fanatischen Haß gegen das Judentum kein einziger neuer Gedanke eingefallen ist. So kann es nicht verwundern, daß der vorletzte Raum, der zu dem Saal der Erfüllung führt die Lüge vom „jüdischen Bolschewismus" wiederholt. An die Wand gemalt ist der Ausspruch: „Der Jude entfesselt den Bolschewismus." Darunter sieht man Bilder aus verschiedenen Ländern mit der Darstellung kommunistischer Unruhen und den Anschriften „Bolschewismus in Polen, Frankreich etc.". Zwei große Wandkarten vergleichen den durch beleuchtete Röhren sichtbar gemachten Wanflerungsstrom des Judentums und die Angriffsrichtungen der Komintern. Die Lösung. Nur Deutschland hat die Lösung gegenüber der J ud enf^age g-ef ajnd e'n. Das ist die Tendenz des letzten Saals dieser" wundersamen Veranstaltung. Schon vor dem Eingang zu diesem Raum stehen an beiden Seiten die Worte: „Deutschland hat aüs erstes Land die Judenfrage gesetzlich geregelt." Unter einem riesengroßen Bild des Führers ist der offizielle Titel der Nürnberger Gesetze angebracht. Das Führerbildiiis wird durch enorme Hakenkreuzflaggen eingerahmt. Auf der gegenüberliegenden Seite stellt ein Wandgemälde den Kampf zwischen zwei Männern dar, erläutert durch die Aussprüche: „Bs gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder ein Sieg des airischen Menschen oder seine Vernichtung und Sieg des Juden." „Wenn die Rasse standhält, bricht der Bastard zusammen." Daß eine Schau, die an die niedrigsten Instinkte der Massen appelliert, stark besucht wird;

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