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Die Wahrheit · 1937-11-26 · Heft 47 (26.11.1937) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 47 (26.11.1937)
Date
1937-11-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 47 — 26. November 1937 Seite 3 Erbauliches aus dem Antisemitenlager. Die „Pariser Tageszeitung" meldet aus Wien: Es ist allgemein bekannt, daß der Antisemitenbund, seit längerer Zeit eine n ationalsoziaiis tische Deckorganisation geworden ist und Geldunterstützungen aus dem Dritten Reich erhält. Schon im Jahre 1936 bekam er aus Berlin 30.000 Reichsmark und in diesem Jahre zweimal diese Summe. Ueber die Modalitäten der Weihnachtsaktion und der weiteren antisemitischen Propaganda werden, wie bekannt wird, Beauftragte des Antisemit enbundes anfangs Dezember in München mit der dortigen Leitung der österreichischen Hitler-Bewegung verhandeln. Hauptmann Leopold, der Führer der illegalen Nationalsozialisten, ist dem Antisemitenbund beigetreten. Auch die „Neue Zürcher Zeitung" bezeichnet den Antisemitenbund als nationalsozialistischen Ableger in Oesterreich. * Das „Linzer Tagblatt" berichtet über eine „leidlich gut besuchte" Versammlung des Antisemitenbundes, die in Linz am 12. d. M. stattgefunden hat. Das Blatt schreibt dazu: „Neues war nicht zu erfahren. Zur Sache selbst glauben wir sagen zu müssen, daß man uns in Unz mit den billigen Antisemitenmätzchen am besten in Ruhe läßt, denn die Bevölkerung von Linz rechnet doch die — — fast ausnahmslos alteingesessenen jüdischen Familien zu den ihren. Der „Antisemitenbund" sehe sich also besser zu Hause oder sonstwo um." Das ist eine Stellungnahme, die nicht nur Anständigkeit, sondern auch Mut beweist. Die Wiener Staatspolizei hat die Nummer der „Essener Nationalzeitung", in der unter der Ueberschrift „Ahasvers Zug durch die Jahrtausende" die Münchner Ausstellung „De r.ew ige Jude" als „Bilanz des Grauens" eingehend geschildert wird, konfisziert und sämtliche in Wien eingelangten Exemplare beschlagnahmt. Der „Durchbruch", Kampfblatt für deutschen Glauben, Rasse und Volkstum. Herausgegeben in Verbindung mit den Landesringen der Deutschen Glaubensbewegung. Stuttgart, den 28. Oktober (Gilbhart) 1937, bringt unter „Allerhand", was in diesem Falle zweifellos als Ueberschrift seine Berechtigung hat, eine zornige Notiz über das Erlebnis eines arischen Stammbaumsuchers mit einem Schweizer Pfarrer, wobei man immerhin nicht zuletzt darüber staunt, daß die Geschichte so ausführlich und wörtlich und verhältnismäßig kampflos in dem deutschen Kampfblatt den Lesern preisgegeben wird. Wir zitieren wörtlich von A—Z (auch die Sperrungen sind original): Bemerkungen auf einem Taufschein. Ein Volksgenosse benötigte aus der Schweiz zur Eheschließung den arischen Nachweis. Die zugestellte Urkunde trug folgende unverschämte Bemerkung: N. B. Die Familie Schlaflin ist seit 200 Jahren in Lutterbach ansäßig, sie ist ganz rasserein. In Lutterbach haben noch nie Juden gewohnt. Jüdische Namen wie Rosenberg, Finkelstein, Göbbels, Göring, Hitler & Co. (!) kennt man bei uns nicht. Call City Neue Leitung, nen renoviert IX., Porzellangasse 1 1 Werte Braut! Wünsche viel Glück zum auserwählten Ehestand. Möge der lb. Gott Ihnen Freude am Mutterberuf im III. Reich geben! Gott zum Gruß gez. Röhn, Pfr. * Aus dem „Schwarzen Korps" vom 4. November: „Offen bleibt auch bei geordneten Devisenverhältnissen in Köln die Pr'äge, warum kein arischer Bankmann die Konzession für den von uns erwähnten Laden hat. Denn zum Begaunern vonKunden und zumBetrügen des Staates braucht man wahrlich keine Juden. Die sollen uns vom Leibe bleiben ____" „Der ewige Jude." Ein Besuch in der Münchner Ausstellung. Ein Journalist eines nordischen Landes, der sich einige Tage in München aufhielt, dabei die Ausstellung „Der Ewige Jude" gründlich studiert und mehrere offizielle Führungen mitgemacht hat, sendet uns folgenden Bericht über die Ausstellung. Der 9. November ist für München ein besonderer Festtag. An diesem Tage feiert Hitler mit seinen Paladinen alljährlich den verunglückten Putsch im Bürgerbräukeller. In jedem Jahr marschiert er, umgeben von den alten Kämpfern wie einst 1923, durch die Straßen der Stadt bis zur Feldherrnhalle. Nadh festgesetztem Ritual wiederholt sich die Gedenkfeier für die 16 Toten der nationalsotzialistischen Bewegung, die dem mißlungenen Aufstand zum Opfer gefallen waren. In diesem Jahr hatte man dem Mysterienspiel vom Blutsorden, den nur die Putschteilnehmer tragen dürfen, eine besondere Feierlichkeit vorangehen lassen: Die Eröffnung der Ausstellung „Der Ewige Jude". Wer diese Ausstellung als objektiver Beobachter gesehen hat, ist erschüttert über dieses Wahrzeichen eines abgrundtiefen Hasses. Alles Jüdische ist vogelfrei. Die heiligen Bücher des Judentums werden hier ebenso profaniert, wie man die Leistungen der Juden für die Kultur der Menschheit verleugnet. Nichts, aber auch nichts bleibt übrig, was diese Fanatiker eines blinden Antisemitismus bei den Juden anerkennen würden. Dieser Feldzaig bleibt nicht auf Deutschland beschränkt. Es soll ja mit dieser Ausstellung gezeigt werden, so betonen die „Mitteilungen über die Judenirage", die vom Institut zum Studium der Judenfrage, Berlin, herausgegeben werden, in Nr. 17 vom 6. November 1937, „daß der Abwehrkampf gegen den unheilvollen jüdischen Einfluß dieses .aulserwählten' Volkes durchaus nicht eine Angelegenheit des deutschen Volkes allein, sondern vielmehr alle* Kulturnationen der Welt ist". Im gleichen Geist ist der von uns letzthin besprochene Wegweiser durch die Ausstellung gehalten, ein Machwerk von 265 Bilddokumenten unter dem Titel „D e r E w i g e J u d e", das deutsche und nichtdöutsche Juden aufs heftfeste angreift. Die AussteHung. Forderung und Lösung. Zwischen zwei Grundthemen rollt sich die ganze Schau in 20 Sälen ab: „Forderung und Lösung.*' Im Vorraum erblicken wir deshalb in großen Lettern eine Wiedergabe des nationalsozialistischen Programmpunktes: „Kein Jude dari deutscher Staatsbürger sein." Der Schluß der Ausstellung zeigt, wie Deutschbnd die Judenirage gelöst hat, indem es die Juden in ein kulturelles Ghetto zurückdrängte. Der erste Raum ist rund. Seine Decke ist mit einem riesigen Magen David bemalt, der auf dem gelben Mittelfelde das Bild des „Ewigen Juden" zeigt. An den Wänden finden wir verschiedene Sprüche: „Zerstreut in aller Herren Länder, bleiben sie immer die Gleichen", „Zerstreut über die ganze Welt, bilden wir doch nur ein Volk". Schon hier zu Beginn der Ausstellung begegnen wir den Angriffen gegen ausländische Juden. Denn die Bilder von Juden aus aller Welt zeigen FRAU PAULA DEUTSCH ladet alle Freunde und Be-' kannten zur Trauung ihrer Tochter LISL mit Herrn LEO RHEIN, ZÜRICH, welche s. O. w. Sonnlag, den ZS>. November 1Q37, um halb Z Uhr nachmittags, im Schifttempel 11., Große Scniftgosse S, siqttiinclet. Wien VII., Neubaugasse lO die Unterschrift „Nicht Pole, sondern.....Jude", „nicht Franzose, sondern.....Jude" usw. Die Worte gegenüber dem Eingang: „Tauie und Kreuzung nützen gar nichts. Wir bleiben auch in der hundertsten Generation Juden, wie vor 3000 Jahren", ausgsprochen angeblich von Eduard Gans, Professor an der Berliner Universität 1825, selbst getauit, sollen als Symbol daifür gelten, daß die Judenirage nur eine Rassentrage ist. So zeigen dann auch Terrakotta-Abgüsse von Juden aus Dachau, Abgüsse und Bilder von orientalischen, nordischen, negroiden und anderen Typen und Abbildungen von jüdischen Nasen, Ohren und Mündern die Entstehung des „jüdischen Rassengemischs". Thora und Talmud. Der Ausstellungskatalog bringt das Bild einiger Juden beim Talmudstudium unter der Bezeichnung ,J3ie große Täuschung". Die Zurschaustellung einer echten „T h o r a - R o 11 e", einer M e g i 11 a und einer O r isinalhandschrif t des Talmuds aus dem Jahre 1342, seit 1806 im Besitz der Bayrischen Staatsbibliothek, sollen beweisen, daß die heiligen Bücher der Juden nur Haß und Verachtun« gegen die Mitmenschen predigen. Man hat deshalb geiälschte Stellen aus dem Talmud und Schulchan Aruch ausgewählt. Hausu. Küchengeräte Glas- und Porzellanwaren, Edelkeraoiik. Bleikristalle, Komplette Ausstattungen in bester Qualität Samuel Zuckermann Wl«a II, Im Ward 1, Telephon A-41-6-45 Ein Film vom Schächten. In derselben Abteilung wird nicht nur ein Beschneidungsmesser gezeigt, sondern auch ein F i I m vom Schächten autgeführt, der vorgeblich in einem Budapester Schlachthaus aufgenommen wurde. Alles nur, um so die angebliche Roheit der Juden zu beweisen. Der angestellte Führer, der die Besucher durch die Ausstellung begleitet, um ihnen Erklärungen zu geben, betont hier in seinem Vortrag deutlich, daß zwar das Schächten von Menschen nicht erwiesen sei, aber die größte Wahrscheinlichkeit bestehe, daß es schon vorgekommen sei. So wird also das Ritualmordmärchen verbreitet! Aus der Geschichte des Judentums. Mehrere Säle sind einer Darstellung der Geschichte des Judentums gewidmet, natürlich immer von dem Gedanken geleitet, den verderblichen Einfluß der Juden -in allen Zeiten anzuprangern. Man zeigt die sogenannten Trierer Terrakotten, ausgegraben bei Trier, angeblich aus dem dritten oder vierten Jahrhundert stammend, Juden darstellend. Sie sollen beweisen, daß auch schon in den frühesten Zeiten die Leute vor jedem, der jüdische Züge trug, gewarnt wurden. Dann roigt eine Liste mit Judenaustreibungen aus den verschiedenen Ländern. Darüber steht in großen Buchstaben: „Von der Judenplage befreite die Judenvertreibung." Eine weitere historische Abteilung zeigt den Kampf von Kirche und Staat gegen die Juden: auch hier wieder erläutert durch Zitate von Luther, Maria Theresia und Bismarck; dazu die verschiedensten päpstlichen Urkunden mit Dekreten gegen die Juden im Original, unter ihnen der Beschluß des Laterankonzils über die Judentracht (1215). „Vor Rassensohande warnte die Judentracht" (Es ist tatsächlich ein Kaftan mit gelbem Kreis und Spitzhut da.) Die Führung erklänt hierbei: ^Früher wurden beide Parteien bestraft, jetzt nur eine, früher wurden sie getötet, jetzt bekommen sie mir Zuchthaus." Vom Ghetto zur Macht. „Zweitausend Jahre lebten die Juden als Fremde unter den Völkern. Ein pflichtvergessenes Jahrhundert läßt sie bis in die höchsten Stellen des Staates vordrin-

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