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Die Wahrheit · 1937-11-19 · Heft 46 (19.11.1937) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 46 (19.11.1937)
Date
1937-11-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 46 — 19. November 1937 DIE WAHRHEIT Sed^ewje, KikicUvv$- 3ten>u6ru,VCYuiiwi/ u,.Klu*&si % Wju*vt*v ^MaS^It nwt ße^ S/freite^ kto>ctt&enfceA$ wla^i ,bö^ eq,. 3 € o/e (Buiftsbaum Baruch. Karl Marx Mordechai"). Die Wahrheit wird in äußersten Falle durch Verdächtigung beschmutzt. So kann man unter dem Bilde des Hauptmanns Dreyfus lesen: „...Dreyfus konnte alsbald zurückkehren und seine militärische Laufbahn mit dem Range eines Majors wieder fortsetzen Ungeheure Summen waren... von den Juden aufgebracht worden." Wo es sich aber um politische Gegner handelt, steigert sich der Text in wütendeBeschimpf u n g. „Drei Hetzjuden von satanischem Deutschenhaß" steht unter einem Gruppenbild von Einstein. Stephen Wise und La Guardia. Daneben befindet sich eine Aufnahme La Guardias während einer Rede mit der Unterschrift: „Ein schweinischer Coupletsänger? Nein, es ist der Oberburgermeister der jüdischen Weltmetropole, Fiorello La Guardia, Ganz Israel ist stolz auf ihn, aber die nichtjüdischen New-Yorker müssen sich schämen." Noch weniger spart man bei Karl Marx. Rosa Luxemburg, Kurt Eisner, Erich Mühsam, Radek, Trotzki, und Litwinow mit Beschimpfungen, aber auch Stalin, weil angeblich jüdisch verheiratet, wird angeprangert, ebenso die ungarischen Kommunisten Bela Kun und Tibor Szamuely. Man hat im „Völkischen Beobachter" (Süddeutsche-Ausgabe vom 7. November 1937) erklärt, „eine Ausstellung, der wir aus innerpolitischen Gründen immerhin einige Bedeutung beimessen, geht das Ausland schon gar nichts an". Aber den jüdischen Politikern gegenüber vergißt man die Gebote internationaler Höflichkeit. So zeigt der Katalog das Bild des ehemaligen französischen Ministers Georges Mandel, „der zu dem jüdischen Betrüger Stavisky Beziehungen unterhalten habe." Er bringt sogar das Photo des amtierenden amerikanischen Staatssekretärs Henry Morgenthau. eines Mitgliedes des Kabinetts Roosevelt, wenn auch mit falscher Unterschrift Sehr bezeichnend für die Tendenz des Buches, das sich, wie gesagt, durchaus nicht auf Deutschland und auf deutsche Verhältnisse beschrankt, sind die beiden Aufnahmen, mit denen die Darstellung des „jüdischen" Kommunismus ihren Abschluß findet. Es handelt sich um zwei amerikanische Bilder, das eine wird betitelt ..Die Sowjetjuden Arm in Arm mit ihren Vettern in New York" (Litwinow teilt den amerikanische! Pressevertretern die Anerkennung der Sowjetunion durch die USA mit), das andere heißt „Kreuz, Thora und Davidstern" und zeigt den Pfarrer Lawrence B. Hosie und die Rabbiner de Sola Pool und Weinstein beim gemeinsamen Betreten der Riverside-Kirche in New York. Zum Schluß sind einige Abbildungen aus Palästina sowie die Porträts von Herzl und Weizmanii angefügt Der begleitende Text — an den Bildern wäre nichts Abstoßendes zu bemerken — wirft den Zionisten sowohl Mädchenhandel wie Weltherrschaftsgelüste vor. Mit dem stolzen Hinweis darauf, daß nur Deutschland mit der Befreiung von jüdischem Einfluß auf gesetzgeberischem Wege ernst gemacht hat schließt die Sammlung ab. Zur Erläuterung dieser Behauptung werden einige Bilder befgefügt, die angeblich Aufführungen des jüdischen Kulturbundes darstellen und an denen die Loslösung von deutscher Kultur und die tatsächliche Fremdheit der jüdischen Kultur bewiesen werden sollen. Es handelt sich aber ersichtlich um Aufnähmen von Bühnenbildern jiddischer Theater, die mit dem jüdischen Kulturbund nichts zu tun haben. Ist es schon Wahnsinn, hat es doch Methode! Es ist die Methode, die jede Leistung eines Juden herabwürdigt, die vor dem Jüdischen keine Achtung kennt; weder vor dem jüdischen Geist noch vor der jüdischen Religion. Es ,ist dieselbe Methode, die zwar den jüdischen Einfluß maßlos übertreibt, ohne über die Einflüsse von nichtjüdischer Seite zu berichten; dieselbe so oft angewandte doppelzüngige Taktik, die den Juden, wo er nur lebt und wirkt in Deutschland oder im Ausland, mit fanatischem Haß verfolgt dann aber, (so im Ausstellungsbericht des „Völkischen Beobachters", Südd. Ausgabe vom 7. November 1937) zu erklären wagt,, diese Ausstellung sei „der beste Gegenbeweis gegen eine verlogene Greuelpropaganda". LUHAG Klnderwagan- Fabrlk Gasundhettswagen WartttfttUM luMSirctitldlge P>ljteu»|. daher .kein Schwitzen des Kindes Pittiliette SolMiniacbualeiieroai daherkein Erschüttern u kein Erbrechen des Kindes VII., Rtabiif. 21. It., Uxsobirjsntr. 32. XVII., Kolm«. 34, XX., Ujerstr. 41 Der vorsichtige Herr Vizebürgermeister Kresse. Wir haben darüber berichtet daß der Oesterreichische Gewerbebund, der sich durch die Initiierung einer Boykottbewegung gegen die jüdischen Gewerbetreibenden ein Lorbeerreis bei den Nationalsozialisten innerhalb und außerhalb des Landes errungen hat zufolge der von der „Union" erstatteten Strafanzeige eine nicht unbedeutende Geldstrafe wegen Verletzung des Gesetzes erhielt. Nun wird von der Ortsgruppe Wieden-Marga- Tetcn, „der Pfadfinder" war bekanntlich die Ortsgruppe Aisergrund, am Mittwoch, den 17. d. M., um 19 Uhr 30 in Weigl's Dreherpark wieder eine Versammlung, die mit dem prophetischen Wort „Massenversammlung" versehen wird, abgehalten. Dann heißt es weiter: „Sprechen wird unser „Führer", Vizebürgermeister Komm.-Rat Dr. Josef Kresse, über aktuelle Fragen, im besonderen über die Ausstellungsaktion des 9. Bezirkes „Christen, kauft bei Christen!" Der Unterschied der Ankündigung ist nicht groß, er besteht in dem Wörtchen »nur**, das der Herr Vizebürgermeister wahrscheinlich über den Rat seiner Rechtsgelehrten in der Ankündigung ausgelassen hat. Wir sind zwar der Ansicht, daß die Weglassung des Wortes „nur" nicht viel ändert und daß die strafgesetzliche Verantwortung für diese nur etwas mehr, getarnte Hetze aufrecht bleibt. Man muß sich nur wundern und fragen, muß das so sein, daß einer der höchsten Funktionäre der Stadtver- Vutea II., Kleine Pfarrgasse 21 Telephon A 43-519 Treffpunkt bürgerlicher Gesellschaft. In- und ausländische Zeitungen. Separierter Raum für Klub* und Vereine. Herabgesetzte Preise. Aufmerksame Bedienung. waltung, die bekanntlich die Interessen aller Bewohner Wiens zu schützen hat, sich offiziell zu derartiger Demagogie hergeben kann, ohne daß er dafür vom Oberhaupt oder Rat der Stadt Wien zur Verantwortung gezogen wird. in der „Neuen Freien Presse" vom 18. d. M. ist ein Bericht über die oben erwähnte Versammlung, als deren Veranstalter auch noch die Ortsgruppen Meidling und Hietzing genannt werden, enthalten. Danach hat der Vizebürgermeister Doktor Kresse den Begriff der Bodenständigkeit erörtert und ihr dahin, erklärt, daß zum Begriff der Bodenständigkeit neben Seßhaftigkeit und Besitz des Heimatrechtes auch die Aufnahme des Geistes, der Sitten und Kultur dieser Stadt und dieses Landes gehört. Wir können uns mit der Definition einverstanden erklären, müssen aber darauf hinweisen, daß in keinem Gesetze, am allerwenigsten im Verfassungsgesetz des großen Kanzlers, Dr. Engelbert Dollfuß, vom Mai 1934 die Bodenständigkeit auch nur in diesem Sinne einen Unterschied vor dem Gesetze begründet Der Herr Vizebürgermeister verwies darauf, daß „die christlichen Gewerbetreibenden ebenfalls (von uns gesperrt, Anm. d. Red.) das Recht für sich in Anspruch nehmen, die Bevölkerung aufzufordern, ihren Bedarf bei christlichen Handwerkern zu decken". Das Wort „ebenfalls" bedeutet eine Unterstellung, die frei erfunden ist. Niemals hat irgendeine jüdische Organisation in Oesterreich und selbst auch nicht in Deutschland das Schlagwort „Juden, kauft nur bei Juden!" ausgegeben oder sich dafür eingesetzt im Gegenteil, von keiner jüdischen Organisation wird etwas derartig Widersinniges angestrebt gefordert oder propagiert. Der Vizebürgermeister hat schon einmal gesagt, daß er die Beweise in der Hand hätte und zur Verfügung stellt daß eine jüdische Organisation derartige Schlagworte verbreite. Herr VizebüTgermeister Kresse äst wiederholt aufgefordert worden, diese Beweise vorzulegen. Bis heute hat er dieser Aufforderung nicht entsprochen. Wir ersuchen ihn wiederum, dieses Wort „ebenfalls" zu dokumentieren. Sollte er neuerlich diesem Ersuchen nicht entsprechen, so müssen wir annehmen, wir sind sogar dessen sicher, daß solche Beweise nicht existieren und daß das Wort „ebenfalls" nur in demagogischer Weise gebraucht wurde, um seinen Zuhörern die Notwendigkeit von Repressalien vorzuspiegeln. Herr Vizebürgermeister Dr. Kresse sagte: „Wir lehnen jeden Rassenhaß ab, unser Antisemitismus ist Notwehr gegen die Ueberflutung unseres Gewerbes durch erst seit dem Krieg neu zugewan derte, im Konkurrenzkampf bedenkenlose Elemente. Wir Wiener Gewerbetreibende sind christlich und vaterländisch gesinnt und bleiben es immerdar." Die im Krieg neu zugewanderten Elemente sind nicht freiwillig gekommen, sie sind Opfer des unglücklichen Krieges geworden und! insoferne haben sie vom christlichen, jüdischen und vaterländischen Standpunkte das Anrecht auf unser Mitgefühl. Wenn sie bedenkenlosen Konkurrenzkampf treiben und das Gesetz verletzen, so soll und muß das Gesetz mit aller Strenge gegen sie angewendet werden, so wie gegen jeden anderen, Gesetzesübertreter, wer immer er auch sei. In der vaterländischen Gesinnung unterscheiden sich jüdische und christliche Gewerbetreibende in Oesterreich in keiner Weise, es ist sogar sicher, daß er uöter den jüdischen Gewerbetreibenden niemanden gibt, der nicht für die Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit und Selbständigkeit Oesterreichs eintritt. Strafuntersuchung gegen „Deutsches Volksblatt". Wie uns mitgeteilt wurde, hat die Staatsanwaltschaft Wien I. gegen den Herausgeber und verantwortlichen Schriftleiter des „Deutschen Volksblart" dfe Strafunrersuchung wegen Vergehens nach § 302 Strafgesetz eingeleitet. Der Antisemiteilbund. veranstaltete am 11. November 1937 beim Weigl eine Versammhing, bei der zirka 700 Leute, zum großen Teil Nationalsozialisten, anwesend waren. Der erste Redner war ein gewisser Neidl, Bezirksführer des A. ß. XII. Bezirk. Er erging sich in den bekannten dummen und wüsten Beschimpfungen und unwahren Behauptungen über die Verjudung der Sowjets. Ferner beschwerte er sich darüber, daß in der antisemitischen Bewegung so wenig Intelligenzler zu finden sind, und meinte, das schade nichts, denn wir brauchen Arbeiterhände, um die jüdische Brut ganz zu vernichten, denn mit Geist und Verstand kann man ihr nicht 'beikommen. Dann sprach als «weiter Redner 'Endemann, welcher sich sehr erfreut zeigte über die Fortschritte des brutalen Antisemitismus in Polen und des aufstrebenden Antisemitismus in Italien. Dann brachte er wieder die falschen Statistiken über die Verjudung in Oesterreich. Ferner teilte er die Neuigkeit mit, daß die BundespoKzidirektion Graz dem Antisemitenbund erlaubt hat öffentliche Umzüge zu Werbe- und Propagandazwecke zu veranstalten. Als Schlußredner produzierte sich der sogenannte Bundesführer Peter, der die Legalität des Antisemitenbundes hervorhob und sich gegen die „Verleumdungen", die von jüdischer Seite gegen den Antisemitenhund ausgestreut werden, ereiferte. Gegenüber der letzten Versammlung beim Lenibacher zeigte sich deutlich eine gedrückte Stimmung bei den letzten beiden Rednern. LESET DIE WAHRHEIT!

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