Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 46 (19.11.1937)
- Date
- 1937-11-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3064663-3064707--21378-3086727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedle par Peditenr" Judische IDodicnsdirift Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden* Erscheint jeden Freitag Preis 40 Grosdien Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 53. Jahrgang Wien. 19. November 1937 Nummer 46 Union österrekMsdier Juden Klmbhelm und Sekretariat Wien I., smoitenrlna Nr. 25 Telephon A 19-2-1 f Mittwoch, den 24. November, präzise 8 Uhr abends, im Saal der „Union", I., Schottenrins 25, Mezzanin VORTRAGS-ABEND gemeinsam mit der Jugend-Union Es spricht der Ehrenpräsident der „U N I 0 N" Herr Dr. Jakob ORNSTEIN über „Das Hans Habsburg und das östeireithische lederten" Gäste willkommen! „Der ewige Jude." Ein „Wegweiser" durch die Ausstellung in München. Am Eingang zu der kürzlich in München eröffneten! antisemitischen Ausstellung „Der Ewige Jude" wird den Besuchern als Katalog und Wegweiser eine Broschüre verkauft: „Der Ewige J u d e", 265 Bilddokumente, gesammelt von Doktor Hans Diebow, Verlag Franz Eher Nachf. G. m. b. H., München-Berlin. D i e B i 1 d e r, die iw dieser 128 Seiten umfassenden „Sammlung" enthalten sind, werden fast a 11 e in größerem Format in der Ausstellung gezeigt. Sie haben den Zweck, wie es im Vorwort heißt, von der „jüdischen Barbarei" Zeugnis abzulegen. „Die absolute Herrschaft des Judentums in Deutschland", wie sie angeblich von 1812 (Emaiizipationsgesetiz in Preußen) bis 1935 bilder, Aufnahmen moderner Kunstwerke und ihrer Schöpfer, Szenen aus Revuen und Theaterstücken, aus Nachtlokalen, Gefängnissen und politischen Versammlungen) am Beschauer vorüber. Jedes Bild ist mit einem erläuternden Text versehen und überdies sind zwischen die Bilder begleitende Texte in Form kleiner Aufsätze eingefügt. Einlettend wird die Frage „Wober kommt die Judennase?" in quasi wissenschaftlicher Weise erörtert an Hand von Abbildungen hethitischer und assyrischer Reliefs. Ein Aufsatz über Ostjuden und ihre Wanderung in westeuropäische und amerikanische Städte begleitet zahlreiche Abbildungen ostjüdischer Typen und Sfcraßenszenen. Eine Abhandlung über „Das Wesen der jüdischen CAF£ Besuchen Sic KAj ™1 J0HA1W1 SIBMSS I Separierter Bridgesaal. Billardsaal, Schachzimmer,Klublokal mit Asphaltkegelbahn. Kalte und warme Küche, Bier und Wein vom Faß Bürgerliche Preise (Nürnberger Gesetze) bestanden hat, und die Notwendigkeit, den „Weg der Trennung" zu beschreiten, sollen an diesen Bildern abzulesen sein. Jedoch beschränkt sich der Herausgeber nicht auf Deutschland. Auch Abbildungen aus anderen Ländern sowie Photographien amerikanischer, englischer, französischer und russischer Juden sind in der Sammlung enthalten, auch sie natürlich mit der gleichen Tendenz: den verhaßten jüdischen Einfluß in der Welt zu dokumentieren. In einer Reihenfolge, die auf den ersten Blick als ungeordnet anmutet, ziehen Porträts berühmter jüdischer Persönlichkeiten Straßenszenen, Typen aus östlichen und westlichen Jud'envierteln, Karikaturen, Verbrecher- HILFE für KRANKE! 1 O HBhansonnan Baatrahlungal*rapan Zinna erkloaatta LEIHWEISE! ":.dB,*,;:r.M KSEsisiiE!!^ Tjtontr. 21 Tel. R 42-6-40 Mimikry" soll Aufnahmen jüdischer Viehhändler und Bauern, die sich „in der. Maske ihrer Opfer" auf den Märkten zeigen, erläutern. Es folgen Erläuterungen über das Haus Rothschild, eine Statistik über den Einfluß der Juden in der deutschen Volkswirtschaft, über moderne (angeblich jüdische) Kunst, über die Revue und das „Amüsiertheater", das die Juden angeblich erfunden haben, über jüdische Politiker und den Anteil der Juden im deutschen Parteileben, über die spezielle jüdische Sexualmoral und unter ganz großer Ueberschrift „Das große jüdische Hassen" der Abdruck einer sogenannten „Fastenpredigt", einer ironischen Auseinandersetzung eines jüdischen Schriftstellers mit dem deutschen Antisemitismus, als Begleittext zu den Bildern aller derer, die im Auslande gegen Deutschland „gehetzt" habe sollen. Die Porträts wirken in ihrer Mehrzahl keineswegs abstoßend. Es gibt darunter gute Bilder von jüdischen Politikern, Schriftstellern, Journalisten, Komponisten, Malern, Schauspielern, Regisseuren, Bankiers und Industriellen. Es sind groß© Namen darunter und viele von gutem Klang. Ein. Unbefangener könnte das Gegenteil von dem, was der Herausgeber beabsichtigt, herauslesen: nämlich die Summe positiver Leistungen jüdischer Menschen im deutschen Kulturleben. Um das zu verhindern, hat man die Bilder zum größten Teil mit einem besonderen Text versehen: einer raffinierten Mischung von Sachlichkeit und halber Wahrheit, bei der das Wesentliche verschwiegen wird, und mit Zitaten, die aus dem Zusammenhang gerissen, ihren ursprünglichen Sinn ins Gegenteil verkehren. Aber auch das genügt den Veranstaltern dieser Ausstellung noch nicht. Denn trotz der Brandmarkung als Juden geht noch zuviel Glanz aus von den Bildern und den Namen eines Moses Mendelssohn, Heinrich Heine. Gustav Mahler, Bruno Walter, Max Liebermann, Albert Einstein, Stefan und Arnold Zweig, Max Reinhardt. So gibt man ihnen den Sexualverbrecher und den Mädchenhändler. die „Betrüger aus dem Osten" und einige Typen aus dem Verbrecheralbum zuNachbarn. NebendemBildeSiegmundFreuds, der „unter dem Deckmantel gelehrter Forschung zum Mord an Ungeborenen und zu gemeinster Geschlechtsgier" anstiftet, sieht man das Bild eines „schwachsinnigen Sittlichkeitsverbrechers", sowie eine Aufnahme aus einem Pariser Nachtlokal mit der Unterschrift: „Der Jude in seinem Element: unter Schwarzen im Pariser Nachtlokal. Die lüsterne Welt der Perversen, das ist die Kultur, die der Jude den Völkern bringt, um sie zu entnerven und zu unterjochen. Ihm selber scheint das so wenig anzuhaben wie den Ratten die Pest, die sie verschleppen." Es liegt also in der scheinbaren Willkür der Bilderfolge ehre wohlberechnete Absicht. Das Nebeneinander von Hell und Dunkel, von menschlicher Größe und menschlicher Schwäche, von Abbild und Karikatur soll das Urteil des Betrachters in Verwirrung bringen. Verwirrung stiften auch die Begleit texte, denen eine Fülle von Fehlern anhaftet Verwirrung stiften die Bildunterschriften, die nicht einmal die Namen unangetastet lassen („Heinrich Heine, eigentlich Chaim Bückeburg, Ludwig Börne, eigentlich Löb Damenfronfehtions=_ modellhaus I „Zoe iesdien WieneeUt" aieyius Sa 15er & Co. Wien IX/2., Währingerstr. 0 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Domebjnes ITlodetibaus für Damenbekleidung wie Mäntel, Kleider, Kostüme, Blasen IttafcHtelier. im f)aufe Trauerwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24- Stunden Mitglieder der ..Union" erhalten bei Vofwel* dle<er Annonce oder Mltglledikerte einen SowUf-IUtMtt von 6»/».