Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 44 (5.11.1937)
- Date
- 1937-11-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 44 — 5. November 1937 DIE WAHRHEIT SecLUxjje^ Kkid^^ufr -ßwt dtznM^fKrtdb^ u,.K^u<te^ 2aa. % Rijunx^v (T/tÄA^Jlvu wwi, .&e^ S-ü-eiSeH/ kl&ta<&en&e/i$ uWi ,BÖ^eo,.3 « afe (ßudisbaum Wien II., Kleine Pfarrgfcsse 21 Telephon A 43-519 Treffpunkt bürgerlicher Gesellschaft. In- und ausländische Zeitungen. Separierter Raum für Klubs und Vereine. Herabgesetzte Preise. Aufmerksame Bedienung. ist auf die Frage der Echtheit oder Unechtheit der „Protokolle", also das Wesentlchste, überhaupt nicht mehr eingegangen, so daß ihre von der ersten Instanz ausgesprochene Qualifizierung als Fälschung aufrecht bleibt. Ebenso unbenommen bleibt ihr Charakter als Schund. In dieser Hinsicht hat das Gericht bloß insofern eine Modifikation vorgenommen, als es sich nicht der Ansicht der ersten Instanz anschließen wollte, daß das Pamphlet in den Rahmen des Berner Gesetzes gegen die Schundliteratur falle, das die Jugend vor unsittlicher Lektüre schützen soll. Die Berufungsinstanz vertrat den Standpunkt, die „Protokolle" seien zwar ganz bestimmt Schund, aber nicht pornographischer, sondern „bloß" politischer Schund, der von dem angezogenen Berner Gesetz nicht erfaßt werd,e so daß die Angeklagten mangels eines von diesem Gesetz verlangten Tatbestandes freizusprechen wären. Wenn diese Urteilsbegründung als Ehrenrettung aufgefaßt werden kann, dann ist sie höchstens eine Ehrenrettung für den ,,Stürmer"-Herausgeber Julius Streicher, dem sie das Primat der erreichten Meisterscliaft in der noch nie dagewesenen Vereinigung von Pornographie und Politik erhält. Die Bemer Angeklagten hatten mit der Verbreitung der „Protokolle" nur politischen Lorbeeren nachgejagt und sie werden das Urteil, bloß politischen Schund vertrieben zu haben, kaum als Schmeichelei deuten können. Was dem Gericht bei der Modifizierung des erstrichterlichen Urteils vorgeschwebt hat, geht aus den Worten der Begründung hervor, daß es nunmehr darauf ankomme, eine gewisse Beruhigung eintreten zu lassen. Die Schweizer Gerichtsfunktionäre, die sich dieser Hoffnung hingaben, dürften durch den Widerhall, den ihr Urteil in der Presse des Dritten Reiches gefunden hat, einigermaßen enttäuscht sein: „Schwere Schlappe des Judentums!" triumphiert die Essener „Nationalzeitung" schon im Titel ihres Berichtes und spricht von einer „Niederlage des Weitjudentunis, wie sie wirkungsvoller und sichtbarer kaum je Tatsache geworden ist". Statt dem Schamgefühl über die nationalsozialistische Massenagitation mit diesem Schund Ausdruck zu geben, spottet es über die ungeheure Agitation, die von — jüdischer Seite gegen diesen Schund durchgeführt wurde. Aber ganz wohl ist dem Blatte, wie es schließlich selbst ausdrücklich zugibt doch nicht. Es, dünkt ihm „zumindest merkwürdig, daß von Richter und Staatsanwalt die Protokolle zwar nicht als Schundliteratur im Sinne des Berner Gesetzes betrachtet werden, diaß es sich aber ihrer übereinstimmenden Auffassung nach doch irgendwieumSchundliteraturhandel t". Dann bequemt sich das Blatt zu dem Geständnis, „daß Richter und Staatsanwalt jedenfalls in ihren Formulierungen der jüdischen Auffassung äußerlich weit entgegengekommen sind". Je weiter die Essener „Nationalzeituug" in ihrer Betrachtung des Urteils kommt, desto mehr verflüchtigt sich, wie man sieht, dessen Charakter als „schwere Schlappe des Judentums!" Und schließlich konzentriert sich der ganze zur Schau getragene Triumph in die ängstliche Hoffnung, daß die Juden für einige Zeit im Ausland Ruhe geben mögen . . . Wahrlich ein bescheidener Ausklang eines Siegesliedes! LUMAG-K,"£ESr«" Gesundheitswagen WachitKklost lofldirchlliilge Politer»|. dataer kein Scbwitzen des Kindes PitMlierte Sclwliiackseafcdernag daherkeiu Erschüttern u. kein Erbreeben des Kindes VII., leisiog, 21, X., Laxeoturjerstr. 32, X.II., Hollge. 34, XX., JIf.erstr.41 Andauernder Serror in Palästina. Zu dem Ueberfall, der, wie in unserer letzten Nummer berichtet, am Dienstag, den 26. Oktober, auf der Straße J e r icho - J e r usalem auf einen TransportderPalestine Potash Company ausgeführt wurde, wird ergänzend mitgeteilt, daß die angreifende Bande fünfzehn Mann stark und mit einem Maschinengewehr ausgerüstet war. Die Transportkolonne bestand aus sechs Lastautos. Die Begleitmannschaft erwiderte das Feuer und forderte auf drahtlosem Wege Verstärkungen an. Der Kampf zwischen der Bande und der Begleitmannschaft dauerte etwa zwei Stunden. Der bei dem Ueberfall getötete jüdische Arbeiter ist der 28jährige, aus Polen stammende Mondechai Z1 o t n i c k i. Et war vor drei Jahren nach Palästina eingewandert und seit vier Monaten verheiratet. Mehrere Araber sind im Zusammenhang mit dem Ueberfall verhaftet worden. Sie sollen gestanden haben, Mitglieder der berüchtigten arabischen Bande zu sein, die ähr Unwesen im Süden Palästinas treibt und von syrischen Arabern angeführt wird. In der Nacht vom 27. bis 28. Oktober war der ganze Jischuw erschüttert durch die Nachricht, daß der Balfour-Wald, die größte Aufforstungsanlage Palästinas, in Flammen steht. Durch diese vandalische Tat zum zwanzigjährigen Jubiläum der Balfour-Dekäaration sind über 50.000 Bäume, ungefähr ein Drittel des Waldes, den Flammen zum Opfer gefallen. Da der Wald an mehreren Stellen zugleich brannte, hegt man keinen Zweifel darüber, daß es sich um einen Vandalenakt derarabischenTerroristen handelt. Spuren der Brandstifter führen in das Dorf Jafelit bei Nazareth. Durch den brennenden Wald waren in der Nacht zahlreiche Ortschaften weit im Emek hell erleuchtet. Bekanntlich bedeckt dieser Wald die Hänge der zahlreichen Hügel in dem NazaretJh- Distrikt. Infolge des henrschenden Windes breitete sich das Feuer (sehr sohneil aus. Durch vereinigte, fast ürjermenschMche Anstrengungen der jüdischen Kolonisten der Umgebung, besonders jener aus Ginegar, sowie der Polizei aus Nazareth, Afuleh und Haifa, der Feuerwehrbrigade aus Hadar Hacarmel unter der Leitung de>s Distriktskommissars, gelang es nach mehr als vier Stunden, des Elementes Harr zu werden. Der durch den Brand im Balfour-Wald angerichtete Schaden wird auf rund 30.000 Pfund geschätzt. Der Jüdische Nationalfonds, der an die Regierung Schadenersatzforderungen gestellt hat, wird mit der Wiederaufforstung sofort beginnen. Am Freitag, den 29. Oktober, wurden in der Altstadt von Jerusalem durch arabische Terroristen ein Jude getötet und eine Reihe anderer verwundet. Bei dem Toten handelt es sich um den 32jährigen, in Palästina geborenen marokkanischen Juden Aron Alkazitz. der auf dem Rückwege von der Klagemauer, wo er seine Andacht verrichtet hatte, erschossen wurde. Die ihn begleitenden Juden, der 23jährige Schlomo Rosenzweig und der 25jährige Gutman Rabinowitz, wurden verletzt, der erste sehr schwer, der zweite weniger erheblich. Der Ueberfall geschah an der gleichen Stelle, an der am 8. September Rabbi Elieser Gerstein tödlich verletzt wurde. Der Distriktskommissar hatte angeordnet, daß da's Begräbnis des Todesopfers des Ueberfalls am Spätabend des Samstag stattzufinden habe. Trotz der vorgerückten Stunde und des schweren Unwetters, das über Jerusalem niederging, hatten sich Tausende Juden auf dem Friedhof eingefunden. Auf den Geschäftsführer der Zentralsparkasse deutscher Kolonisten in Jerusalem ist gleichfalls am Freitag, den 29. Oktober, in den Diensträumen ein Mord- und Raubüberiall versucht worden. Ein junger Araber ließ sich Geld wechseln, kehrte mit der Ausrede, falsches Geld erhalten zu haben, zurück und stach dem Gesdhäffcführer einen Dolch in den Hals. Der Ueberfallene wurde mit einer schweren Verletzung ins Krankenhaus gebracht. Am Morgen des Sonntag, 31. Oktober, ist in der Jaffa-Straße in Jerusalem der 20jährige, aus Persien stammende jüdisch© Arbeiter Rafael Nimdar von einem Araber angeschossen und schwer verwundet worden. Er wurde in bedenklichem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Der Araber, der das Attentat verübte, hatte sich in einer Ecke des Gebäudes des Distriktskommissariats verborgen gehalten. Von einem der von dem Attentäter abgegebenen Schüsse wurde auch ein zufällig vorbeigehender Araber getroffen und lebensgefährlich verletzt. Er erlag später seinen Verletzungen. . Obwohl der Ueberfall am hellichten Tag verübt wurde und die Straße sehr belebt War, gelang es dem Attentäter, zu entkommen. Ueber die Altstadt von Jerusalem wurde vorübergehend der Ausnahmezustand verhängt. Die beiden Oberrabbiner von Palästina, Jacob M e i r und Dr. Isaac Herzog, haben an alle Schichten des Jischuw einen Aufruf erlassen, in dem sie die Bevölkerung auffordern, die bisher gezeigte Selbstbeherrschung zu bewahren und das teure Andenken der Gefallenen nicht durch Vergeiltungsakte zu beflecken. Auch der Waad Leumi forderte den Jischuw auf, Disziplin zu bewahren. In amtlichen Kreisen werden die Nachrichten energisch bestritten, wonach dem Großmufti von Jerusalem verboten wurde, sich in Syrien aufzuhalten. Es wird hinzugefügt, daß sich der Mufti nicht in Syrien, sondern im Libanon aufhalte und sich mit Zustimmung der Regierung des Libanon provisorisch in einer der Küstengemeinden des Libanongebietes niederlassen werde. Die Verordnung, durch die den palästinensischen Zeitungen verboten wurde, Meldungen über den Mufti zu veröffentlichen, ist aufgehoben worden. Zu der vor kurzem gemeldeten Verhaftung Chamdi el Husseinis, eines Mitgliedes der Familie des Mufti, wird ergänzend mitgeteilt, daß er ein Führer der arabischen Kommunisten ist, den die Polizei seit langem gesucht hat. Chamdi el Hu)s5eini hat zwei Jahre lang in Moskau an dem Institut für Propaganda unter den asiatischen Völkern studiert. Die Zahl der Juden in der Welt. Das vom American Jewish Committee herausgebene American Jewish Yearbook für das Jahr 5698 enthält eine Zusammenstellung über die Zahl der Juden in den verschiedenen Ländern auf Grund der neuesten Statistik aus amtlichen Quellen. Von den rund 15,525.621 Juden, die in der Welt leben, entfallen 7,620.000 auf Osteuropa und das östliche Mitteleuropa (Polen, Danzig, Litauen, Lettland, Oesterreich, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Teile des europäischen Rußland, wie die Krim, die Ukraine und Weißrußland); in diesem Gesamtgebiet bilden die Juden fast 6% der Gesamtbevüikerung. Ueber 4,400.000 Juden leben in Nordamerika und Wesiindien; die jüdische Bevölkerung macht hier fast 3% der Gesamtbevölkerung aus. In Palästina und seinen arabischen Nachbarländern leben 503.000, in den arabisch sprechenden Ländern Nordafrikas 450.000 Juden (1,4%). In größerer Zahl leben Juden ferner noch in Holland (fast 2%), in Südosteuropa — Griechenland ,und europäische Türkei — (1,74%), in Südafrika, wo sie 1% der GesamtBevölkerung und fast 5% der europäischen Bevölkerung ausmachen, und in Argentinien, wo sie über 2% der Gesamtbevölkerung bilden. In allen übrigen Ländern ist der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung niedriger als 1%. West- und Südeuropa hat eine jüdische Gesamtbevolkerung von nicht ganz 1,600.000 Seelen. Knapp 200.000 Juden wohnen in Nordeuropa und den Teilen des europäischen Rußland außerhalb des früheren Ansiedlungsrayons. 27.000 Juden leben in Australien und Neuseeland. Die Zahl der Juden in Kleinasien, Mittel- und Nordasien beträgt 225.000, die der Juden in Süd- und Ostasien, Zentralafrika, Ozeanien und Mittel- und Südamerika außer Argentinien nur rund 140.000. Außerdem soll es in Abessinien 51.000 Falaschas geben. Von den 15,525.621 Juden der Welt leben 9,390.113 in Europa, 593.736 in Afrika, 774.049 in Asien, 26.954 in Australien und 4,739.769 in Amerika. Von der Gesamtjudenheit entfallen somit 60.48% auf Europa, 30.53 auf Amerika, 4,99 auf Asien, 3.82 auf Afrika und 0,17% auf Australien.