Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 43 (29.10.1937)
- Date
- 1937-10-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 — 29. Oktober 1937 noch zu finanzieren. Daraus kann man sich ein anschauliches Bild machen, wie die „pro-arabische" Politik aussähe, die die Deutschen im Falle ihrer Beteiligung am Palästina-Mandate in Aussicht stellen. Zum Glück hat es damit noch gute Wege. Das „Piager Tagblatt" vom 26. Oktober kam in einem der Lage im Heiligen Land gewidmeten Leitartikel zu dem Schlüsse: „Die endgültige Entscheidung in der Palästina-Frage wird noch eine Zeit lang auf sich warten lassen. England riskierte es, einzelne Schlachten zu verlieren, um den Krieg zu gewinnen. Trotz der Siedehitze der Atmosphäre reifen die gemäßigten Elemente der arabischen Welt zur Verständigung mit den Juden heran." Auf diese Verständigung hat; wie erinnerlich, auch der uns jüngst entrissene Vertreter der Nichtzionisten in der Jewish Agency, Felix W a r b u*r g s. A., als Voraussetzung für das Werden und Gedeihen einer jüdischen Heimstätte in Palästina hingewiesen. Sein Leib ruht jetzt in der Erde, sein Geist aber wird das jüdische Aufbauwerk im Heiligen Lande, dem er sich aufopferungsvoll hingegeben hat, befruchten. Denn dieser Geist ist identisch mit dem jüdischen Geiste, der den andersgläubigen Landsmann zu lieben befiehlt. Mag eine, in Haß und Zwietracht versunkene Welt ihr Ideal in der „Entjudung" sehen, die Friedfertigen und Beladenen werden, bewußt oder unbewußt, all ihr Sehnen und Hoffen stets dem messianischen Erlösungsgedanken der Juden gleichschalten, der seinen Ausdruck findet in der Verheißung einer Zeit, in der aus den Schwertern Pflugscharen werden. DAS „ISRAELITISCHE ERHOLUNGSHEIM" in eröffnet seine diesjährige Saison am 1. Novetnber 1937 Aufnahraebedingungen durch: Via Manzoni 6_ MERANO „Casa Israelitica di salute", MERANO, (Italien) (ITA LIEN) „Die Protokolle der Weisen von Zion" vor dem Berner Obergericht. Am 27. Oktober 1937 begann vor dem Obergericht in Bern die Ber uf ungsverh a n d 1 u n g gegen das Urteil, das im Mai 1935 in Bern vom erstinstanzlichen Gericht in der Frage um die Echtheit der sogenannten Protokolle der Weisen von Zion gefällt worden ist Der Prozeß damals, der über 14 Tage dauerte und in allen Ländern mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt wurde, ist dadurch entstanden, daß Angehörige des „Bundes Nationalsozialistischer Eidgenossen" und der „Nationalen Front", die in Deutschland gedruckten „Protokolle der Weisen von Zion" in der Ausgabe von Theodor Fritsch — auch von dem führenden Nationalsozialisten Alfred Rosenberg existiert eine Ausgabe — öffentlich verbreitet haben. Der Schweiz. Israel. Gemeindebund, wie die Israel. Kultusgemeinde Bern erhoben dagegen Klage, mit dem Erfolge, daß die Hauptangeschuldigten wegen Widerhandlung gegen das bernische Schundliteraturgesetz mit Geldstrafen belegt wurden. Für die Urteilsfindung schien es dem Richter unerläßlich, die Frage gründlich zu klären, ob die sogenannten Protokolle der Weisen von Zion der Schundliteratur zuzuzählen seien und ob sie gefälscht oder echt sind. Er stellte fest, daß die „Protokolle der Weisen von Zion eine Fälschung, ein Plagiat und lächerlicher Unsinn sind." Zu dieser Feststellung kam der Richter nach Untersuchung sämtlicher Materialien, auf Grund der Zeugenaussagen, sowie der Gutachten von Sachverständigen. Als Zeugen, deren Aussage entscheidende Momente für eine Fälschung ergaben, traten u. a. auf: Prof. Dr. Chaim Welzin a n n, Präsident der Zionistischen Weltorganisation, London, der bekannte russische Historiker Prof. Paul M i 1 j u k o f f, der frühere russische Außenminister, der seit Beginn der Sowjetherrschaft in Paris im Exil lebt, der Oberrabbiner von Stockholm, Prof. Dr. Markus Ehrenpreis. Die Aussage von Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis, dessen von echter Religiosität getragenen Ausführungen auch auf den Richter, wie dieser selbst bemerkte, einen tiefen Eindruck hinterließen, war umso bemerkenswerter, weil Ehrenpreis, der auf dem ersten Zionistenkongreß in Basel 1897 eine erhebliche Rolle gespielt hat, wie auch andere Teilnehmer des ersten Zionistenkongresses 1897 in Basel, darunter nichtjüdische, entscheidend darlegte, daß die Behauptung, die „Protokolle" seien damals entstanden, Unsinn und Unmöglichkeit seien. Als Experten fungierten nach Bestätigung durch den Richter für die Klägerschaft Dr. A. Baumgarten, ordentlicher Professor an der juristischen Fakultät Basel, für die Angeschuldigten Oberstleutnant a.D. U. F1 e i s c h h a u e r, Erfurt, Herausgeber des bis jetzt in sieben Sprachen erscheinenden antisemitischen „Welt-Dienstes", der in der von Deutschland ausgehenden und geförderten antisemitischen Bearbeitung des Auslandes (Panarische Union usw.) die entscheidende Rolle spielt. Der Richter bestellt als richterlichen Experten den bekannten Schriftsteller C. A. L o o s 1 i in Bern. Die Experten, Prof. Bau in garten und L o o s I i kamen zu der einmütigen Feststellung, die „Protokolle" seien unzweifelhaft eine Fälschung. Die Sch'lußfolgerungen des Gutachtens Fleischhauers, der in tagelangen Ausführungen die Tatsache der Fälschung zu widerlegen versuchte, wurden vom Richter in vollem Umfange abgelehnt. .! Inzwischen sind eine Reihe geheimer Dokumente aufgetaucht, die aus Material stammen, das die Bundesanwaltschaft in Bern in einem Spionagefall beschlagnahmt hat. Schon heute ergibt sich daraus, daß die Kosten der angeschuldigten Partei — wie obengenannt, Angehörige des „Bundes Nationalsozialistischer Eidgenossen" und der „Nationalen Front" — von Deutschland aus getragen worden sind. In dem beschlagnahmten Schriftwechsel kommen übrigens auch Namen bekannter deutscher nationalsozialistischer Würdenträger vor. Diese Dokumente dürften auch für den jetzigen Prozeß, über den wir ausführlich berichten werden, erhebliches Interesse beanspruchen. Häuseradministration Adolf Krall IV., Schleifmühlgasse 11 Beste Empfehlungen von in- und ausländischen Hausbesitzern Der Inspektor der Regierungssohulen Avinoam Y e 11 i n, auf den am vergangenen Donnerstag, als er am Morgen sein Büro auf dem Zionsberg betreten wollte, ein Revolverattentat verübt wurde, ist seinen lebensgefährlichen Verletzungen erlegen. Die Regierung hat für die Ergreifung der Mörder Yellins eine 1000 Pfund- Prämie ausgesetzt. Das Begräbnis, an dem 5000 Personen teilnahmen, gestaltete sich zu einer Trauermanifestation des ganzen Jischuw. Oberrabbiner Dr. Isaac Herzog, der Vorsitzende des Waad Leumi Jizchak Ben Z w i und andere Führer des Jischuw hielten am offenen Grabe Ansprachen, in denen sie die anabische Mordkampagne brandmarkten. Die jüdischen Schulen und Kindergärten waren zum Zeichen der Trauer während des Begräbnisses geschlossen. Der Jerusalemer Rundfunk schaltete eine Trauerminute ein. Der Waad Leumi hatte einen Aufruf an die jüdische Bevölkerung erlassen, in welchem der Trauer des Jischuw um das jüngste Opfer des arabischen Terrors Ausdruck gegeben wird. ( Avinoam Yellin wurde 37 Jahre alt. Er war Absolvent der Cambridge Universität und Studienkollege von Prof. Louis Billig, der am 20. August 1936 auf dem Wege zur Universität auf dem Skopusberg ebenfalls von arabischen Terroristen ermordet wurde. Beide arbeiteten an einem a r abischen Elementarbuch, das knapp vor der Vollendung stand, als Prof. Billig ermordet wurde. Ebenso wie sein Vater, Professor David Yellin, erfreute sich auch Avinoam Yellin des Rufes eines bedeutenden Gelehrten; er hatte sowohl in arabischen' als auoh in jüdischen und englischen Kreisen zahlreiche Freunde. ' In der Jerusalemer Altstadt wurden in der Nähe des jüdischen Viertels auf zwei jüdische Polizisten, die sich auf ihrem Dienstweg befanden, aus d e m Hinterhalt m ghrer.e Schüsse abgegeben. Der eine von ihnen war auf der Stelle tot, der andere erlitt schwere Verletzungen. Den Tätern gelang es zu entkommen, nachdem sie vorher noch den beiden Polizisten die Gewehre entwendet hatten. , Auf der Straße Jericho-Jerusalem wurde ein La st automobil der Palestine Potash Company aus dem Hinterhalt beschossen. Durch die Schüsse wurde der jüdische Chauffeur des Autos getötet, der den Wagen begleitende Polizist wurde schwer verletzt. Die Unruhen in Palästina. Drei Jüdische Todesopfer. Die letzten Tage waren durch ein Wiederaufflackern der Unruhen gekennzeichnet Angesichts des Wiederauflebens der Anschläge wurden Vorsichts- und Unterdrückungsmaßnahmen beschlossen. In Jerusalem hat die Polizei einen Vetter des Mufti Hussein verhaftet. In mehreren anderen arabischen Städten wurden die Ortskadis in Haft genommen. Vierundzwanzig jüdische Emigranten, die aus Südrußland stammen und sich widerrechtlich in Palästina aufhielten, wurden zu Gefängnisstrafen oder zur Ausweisung verurteilt Fast alle Reisen werden jetzt nurbeiTag unternommen. Der Verkehr auf den Eisenbahnen hört mit einbrechender Dämmerung auf. Die Straßen Jerusalems und anderer Städte sind mit Einbruch der Dunkelheit menschenleer. Sie werden nur von britischen Patrouillen-Autos befahren. Da immer wieder an einer Reihe von Bahnstrecken die Geleise aufgerissen, die Oelleitung der Iraq Petroleum Company angebohrt und fast sämtliche von Jerusalem nach den verschiedenen Teilen des Landes führende Telephonleitungen durchschnitten werden, hat die Regierung ihre kürzlich ausgesprochene Drohung wahr gemacht und in Nablus sieben Häuser, in Nazaretii ein Haus in die Luft sprengen lassen. Iffittfcfraftlicbe ffi er atungsfteile in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisation - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" I., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. JedesMitglled der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung Dotlhommen unentgeltliche Auskunft. Üecfidjecungsberatung in allen Zweigen der Elementarversidierung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Uhfall, Transport, Polizzenprüfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine aamhmfte BegBiftlgmng der Prämiensätze.