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Die Wahrheit · 1937-10-29 · Heft 43 (29.10.1937) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 43 (29.10.1937)
Date
1937-10-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 43 29. Oktober 1937 Seite 3 ngarfen- Kino II., Unt. Augarten- Straße 28 TeleptM A-W-5-M Beglia: »/,*, >/:6, '/«». >/«10Dtr 6. Woche prolongiert! Ur- und Allelnaufführuiifl in Wien Der erste Tonfilm in jidd. Sprache Jidl mit'n Fidl mit deutschen Fußtiteln MitMALY PICON und der Sozialfürsorge in Amerika selbst sei ein großer Teil der Tätigkeit Warburgs Palästinaproblemen gewidmet gewesen. Er war der eigentliche Führer des nichtzionistischen Teiles der J ewish Agency. Weizmann hob die hilfreiche Mitwirkung Warburgs bei der Behandlung schwierigster Fragen, die Klugheit und Mäßigung erforderten, auf der Züricher Tagung hervor und betonte, daß es für Warburg im Hinblick auf seinen Gesundheitszustand damals ein edles Opfer gewesen sei, von New York nach Zürich zu kommen. Die letzten Tage in Zürich habe er mit Warburg gemeinsam verbracht. Sie beide konnten in dem glücklichen Gefühl nach Hause zurückkehren, daß das Werk fortgesetzt werden und trotz aller bevorstehenden Schwierigkeiten gedeihen wird. Weizmann sprach weiter von dem Wirken Warburgs für Kunst und Wissenschaft. Er wies auf die Förderung hin, die der Verstorbene der Harvard Universität und der Hebräischen Universität in Jerusalem, dem Metropolitan Museum in New York und Gemäldesammlungen in London angedeihen ließ. Diese umfassende und vielseitige Tätigkeit habe Warburgs Gesundheit in den letzten fünf bis sechs Jahren schwer auf die Probe gestellt. In allem, was er unternahm, habe Warburg außerordentliche Gewandtheit bewiesen. Immer habe er Oel auf aufgewühlte Fluten gegossen, immer versucht, einen friedlichen Ausweg aus den Schwierigkeiten zu finden, die demjenigen begegnen, der im öffentlichen Leben steht. Warburgs Mitarbeit könne in diesem Augenblick in Amerika und in der zionistischen Bewegung schwer entbehrt werden. Ich muß aufrichtig sagen, erklärte Weizmann, daß ich im weiten Umkreis niemanden sehe, der im vollkommen ersetzen könnte. Eine ungeheure Leere ist nach ihm geblieben. Zum Schluß sprach Weizmann noch von dem persönlichen Verlust, den er durch den Tod Warburgs, mit dem er jahrelang befreundet war, erlitten hat, und erklärte, die Judenheit der ganzen Welt traure um ihn. Sein Name werde für immer in unserer Mitte lebendig bleiben. Neville Laski erklärte, es sei unmöglich, sich Warburg losgelöst von seiner nimmer rastenden Tätigheit vorzustellen. Stets habe er irgendeinen neuen Plan zur Verbesserung der Lage seiner notleidenden Brüder im Kopfe gehabt. Noch zuletzt habe er an einem großzügigen Plan gearbeitet, durch den die gesamte jüdische Hilfstätigkeit koordiniert werden sollte. Amerikas Trauer um Felix Warburg. Der Gouverneur des Staates New York, Herbert H. Lehman, hat folgende Erklärung abgegeben: „Tiefer als Worte es ausdrücken können, bin ich erschüttert und in Trauer versetzt durch den frühzeitigen Tod eines meiner teuersten Freunde. New York hat einen seiner hervorragendsten Söhne verloren, die Welt einen bedeutenden und unersetzlichen Charakter." Der Bürgermeister von New York, Fiorello H. LaGuärdia, erklärte: „New York hat einen hervorragenden Bürger verloren." ORIO. ENGL. DAMEN- U. HERRENSTOFFE IN BEWAHRTER QUALITÄT IM TUChhdUS „MÜlIZ", Wien l„ Brandstätte Der Kampf um Palästina. Zur Zwanzig-Jahr-Feier der Balfour-Deklara- .tion hat sich das palästinensische Amtsblatt mit dem Entwurf einer neuen Einwanderungsverordnung eingestellt. Auf Grund des Entwurfes wird der High-Commissioner ermächtigt, die. Höchstzahl der in der jeweiligen Einwanderungsperiode zur Einwanderung zuzulassender Ausländer festzusetzen. Ferner wird ihm das Recht erteilt, die Höchstzahl innerhalb der einzelnen Einwanderungskategorien, sowie den proportionellen Anteil der jüdischen Einwanderer im allgemeinen und innerhalb jeder Kategorie im besonderen festzusetzen. Der Leiter des Einwanderungsdepartements erhält das Recht, in umstrittenen Fällen zu entscheiden, wer als Jude anzusehen ist. Dieser letzte Passus erweckt bei uns Wienern heitere Reminiszenzen an das Lueger-Wort: „Wer ein Jud' ist, entscheide ich!" Während aber diese Enunziation des christlichsozialen Bürgermeisters einer Abwehr des intransigenten Antisemitismus zugunsten einer wenigstens fallweise offen gelassenen Konzession an den gesunden Menschenverstand und allgemein menschliches Empfinden entsprungen ist, zerbricht man sich vergeblich den Kopf über den Sinn und den Zweck dieser neuen Befugnis des, wie man glauben sollte, bereits mit genug Sorgen belasteten High-Commissioners. Soll dieser etwa in Wettbewerb mit den jetzt im Dritten Reiche geplanten Rassenämtern treten, die zur Ergänzung des offenbar nicht mehr genügenden Ahnennachweises auch noch eine rigorose Ueberprüfung der physiologischen Rassenmerkmale aller Postenanwärter vornehmen sollen? Das ist wenig wahrscheinlich. Denn während die neue Institution des Dritten Reiches zweifellos den Zweck verfolgt, die Zahl der zu Juden Ernannten künstlich zu steigern, liegt dieser Bedarf in Palästina, das schon aus räumlichen Gründen nicht einmal alle wirklichen Juden der Welt zu fassen vermöchte, wahrhaftig nicht vor. Eher muß man sich auf die entgegengesetzte Tendenz bei der Handhabung der neuen Einwanderuhgsverordiung für die „Jüdische Heimstätte" gefaßt machen. Schon daß für die in dieser „Heimstätte" Zuflucht Suchenden das Wort „Ausländer" gebraucht wird, hat in den jüdischen Kreisen Palästinas böses Blut gemacht. Und diese Nervosität hat ihren Grund in der zweifellos richtigen Empfindung, daß die Verordnung nicht nur keine Erhöhung, sondern im Gegenteil eine katastrophale Einschränkung der jüdischen Einwanderung zum Ziele hat, wie sie ja von der Königlichen Kommission zugleich mit dem famosen Teilungsplan, an dem der englische Kolonienminister noch immer festhält, ausdrücklich vorgeschlagen worden ist. Es ist grotesk: Die Araber terrorisieren das Heilige Land mit blutigen Greueln und die Juden, die loyalen Pioniere des Kulturaufbaues, werden ausgesperrt! Das kennzeichnet die Palästina-Politik Englands. Bloß Englands? Es kommt noch viel merkwürdiger: Palästina ist plötzlich in den Mittelpunkt der Weltpolitik geraten. Nicht daß sich die Welt angesichts der arabischen Greueltaten an den ethischen Nimbus des Heiligen Landes erinnerte, an den Boden, der geweiht ist durch den Geist der göttlichen Offenbarung vom Sinai. Nein, nicht das Ethos der zehn Gebote und der messianischen Friedensverheißungen der jüdischen Propheten ist es, was die europäischen Herzen zur Abwehr der Entweihung dieses Bodens durch Mord und Brand enthusiasmiert, sondern was dieses Land heute in den Blickwinkel der europäischen Politik rückt, ist eine instinktiv zutage tretenden Sympathie für die arabischen Terrorakte, die jetzt den Charakter eines regelrechten Guerillakrieges in ganz Palästina angenommen haben. Die heimtückischen Schüsse aus sicherem Hinterhalt, Bombenwürfe in jüdische Kindergruppen und Frauensiedlungen, die Ermordung des Pädagogen Yellin, der eine hebräisch-arabische Grammatik verfaßt hatte in dem so unzeitgemäßen Glauben, durch Werke des Geistes eine Versöhnung der Völker bewirken zu können, die Vernichtung von Orangenplantagen und Oelwäfdern, die jüdischer Fleiß aus dem Nichts der Wüste hervorgezaubert hatte, und nicht zuletzt die Inbrandsteckung der britischen Petroleumleitung ist es, die in den Herzen der lautesten Lippenbekenner zur abendländischen Kultur den freudigsten Widerhalf seelenverwandter Gefühle liteilunj^s Wiener CafeliauspubllRum! Ich erkläre, daß ich an dem in meinem Betriebe stattgehabten Vorfall gänzlich schuldlos bin, daß weder meine Gesinnung noch mein Verhalten jemals Anlaß gegeben hat, mich und mein Unternehmen politisch zu verdächtigen und daß beimir selbstverständlich jedermann als gern gesehener Gast geschätzt und behandelt wird. RIEDL, Cafe de l'Euröpe und Empfindungen weckt. Sogar die Wiener ..Reichspost" singt hingerissen das „panarabische Sturmlied" (Titel ihres Leitartikels vom 23. Oktober), stellt sich plötzlich positiv ein zu der Parole: „Ein Volk ein Staat!" — natürlich bloß für das arabische Vorderasien — und begrüßt mit sittlich-religiöser Genugtuung die Tatsache, daß es der islamitische Klerus ist, der das Einigungswerk vollzieht, während der Wiener Stefansturm noch immer die in den Türkenkriegen von einem fanatischen Verteidiger des damaligen christlichen Ständestaats gemalte Inschrift trägt: „Mohammed, du Hund!" Italien und Deutschland begnügen sich nicht mit platonischer Liebe für die palästinensischen Araber, sondern haben bereits in aller Form ihre Ansprüche auf Beteiligung am Palästina- Mandat ausgesprochen, das sie im proarabischen Sinne verwalten wollen. Von Italien nimmt das nicht Wunder. Wenn es sich bei seinen eigenen Arabern beliebt machen und zugleich an den Engländern für deren Sanktionspolitik gegen den Abessinien-Krieg rächen will, ist das psychologisch begreiflich. Wie aber soll die antisemitische Rassentheorie, auf der das Dritte Reich ideologisch basiert, mit pro-arabischer Politik in Einklang gebracht werden? Die Araber sind nach der pseudowissenschaftlichen Lehre des Rassenapostels Houston Stewart Chamberlain noch viel reinere Semiten als die Juden, die auch hetitisches Blut in sich aufgenommen haben. Wie kommt also die Katze über das Wasser? Zur Bereinigung dieser äußerst schwierigen Frage hat jetzt der vielbeschäftigte Herr Ribbentrop im Berliner Auswärtigen Amte ein besonderes Presseamt eingerichtet, das sich nur mit den arabischen Fragen beschäftigen soll. Man darf neugierig seht, was da herauskommt. Der Oesterreicher Hammer-Purgstall mußte vor mehr als hundert Jahren, um das Deutschland Goethes für die orientalische Welt zu interessieren, ganze Dichtungen übersetzen. Herr Ribbentrop hat es bei der Propaganda für die Araber heute wesentlich leichter: Er braucht seinen Nazi nur zu sagen, daß „Alkohol" ein arabisches Wort ist und die pro-arabische Stimmung wird sich gleich bedeutend heben. Anderseits wird aber die Sprache der arabischen Ziffern vielfach ernüchternd wirken. So z. B. ist es höchst peinlich, daß gerade jetzt der bisherige Umsatz des deutsch-palästinensischen Transfers, der deutschen Juden die Mitnahme ihres Vermögens in Form deutscher Industrieprodukte ermöglicht, mit 67 Millionen Mark errechnet worden ist. Das heißt, für diesen Riesenbetrag haben die Juden beim Verlassen ihrer deutschen Heimat deutsohe Waren kaufen und nach Palästina exportieren müssen. Das wh* für den deutschen Markt sicherlich ein sehr gutes Geschäft, bestimmt ein besseres als die Belieferung der Araber mit Waffen. Es ist den Engländern in der letzten Zeit geglückt, mehrere höchst raffiniert getarnte Waffenlager der Terroristen auszuheben. Es scheint, daß der Riesengewinn, den Deutschland aus dem jüdischen Transfer zog, zur Aufrüstung der Araber verwendet wurde, was nichts anderes bedeutet, als daß die deutschen Juden in Palästina den arabischen Vernichtungskrieg gegen die „jüdische Heimstätte** finanzieren müssen. Dies entspricht ganz der „proarabischen" Nazi-Taktik in Spanisch-Marokko, wo früher der Antisemitismus unbekannt war, aber jetzt von den Franco-Truppen unter deutschem Einfluß ganz entsetzliche Formen angenommen hat, wobei die Juden gezwungen werden, den gegen sie angewendeten schmachvollen Terror auch

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