Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 42 (22.10.1937)
- Date
- 1937-10-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7 JUGEND-UNION. Die Eröffnung der neuen Saison der J u g e n d- Union war sehr vielversprechend. Der am Samstag, den 2. Oktober, stattgefundene Gesellschaftsabend war ein in jeder Hinsicht gelungenes Fest. Alle Darbietungen, insbesondere aber diejenigen der Mitglieder der Jugend-Union selbst, fanden in dem bis auf das letzte Plätzchen gefüllten Saal reichen Beifall. Erwähnenswert wäre noch die Eröfnungsansprache des Obmanns der Jugend-Union Dr. David, in welcher er in einer wirklich zu Herzen gehenden Weise alle Anwesenden zur tätigen Mitarbeit aufforderte. Mittwoch, den 6. d. M., hielt Herr Professor Dr. P a p o einen Vortrag, „Probleme des modernen Judentums". Die geistreichen Ausführungen, die überzeugende Art derselben, insbesondere aber die „Parabel von den beiden Säcken"' lösten bei der zahlreich versammelten Jugend lebhaften Beifall aus und konnte man die Zuhörer noch lange nach dem Vortrag über die erörterten Probleme diskutieren hören. Die Leitung der Jugend-Union erlaubt sich, auf diesem Wege Herrn Professor Dr. P a p o nochmals ihren besten Dank auszusprechen, und hofft, bald wieder ihn im Rahmen ihrer Vortragsabende hören zu können. Montag, den 11. d. M., begannen die von der Jugend-Union im heurigen Jahre veranstalteten Kurse unter der Leitung von Professor Dr. P a p o und Dr. B o g n e r und rufen wir nochmals alle Jugendlichen auf, sich daran zu beteiligen. Veranstaltungen der Jugend-Union IV/V/X. im HeSm des BJF„ V., Hauslabgasse 2. 25. Oktober: Vortrag Prof. Dr. Kupfer über ein jüdisches Thema. 1. November: Gesellige Zusammenkunft. 8. November: Dr. Julius Klügler: „Jüdisches Eherecht". Alle Veranstaltungen heginnen um 8 Uhr abends. Eingesendet. Kardinal Innitzer zeichnet einen Juden aus. Wir erhalten folgende Zuschrift, der wir gerne Raum geben: Zu der in der letzten Nummer der „Wahrheit" unter obigem Titel enthaltenen Notiz bitte ich, folgende Richtigstellung vorzunehmen: Der durch die außerordentliche Auszeichnung sich hochgeehrt fühlende Präsident der Finanzprokuratur Dr. Rudolf Low, sowie sein älterer Bruder, Senatspräsident Dr. Alfred Low, sind Söhne des verstorbenen, in Mähren und Schlesien und weit darüber hinaus sehr geachtet gewesenen Industriellen und Grundbesitzers Herrmann Low, der bei seinen Mitbürgern wie auch bei der christlichen Geistlichkeit in hohem Ansehen stand, er war Gemeinderat, Ortsschulrat etc. Es war eine tiefreligiöse Natur, war durch ■43 Jahre Vorstand vereinigter Kultusgemeinden. Die eingangs erwähnten Herren Dr. Alfred und Dr. Rudolf Low sind also nicht Söhne des Herrn Rabbiners Immanuel Low, und soweit mir bekannt, auch nicht mit ihm verwandt. Hochachtungsvoll 'Kommerzialrat Adolf L o e w. in großzügigster Weise an. Er stand an der Spitze des American Joint Distribution Committees, das seit Ende 1914 an 100 Millionen Dollar gesammelt und für die Opfer des Krieges in allen Ländern verwendet hat, und zwar von Sibirien über ganz Osteuropa, Zentraleuropa bis nach der Türkei und Kleinasien hin. Auch für den Wiederaufbau Palästinas hat er als richtunggebender Führer der amerikanischen Nichtzionisten Hervorragendes geleistet; rühmlich bekannt ist sein entschiedenes Auftreten bei der letzten Züricher Tagung der Jewish Agency. Generälkonsul Sally Guggenheim gestorben. Im Alter von 62 Jahren verstarb auf seinem Landgut in Allschwil bei Basel, der weit über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannte Wirtschaftsmann und jugoslawische Generalkonsul Sally Guggenheim. Er war Mitbegründer der Weltorganisation der Agudas Jisroel. Sowohl in Berlin, wo er zeitweilig wohnte, als auch in Basel hat er sich tatkräftig für jüdische Zwecke, sei es humanitärer oder religiöser Art, eingesetzt. In Berlin war er Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde Adas Jisroel. Seine erste große Spende ermöglichte die Errichtung der Lungenheilstätte „Etania" in der Schweiz. Sein Lebenswerk war die Gründung der Israelitischen Religionsgesellschaft und die Errichtung der Synagoge Ahornstraße, der „Guggenheims Schul". Anläßlich der Kalenderreform-Bestrebungen intervenierte er mehrmals erfolgreich beim Völkerbund. Personalnachricht. Der Bundespräsident hat Frau Regine Ulimann, die kürzlich ihren 90. Geburtstag gefeiert hat, das goldene Verdienstzeichen des österreichischen Verdienstordens verliehen. GEMEENDECHROMK. Felix Warburg gestorben. Vor Redaktionsschluß erreicht uns die erschütternde Nachricht, daß der Bankier Felix War bürg, Mitglied des Bankhauses Kuhn, L o e b u. C o., in New York im Alter v,on 66 Jahren gestorben ist. Zahlreiche soziale Arbeiten in Amerika haben Warburg, dem wir in der nächsten Nummer eine ausführliche Würdigung widmen werden, zu einem der größten Wohltäter in den Vereinigten Staaten gemacht. Von großer Bedeutung wurde seine philanthropische Tätigkeit seit dem Weltkrieg. Schon in den ersten Jahren des Weltkrieges nahm er sich der Opfer des Krieges k Der Union-Klub arrangiert ieden Sonntag und Mittwoch ab 4 Uhr nachmittags ein Bridge-Cercle im Klubsaal, I., Schottenring 25. Gäste willkommen! Billigste Konsumationspreise i Schmuckonil voa Gruiten and Grabern LeQpoldfleutschJienXL einzige jüdische Gärtnerei beim Zentraliriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Jude aus Deutschland begeht Selbstmord in Palästina. Der vor zwei Monaten aus Deutschland nach Palästina eingewanderte Wilhelm Stark hat auf dem Friedhof von Kfar Gileadi Selbstmord verübt. Kundgebung jüdischer Legitimisten Oesterreichs. Samstag abends fand im Hotel Continental eine Massenversammlung der jüdischen Legitimisten staft, bei der nach einleitenden Worten des Bundesführers General Sommer und nach einem ausgezeichneten historischen Vortrag des Ehrenpräsidenten der „Union österreichischer Juden'1 Dr. Jakob Ornstein über die Stellung der Habsburger-Dynastie den Juden gegenüber der katholische Universitätsprofessor Dr. Dietrich v. Hildebrand eine Rede gegen den Nazismus hielt, den er als ..Rückfall in eine mittelalterliche Barbarei" bezeichnete. Dr. v. Hildebrand legte die Bedeutung Oesterreichs für die Erhaltung und Erneuerung des Abendlandes gegen die anstürmende Barbarei von rechts oder links dar, welche die Freiheit des Menschen einer kulturlosen Gleichmacherei und einer herdenmäßigen Aufzucht opfern will. In diesem Kampfe dürfen auch die Juden nicht abseits stehen. Neuwahl des Vorstandes der Judischen Gemeinde Rom. Bei der am 17. Oktober durchgeführten Neuwahl des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Rom konnte e i n Wahlkampf im letzten Augenblick vermieden werden. Den Bemühungen des Oberrabbiners von Rom, Prof. David P r a t o, ist es gelungen, die verschiedenen Gruppen für ein gemeinsames Programm zu gewinnen, so daß eine Einheitsliste von Zionisten und Nichtzionisten zustande kam. Diese Liste umfaßt die Namen einer Reihe angesehener Persönlichkeiten, so Lionello A ( a t r i s, dessen Großvater, Samuele Allatri, schon in der Zeit, da Rom noch unter päpstlicher Herrschaft stand, ein hervorragender Gemeindeführer war; des Generals Angelo di Nola, des ehemaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Rom, Ing. Guiseppe R e c a n a t i, des Aehesten der faschistischen Miliz, Ettore B a s s a n, und des durch seine Tätigkeit auf dem Gebiet der jüdischen Waisenfürsorge bekannten Advokaten Pio Taglicozzo. Die Kandidaten der Einheitsliste hatten vor der Wahl an die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Rom einen Aufruf erlassen, in dem sie betonen, daß „dank dem erreichten Ausgleich der Judenschaft von Rom eine würdige Vertretung gesichert werden soll. Meinungsverschiedenheiten, die sich in der Vergangenheit auf die geistige Einheit' der jüdischen Gemeinde Rom schädlich ausgewirkt haben, sind überwunden worden. In die Einheitsliste wurden Persönlichkeiten aufgenommen, die im Hinblick auf ihre hingebungsvolle Arbeitsbereitschaft, ihre administrativen Fähigkeiten und ihre Zugehörigkeit zur Faschistischen Partei die Gewähr dafür bieten, daß sie das Leben der uralten Jüdischen Gemeinde von Rom im Sinne der Richtlinien des Statuts für das jüdische Gemeindewesen, das für die Tätigkeit der Gemeinde maßgebend ist, leiten werden." Als die Grundsätze, die für die neuen Vorstandsmitglieder bestimmend sein sollen, werden genannt: „Treue gegenüber dem Glauben der Väter, Förderung der kulturellen Entwicklung, soziale Fürsorge für die Hilfsbedürftigen nach sorgfältigen Methoden und mit dem Gefühl des Verstehens laut den Richtlinien der Einrichtungen unseres geliebten kaiserlichen faschistischen Vaterlandes." Prinz Petros von Griechenland besucht Synagogen in Saloniki. Prinz Petros von Griechenland benutzte einen kurzen Aufenthalt in Saloniki bei der Rückkehr von den Heeresmanövern in Serres zur Besichtigung jüdischer Einrichtungen der Stadt. Der Prinz erschien überraschend in zwei Synagogen, der Synagoge der Juden von Monastir und der Hauptsynagoge Bet Schaul. Er ließ sich die Thorarollen zeigen und bat, auch in ein Exemplar des Sohar Einblick nehmen zu dürien. Das Buch wurde für den Prinzen aus einer in der Nähe befindlichen Jeschiwa geholt. Prinz Petros verriet durch seine Bemerkungen eine weitgehende Kenntnis des jüdischen Schrifttums. Nach der Besichtigung der Synagogen besuchte der Prinz den Oberrabbiner Dr. Zwi Koretz und unterhielt sich mit ihm in seiner Wohnung etwa eine Stunde lang über jüdische Fragen. Er erklärte, daß er sich schon während seiner Studien an der Londoner Universität mit jüdischen Dingen befaßt habe und daß sein Interesse für jüdische Probleme durch seine Besuche in Polen und Palästina noch gesteigert worden sei. 60. Geburtstag. Am 15. Oktober beging Herr Joset Stapler seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlasse versammelten sich Samstag, den 16. Oktober, im Festsaal des Caie Buchsbaum seine Freunde und Verehrer, sowie Vertreter von jüdisch-religiösen und humanitären Vereinen. Es waren anwesend der Gesatntvorstand des Vereines „Mathilde", „Hachnusas Kalu", bei welchen Herr Stapler als ObmannstelLvertreter fungiert, ferner der Vorstand der Vereine Chrzanower und Hilfsbereitschaft treuer Brüder, wo Herr Stapler das Amt eines Obmannes bekleidet, sowie vom Verband der Kürschner. Ferner waren erschienen die Herren Rabb. M. Blech und Dr. Gerstl. Obmann W e i n s t o c k vom Verein „Mathilde" begrüßte die Erschienenen, würdigte die Verdienste des Jubilars und überreichte ihm unter Darbietung von Glückwünschen ein Ehrendiplom des Vereines „Mathilde". Ansprachen hielten weiters die Herren Rabb. Blech, Dr. Gerstl. Gesund. Horn, Kuj. Blumenkranz. Breitfeld und Buchsbaum, in denen sie insbesondere auf seine Verdienste als seinerzeitigen Obmann des Bethausvereines im XX. Bezirk, Kaschlgasse. und der Kleingewerbetreibenden verwiesen, welche seiner Tätigkeit ihren Aufbau und die Erhaltung zu verdanken haben. Perner wurde seine ersprießliche Mitarbeit für humanitäre Vereine und seine Funktion als Fürsorgerat für die Kultus-