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Die Wahrheit · 1937-10-15 · Heft 41 (15.10.1937) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 41 (15.10.1937)
Date
1937-10-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 41 — 15. Oktober 1937 Seite 7 M iiiiiiuiniiwuiraumnwiiiwiiiiiiin Wien lM Seitenstettengasse 2 XI.t Zentralfriedhof neben dem L Tor Samstag ge«chlo«aenl einem Monat Gefängnis. Konfessionelle Aufreizung konnte nicht festgestellt werden, da die Ausführungen des Angeklagten sich offenbar gegen die besitzende Klasse richteten und er auch gegen die Juden nur als Angehörige dieser Klasse und nicht als Konfession losgegangen sei. Jüdischer Jugend-Kreis Ein Fest der unionistischen Jüngsten. Die große Aktivität, die die „Union" auf allen Gebieten jüdischen Lebens entfaltet, hat auch die organisatorische Zusammenfassung der jüdischen Jugend im Rahmen der „Union" notwendig gemacht. Mit wachsendem Erfolg bemüht sich der der „Union" angegliederte „Jüdische Jugend- Kreis" die Burschen und Mädeln im Alter von 10—18 Jahren zu erfassen, sie mit der Idee der jüdischen Gemeinschaft auf dem Boden des Landes, dessen Staatsbürger wir sind, und dem wir uns durch Geburt und Kultur verbunden fühlen, zu erfüllen. In den Gemeinschaftsabenden des JJK. wird in diesem Sinne gute Arbeit geleistet. Nun hat der JJK. am 9. Oktober im großen Saal der „Union" seine Mitglieder und ihre Eltern zum ersten Bestandsfest vereinigt, dessen Ablauf Zeugnis für den prächtigen Geist ablegte, der in den Reihen der Jüngsten der „Union" herrscht. Das starke Interesse, das der JJK. findet, dokumentierte sich nicht nur in dem ausgezeichneten Besuch dieser Veranstaltung, sondern auch darin, daß der Zentralvorstand der „Union" eine größere Abordnung entsendete, an deren Spitze der Präsident der „Union", Herr Reg.- Rat Dr. Hermann Oppenheim, erschien. Auch die .,Jügend-Union" entsandte ihre Vertreter zu der Feier, welche mit einer gedankenreichen Ansprache des Herrn Reg.-Rat Dr. Lenk eingeleitet wurde. Sodann hielt das Vorstandsmitglied der „Union", Dr. Ernst Feldsberg, die Festrede, in der er den Sinn der jüdischen Jugendarbeit in formschönen Worten würdigte. Ein gemischter Jugendchor, die ausgezeichneten Klaviervorträge der jungen Elfi Pick, ein lustiger Sketch, der von Mitgliedern des JJK. flott gespielt wurde, die Wiedergabe eines Heimabends, fanden vielen Beifall. Alles in allem eine gelungene Veranstaltung, die beweist, daß unsere Jugendarbeit, die mit Hingabe von Ulrich Pick und seinem Mitarbeiterstab geleitet wird, gute Früchte zeitigt. Der JJK. wird im zweiten Jahr seines Bestandes im Rahmen der „Union" auf dem einmal beschrittenen Weg mit dem Schwünge jugendlicher Begeisterung seine Tätigkeit fortsetzen. K. B. GEMEINDECHRONIK. Ungarisches Oberhausmifglied Dr. Samuel Glücksthal gestorben. Am Donnerstag, den 8. Oktober, verstarb in Budapest Dr. Samuel Glücksthal, Mitglied des Oberhauses und Präsidentstellvertreter der Pester Israelitischen Kultusgememde. Dr. Glücksthal wurde 1864 in Turocszentmärton (Slovakei) geboren. 1889 erwarb er das Advokatendiplom. 1903 wurde er zum Repräsentanten der Stadt Budapest gewählt und gehörte seither ununterbrochen der hauptstädtischen Munizipal Versammlung an, die ihn 1927 in das Oberhaus entsandte und 1931 zum Stadtrepräsentanten auf Lebensdauer wählte. Der Verstorbene war einer der gründlichsten Kenner der Budget- und Finanzangelegenheiten der Hauptstadt Auf seinen Antrag wurde im Kriege der Volksernährungsausschuß in Budapest ins Leben gerufen, der für die reibungslose Verproviantierung •der Bevölkerung sorgte. Für die Pester Israelitische Gemeinde, deren Leitung Dr. Glücksthal mehr als eineinhalb Jahrzehnte angehörte, bedeutet sein Ableben einen schweren Verlust. Doktor Glücksthal war lange Jahr Vorsteher der Unterrichtsabteilung und Leiter der Bau-Aktion der Gemeinde, in deren Rahmen er den Heldengedächtnistempel, den Kulturpalast, die beiden jüdischen Gymnasien und zuletzt das Kulturhaus des Tempeldistrikts im IX. Stadtbezirk errichten ließ. Die Beisetzung fand am Sonntag, den 10. Oktober, unter der Beteiligung zahlreicher Vertreter des öffentlichen Lebens statt. Im Namen des Oberhauses legte Dr. Wilhelm Qaar einen Kranz an der Bahre nieder. Die Stadt Budapest war durch ihren Bürgermeister Karl Szendy und Magistratsrat S a 1 a m o n, der Kultusminister durch Ministerialrat T e r b 6 c z vertreten, außerdem hatten die Advokatenkammev, der kaufmännische Landesverband und zahlreiche Venbände Abordnungen entsandt. Die Gedenkrede hielt Oberrabbiner Dr. Simon Hevesi. Hofrat Samuel Stern sprach im Namen der Gemeinde und der Israelitischen Landeskanzlei, Oberregierungsrat Dr. Geza D e s i im Namen der Chewra Kadischa, Dr. Moritz B 1 a u n e r namens der Advokatenkammer, Dr. Koloman B a l k ä n y i für den kaufmännischen Landesverband und Oberhausmitglied Dr. Franz Harrer für die kommunale Bürgerpartei. Es sprachen dann noch eine Reihe von Vertretern jener Organisationen, in denen der Verstorbene führend tätig gewesen war. Am offenen Ehrengrabe verrichtete Oberraibbiner Dr. Julius Fischer ein letztes Gebet. Der Union »Klub beabsichtigt bei entsprechender Teilnehmerzahl demnächst eine Gcsellsdiaffs-Aufobusreise nach Budapest zu führen. Auskünfte erteilt das Sekretariat I., Schottenring 25, Tel. A 19-2-77 Eine jüdische Mitgründerin der faschistischen Partei gestorben. Im Alter von 60 Jahren ist in Livorno die jüdische Schriftstellerin und Draraaturgin Mary Rosselli gestorben. Sie war die einzige Frau, die 1919 in Mailand an der Versammlung „auf der Piazza San Sepolcro", der Gründungsversammlung der 'Faschistischen Partei, teilgenommen hat. In den letzten Jahren hat sich Mary Rosselli stark mit philanthropischen Aufgaben befaßt. Die italienische Presse veröffentlicht eingehende Schilderungen ihres Lebens und ihrer öffentlichen Tätigkeit. Tempelverem „Aeschel Awrohom", II.. Pazmanitengasse. Donnerstag, den 7. Oktober, versammelte sich der Vorstand und eine zahlreiche Trauergemeinde im Tempel, woselbst für den am 29. August 1937 verstorbenen Herrn Direktor Karl Ehrenzweig s. A. eine Oedenkfeier abgehalten wurde. Nach dem vom I. Kantor Stift vorgetragenen Minchagebet. sang Oberkantor M ü 11 e r mit Chorbegleitung den Psalm 49, worauf Herr Rabb. Dr. M. G. M e h r e r die gediegene Trauerrede hielt Er zeichnete in derselben den Verstorbenen als einen ehrenwerten Mann und treuen Glaubensbruder, der sich durch seine offene, grundehrliche Persönlichkeit, seinen integren Charakter, seinen Wohttätigkeitssinn überall beliebt gemacht hat, der durch beharrlichen Fleiß und bewährte Fachkenntnisse im Versicherungswesen in zwei Gesellschaften führende Stellen erreicht hat und sich sowohl bei den Verwaltungen wie bei der ihm zugeteilten Beamtenschaft größte Hochachtung erwerben konnte. Dem Tempelverein, dem er über 20 Jahre als Vorstandsmitglied angehört hat, widmete sich der Verstorbene in aufopferungsvoller Weise und mit viel Liebe, so daß ihn der Vorstand schon vor mehreren Jahren zum Ehrenmitglied ernannte. Mit seiner Gemahlin, der Tochter des unvergeßlichen Gründers des Tempels, Herrn Adolf Schramek s. A. und Schwester des Jetzigen Obmannes Oskar Schramek, hat Dir. Ehrenzweig mehr als 30 Jahre ein glückliches Familienleben geführt, er war seinen Kindern ein liebevoller Vater und seinen Geschwistern ein herzensguter Bruder. So hat er sich für dauernde Zeiten einen guten Namen erworben. Das Andenken an diesen vortrefflichen jüdischen Mann, Herrn Dir. Ehrenzweig, möge stets zum Segen gereichen, Secher zadik livrocho. Das Kel Mole- und das Maariv-Gebet verrichtete in würdiger Weise Herr Oberkantor Müller. Rudolf Kraus. Predigt. Freitag, den 15. Oktober, hält Rabbiner Dr. J. Schächter beim Abendgebet, das um 5 Uhr beginnt, eine Gastpredigt im Tempel, IL, Pazmanitengasse 6 Schmuchung wn Grotten and Gräöern LeopoldDßutschJienXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhot 1. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor. Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen Verein iür jüdische Geschichte und Literatur in Wien, II., Ferdinandstraße 23/8. -Montag, den IS. Oktober 1937, halb 8 Uhr abends, im Klitbsaale I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashot, eigener Eingang, Souterrain) Vortrag des 'Herrn Rektor Professor Dr. Samuel Krauss: „Don Isaak Abravanel", eine Würdigung zur 500. Wiederkehr seines Geburtsjahres. Eintritt frei. Gäste willkommen. „Maimonides-lnstitut", 11- PraterstraBe II. Der Vorstand ladet seine Mitglieder zu der Donnerstag, den 21. Oktober 1936, um 6 Uhr abends, stattfindenden Generalversammlung. Anschließend wird Herr Rabbiner Dr. A. Kaminka einen Vortrag ü.ber Hillel halten. Der Brigittenauer israei. Frauen-Wohltätigkeitsverein (Präsidentin Olga Friedmann) veranstaltet Sonntag, den 31. Oktober, 4 Uhr nachm., im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 2, eine Akademie mit Tanz. Hervorragende Mitwirkende und erstklassige Jazzband. Regiebeitrag S 1.50. Um zahlreichen Zuspruch bittet angesichts des humanitären Zweckes die Vereinsleitung. „Mathilde", Verein zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder, Wien II., Große Sperteasse 4t, gibt bekannt, daß die Gesuche um Bekleidung bis einschließlich 31. Oktober entgegengenommen werden. Später einlangende und nicht auf Vereinsformularen geschriebene Gesuche werden nicht berücksichtigt. Formulare sind im Vereinslokale erhältlich. 60. Geburtstag. Herr Josei Popper, Oberverwalter des israelitischen Altersheimes, feierte am 13. Oktober in voller Schaffenskraft seinen 60. Geburtstag. Der Jubilar, der im 37. Dienstjahre steht und das Altersheim seit 20 Jahren leitet, hat es in dieser Zeit verstanden, sich die aufrichtige Wertschätzung seiner Mitarbeiter und die Liebe und Verehrung der ihm anvertrauten 450 Insassen zu erwerben. Diese hängen an ihm wie an einem Vater und alle sind von dem Wunsche beseelt, er möge noch viele Jahre in vollkommener Gesundheit für sie sorgen. Anläßlich des 60. Geburtstages des Oberverwalters Josef Popper fand am 13. d. M. in seiner Kanzlei, die in einen Blumenhain verwandelt war, eine überaus herzliche Feier statt Es hatten sich die Aerzte, Beamten, das gesamte Personal und viele Pfleglinge eingefunden, um dem beliebten Jubilar die herzlichsten Glückwünsche zu entbieten. Herr Primarius Dozent Dr. Strisower würdigte in rührenden Worten die überragende Tätigkeit des Jubilars, dann gratulierte ein Vertreter der Vaterländischen Front und zum Schlüsse ein Pflegling, die alle ihrem Herzenswunsche Ausdruck gaben, er möge noch viele Jahre des Hauses Vater sein. Es fand sich dann eine Deputation der Kollegenschait von der Israelitischen Kultusgemeinde ein, die namens der Beamten der Zentrale ihre Glückwünsche überbrachten. Barmizwah-Feier. Samstag, den 9. d. M., fand im Ottakringer Gemeindetempel die Barmizwah des Studenten Fritz Mandelbaum, Sohn des Herrn Franz Mandelbaum und seiner Gattin Rosalia, geb. Ungvary unter großer Beteiligung statt. Unter den Feslgästen sah man viele Vertreter des Bethausvorstandes und aller Wohltätigkeitsvereine des 16. und 17. Bezirkes. Der Barmizwah trug die Segenssprüche und die Haftorah in ausgezeichneter Weise vor, was seinem Lehrer, Kantor M. Harendorf zu großer Ehre gereichte. Nachdem Oberkantor R. Kogan einen feierlichen Segerrsspruch vorgetragen hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. J. M. B a c h an den Knaben eine sehr herzliche Ansprache, in der er auf die Tradition der beiden Familien Mandel b a u m und U n g v a r y hinwies, in welchen Religion und Wohltätigkeit gepflegt wird, und besonders des Großvaters Bernhard Mandelbaum s. A. als eines Mitgründers des Ausspeisungsvereines gedachte. Sr. Ehrwürden richtete am Schlüsse seiner Rede an den Konfirmanden herzliche Worte der Ermunterung, dem Beispiele seines Vaters nachzueifern, der als angesehener Fabrikant und edler Mensch in weiten Kreisen geehrt und geschätzt wird.

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