Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1937-10-15 · Heft 41 (15.10.1937) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 41 (15.10.1937)
Date
1937-10-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064663-3064702--21338-3086682
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 6 Nr. 41 —-SS. Oktober 1937 DIE WAHRHEIT „MASKERADE" Wir leben in der Zeit der Tarnung. Wir in Wien wissen von dieser allermodernsten Praxis ein hübsches Lied zu singen. Betont national z. B. ist gewöhnlich nicht betont ehrlich. Diese Wahrheit gilt merkwürdigerweise nicht nur für die deutschen Nationalisten, auch für unsere Jüdischnationalen hat sie ihre Berechtigung. Ihr glaubt diese neueste Bestätigung der so oft bewiesenen Uebereinstimmung der Praktiken gegensätzlicher Nationalisten nicht? Dann lest folgendes, was Meir Großmann in der „Neuen Welt" vom 8. Oktober über die „Maskerade" schreibt, die bei der Züricher Tagung des Councils der Jewish Agency aufgeführt wurde: „Es gibt kein anderes Wort als „Maskerade", wenn man in der „Kongreßzeitung" die Liste der „Nichtzionisten" liest, die sich an den Sitzungen des Councils beteiligt haben. Da sind einige der berühmtesten „Nichtzionisten": Bernard Janner (London), Lord Melchett, Marquise Reading, Dr. Eliash (Jerusalem), Mosche Smilansky, Dr. Smoira, Dr. J. Thon, Lazar Margulies usw. Es klingt wie ein Witz, aber man meint es ernst. Gestern saßen J a n n e r und Melchett als Delegierte auf dem Zionistenkongreß — eine Drehung des Rades! Husch! Und sie sind „N i eh t z i o n i s t e n". Dr. Thon — ein Nichtzionist. Dr. Smoira, der Vorsitzende des zionistischen Ehrengerichtes — plötzlich ein N i ch tz ion i s t! Und die neue „gemischte Exekutive", in welche als Nichtzionisten Frau Jacobs, Juden im Fernost-Krieg Das „Israelitische Familienblatt" (BerHn) bringt folgenden interessanten aktuellen Bericht: Von den Kämpfen um Schanghai ist die jüdische Bevölkerung dieser Stadt, die größte jüdische Niederlassung im Fernen Osten, schwer betroffen worden. Schon zu Beginn der Kämpfe hatte sich die Notwendigkeit ergeben, einen jüdischen Selbstschutz zu bilden, der in den Reihen des Freiwilligenäcorps an der Bewachung der Ausländersiedlung teilgenommen hat. Die jüdische Selbstschutzabteilung besteht aus 250 jungen Juden. Die jüdischen Viertel der internationalen Niederlassung wurden von dem jüdischen Selbstschutz bewacht, der auch die Fürsorge für diejenigen jüdischen Einwohner übernahm, die unter dem Bombardement der Stadt zu leiden hatten. Es wurde der jüdischen Bevölkerung bei der Uebersiedlung in die französische und die englische Fremden-Niederlassung Hilfe geleistet. Mit der Fortsetzung der kriegerischen Operationen hat sich die Lage der Juden von Schanghai verzweifelt gestaltet Das Rabbinat hat einen Aufruf erlassen, in dem Hilfe für Kriegsopfer gefordert wird. Zahlreiche jüdische ]fPictfd)aftfid)e ffiecatungsftelte in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. JedesMitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung Dollkommcn unentgeltliche Auskunft. Deüfid?erungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Qtas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprüfung etc IDie Mitglieder der „Union" erhalten eine ammhmfte BrngUnrntlguna der Prämlensätz: die Präsidentin der Hadassah, und Doktor Ruppin hereingenommen wurden, das ist doch eine Komödie, die fürPurim paßt. Frau Jacobs als Nichtzionistin! Ich kenne sie, die Führerin der Hadassah. Sie würde in ihrer Partei gewiß zum radikalen Flügel gehören. Oder Dr. Ruppin? Seinerzeit wählte man ihn auf dem zionistischen Kongreß in die Exekutive. Jetzt kommen die Nichtzionisten und wählen ihn in die Exekutive als ihren Vertreter und Vertrauensmann. Wie soll man das verstehen?" Man kann das nicht verstehen, wie so vieles, was in dieser „demokratischen" Jewish Agency vorgeht. Wirkliche nichtnationale Anhänger eines unpolitischen Palästina-Aufbaus, wie sie in der „Union österreichischer Juden" vereinigt sind, werden ausgeschlossen, dafür läßt man die Tarnung von radikalen Zionisten als Nichtzionisten zu. Wäre es nicht so traurig, es wäre wirklich ein — Purimspiel. xlec TüUUecAUfe xLec 3$mdesceyiecu(tQ Geschäfte und Wohnhäuser sind den bei der Beschießung entstandenen Bränden zum Opfer gefallen. Etwa 5000 Juden sind von den Kriegsereignissen betroffen worden. 500 Juden in Schanghai und 200 Juden in Hongkong haben all ihr Hab und Gut verloren. Das Kadöorie-Institut hat einen Hilferuf erlassen, in dem erklärt wird, daß es nicht mehr imstande sei, allem die Last der Fürsorge für die notleidende jüdische Bevölkerung zu tragen. Die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung von Schanghai lebt in den ausländischen Niederlassungen und gehört zu den begüterten Kreisen des Handels, der Industrie und des Bankwesens. Immerhin wohnte ein erheblicher Teil der Juden Schanghais auch in dem Chinesenviertel, dessen Vernichtung durch den Gang deT Kriegsereignisse unvermeidlich erscheint. Dieser Teil der jüdischen Bevölkerung ist aufs äußerste gefährdet. Von den jüdischen Einwohnern sind 65 Prozent Angehörige osteuropäischer Staaten. Es gibt auch eine Anzahl von Juden englischer, amerikanischer, französischer, holländischer und deutscher Staatsangehörigkeit. 'Zahlreiche Juden sind in den letzten Jahren infolge der veränderten Verhältnisse aus Mandschukuo, insbesondere aus der Hauptstadt Charbin, nach Schanghai übersiedelt. Ferner gibt es eine Anzahl von Bagdader Juden, die schon vor achtzig Jahren nach der Oeffnung der freien Häfen eingewandert sind. Sie besitzen zum größten Teil die irakische Staatsangehörigkeit und stehen unter britischem Schutz. Viele große Industrie-, Import- und Exporthäuser in Südchina stehen unter ihrer Leitung. Sehr bedrohlich war die Lage der Juden von Tientsin mehrere Tage lang nach der Niederlage der chinesischen Streitkräfte. Judenfeindliche Elemente hatten vor der Neuregelung der Machtverhältnisse mit Ausschreitungen gedroht. Eine jüdische Selbstschutzabteilung sorgte für die Sicherheit von Leben und Eigentum der jüdischen Bevölkerung. Zahlreiche Juden hatten in der britischen und in der französischen Niederlassung Zuflucht gesucht. Besonders tragisch ist die Lage derjenigen Juden, die unmittelbar vor dem japanischen Angriff in Tientsin eingetroffen sind. Diese sind zum größten Teil auf die Unterstützung durch die jüdische Gemeinde und die jüdischen Wohlfahrtsgesellschaften angewiesen. Tientsin ist das zweitgrößte jüdische Zentrum in Fernost LESET DIE WAHRHEIT! k GROSSFLEISCHHAUEREI HEGM. KORNMEHl WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Kardinal Innitzer zeichnet einen Juden aus. Kardinal-Erzbischof Innitzer hat einen hohen österreichischen Beamten, Hofrat Dr. Rudolf Low, der Jude ist, in Anerkennungseiner Verdienste als Leiter der Finanzprokuratur durch die persönliche Uebergabe seines Porträts mit eigenhändiger Widmung ausgezeichnet. Der Ausgezeichnete, dessen Bruder gleichfalls eine, hohe Beamtenstelle bekleidet hat — er war Richter im; Oberlandesgericht — r ist ein Sohn des Rabbiners Immanuel L ö w. Christliche Frontkämpfer Englands ehren die judischen Frontgefallenen. Die Abteilung Edge Hill der British Legion in¬ Liverpool veranstaltete in der Neuen Synagoge der Greensbankdrive-Gemeinde einen GedenkgottesdienstfürdiejüdischenKriegsgefallenen. 700 Kriegsteilnehmeraller Bekenntnisse nahmen an der Gefallenenehrung teil. Vor dem Gottesdienst fand ein Aufmarsch in den Straßen von Liverpool statt. An der Spitze des Zuges wurden die Fahnen von vierundzwanzig Ortsgruppen der British Legion getragen. Die Gedenkpredigt hielt Rev. Michael Adler, der im Kriege Oberfeldrabbiner war. Er wies darauf hin, daß Juden und Christen Schulter an Schulter für das Vaterland gefochten haben und für es gefallen sind. Daß Kameraden aller Bekenntnisse an dieser Feier teilnehmen, sei der Beweis dafür, daß auch zwanzig Jahre nach dem Kriege der Geist der Kameradschaft lebendig geblieben ist. Zum Schluß des Gottesdienstes sprach Rev. Adler das Dankgebet der Legionäre. Den Vorbeimarsch der Legionäre nahm Major Neville Blond aus Manchester ab. Auf ein Huldigungstelegramm war von König Georg VI. aus Schloß Balmoral ein Telegramm eingetroffen, in welchem allen in der Greenbankdrive-Synagoge versammelten Kriegsteilnehmern der aufrieb.- tigeDankdesKönigsfürdie Huldigung und Glückwünsche, die Seine Majestät hoch zu schätzen wisse, ausgesprochen wird. Ungarn bestraft Antisemitismus. Vor einem Budapester Gericht hatte sich der ungarische Schriftsteller Dezsö Szabo wegen Aufreizung zum Klassenhaß und gegen die jüdische Konfession zu verantworten, ein Deükt, das er der Anklageschrift zufolge in seinen Schriften „Das Problem des ungarischen Thrones und Oesterreich"" und „System der extremen Richtungen" begangen hat. Szabo sagte zu seiner Verteidigung, die Grundbesitze über 10.000 Joch seien im Besitze der Grafen, der Kirche, der Schwaben und der Juden. Er verwahrte sich dagegen, daß in Ungarn überall Fremde die höclisten Stellen besetzen, angefangen vom Königsthron bis zu den hohen Aemtern. Ich nennte, sagte Szabo, als meine Quellen das Statistische Amt und den Ministerpräsidenten Daranyi. — Präsident: Sie haben den Ministerpräsidenten falsch verstanden, wenn Sie aus seinen Reden Antisemitismus herauslesen. — Angeklagter: Er hat konstatiert, daß die Juden im Wirtschaftsleben eine zu große Rolle spielen. — Präsident: Dafür können die Juden nichts. Wenn sich mehr Christen diesen Berufen gewidmet hätten, wäre das Verhältnis anders. Das Gericht verurteilte Szabo wegen Aufreizung zum Klassenhaß zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.