Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 41 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 41 — 15. Oktober 1937 Seite 5 EIN VERGLEICH. In Ihrem geschätzten Blatte vom 1. Oktober erschien ein Vorabdruck von N. R. Coudenhove- Kalergi, in dem der Verfasser unter anderem Uganda und Kenya als geeignet .für eine jüdische Massensiedlung, für Einwanderung von einigen Millionen Juden bezeichnet. In derselben Nummer befaßt sich auch in einer Einsendung Herr Nathan Po H ak mit der Kenya- Kolonie. Es ist kein Wunder, wenn immer wieder Kenya und Uganda als Siedlungsländer für die Juden genannt werden. Als man 1903 den Juden Uganda als Heimstätte anbot, wurde dieses Anbot mit derselben Halsstarrigkeit abgelehnt, mit der heute, nach mehr als 30 Jahren, andere Projekte, wenn sie sich nicht auf Palästina beziehen, abgelehnt werden. Starr blickt der Großteil der Judenheit auf Palästina, Sein oder Nichtsein von dem Erfolg in diesem kleinen Land abhängig machend. Das kleine Land verdeckt die Aussicht auf die große Welt. Vor einigen Wochen erhielt ich nun von einem jüdischen Farmer, der lange Jahre sein Glück in Palästina gesucht, aber nicht gefunden hat, einen Brief aus Kenya, das mit Uganda und Tanganyika zu einem politischen Verwaltungsbezirk zusammengefaßt ist. einen Brief, dessen Schilderungen ich Ihnen wiedergebe: Kenya ist heute ein modern ausgebautes und verwaltetes Land. Die Gegenden, die wegen des Klimas für Europäer geeignet sind, sind die Hochflächen Kenyas und Ugandas. Diese erstrecken sich über den Großteil des Landes, liegen in einer Höhe von zirka 7000 Fuß. zirka 2000 m über dem Meere, und sind vollkommen eben. Gerade diese Ebenen bewirken es, daß das Land ohne Schwierigkeit in Kultur zu nehmen ist. Sehr gut bewässert und mit erstklassigem Qucllwasser als Trinkwasser versehen, hat es die ersten weißen Kolonisten angezogen. Ein Netz von Eisenbahnlinien stellt die Verbindung und den Transport der Produkte im Lande her, und wo keine Eisenbahnlinien errichtet wurden, durchziehen Autostraßen (Chausseen) das Land, die in ihrer Beschaffenheit die der europäischen bei weitem übertreffen. Auch d:e Postverbindung ist als hervorragend zu bezeichnen. Kürzlich wurde ein Flugpostdienst eingerichtet, der die Strecke London—Kenya und Uganda in vier Tagen bewältigt. Bei Benützung dieser Verbindung erreicht ein Brief von Europa (oder umgekehrt) jede gewünschte Poststelle des Landes in dieser Zeit. Der Absatz für landwirtschaftliche Produkte der Farmer ist mustergültig und den modernsten Erfahrungen angepaßt. Es besteht die „Kenya Farmer Association" K. F. A., die dafür sorgt, daß die Farmer die besten Preise für ihr Getreide bekommen. Auch der Milch- und Geflügelabsatz ist durch eine ähnliche Organisation gesichert. Die Versuche mit Obstbau sind so ■gut verlaufen, daß jetzt mit der Anlage von großen Obstkulturen begonnen wird. Ueberhaupt ist die Landwirtschaft auf modernstem Stand. Sie ist der europäischen weit voraus. Mein Gewährsmann, der lange Jahre in Palästina als Landwirt tätig war und es heute zum Großfarmer in Kenya gebracht hat, schreibt begeistert, daß es jedem Juden, der sich als Farmer niederlassen will, zum Segen ausschlagen würde. Jeder werde sich ü.b erzeugen, daß jeder Jude in Kenya als Jude mehr Freiheiten genießt als in Palästina. Der Boden ist heute noch billig. 500 acr Land, (d. s. ca. 500 Joch, 250 Hektar oder 2500 D unam) sind mit allen nötigen Investitionen um etwa 500 engl. Pfund, d. s. 13.000 S zu erwerben und zu bewirtschaften. Ein solches Gebiet kann eine Familie reichlich ernähren und zu Wohlstand führen. Natürlich, je mehr Kapital ui-d Boden der Einwanderer besitzt, um so mehr kann er produzieren. Das ist wie überall. Dabei ist bei dem fortgeschrittenen modernen Stand der Landwirtschaft eine schwere manuelle Arbeit nicht erforderlich. Das Klima ist sehr gesund, es herrschen keinerlei Tropenkrankheiten, was sowohl auf das gute Trinkwasser wie auch auf die günstige Höhenlage von 2000 m zurückzuführen ist. So weit der Bericht. Zwar ist die Lage heute nicht mehr dieselbe, wie 1903, a 1 s wir Juden durch eigene Schuld solche Paradiese verloren. Heute ist dieses Gebiet schon zu sehr von anderen kultiviert und von weißen Ansiedlern bewohnt. Aber Heimat kann es noch werden für viele unserer Glaubensgenossen, denen es auch genügt, als Juden frei in einem herrlichen, im Aufblühen begriffenen Lande zu leben und zur Scholle zurückzukehren. Gleichzeitig erregt ein Bericht der „P l C A" in Palästina meine Aufmerksamkeit. Nur des Vergleiches wegen zitiere ich daraus folgendes: „Aus Jerusalem: Die Palestine Jewish Colonization (Pica) beabsichtigt einen großzügigen Ausbau ihrer Tätigkeit. Besondere Aufmerksamkeit widmet die Gesellschaft zur Zeit der Bewässerung ihrer Terrains. In den letzten Jahren wurden in ihrem Auftrage 10.000 Meter neue Brunnenbohrungen vorgenommen, was einen Kostenaufwand von 300.0(10 Die besten Eisen Warstood SelAwares 3mal täglich frisch bei ■AEEb. Wien iL, Praterstra&B 33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Angestellte! Arbeiter! Mittelstand! Drei große Wiener Kleiderhäuser haben sich geeinigt und geben Ihnen gegen zwölf Monatsraten Herrenkleidung auf Kredit. Verlangen Sie noch heute die Zustellung einer Kreditanweisung, welche Sie berechtigt, in drei ersten Wiener Kleiderhäusern ungezwungen und ohne Zwischenstelle direkt einzukaufen. — Preise auf jedem Stück oiten ersichtlich. Anforderung von Kr editanw eisungen nur schriitlich mittels Korrespondenzkarte unter Angabe von Name, Berui und Adresse an „Eieka", XV„ Clementinengasse 28/W. Auch Provinz! Pfund erforderte. Dadurch ist es gelungen, 12.000 Du ii am (12(10 Hektar, d. V.) des Bodenbesitzes der PICA zu bewässern. Eine zweite wichtige Aufgabe erblickt die PICA darin, ihre Siedlungen von extensiver Mono-Kultur auf genvschte Wirtschaft umzustellen, um auf diese Weise Platz für neue Siedler zu schaffen. Zu diesem Zwecke hat die PICA einen Konsolidierungsplan ausgearbeitet, durch den es den 3 Kwuzot, Kfar Gileadi, Ajelet Haschachar und Gescher Delnamia ermöglich werden soll, wirtschaftlich unabhängig zu werden. Die Durchführung dieser Konsolidierungsaktton ist auf vier Jahre berechnet und wird etwa 50.000 Pfund erfordern. Die Entwässeruugsarbeiten der PICA in dem K abara-Sumpt gebiet stehen vor dem Abschluß. Nach den mit einem Kostenaufwand von 150.000 Pfund durchgeführten Entwässerungsarbeiten werden m ndesteus 100 (!) jüdische Familien auf dem ehemaligen Sumpfgelande angesiedelt werden können." Dem Leser aber sei es vorbehalten, sich nach der Lektüre dieser Zeilen all das zu denken, was ich nicht aussprechen will. Dr. Zoltan Schönberger. Vom polnischen Antisemitismus. 25- ZuttUiec, schön möbliert, ev. mit Klavierbenützung, inklusive Licht, Wäsche u. Bedienung zu vergeben. VIII., Neudeggergasse 5/7 Am Sonntag haben sich in Warschau die christlich-demokratische Partei und die Nationale Arbeiterpartei zu einer vereinigten „Arbeitspartei" zusammengeschlossen und hinsichtlich der Judenfrage eine Resolution gefaßt, daß es notwendig sei, jüdische Auswanderung aus Polen zu organiseren und dem Einfluß der Juden in Handel und Industrie entgegenzuwirken. Es heißt in der Resolution: „Die Juden müssen aus Polen auswandern, Industrie, Handel und Gewerbe müssen in polnische Hände, gelangen." Als Protektor der neuen Partei tritt der berühmte polnische Pianist und gewesene erste Ministerpräsident der Republik Polens, Ignace Paderewski, auf. Gefördert wird die Partei ferner von General H a 1- I e r und dem gewesenen Staatspräsidenten Stanislaw W o j c i e c h o w s k i. Der bekannte polnische Schriftsteller Waclaw Rogowicz, der ein Vetter des Rektors der Warschauer Technischen Hochschule, Prof. Zawadzki, ist, veröffentlicht im „Robotnik", dem Organ der Polnischen Sozialistischen Partei, einen offenen Brief an Prof. Z a w a d z k i, in welchem es heißt: „Durch die Einführung der ,Judenbänke' an einer polnischen Hochschule waren Sie der Erste, der dem Dmck der abenteuerlichen nationalistischen Elemente nachgegeben hat. In diesem Schritt sieht die westliche Welt ein Zeichen dafür, daß Polen der Familie der Kulturvölker nicht mehr angehört. Ihre Kleingeistigkeit veranlaßt mich, als Ihren Vetter, zu erklären, daß ich mich von nun an nicht mehr als Ihren Verwandten betrachte. Ais Pole, Europäer und unabhängiger Schriftsteller drücke ich Ihnen meine aufrichtige und tiefe Entrüstung aus." Ebenso hat auch der von dem Przytik-Prozeß her bekannte bedeutende polnische Rechtsanwalt Waclaw Szumanski einen offenen Brief an den Rektor des Warschauer Technikums, Prof. Z aw a d z k i, gerichtet mit dem gemeinsam er vor 19 Jahren der Vereinigung der demokratischen Parteien angehörte. In dem Brief erhebt Szumanski gegen Zawadzki den Vorwurf, durch Einführung der „Judenbänke" Polens Kultur geschändet zu haben. Der Sohn des jüdischen Gründers der Technischen Hochschule in Warschau und bekannten Philanthropen, Michael W a w e 1 b e r g, hat im Unterrichtsministerium eine Denkschrift überreicht, in welcher er gegen die Diskriminierung der jüdischen Hochschülerschaft durch Einführung von .Judenbänken" Protest erhebt. Wawelberg beruft sich hierbei auf das zwischen seinem Vater und dem Unterrichtsministerium 1919 getroffene Abkommen, dessen erster Punkt lautet: „Das Unterrichtsministerium verpflichtet sich, die Technische Hochschule auf Kosten1 der Regierung zu erhalten und zu führen. Es verpflichtet sich, keinerlei Ausnahmebestimmungen gegen Hörer gewisser Nationalitäten und Religionen zu treffen, sofern sie polnische Staatsbürger sind." Die Vaterlandsliebe der griechischen Juden. Der griechische Ministerpräsident John M e t a x a s empfing in Saloniki, wo er sich auf der Fahrt zu den Heeresmanövern in Serres aufhielt, den Oberrabbiner Dr. K o r e t z, sowie den Vorsitzenden und den stellvertretenden Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde. Oberrabbiner Koretz dankte dem Ministerpräsidenten im Namen der jüdischen Bevölkerung für die Arbeit der Nationalregierung und für sein persönliches Eingreifen zugunsten der jüdischen Bevölkerung, der er Hilfe gewähre Die Juden, sagte Oberrabbiner Koretz, haben unter Ihrer Regierung Ruhe gefunden. Ministerpräsident M e t a x a s erwiderte, er habe das größte Vertrauen zu der jüdischen Bevölkerung, die auch in den schwierigsten Augenblicken ihre Vaterlandsliebe unter Beweis gestellt habe. Mit großer Genugtuung habe er darum erfahren, daß einige die jüdische Bevölkerung betreffenden Probleme in letzter Zeit zufriedenstellend gelöst worden sind. jried. uttiix- &c. Wlicjam tMoch JtcaktiscAe Aecztin erlaubt sich anzuzeigen, daß sie ab 12. Oktober 1937 Wien XX., Jlaffaetqasse 1 Telephon A-43-7-64 ordiniert. Ordination: 2—4 Uhr