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Die Wahrheit · 1937-10-15 · Heft 41 (15.10.1937) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 41 (15.10.1937)
Date
1937-10-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 41 — 15. Oktober 1937 DIE WAHRHEIT JCiuMakatUätm^ für jüdische Vereine im Stadtzentrum für einige Tage der Woche zu vermieten, Anfragen an die Adm. d. Bl. unter „Sthöne Räume"' Oesterreicher abgewartet, um dieser Befriedungsaktion mit wüster Judenhetze in den Rücken zu iallen. Er lud — bezeichnenderweise auf Reklamezetteln des reichsdeutschen Ufa-Tonkinos in der Taborstraße — zu einer „Massenversammlung" beim Wimberger ein. Obwohl jeder Teilnehmer sich opferte und so viel Alkohol konsumierte, bis er alle anderen Besucher mindestens doppelt sah, konnte doch keiner den Eindruck einer Massenversammlung gewinnen. Das einzige, was wirklich massenhaft aufgeboten wurde, war der blühende Unsinn, den die Redner verzapften. Den Rekord schlug in dieser Beziehung seiner Führerrolle entsprechend der Obmann Dr. Jerzabek. Er erklärte: „Wenn man einen Blick auf Rußland oder auf Spanien(ü) oder auf den Fernen Ostend!) werfe, so finde man überall den Juden als treibendes Element" In Spanien gibt es bekanntlich seit 1493 keine Juden und was den Fernen Osten betrifft, scheint Dr. Jerzabek die gelbe Gefahr mit dem gelben Fleck zu verwechseln. Wer kann restlos die psychischen und intellektuellen Tiefen ausschöpfen, aus denen solche Erkenntnisse fließen? Einem Passus seiner Rede darf man aber voll und ganz zustimmen, wenn auch in anderem Sinne, als der Redner vermutlich gemeint hat. Er sagte, von der Art, wie die Judenfrage in Oesterreich gelöst werde, hänge es ab, wie die Frage des Aufbaues in Oesterreich gelöst werde. Das stimmt! Wenn nämlich die Judenfrage im Sinne des Antisemitenbundes gelöst wird, dann wird Oesterreich in Wahrheit nichts anderes mehr sein als Gau 8 des Dritten Reiches. Das geht aus den detaillierten Forderungen der übrigen Redner, die sich eng an die Nürnberger Judengesetze anlehnen, eindeutig hervor. Ist es ein Wunder, daß angesichts der merkwürdigen Duldung solcher Veranstaltungen des Antisemitenbundes, dessen Mitgliedern nun sogar auch das Tragen eines eigenen Vereinsabzeichens erlaubt wurde, sich die „betonten" Gesellen in Wien schon als die Herren im Haus aufspielen, wie u. a. folgender Vorfall beweist. Turbulente Szenen ereigneten sich vor einigen Tagen im Cafe E urope auf dem Stephansplatz, die den ausgezeichneten Charakterdarsteller des Theater in der Josefstadt, Anton Edthofer, und einige Herren und Damen seiner Gesellschaft zwangen, das Lokal zu verlassen. Es war eine rüde nationalsozialistische Anpöbelung, deren Urheber offenbar in jenen Kreisen zu suchen sind, die jetzt im 1. Bezirk ihr Stammquartier aufgeschlagen haben und Besichtigungsexkursionen zu dem neueröffneten Reisebüro veranstalten. Edthofer, dessen Herkunft durchaus den nationalsozialistischen Abstammungsvorschriften entspricht, und seine Gesellschaft wurden mit „Juden hinaus!" attackiert, und schließlich wurde die Parole durch das Lokal gebrüllt: „Das ist ein deutsches Kaffeehaus, hier haben Juden nichts zu suchen!" Was sagt unsere patriotische Presse dazu? Nun, die „Reichspost" beeilte sich, festzustellen, daß sich wirklich nur noch Juden in den teuren Vergnügungslokalen, Cafes, Theater usw. breit machen. Angesichts solcher publizistischer Leistungen versteht man die trüben Ausblicke und Sorgen unserer führenden Staatsmänner, soweit sie auf dem internationalen Journalistenkongreß zu Wort kamen, über die sittlichen und politischen Gefahren der Presse-Lügen. Restaurant Stefanie Hugo u. Julie Herlinger, geb. Zellner II., TaborstraB« 12 Tel. R 48>4-46 Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl. Reichhaltige Menüs von S 1.60 aufwärts. Exakte Bedienung. Täglich frische Fische. Neu renovierter Speisesaal. Menschenopfer verpflichten! Wieder meldet der Wiener Lokalbericht den Selbstmord einer jungen jüdischen Aerztin. Nachdem vor einüger Zeit ein junger jüdischer Arzt aus dem Laben geschieden, dem dieser Tage die Mutter freiwillig in den Tod folgte, und in der vergangenen Woche ein anderer junger jüdischer Arzt, der denselben Weg gehen wollte, nur mit Mühe dem Freitod entrissen worden ist, erregt nun allgemeines Mitgefühl der Selbstmord der 36jährigen Aerzün Dr. Margarete H., die aus erster jüdischer Familie stammt, deren Vater dem Vaterlande Oesterreich als aktiver Oberstleutnant treu gedient hat und in Erfüllung seiner Pflicht das Leben ließ. Der Grund für den Freitod der hoffnungsvollen Jungärztin ist der gleiche wie bei den ihr im selbstgewählten Tode vorangegangenem Kollegen m des Wortes grausamster Bedeutung: Die Ausschalfeungspraxis gegenüber den unschuldigen, strebsamen jungen jüdischen Aerzten, die seit 3K Jahren zum Hilfsarztdienst in den öffentlichen Spitälern nicht zugelassen werden. Erst in der letzten Nummer dieses Blattes wurde einiges über diese um barmherzige Praxis gesagt, die jungen Menschen, entgegen den strikten Bestimmungen der österreichischen Verfassung, nach ungefähr sechsjährigem Studium die Möglichkeit des Weiterkommens widerrechtlich nimmt. Diesen unerhörten Zuständen muß ein Ende gemacht werden, bevor noch mehr wertvolle junge Menschen Opf<$* der fortdauernden erfolglosen Kämpfe werden. Die „Union öster. reichischer Juden" betrachtet es als ihre heilige Pfüfcht, einer Praxiis entschieden entgegenzutreten, die darauf hinausläuft, hilfsbereite Menschen zum Dienst am Kranken nicht zuzulassen, nicht etwa weil ihnen die Befähigung fehlt, sondern weil sie — Juden sind. Die an der Praxis dter Behörden bei Auswahl der ärztlichen Aspiranten und Aspirantinnen schuldtragenden Personen konnten bisher nicht festgestellt werden, weil jeder im Gefühl der Grausamkeit, die beim Ausschluß der jüdischen Aerzte von Spitalstellen obwaltet die Verantwortung abgelehnt hat Formell trägt das Bundesministeriumi für soziale Verwaltung die Hauptschuld. Bei dem bekannt sozialen Empfinden des Bundesministers für soziale Verwaltung Dr. Josef Resch und seiner Mitarbeiter, die immer bestrebt waren und sind, dem Namen des Ministeriums für soziale Verwaltung Ehre zu mamachen, müssen die wirklich Schuldtragenden wo anders zu suchen sein. Es ist unsere Pflicht, sie zu finden. In allen Versicherungsangelegenheiten — z U *2 r s ■* der „Union«, L, Schottenring 25, Telephon A 19-2-77, jeden Montag und Freitag von io bis 12 Uhr vormittags. / Leiter: Komm—Rat Alexius Salzer. Für Lebensverslcherungsberatong haben wir einen Spezialf achmann bestellt, welcher unsere Mitglieder besonders günstig beraten wird. Große legifimistische Versammlung. Der Reichs verband jüdischer Legitimisten Oesterreichs veranstaltet mit Bewilligung des Bundeskanzleramtes und im Einvernehmen mit der Vaterländischen Front am Samstag, den 16. Oktober, pünktlich 8 Uhr abends, im Festsaale des Hotel Continental, IL, Taborstraße 4, eine große legifimistische Versammlung. Redner: Generalmajor Emil Sommer, Hauptmann a. D. Emil Oswald und Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde a. D. Dokt o r J a k o b O r n s t e i n. Der letztere spricht über das Thema: „Bekenntnis und Liebe zum Land und zur Dynastie." Musik: Die alte Deutschmeister-Kapelle. Eintritt frei. Juden erscheint in Massen! Vor der Gleichschaltung Danzigs. Wie aus Danzig gemeldet wird, sind die beiden kommunistischen Abgeordneten des Danziger Volkstages Serocky und Langenau als Hospitanten in die Nationalsozialistische Partei eingetreten. Die Nationalsozialistische Partei verfügt nunmehr — nachdem vor längerer Zeit die D e u t s c frnationalen sich ihr angeschlossen hatten — über 51 von insgesamt 72 Stimmen im Volkstag, also über eine Zweidrittelmehrheit, die zu einer Verfassungsänderung notwendig ist. Man befürchtet daher, daß der Volkstag im Wege einer Verfassungsänderung die Gleichschaltung mit dem Dritten Reich auch gesetzlich vollziehen wird. Für das Danziger Judentum entstehen erneut sehr ernste Gefahren. Zu befürchten ist u. a., daß die Nationalsozialisten versuchen werden, die berüchtigten Nürnberger Gesetze auch in Danzig einzuführen. In der Praxis werden auch schon heute die Juden aus allen Zweigen des öffentlichen Lebens zurückgedrängt, im Staats- und Gemeindedienst sind sie kaum noch vertreten. Das Danziger Statut steht immer noch unter der Kontrolle des Völkerbundes, der durch seihen in Danzig amtierenden Hohen Kommissar u. a. darüber zu wachen hat daß nationale und religiöse Minderheiten nicht-entrechtet und deppssediert..werden, Man kann es nicht glauben, daß der Vö i l£e rbund, der seinerzeit die Saar-Juden und später die o b e r sch I e sischen Juden, deren gesetzlicher Schutz legal erloschen war, ihrem tragischen Schicksal hat überlassen müssen, jetzt auch die Danziger Juden im Stich lassen wird, wo doch das international garantierte Danziger Statut auch bei einer Zweidrittelmehrheit der Nationalsozialisten im Volkstag in Kraft bleibt und vom Völkerbund kontrolliert wird. Der Führer der nationalsozialistischen Partei irr Danzig Albert Forster gab bei dem Parteikongreß bekannt, daß in der Freien Stadt Danzig zu Beginn des Winters öine neue judenfeindliche Kampagne eröffnet werden wird. Er erklärte, daß die „Verteidigung der DahzSger Deutschen gegen die Juden in großem Maßstabe durchgeführt werden wird". Es kann kein Zweifel darüber herrschen, daß der Völkerbund das Recht und die Pflicht hat, auch gegen eine solche offiziell angekündigte antijüdische Kampagne im Freistaat einzuschreiten. Konstituierung der politischen Kommission der Jewish Agency. Die vom Council der Jewish Agency auf seiner letzten Tagung in Zürich eingesetzte Politische Kommissioin, die der Exekutive der Jewish Agency in politischen Angelegenheiten zur Seite stehen soll, hielt in London eine Sitzung ab, in der sie sich konstituierte. Zu Vorsitzenden wurden der Mar quis of Reading und Lord Melchett, zum Sekretär wurde der Politische Sekretär der Jewish Agency A. Lourie gewählt. Jhxt oder Jtewztin zur Leitung eines Erholungsheimes in bestrenommiertem Kurort in der Näh Wiens gesucht. Erforderliches Kapital 25.000—35.000 S, das hypothekarisch sichergestellt wird. Nähere Auskünfte-. Tel. U-02-9-57

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