Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 40 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064663-3064701--21329-3086672- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 2× ep/1047930
OCR text
Seite ö Nr. 40 — 8. Oktober 1937 DIE WAHRHEIT Letzte Nachrichten aus Palästina. In den letzten Tagen wurden die Verhaitungs- und Untersuchungsaktionen gegen die Führer und Unterführer der arabischen nationalistischen Bewegung durch die britischen Polizeibehörden und Truppen im ganzen Lande fortgesetzt. Um zu verhindern, daß die Verhaftungen der arabischen Führer zu Gewalttaten führen, wurden alle britischen Truppen in Palästina in den Kasernen konsigniert. Die strategischen Punkte in den Städten Jerusalem, Haifa und Jaffa, wurden von Maschinengewehrabteilungen besetzt. Polizei, unterstützt von Militär, patrouilliert in Panzerwagen durch das ganze Land. In einer amtlichen Bekanntmachung wird erklärt, daß eüie Wahl des Großmufti zum Präsidenten des Obersten Mohammedanischen Gerichtshofes ungesetzlich wäre. Diese Erklärung erfolgte im Hinblick auf die Absicht der den Großmufti unterstützenden ■Sotabeta, ihn auf den genannten Posten zu wählen. Eine Reihe von führenden arabischen Persönlichkeiten, die als mögliche Nachfolger auf den Posten des Großmufti gelten, haben von arabischer terroristischer Seite Drohbriefe erhalten, in denen sie aufgefordert werden, die Annahme dieses Postenszu verweigern. Im allgemeinen ist die Ansicht verbreitet, daß der alte Gegenspieler des Großmufti, der gemäßigtere Ragheb Nashashibi, ■nunmehr, nach der Ausschaltung der extremen nationalistischen Araberführer, die zentrale führende Persönlichkeit der palästinensischen Araber werden wird; 'man hofft, daß auf diese Weise der Weg zu einer Befriedung des Landes und zu einer möglichen allseitigen Verständigung geöffnet wird. Das Amt des Bürgermeisters von Jerusalem wird an Stelle des verhafteten Dr. Husseini Khalidi interimistisch von dem britischen Präsidenten der Handelskammer S h e 11 y versehen. Trotz der umfassenden Maßnahmen, die die Palästina-Regierung zur Unterdrückung des arabischen Terrors und zur Unschädlichmachung der radikalen arabischen Führer ergriffen hat, haben sich im Laufe des Montag eine Reihe weiterer ernster Terrorakte ereignet. Die arabischen Terroristen beginnen wieder, wie in der Zeit der Unruhen des Jahres 1936, Sabotageakte zu verüben. Die Oelleitung der Irak Petroleum Company wurde bei Jisser Majamea an drei Punkten aufgerissen und das ausströmende Oel in Brand gesteckt Einer britischen Militärabteilung gelang es, die Terroristen zu vertreiben. Auf das Eisenbahngeleise bei Ramien wurde ein Anschlag verübt Herbeieilende Eisenbahnbeamte eröffneten gegen die Terroristen das Feuer und Wir setzen im folgenden die in unserer letzten Nummer begonnene Diskussion über diese beiden aktuellen Fragen mit der auszugsweisen Wiedergabe eines im „Jüdischen Volksdienst", Haag- Scfceveningen erschienenen Artikels fort und 'bitten unsere Leser .um Stellungnahme zu diesen wichtigen Problemen. D. Red. Jfu$go6e der Stunde : tffedffcingsgelnete für fheimat fose jüdistfie JUenschen 1 Die Veröffentlichung des Berichtes der Peel- Kommission und des damit verbundenen Vorschlages einer TeilungPalästinas hat große Unruhe in den jüdischen Reihen hervorgerufen. Die Verleihung der formellen Eigenstaatlichkeit kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Territorium Palästinas» das bis zum Ausbruch der Unruhen immerhin einen bedeutenden Teil der jüdischen Auswanderer aufnehmen konnte, nur noch zu einem kleinen Teil der jüdischen Besiedlung offen steht. Bleibt es bei dem Vorschlag der Peel-Kommission, so entsteht die groteske Situation, daß die Bildung des jüdischen .Staates in Palästina das Ende der Einwanderung größerer jüdischer Massen nach Palästina bedeutet. vertrieben sie. Die Geflügelfarm der Regierung bei Haifa ist infolge Brandstiftung vollkommen eingeäschert worden. In Akko ist Scheich Abdul Fatach erschossen worden. Ein zweiter Araber, der sich in seiner Begleitung befand, wurde verwundet. Die Angreifer sind entkommen. Der Mukhtar, der in der Nähe der Haifa-Bucht lebenden Beduinenstämme ist in der Nacht auf Montag erschossen worden. In dem Hauptbüro des Kadi des arabischen Nationalkomitees in Jaffa wurde eine Haussuchung vorgenommen; zahlreiche Dokumente wurden beschlagnahmt. Der Kadi ist geflüchtet. Die Telephonverbindungen zwischen Palästina und den Nachbarländern sind über Anordnung der Behörden noch immer unterbrochen; dadurch soll verhindert werden, daß arabische Hetzagitatoren in Palästina mit ihren Genossen in den benachbarten arabischen Ländern in Verbindung treten. Dagegen ist die Telephonverbindung mit entfernteren Ländern wieder hergestellt worden. Bei der in der Buchhaltung der arabischen Bank auf Anordnung der Sicherheitsbehörden vorgenommenen Revision äst ein g e h e i m e r F o n d s in der Höhe von etwa 100.000 Pfund entdeckt worden, der voraussichtlich beschlagnahmt werden dürfte. Auf Befehl der Palästina-Regierung wurden bei den Mitgliedern der arabischen Ortsräte im Süddisträkt Haussuchungen vorgenommen und zahlreiche Dokumente beschlagnahmt. Sämtliche Führer des mohammedanischen Jugendbundes sind verhaftet worden. In den Kreisen der gemäßigten Araber hat es starken. Eindruck gemacht, daß die bei den Haussuchungen aufgefundene schwarze Liste der Personen, deren Ermordung geplant war, auch den Namen des oben erwähnten Vorsitzenden der arabischen Verteidigungspartei und früheren Bürgermeisters von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, enthält. Es verlautet, daß die Palästina-Regierung, nachdem der Oberste Arabische Ausschuß als illegal erklärt und aufgelöst worden ist, nunmehr daran geht, an seine Stelle eine „A r a b A gi e n c y" zu setzen, die eine ähnliche Aufgabe haben soll .wie auf jüdischer Seite die Jewish Agency. In nationalistischen arabischen Kreisen wird erklärt, daß die Bemühungen der Regierung, an Stelle des Obersten Arabischen Ausschusses eine „Arab Agency" als Vertretung.der Araber Palästinas einzusetzen, mit der die im November nach Palästina zu entsendende neue Kommission über die politische Neugestaltung des Landes verhandeln soll, an dem Widerstand der Bevölkerung scheitern werden. Die Araber Palästinas würden Wahlen zu einer solchen Agency 'boykottieren. Aufgabe der zuständigen Instanzen wird es sein, alles aufzubieten, um wenigstens eine erhebliche Vergrößerung des jüdischen Gebiets durch Angliederung bisher völlig unkultivierter Gebiete, z. B. im Negev durchzusetzen. In jedem Falle aber müssen die e n g 1 i s c h e n Staatsmänner mit allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß die ihnen unumgänglich erscheinende Reduzierung des jüdischen Palästina auf ein so minimales Gebiet die Verpflichtung mit sich bringt, sehr ernsthaft zu überlegen, wo und wie; ger.äumjlges Siedlungsgebiet für die enttäuschten jüdischen Massen Ost- und Mitteleuropas, die in ihren Wohnländern nicht mehr wohnen können und die — wie der Aufbau Palästinas bewiesen hat — gute Kolonisatoren sind, im Rahmen des britischen Empire bereit gestellt werden .kann. (Siehe die Resolution der „Union" zum Bericht der Royal Commission; dort heißt es: „Wir halten die englische Regierung und den Völkerbund für moralisch verpflichtet, den heimatlosen oder von der Gefahr der Heimatlosigkeit bedrohten Glaubensgenossen auch andere rechtlich gesicherte Heimstätten außerhalb Palästinas zur Siedlung zur Verfügung zu stellen.") Ueber die Notwendigkeit der Aufnahme neuer Menschen in die Gebiete der Dominien des britischen Empire ist innerhalb und außerhalb des eng- GROSSFLEISCHHAUEREI 1IEGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE HR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRIHGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 und A 16-8-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für Koscherfleisch unter Aufsicht des ehrw. Rabbinates der Isp. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen lischen Parlaments viel gesprochen und geschrieben worden. Länder wie Australien, Neuseeland und Kanada sind so dünn bevölkert, daß aus den verschiedensten Gründen eine starke Einwanderung erwünscht ist. Es ist vor allem das Problem des Arbeitsmarktes, das die Regierungen der Dominien bisher veranlaßte, sich gegen eine starke Einwanderung zu wenden. Man fürchtet einen Druck auf die Arbeitslöhne und eine Belastung durch die Notwendigkeit erhöhter Ausgaben für Arbeitslosenunterstützung. Diese Bedenken würden jedoch entfallen, wenn die landwirtschaftliche Ansied- 1 u n g der Einwanderer gewährleistet werden würde. Voraussetzung liierfür wäre allerdings eine zweckmäßigere Organisation und Finanzierung, als dies bei früheren Versuchen innerhalb des Empires der Fall gewesen ist Da sich herausgestellt hat, daß die Engländer des Mutterlandes nicht zu bewegen sind, in größerer Zahl in die Dominien auszuwandern, sollte es möglich sein, die Abneigung gegen die Einwanderung von Nicht-Engländern zu überwinden. Die Juden haben durch den Aufbau Palästinas zur Genüge bewiesen, daß sie imstande sind, Wüsten in Kulturland zu verwandeln. Im Bericht der Peel- Kommission ist das ausdrücklich anerkannt. Ein geschlossenes Siedlungsgebiet im Rahmen des britischen Empire neben dem jüdischen Staat in Palästina würde der jüdischen Emigration ein Ziel weisen, das aus wirtschaftlichen und politischen Gründen erstrebenswert ist und das die bei individueller Auswanderung und verstreuter Ansiediung drohende Gefahr der gesteigerten Assimilation und Lösung aus dem jüdischen Volksganzen verhindern kann. (Wir brauchen hier nicht erst zu betonen, daß wir in der Assimilation nicht nur keine Gefahr, son-, dem die Lösung der Judenfrage, dort wo sie existiert, erblicken. Natürlich gibt es kein „jüdisches Volksganzes" mehr, weil die Juden zum größten Teil in den anderen Völkern aufgegangen sind. Anm. d. R.) Die Arbeit für die jüdische Emigration und Kolonisation hat bisher — abgesehen von Palästina — unter Zersplitterung und Planlosigkeit gelitten. Aufgabe der verantwortlichen jüdischen Organisationen wird es sein, alles Trennende zurückzustellen und zu einer e i n h e i t~ liehen Aktion zu gelangen, Raum für die heimatlosen jüdischen Massen zu finden, um ihnen ein menschenwürdiges jüdisches Leben zu ermöglichen, ist die Aufgabe der Stunde! R. L. Die Kampagne gegen den Zionismus in Rumänien. Im Zuge der Durchführung der Verordnung des Ministerpräsidenten Tatarescu, auf Grund deren alle zionistischen Geldsammlungen in Rumänien verboten wurden, sind die Polizeibehörden angewiesen worden, alle bisher gesammelten Gelder zu konfiszieren und das gesamte zionistische Propagandamaterial zu beschlagnahmen. Die von den Czerndwitzer Polizeibehörden vor einigen Monaten konfiszierten 1,200.000 Lei der dortigen Filialleitung des Keren Kajemeth sind bisher noch nicht zurückerstattet worden. Demnächst werden sich vor dem Gericht in Czernowitz 98 Zionisten wegen Besitzes der blau-weißen Keren Kajemeth-Büchse zu verantworten haben. LESET DIE WAHRHEIT! Judenstaat" und XotonisationspwoMem.