Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 40 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 40 —.8. Oktober 1937 Seite 5 liehen Rest Palästina Judenstaat zu nennen. Zur Beschönigung eines Wortbruches sprechen diese pflichtvergessenen Engländer das bisnun verpönte Wort Judenstaat aus . . „Ich will nicht von der Bösartigkeit und Unsinhigkeit reden, welche hinter dem Plane dar Errichtung eines lebensunfähigen Zwergjudenstaates in einem zerstückelten Palästina stehen .... Män- «er, die nach der Pfeife englischer Kolonialbeamter tanzen, sind jetzt Lenker der größter jüdischen Volksbewegung. Und diese sollen die Nation, welche ins tiefste Elend und in tiefste Schmach gestoßen .wurde, zur Freiheit erziehen und in die Freiheit führen .... Kein vernünftiger Mensch glaubt an die aus hilfloser Verlegenheit entstandene Farce eines Zwergjudenstaates. So spricht der Judenstaatler Oberbaurat Robert Stricker, aber Herr Dr. Oskar Grünbaum, der Obmann des Zionistischen Landeskomitees, sagt auf der Palästina-Tagung des Keren Hajessod, die Nachricht von der bevorstehenden Gründung des Judenstaates (desselben Judenstaates, von dem früher Robert Stricker gesprochen hat!) hat im jüdischen Volk eine mächtige Bewegung der Herzen hervorgerufen. Die Tragödie der jüdischen Jungärzte. Das „Mitteilungsblatt der Vereinigung jüdischer Aerzte Oesterreichs" schreibt: „Seit 4K> Jahren werden österreichische Staatsbürger, welche ordnungsmäßig ihre Studien vollendet haben, zum Hilfsarztdienst in den öffentlichen Spitälern nicht zugelassen. Sie werden zu einem Dienst nicht zugelassen, der nicht etwa mit einem wesentlichen Einkommen verbunden ist oder eine Lebenstellung bedeutet, sondern dem jungen Arzt Gelegenheit bietet, seine Ausbildung unter Anleitung von Abteilungsleitern zu vervollkommnen und ihn zu befähigen, dereinst seinem Ideal gemäß der leidenden Menschheit zu helfen. Diesem mit vielen Opfern und wenig materiellen Erfolgen verbundenen Ideal streben die Besten der Jugend nach, die entschlossen sind, alle möglichen persönlichen Opfer auf sich zu nehmen, um sich dem edlen Heilberuf und der Forschung widmen zu können. So geartete, so hilfsbereitete Menschen werden zu diesem Dienst am Kranken nicht zugelassen, nicht ewa weil ihnen die Befähigung fehlt oder abgesprochen wird, sondern — weil sie Juden sind und obwohl „Gleichheit aller Staatsbürger" besteht. Wir haben seit Jahren darauf hingewiesen, welche Verzweiflung und Enttäuschung sich der unschuldig Ausgeschalteten bemächtigt, und man darf sich, da es sich um Menschen handelt, die sich vor die Vernichtung ihres Lebenszieles gestellt sehen, nicht wundern, daß manche der fortdauernden, erfolglosen Kämpfe und Opfer müde werden! Nachdem vor einiger Zeit ein Kollege, der die vorzeitige Beendigung seiner Spitalszeit nicht verwinden konnte, aus dem Leben geschieden ist — seine Mutter ist ihm dieser Tage freiwillig gefolgt! —, ist vor wenigen Tagen ein junger Kollege, der denselben Weg gehen wollte, nur mit Mühe dem Freitod entrissen worden . . . Als er nach angemessener Zeit den Spitalsdirektor bat, ihn zum Aspiranten vorzuschlagen, wurde ihm von diesem bedeutet, daß dies mit Rücksicht auf sein Judentum unmöglich sei. „Nur wenn ich ,von oben' die Weisung bekomme, Ihr Gesuch vorzulegen, kann ich es tun. Sie sehen ja, daß ich ältere Kollegen, die auch den besten Ruf haben und gegen die auch nichts vorliegt, bisher nicht vorschlagen konnte . . ." Angesichts dieser Aussichtslosigkeit grübelt Dr. S. darüber nach, daß er auf lange Sicht seinem ehemals bemittelten, jetzt aber verarmten Vater zur Last fallen werde, versucht durch Inserate, durch Lektionensuche usw. ein paar Schillinge monatlich sicherzustellen, um weiter hospitieren zu können — vergeblich! Er versucht, auszuwandern.— vergeblich! Er verzweifelt an seiner Zukunft und spritzt sich eine große Dosis Morphin ein. Gott sei Dank, daß er gerettet wurde, denn er ist ein wertvoller Mensch, der seinen Mitmenschen noch manches zu geben hat! Wir aber fragen: Wie lange noch wird diese Ausschaltungspraxis dauern? Wie lange noch werden unschuldige, strebsame, junge Menschen auf eine so harte Probe gestellt?" Die besten Eisen Herstul Selivarei 3mal täglich frisch bei HABEL, UieilloPfitirstnile» Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners• und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Lord Peel gestorben. Der Vorsitzende der britischen Königlichen Kommission Lord Peel ist am 29. September im Alter von 70 Jahren auf seinem Landsitz Petersiield bei London, Grafschaft Hampshire, gestorben. Ueberraschend kommt die Nachricht vom Tode eines Mannes, der wohl in der jüdischen Diskussion des letzten Jahres am meisten genannt worden war und der einen schicksalhaften Einfluß auf die Entwicklung des Palästinaaufbaus ausgeübt hat. Wohl sind sich alle Beurteiler darüber einig, daß der Bericht, den die unter seinem Vorsitz tagende und zweifellos von seiner Persönlichkeit am meisten beeinflußte Kommission herausgegeben hat, der objektivste und kenntnisreichste unter den vielen „Berichten" war, den englische hohe Beamte über das Palästinawerk im Laufe der letzten Jahrzehnte herausgegeben haben. Wohl hat er der jüdischen Leistung Gerechtigkeit widerfahren lassen und Anerkennung gezollt und hat die Probleme des Aufbaus erkannt und ernstgenommen. Aber er war es auch, der das verhängnisvolle Wort ausgesprochen hat, daß die nationalen Aspirationen von Juden und Arabern in Palästina unvereinbar -seien, daß daher das Mandat undurchführbar sei und daß nur die Teilung Palästinas zu einer Lösung des Palästinaproblems führen könne. Von dem Moment an, da die Peel-Kommission diesen Standpunkt formuliert hat, ist er der offizielle Standpunkt der englischen Regierung geworden und dies ist wohl die entscheidendste Aenderung der englischen Palästina-Politik, "welche seit der Balfour-Deklaration überhaupt vor sich gegangen ist. Für Arbeiten wie die der Peel-Kommission braucht man Männer, welche die Fähigkeiten eines Wissenschaftlers, eines politischen Praktikers und eines Richters in sich vereinen, — und ein solcher Mann war der verstorbene Lord Peel in hohem Maße; ein Mann, der als „Gerichtshofvorsitzender" durch große Sachkenntnis, Menschenkenntnis, Schlagfertigkeit und Humor die Situaüon beherrschte, der infolge seiner großen politischen Vergangenheit wußte, was England braucht und will, und der, wie der Bericht zeigt, die Fähigkeit hatte, ein großes Tatsachenmaterial wissenschaftlich zu verarbeiten und zu beherrschen — oder zumindest seine Kommissionskollegen in diesem Sinne zu leiten. Lord Peel ist mitten in den Wirren und Meinungskämpfen gestorben, welche sein Werk bei Juden und Arabern, im Völkerbund und in der Meinung der ganzen Welt entfesselt hat. Er wird das schließliche Ergebnis des Berichtes, dem er den Namen gegeben hat, nicht mehr erfahren. Lord Peel, ein Enkel des berühmten englischen Staatsmannes Sir Robert Peel, begann seine Laufbahn als Anwalt. Ein hervorragendes Mitglied der Konservativen Partei, war er während des Krieges Unterstaatssekretär im Kriegsministerium, 1921 bis 1922 Verkehrsminrster und Kanzler des Herzogtums Lancaster, 1922 bis 1924 und 1928 bis 1929 Minister für Indien und eine Zeitlang Lordsiegelbewahrer. Er war ein hervorragender 'Kolonialfachmann und führte deshalb auch bei der Round-Table-iKonferenz von 1932 den Vorsitz. Er war auch Mitglied der Round-Table-Konferenz für Burma. rfPfetfd)aftlid)e ffietatunqsftene in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisation^-Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. Jedes Mitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung DOllftommen unentgeltliche Auskunft. Decfid)ecungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenpräfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine at hatte Bmattnatlama» dar Prämlansätze. Ende Juli 1936 wurde er zum Vorsitzenden der Britischen Kgl. Kommission ernannt, der die Aufgabe hatte, die Ursachen der Palästina-Unruhen festzustellen und eine Lösung des Palästina-Problems zu empfehlen, mit der er am 11. November 1936 in Palästina eintrat und dort bis zum 19. Jänner 11937 verblieb. Die Kgl. Kommission legte das Ergebnis ihrer Untersuchungen bekanntlich in einem umfangreichen Bericht nieder, der als der „Peel-Bericht" in der Oeffentlichkeit bekannt ist. Obwohl nicht der unmittelbare Initiator des von der Kommission vorgeschlagenen Teilungsplanes — die Initiative wird dem Mitglied der Kommission Coupland zugeschrieben —, wird Lord Peel dennoch „der Vater des Teilungsgedankens" genannt. Seine Betrauung mit dem Palästina-Problem war die letzte große ihm übertragene öffentliche Aufgabe. Die Judenverfolgungen in Polen. „Prager Mittag" gibt folgendes Bild der jüngsten antijüdischen Ausschreitungen in einer Reihe polnischer Städte: Die antijüdischen Ausschreitungen gehören in diesen Tagen zum allgemeinen Stadtbild Polens. Da die jüdische Bevölkerung oft 30% und manchmal auch 50% der Stadtbevölkerung ausmacht, ist die Unruhe allgemein. Die Regierung hat es verboten, Meldungen über Unruhen zu bringen. Dagegen dürfen in der Presse Proteste erscheinen. Die Unruhen tragen vielfach nicht nur antijüdischen, sondern auch regierungsfeindlichen Charakter. Trotzdem geht die Polizei nur selten gegen die Exzedenten energisch vor, weil die Regierung es sich der Juden wegen mit den Massen nicht verscherzen will. Nur Arbeiter, Bauern und die Intelligenz treten für die Juden ein. Es gab Fälle, wo, als die Unruhen ausbrachen, die Bauern schleunigst dieStadt verließen, um so zu demonstrieren, daß sie an den Unruhen keinen Teil haben. In Ostroleka belagerten 400 Huligans das Handelsviertel und schlugen zahlreiche Juden blutig. Die Fabriken im Orte unterbrachen hierauf die Arbeit und die Arbeiter begannen mit den Huligans derart abzurechnen, daß diese fluchtartig die Stadt verließen. In Kielce stellten die Huligans anläßlich des Beginns des neuen Schuljahres vor den jüdischen Buchhandlungen Boykottposten auf, um nicht zuzulassen, daß polnische Schüler dort ihre Lehrbehelfe kaufen. Arbeiter und Studenten vertrieben die Boykottposten, woraufhin die Polizei alle Arbeiterführer der Stadt in Haft nahm. * In dem Streite um die Verteilung der Sitzplätze in den Hörsälen zwischen den polnischen und den jüdischen Hörern der Warschauer Hochschulen haben die Rektoren nunmehr eine Kompromißanordnung durchgeführt. Die Mitglieder der n a t i o n a 1polnischen und die der nationaljüdischen Organisationen erhalten gesonderte Bankreihen, alle übrigen Hörer eine dritte Bankgruppe. Die polnischnationalen Studenten sind mit dieser Regelung einverstanden, während die jüdischen Hörer sich über sie lebhaft beklagen. Vvdcutqt Jh Cafes usw.-Ä- „0ce IDafvtheil'