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Die Wahrheit · 1937-10-08 · Heft 40 (8.10.1937) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 40 (8.10.1937)
Date
1937-10-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr, 40 — 8; Oktober 1937 DIE WAHRHEIT Nazisitten beim österreichischen Gewerbebund Ortsgruppe Aisergrund 1 Der 0 e s t er r e i ch is che Gewerbebund, Ortsgruppe Alsergr.und, verbreitet folgendes Rundschreiben: Oesterreichischer Gewerbebund, Ortsgruppe Alsergrund. Oesterreichischer Gewerbebund, Ortsgruppe Aisergrund. Sehr geehrtes Mitglied! Wie Sie aus den Zeitungen ersehen haben werden, stellt die Vaterländische Front die Möglichkeit des Beitrittes mit 1. November 1937 ein.. Die Ortsgruppe erlaubt sich daher, Sie darauf aufmerksam zu machen und legt Ihnen den Beitritt zur V. F., sollten Sie noch nicht Einzelmitglied sein, nahe. Bei Anmeldungen, welche Sie in der Grünentorgasse 7 vornehmen Können, bitte die Gewenbebundlegitimation mitzubringen, da das Beitrittsdatum zum Gewerbebund als Beitrittsdatum zur V. F. giit, vorausgesetzt, daß die Beiträge bei der V. F. vom 1. Jänner 1937 an nachgezahlt werden. Von diesem Tage an hat sich nämlich das Verhältnis Gewerbebund-V. F. gelöst. (Was soll das heißen? Anm. d. Red.) Die Mitgliedsbeiträge der V. F. haben Siö selbst zu zahlen. Bezüglich eventueller Rückstände von Mitgliedsbeiträgen bei der V. F. bitte dieselben nachzuzahlen, da Mitglieder, welche mehr als 3 Monate im Rückstand sind, ausgeschlossen werden. Sehr geehrtes Mitglied! Die gefertigte Ortsgruppenleitung beabsichtigt anfangs Dezember 1937 beim „Auge Gottes", IX., Nußdorferstraße, eine Werbeschau (Ausstellung gewerblicher Erzeugnisse) unserer-Mitglieder unter dem Motto: „Christen kauft nur bei Christen" zu veranstalten. Wir laden Sie dazu ein. Mittwoch, den 6. Oktober 1937, 7 Uhr abends, findet im Gasthaus Wettengel, IX., Porzellangasse 38, eine Besprechung der Interessenten zu diesem Zwecke statt. Anregungen für die Ausstellung und Teilnahme an der Werbeschau werden beim Sprechabend gegeben. Die Ortsgruppenleitung. Die Ortsgruppenleitung. Die nazistische Büberei besteht darin, die Vaterländische Front, die Mitgliedersperre und die scheinbare Propaganda für den rechtzeitigen Beitritt zur Vaterländischen Front mit dem Boykott jüdischer Gewerbebetriebe und jüdischer Geschäfte durch Christen in Verbindung zu bringen. Die Worte „Christen, kauft nur bei Christen" bilden den Blickfang des Rundschreibens, sie sind gleichsam mit Balkenlettem hervorgehoben. Gleichzeitig wird eine Versammlung für Mittwoch, den 6. Oktober 1937, einberufen, unter dem harmlosen Vorwande einer „Besprechung der Interessenten". Die „Union österreichischer Juden" hat die zuständigen Stellen auf dieses ungesetzliche Treiben, das unseres Erachtens sogar dem Strafgesetze widerspricht, aufmerksam gemacht und um ihr sofortiges Einschreiten -ersucht. 99 Das Ende des politische** Zionismus/' Dr. Josef Popper, der Präsident des Obersten Rates der Israelitischen KuHussemelnden der Tschechoslowakei, bei der Palästina-Tagung des österreichischen Keren Hajemsod. Auf der Palästina-Tagung des Keren Hajessod hat das Mitglied der Jewish Agency, der Präsident des Obersten Rates der Israelitischen Kultusgemeinden der Tschechoslowakei, Herr Dr. Josef Popper, ein Referat über die Verhandlungen der Jewish Agency in Zürich gehalten und einerseits die Ausführungen des Nichtzionisten Feüx W a r b u r g und anderseits die des Zionisten Rektor Magnes der Universität in Jerusalem wiedergegeben. Der Standpunkt Warburgs ist bekannt, er deckt sich im großen und ganzen mit dem der „Union österreichischer Juden", der in der bekannten Resolution niedergelegt ist, er verlangt vor allem Verständigung mit den Arabern und Einleitung von Verhandlungen. Der Standpunkt .Magnes wird am besten durch den Bericht der P.eel- Kommission wiedergegeben, der besagt: .„Eine Gruppe von Intellektuellen in Palästina — im Mittelpunkt ist die hebräische Universität — die glauben, die für die Juden einzige Möglichkeit der Lösung des Palästina-Problems sei nicht, „wie die anderen Nationen", sich in der Stärke und Leidenschaft ihres Nationalismus zu zeigen, vielmehr politische Ambitionen kulturellen und geistigen Zielen unterzuordnen, in eine Beschränkung zu willigen, die sie zu einer dauernden Minderheit in Palästina macht, ja sogar im Notfalle sich der arabischen Herrschaft zu unterwerfen." Der Peel- Bericht nimmt zu diesem Standpunkt folgende Haltung ein: „Der sittliche Mut dieser Gedankenrichtung muß Hochachtung einflößen. Aber sie findet keine kräftige Unterstützung im Nationalheim." Dr. Popper bezeichnet es als eine Erlösung, als im letzten Augenblick, in zwölfter Stunde zwischen Zionisten (das ist politischen und nationalen Zionisten) und Nichtzionisten, das ist den Freunden des Aufbaues Palästinas im Sinne Felix Warburgs, & xkt 1ÜUUeeMi(e xlee ü&undescegiectuiq. eine Einigung erzielt wurde. «Wörtlich sagt Doktor Popper: „Die Exekutive gab nach: es muß mit den Arabern eine Verständigung gesucht werden." Ohne sich für oder gegen die Teilung Palästinas auszusprechen, schloß Dr. Popper sein Referat mit den Worten: „Ich begreife, daß ein Zionist nein sagt, wenn man ihm nicht das Ganze bietet, aber ich kann mich einverstanden erklären, wenn man für den Augenblick eine Teillösung erzielen kann. Das Baseler Programm, das die Schaffung einer rechtlich gesicherten Heimstätte verlangt, ist erfüllt . . . Hat eine Bewegung ihr Ziel erreicht oder nähert sie sich ihm, so ist die Zeit der Morgendämmerung gekommen. Und so glaube ich, daß wir am Ende des politischen Zionismus stehen." Diese Worte, dejren Mut die höchste Anerkennung verdient, gaben nach dem Berichte der „Stimme" dem Obmann des Zionistischen Landeskomitees, dem bekannten Illusionisten Dr. Oskar Grün baum Veranlassung, auf der den Zwecken des Keren Hajessod gewidmeten Tagung, auf welcher in seinem Interesse jeder Mißton hätte vermieden werden müssen, sich gegen Dr. Popper zu wenden. Insbesondere aber wendet sich Doktor Grünbaum, sagt die „Stimme", „gegen gewisse Bemerkungen Dr. Poppers und unter dem stürmischen Beifall der Versammlung erklärte er, daß für den politischen Zionismus nun nicht die Dämmerung und sein Ende gekommen sei, sondern im Gegenteil, nun hebe die Morgenröte des politischen Zionismus an!" Aber wir wissen, Dr. Grünbaum ist nicht zu belehren und nicht zu bekehren. Er ist ein falscher Sterndeuter. Er sieht den Zusammenbruch dort, wo er nicht ist, den Aufstieg und den Aufbau, wenn schon die Grundmauern durch die nahende Katastrophe erschüttert sind. Er spricht in seinem Referate über Oesterreichs Juden und den Aufbau Palästinas über den „Zusammenbruch der assimilatorischen Politik" und von Wegen, die die nichtnationalen Juden gehen, die „dem Judentum und insbesondere bei uns in Oesterreich abträglich sind". Eir vergleicht die jüdischnationale politisch-zionistische Bewegung und ihre Ziele mit der Befreiung Griechenlands vom türkischen Joch und übersieht die Kleinigkeit, daß die Griechen mit ihrer großen Geschichte, Kultur und Vergangenheit trotz der Unterwerfung durch die Türken das Glück hatten, in ihrer Heimat auf dem alten Boden beisammenbleiben zu dürfen und ihre Sprache und Kultur, welche die der Sieger bei weitem überragte, so gut es ging, zu erhalten. Er übersieht, daß nach den Plänen der jüdischnationalen politischen Zionisten es darum geht, Millionen von verstreuten Menschen, die nur der gemeinsame Glaube aneinander bindet, von den „vier Ecken" der Welt zu sammeln, ihnen eine neue Sprache, ein neues Nationalgefühl, eine neue Heimat zu geben, dort, wo schon seit langem andere nationalbewußte Menschen ihr Vaterland und ihre Heimat gefunden haben, an der sie mit orientalischem Konservatismus, fanatischer Zähigkeit und religiöser Inbrunst hängen. Für den Aufbau Palästinas im Sinne der Schaffung einer Heimstätte für heimatlose Juden, „die sich nicht assimilieren wollen oder können", wird jeder Glaubensgenosse eine offene Hand haben. Und in diesem Sinne wird jeder bereit sein, wenn es ihm eine unpolitische Haltung des Keren Hajessod ermöglicht, den Aufbaufonds, der unter neutraler Verwaltung der Jewish Agency stehen sollte, zu unterstützen. In dieser Zeit der schweren wirtschaftlichen Not, in der so viele unserer österreichischen Glaubensgenossen leiden und kämpfen, ist es unsere Pflicht, in erster Linie diesen nach Kräften beizustehen. Auch für reale Arbeit in Palästina mit dem oben umschriebenen Ziele der Schaffung einer Heimstätte für heimatlose Juden werden wir gerne opfern. Aber für Phantome und Illusionen ist die Not zu groß und die Zeit zu ernst. Wohin die Po^ litik und der Nationalismus den Zionismus gebracht haben, soll Herr Dr. Grünbaum nur bei seinem Kluibkollegen, Herrn Obarbaurat Stricker, in der „Neuen Welt" „Darf man sein Volk täuschen?" nachlesen. Um die Arbeit zu erleichtern, wollen wir einige saftige Sätze zitieren: „Im Jahre 1930 trat mir (als Vertreter der Judenstaatsidee) Weizmann, der Präsident der Weltorganisation, entgegen und hielt eine flammende Rede gegen den Judenstaat. Das Streben nach einem Judenstaat ist absurd, aussichtslos und gefährlich. Es ist auch vom ethischen Standpunkte aus zu verwerfen, denn Judenstaat bedeutet Vergewaltigung der Araber .... Und drei nachfolgende Zionistenkongresse bestätigten, was er gesprochen hatte. Sie lehnten nicht nur die Judenstaatsidee selbst ab, sondern auch jede Diskussion um das Problem .... Dann kam eine Wandlung .... Weizmann, der emragierte Judenstaatsgegner, eröffnete in den ersten Augusttagen 1937 die Verhandlungen des Zionistenkongresses mit einer Rede, in welcher er schleunige Errichtung eines Judenstaates in Palästina als einzigen Ausweg aus der verzweifelten Not, in welche das Judenvolk geraten ist, bezeichnete .... Der Judenstaat — und sei er noch so klein und krüppelhaft — der Judenstaat muß sein! .... — Der englische Kolonialminister und sein Stab wollen das ihnen lästig gewordene Palästina zerreißen. Die betrogenen Juden sollen mit einem kleinen Fetzen Land abgefertigt werden. Als Draufgabe erhalten 'sie die gnädiges Erlaubnis, den erbärm- CAefftiesStudeHtUi erteilt Nachhilfestunden in allen Mitielsdtulfädtern (bes. Englisch, Mathematik, Chemie), aadi ganze Nachmittage. Erni Mandel, X., Gudranstraße 142/15. Tel. R 12-&47. Von 8-9 Uhr.

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