Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 40 (8.10.1937)
- Date
- 1937-10-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 40 — 8. Oktober 1937 Seite- 3 ilstaVrant ffitOUpWinZ Inhaber Massarek IL, Äspernbrückengasse 2 Vorzüglicher Kaffee, erstklassige Küche, billige Preise Ab 9 Uhr abends in der Bar Tanz, Musik und Stimmung Erklärung veröffentlicht, in der bekanntgeben wird, daß im Hinblick auf die organisierte terroristische Mordkampagne der Oberste Arabische Ausschuß und alle lokalen arabischen Nationalkomitees als illegal erklärt und aufgelöst werden. Gleichzeitig sind Haftbefehle gegen das Mitglied des Obersten Arabischen Ausschusses Jamal el Husseini, den Präsidenten der Arabischen Bank, Achmed HUmi Pascha, und den arabischen Gewerkschaftsführer Jacub Husseini erlassen worden. Der Bürgermeister von Jerusalem, Dr. Hussein Khalidi, und der Sekretär des Obersten Arabischen Ausschusses, Fuad Saba, sind verhaftet und wie alle kompromittierten arabischen Führer nach der Inselgruppe Seychellen im Indischen Ozean deportiert worden. Jamal ei Husseini und Achmed Hilmi Pascha sind geflüchtet. Der erste soll nach Syrien geflohen sein. Achmed Hilmi Pascha hingegen, der rechtzeitig gewarnt worden war und nach Gaza flüchten konnte, ist von der Polizei ausfindig gemacht und verhaftet worden. In der Arabischen Bank beschlagnahmte die Polizei zahlreiche wichtige Dokumente. Aus den Maßnahmen der Palästinaregierurg glaubt man entnehmen zu können, daß sie nunmehr fest entschlossen ist, in Zusammenarbeit mit den militärischen Stellen gegenüber der arabischen Umsturzbewegung energisch durchzugreifen. Die Maßnahmen der englischen Polizei- und Militärbehörden gegen die arabischen Terroristen erfolgten nach einem genauen Plan, der im Einvernehmen mit London ausgearbeitet wurde. Den letzten Anstoß zu ihrem energischen Einschreiten dürfte außer der Ermordung des Distriktskoinmissars Andrews die Auffindung von „schwarzen Listen" gegeben haben, die die Namen einer Anzähl hochgestellter britischer und jüdischer Persönlichkeiten enthalten, gegen die offenbar Anschläge verübt werden sollten. Die Araber haben sich also mit der britischen Mentalität bös verrechnet. Die Engländer gerierten sich in Palästina als Schiedsrichter, die sich, getreu der heimischen Sporttradition, nicht durch einzelne „fouls", sie mögen noch so derb sein, gleich aus der Fassung bringen lassen. Aber wehe dem Spieler, der sich am Schiedsrichter selbst vergreift! Dem bleibt eine empfindliche Lektion über Fairneß nicht erpart. In dieser peinlichen Lage befinden sich nun die arabischen Führer. Ihr Oberster, der Mufti von Jerusalem, hat sich seiner Verhaftung durch Flucht in die Omar-Moschee entzogen, jene Moschee, die Mohammed einst an der Stelle des Tempels errichtete, um die Juden für den Islam zu gewinnen. Diesen Zweck hat sie nicht erreicht, trotzdem gehört sie zu den größten mohammedanischen Heiligtümern. Nun sitzt der entthronte Mufti von Jerusalem auf ihrem geweihten Boden und fühlt sich dennoch aus allen Himmeln gerissen. Denn er hält jetzt genau so weit wie anno 1920, bevor ihn der damalige Oberkommissar Samuel, Engländer und Jude zugleich, und doch Begründer seiner beispiellosen Karriere als Führer des Islams, freiließ. Wird ihm das Schicksal diesmal auch so gnädig sein? Was wird nun werden? Diese Frage liegt im Augenblick auf jeder Zunge. Die „Wiener Zeitung" wertet die jetzigen Vorgänge im Heiligen Lande als eine Wendung zugunsten der Juden, die nunmehr von der Regierung als das loyale Element bevorzugt würden, auf die man sich ahne Risiko stützen könne. Es ist sehr erfreulich, eine solche Qualifizierung der Juden in dem Publikationsorgan der österreichischen Regierung zu finden und man darf hoffen, daß sich die englische Regierung diesem Hinweis nicht verschließen wird. Liegen ja auch aus dem Heiligen Land selbst höchst bezeichnende Meldungen vor, die die Stellung der beiden Bevölkerungsteile zum Kulturaufbau sehr deutlich beleuchten: Am 30. September wurde die neue, von Tel-Aviv über die jüdischen Küstenkolonien nach Haifa führende Straße eröffnet. Am selben Tage wurde die*MlenbyrBrücke über den Jordan, die Palästina mit Transjordanien ver- ORIG. ENGL. DAMEN- U. HERRENSTOFFE IN BEWAHRTER QUALITÄT IM TDChtlQDS „PlflnZ", Wien I., Brandstätte Es ist mit dem Vorausgegangenen nur ein geringer Bruchteil jener großartigen Zeugnisse erwähnt worden, die dem Schaffen Uriel Birnbaums ausgestellt worden sind. Und nun — der zweite Beweis: Das bisherige Schaffen Uriel Birnbaums umfaßt eine große Reihe von Büchern und Bildwerken, die in der Hauptsache in den Jahren 1919 bis 1924 erschienen sind. In der Zwischenzeit sind wohl gelegentlich noch einzelne Werke erschienen, aber das ganze, gewaltige Material, die Arbeit eines Jahrzehnts ist der Oeffentlichkeit vorenthalten geblieben — aus mysteriösen Gründen. Es soll hier durchaus nicht um die äußere Anerkennung für den großen Künstler geworben wenden, es soll auch jetzt nicht an die selbstverständliche Verpflichtung unserer jüdischen Oeffentlichkeit einem ihrer Großen gegenüber erinnert werden, es sei nur ganz schlicht auf die Tatsache verwiesen, daß die fertig vorliegenden ungedeckten Werke und die in Arbeit befindlichen Werke Uriel Birnbaums, das gigantische Ausmaß einer Lebensarbeit unserer Größten übersteigt und daß dieser Schatz, wie Dr. Oscar Bendiener jüngst im „Neuen Wiener Tagblatt" in einem Aufsehen erregenden Feuilleton erklärt hat, doch endlich gehoben werden muß. Dennoch ist — welch seltsamer Fall — von jüdischer Seite noch immer nichts Entscheidendes unternommen worden. . . ' Es ist und bleibt eine seltsamer Fall! Ein seltsamer Fall! Rätselhaft und unerklärlich! Aber dieser Fall muß — ob verstanden oder unverstanden — je eher einer Lösung zugeführt werden. Denn schon hat sich auch unsere nichtjüdische Mitbürgerschait dieses „Falles" bemächtigt, schon ist eine so gewichtige Stimme, wie die des Grafen Polzer-Moditz, des ehemaligen Kabinettchefs Kaiser Karls, in die Waigschale geworfen worden, und immer dringlicher tritt an uns Juden die Mahnung heran, doch endlich einzugreifen. Denn die Frage der Durchsetzung dieser großen künstlerischen und moralischen Kraft ist nur eine soiche von Tagen. Es scheint letztens fast, daß es nur noch eines kleinen Ruckes, eines letzten Wörtleins bedarf, um das Zünglein an der Wage zum Ausschlag zu bringen. Dürfen wir, angesichts einer solchen Situation, bei Seite bleiben? Dürfen wir an einem Manne, für welchen von maßgebendster christlicher Seite, mit allem Ernst und im Gefühle der vollen Verantwortung, die Zuerkennung des Nobelpreises*) gefordert wurde, noch weiter so achtlos vorübergehen? Sollen nicht vielmehr wir Juden, im Bewußtsein unserer kultureMen Veranwortung, jenen letzten, schwachen Damm beseitigen, um einer großartigen Strömung von Kunst und Dichtung zum Durchbruch zu verhelfen? Ist es jetzt endlich an der Zeit? Die jüdische O eif en 11 ichk ei t hat das. Wort! Dr. B. S. bindet, von arabischen Terroristen zerstört. Recht lehrreich ist auch der Kontrast der Stimmung in den beiden Nachbarstädten Tel-Aviv und Jaffa. In der jüdischen Stadt emsiger Fortschritt des Haienausbaues, in der arabischen fanatische Streik Propaganda. Auch in Jerusalem sind alle arabischen Geschäfte geschlossen. Man nimmt an, daß auch in den übrigen Städten die arabischen Geschäftsleute ihre Läden schließen werden. Es scheint hier eine geheime Parole vorzuliegen. Die Distriktskommissare sind ermächtigt worden, unter Strafandrohung die Oeffnung der Geschäfte zu verlangen. Jedenfalls haben sich die Araber in eine für sie sehr bedrohliche Situation verrannt. Sie mögen sich dafür bei ihren geheimen Auftraggebern bedanken, die teils aus blindem Judenhaß, teils aus Ranküne gegen die englische Machtstellung im Mittelmeere sich der Araber als Werkzeuge für ihre dunklen Pläne bedienen. Wie wenig die arabischen Volksmassen von diesen Plänen wissen wollen, zeigt die Tatsache, daß sich die vor vier Monaten zum Ausbruch gelangte neue Terrorwelle auch gegen arabische Volksgenossen der Fanatiker wandte, die als „gemäßigt" galten, weil sie sich weder von der englischen Mandatmacht noch von der jüdischen Einwanderung ernstlich bedroht fühlten. Auch zur Befolgung der jetzigen Streikparole werden die arabischen Kaufleute mit Gewalt gezwungen, indem man ihre Waren, sobald sie sie zum Verkauf anbieten, durch ätzende Flüssigkeiten verdirbt. So wird nach berühmten europäischen Vorbildern im Heiligen Lande antijüdische und antibritische „Volksstimmungu geschaffen . . . Es ist erfreulich, daß die Engländer endlich die Lehre aus den Vorgängen in Palästina ziehen und sich in ihrer Presse die SHmmen mehren, die den Teilungsplan als verderblich für die Gegenwart und Zukunft energisch bekämpfen. Nur sollte man sich dabei vor solcher Einseitigkeit hüten, wie wir sie im „E v e n i n g Standard" finden. Das Blatt polemisiert gegen jene Staaten, die in Genf den Standpunkt geltend machten, daß die Lage der Juden in gewissen europäischen Ländern eine Lösung der Palästinairage durch Fortsetzung der jüdischen Einwanderung erfordere. Dies heiße einfach, daß England in Palästina eine schlechte und gefährliche Politik machen müsse, weil andere eine schlechte Politik in Europa führen. Das ist gewiß richtig und deckt sich mit unserer Auffassung, daß das ganze Problem der „Jüdischen Heimstätte" weniger durch die innere Zionssehnsucht der Jüdischnationalen als durch die äußere Judenbedrückung in Europa aktuell geworden ist. Aber anderseits wäre ein englisches Zurückweichen vor dem arabischen Terror auch nichts anderes als „eine schlechte und gefährliche Politik in Palästina machen, weil andere eine schlechte Politik in Europa führen." Schlecht ist jede Politik, die sich auf Terror stützt oder sich ihm widerstandslos beugt. Es gibt in Palästina nicht nur nationale Heißsporne, die auf arabischer und jüdischer Seite die Gegensätze verschärfen, sondern auch, und zwar in der Mehrheit, friedliebende Menschen, die nichts anderes wollen, als sich mit positiven Leistungen auf allen Gebieten kultureller Arbeit Brot und Lebensfreude zu erwerben. Wenn England sich auf diese loyalen Elemente stützen wollte, anstatt sie, wie bisher zu übersehen, dann würde es nicht nur sein eigenes politisches Interesse im Nahen Osten am besten wahren, sondern sich auch um die menschliche Kultur und Zivilisation, seiner Tradition entsprechend, verdient machen. *) (Wie wir seinerzeit berichteten, sind sogar schon Verhandlungen mit den Verleihern des Nobel- ] Preises angebahnt worden. Anm. d. Red.) Der Wiener Jüdische Gesangverein beginnt mit \ seinen Proben, welche jeden Dienstag abends um Vj8 Uhr im Konzerthaus, Holländersaal, stattfinden. | Sangesircudige Juden und Jüdinnen herzlichst willkommen.