Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 39 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064663-3064700--21321-3086663- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHEIT Nr. 39 — 1. Oktober 1937 Seite 7 Wien Im Seitenstettengasse 2 XI., Zentralfriedhof neben dem L Tor Samrtag geschlossen! _ Das Joch des weltlidien jüdischen Nationalismus. Ueber die Ergebnisse der letzten Kenessio G ed a u 1 o wurdie in London in einer unter dem Vorsitz des politischen Sekretärs der Aguda, H. A. Goodman, abgehaltenen Versammlung berichtet. Der Vorsitzende hielt dem verstorbenen Präsident-Befreier der Cechoslovakei, Thomas G. M a s a r y k, einen von den Anwesenden stehend angehörten Nachruf. H. A. Goodman erklärte, niemand habe sich bei der Einberufung der Kenessio vorgestellt, daß die Frage des geplanten Judenstaates einen der wichtigsten Verhandlungsgegenstände bilden werde. Trotzdem sei es in Marienbad und nicht in Zürich gewesen, wo die Stimme des historischen jüdischen Volkes zu hören war. Der Redner wies auf die dringende Notwendigkeit hin, in diesem Augenblick einig zu sein. Die Aguda habe sich wiederholt bemüht, eine Kooperation der verschiedenen Organisationen herbeizuführen. Der von ihr gemeinsam mit der Neuzionistischen Organisation gemachte Vo r s c h 1 a g, eine Round Table-Konferenz einzuberufen, sei jedoch von der Jewish Agency nicht einmal beantwortet worden. Das Colonial Office habe versichert, daß die Ansichten der Aguda und ihrer Anhänger in Palästina von der neuen Palästina-Kommission gehört werden würden. Es sei bedauerlich, daß es jetzt wieder zu einer Zersplitterung in Parteien kommt, während die Gegner der Juden geeint sind. Schuld daran seien diejenigen, die die Orthodoxie (man kann wohl sagen: die ganze jüdische Glaubensgemeinschaft. Anm. d. Red.) unter das Joch eines weltlichen Nationalismus bringen wollen. Der Präsident der Aguda-Weltorganisaticn, Jacob Rosenheim, stellte fest, daß alle Delegierten in Marienbad sich darin einig gewesen seien, daß der Judenstaat nur auf religiöser Basis und unter Mitwirkung der Aguda aufgebaut werden kann. Die Geschäfte des Herrn Kareski. Die Anordnungen der Berliner Behörden haben, wie in unserer letzten Nummer gemeldet, dazu geführt, daß die Schalter der von dem famosen jüdischnationalen Nazifreund Direktor K a r e s k i zu- Grunde geleiteten Iwria--Bank geschlossen werden mußten. Wie aus unterrichteten Kreisen mitgeteilt wird, haben die Feststellungen ergeben, daß der frühere Vorstand und ein Teil der Aursichtsratsmjtglleder die Bank für persönliche Kreditzwecke in Anspruch genommen und Geschäfte durchgeführt haben, die dem Rahmen einer Genossenschaftsbank hu keiner Weise entsprachen. Ob die Iwria-Bank ihren Betrieb wieder aufnehmen wird, hänge von dem Verlauf der gegenwärtig durchgeführten Liquidationsmaßnahmen ab. Auf eine an den Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde gerichtete Anfrage wird mitgeteilt, daß die Gemeinde die Hilfsaktion, die sie im Interesse der kleinen Genossen und Kunden der Iwria-Bank eingeleitet hatte, einstellen mußte, weil von behördlicher Seite Forderungen nach erheblichen Zuschüssen erhoben worden waren. Die Berliner zionistische „Jüdische Rumdschau" schlreibt zur Lage der Iwna- Bank: Die Tatsache, daß ein jüdisches Kreditinstitut in Berlin, mit dem viele Juden, Kaufleute und Privatpersonen, gutgläubig in geschäftlicher Verbindung standen, zusammengebrochen ist, ist ein überaus unerfreuliches und bedauerliches Ereignis, und die Frage, wie es zu diesem Ergebnis kommen konnte, und wer die Schuldtragenden sind, wird vielfach diskutiert. Die Gemeinde hat bereits Mittel in der Höhe von 1,000.000 RM. zur "Verfügung gestellt und darüber hinaus den Einlegern gegenüber eine Garantie in der Höhe von 300.000 RM. übernommen; die Auf sich tsratsmitglieder,der I wria sind aber ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen und haben — wie das Communique der Gemeinde feststellt — „vollständig versagt". Wenn man weiter hört, daß die Iwria-Bank Geschäfte gemacht hat, die weit über dem Wirkungskreis eines solchen Instituts hinausgehen, und daß überdies unter den Großkreditnehmern Personen waren, die dem Aulsichtsrat und Vorstand der Bank selbst angehörten, so muß diese Geschäftsführung mit Recht Befremden (sehr milde ausgedrückt, Die Red. d. „Wahrheit") hervorrufen. JUGEND-UNION. jugendgruppe der „Union österreichischer Juden". Sitz und Klubheim: Wien 1., Schottenring 25, TeL A-19-2-77. Liebe Freunde! Am Beginn eines neuen Arbeitsjahres rufen wir Euch zur weiteren gedeihlichen Zusammenarbeit auf! Wir arbeiten im Interesse der ganzen jüdischen Jugend Oesterreichs. In einer ZeDt heimtückischer Angriffe gegen die Rechte der Juden in der ganzen Welt ist eine schlagfertige Organisation der jüdischen Jugend dringendste Notwendigkeit. Ihr müßt helfen, unsere Organisation auszubauen, um sie in ihrer Tätigkeit nach innen und außen erfolgreich zu gestalten. Niemand kann und darf heute unserer Organisation fernbleiben. Wir haben einen gemeinsamen Kampf. Die Sorgen des einzelnen Juden sind die Sorgen der Gesamtheit. Denket an das Schicksal Eurer Glaubensgenossen in den Nachbarländern! Nur durch das Zusammenstehen war es ihnen möglich, das fast Unerträgliche zu ertragen. Die Leitung der Jugend-Union. Arbeitsplan für das Jahr 1937-1938. Kurse: Ab Mitte Oktober werden für unsere Mitglieder und Freunde zwei Kurse geleitet werden: Jeden Montag um 20 Uhr, Rabbiner Prof. Dr. M. Pa p o: „Jüdische Kulturgeschichte in Zeit und Charakterbildern." Jeden Montag um 21 Uhr, Prof. Dr. A. Bogner: „Jüdische Weltanschauungslehre''. Beide Kurse sind dem Interesse und Verständnis reifer Menschen angepaßt und werden reichlich Gelegenheit zu Diskussionen im Rahmen des Kuises gegeben. Anmeldungen für den unter fachmännischer Leitung stehenden Turnkurs, der für Damen und Herren getrennt geführt werden wird, bei Kurt Löwenheck. Im Fall genügenden Interesses werden auch Sprachkurse abgehalten werden. Anmeldungen ehestens bei Dr. Ernst A b e 1 e s. Unseren Mitgliedern ist Gelegenheit gegeben, an dem Hebräischkurs, der im Rahmen des J. J. K. abgehalten werden wird, teilzunehmen. Bibliothek: Die in den Sommermonaten durch größere Spenden stark vergrößerte Bibliothek, an der jetzt fleißig gearbeitet wird, wird in ganz kurzer Zeit allen unseren Mitgliedern zur Verfügung stehen. Wir bitten unsere Freunde dringendst um Bücherspenden! Programm für den Monat Oktober: 6., %9 Uhr abends: Vortrag Rabbiner Prof. Dr. M. Papo: „Probleme des modernen Judentums." 11., 8 Uhr abends: Kurs Rabbiner Prof. Dr. M. Papo, siehe oben unter Kurse. 9 Uhr abends: Kurs Prof. Dr. A. Bogner, siehe oben unter Kurse. 13., %9 Uhr abends: Vortrag Dr. Ernst Feldsberg: „Altjüdische Gebräuche." 18., 8 Uhr abends: Kurs Rabbiner Prof. Dr. M. Papo. 9 Uhr abends: Kurs Prof. Dr. A. Bogner. 20., %9 Uhr aibends: Vortrag Dr. M. Tennenhaus: „Lichthilder aus dem jüdischen Leben." 25., 8 Uhr abends Kurs Rabbiner Prof. Dr. M. Papo. 9 Uhr abends: Kurs Prof. Dr. A. Bogner. 27, 'A9 Uhr abends: Vortrag Dr. Josef Steisel: „Alkohol." scnmuckuag wob Grane* und Grauem LeopoIdDeirtscbJieitXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen GEMEINDECHRONIK. Zwei Juden zu Wiener Universifatsprofessoren ernannt. Der Herr Bundespräsident zeichnete zwei jüdische Gelehrte, den Privatdozentero für orthopädische Chirurgie Dr. Alfred S a x 1 und den Dozenten für medizinische Chemie Rr. Robert W i 11 h e i m, mit dem Titel eines Universitätsprofessors aus. In Budapest verstarb im Alter von 77 Jahren der bekannte Philologe und Ethnologe Dr. Bernhard M u nkacsy. Dr. Munkacsy wurde 1860 in Nagyvarad geboren. Schon in seinen Studienjahren widmete er sich der finnisch-ugrischen Linguistik. Auf seinen Reisen nach dem Orient lernte er die iinnisch^ugriseben Stämme, ihre Volkseigenheiten und Literatur kennen. Er gab die Volksdichtungen der Wogulen und mehrere große Werke ähnlichen Inhalts heraus. Die Ungarische Akademie der Wissenschaften wählte ihn 1890 zum korrespondierenden, 1910 zum ordentlichen Mitglied. Doktor Munkacsy war auch Ehrenmitglied der Ungarisch- Ethnographischen sowie der Pännisch-Ugrischen Gesellschaft. Seit 1890 wirkte er im Auttrage der Budapester Israelitischen Kultusgemeinde als Inspektor des Religionsunterrichtes an den Budapester Schulen. In Florenz verstarb im Alter von 64 Jahren der hervorragende Historiker Robert Davidsohn, bekannt als der Verfasser der momunentailen „Geschichte von Florenz", eines der bedeutendsten Werke neuerer Geschichtsforschung. Davidsohn wurde 1853 in Danzig geboren, war in der Jugend kaufmännisch tätig, begründete später mit seinem Bruder den „Berliner Börsen-Courter", unterzog sich als 30jähriger dem Abiturium und übersiedelte nach Abschluß des Studiums nach Florenz, dessen Historiograph er wurde. Der Stadtrat von Florenz ernannte ihn zum Ehrenbürger und ließ sein Hauptwerk auf öffentliche Kosten ins Itatienische übersetzen und herausgeben, die Akademie der Wissenschaften in Rom ernannte ihn zu ihrem Mitglied. Bis 1833 war er aoich Mitglied der Preussisohen und der Bayrischen Akademien, Ehrendoktor einer Reihe deutscher Universitäten, auch war ihm I1S08 der deutsche Professorentitel verliehen worden. Die italienischen Zeitungen widmen ihm tiefempfundene Nachrufe, die Fachleute bezeichnen sein siebenbändiges Werk über Florenz als eine Standardleistung der Geschichtsschreibung, die seinen Namen iür alle Zeiten lebendig erhalten wird. Mainionides-Institut, IL, PraterstraBe 11. Samstag, den 2. Oktober, 4 Uhr nachmittags, findet die Eröffnung des Wintersemesters durch einen Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. A. Kaminka statt. Der Plan der Vorlesungen im neuen Studienjahre wird noch bekanntgegeben werden. Predigt. Freitag, den 1. Oktober, wird bei dem um 5 Uhr 25 Minuten beginnenden Abendgottesdienste in der Gemeindesynagoge, XV1H., Schopenhauerstraße 39, Herr Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz eine Predigt halten. Dienstjubiläum. Am 1. d. M. feiert Herr Heinrich G r ü n w a 1 d, Direktor der Lederfabrik H. R i e s z Söhne am Handelskai, sein 40jähriges Dienstjubiläum. Herr Grünwald kam in ganz jungen Jahren zu der Firma und hat es durch seine kommerziellen und persönlichen Qualitäten verstanden, sich zu der leitenden Position emporzuarbeiten, die er heute inne hat. Ueberau genießt er, der ein besonders liebenswürdiger, stets hilfsbereiter Mensch ist, größte Beliebtheit und Wertschätzung und an seinem Jubeltage sind ihm seitens seiner Firma und der Lederbranche mannigfache Ehrungen zugedacht. Aber auch in jüdischen Kreisen kennt und schätzt man Herrn Dir. Heinrich Grünwald sehr gut, insbesondere gereicht es der Bezirksorganisation Leopoldstadt der „Union österreichischer Juden" zur Ehre, ihn als ihren eifrigen Obmannstellvertreter wirken zu