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Die Wahrheit · 1937-10-01 · Heft 39 (1.10.1937) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 39 (1.10.1937)
Date
1937-10-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 39 — 1. Oktober 1937 DIE WAHRHEIT 1 Kalender-, Sidra-, Perek-, I Omer- und Haftorah-Tafel | Oebatstnnden 1 Tisdiri-MarAeschwaun 5698 Oktober 1957 früh abd-e- 7.15 Tiscbri26. 5*5 Bereschis(l. B. M.) ( Haftora \ 1 Kau omar boel 1 8 30 27 { ».,lSChevr6-15 B.au „ Meworchim 1 1 Hacbaudesch 1 " Borcfci Nafschi ' I „ 28. u. 29. t \ 1 ,. so. i.TagR««icoC»Mueicn , 7-i5|iiirebeicbwauiii.2.Tag„ jaao abds. Freitag, 1. 5.25 Samstag, 2. 6.15 Sonntag, 3. bis Donnerstag, 7. 5.35 sehen, in der am 29. September abgehaltenen Ausschuß- ' Sitzung gratulierte Obmann Dir. Gustav Kol min dem Jubilar auf das herzlichste und wünschte ihm namens der „Union" noch viele, viele Jahre gleich rüstigen Schaffens wie bisher. TodesfäUe. Im 87. Lebensjahre ist die Präsidentin des 1 Israelitischen Frauen-Wohltätgteeitsvereines und des Theresien Kreuzervereines. Frau Lina H eil mann von ihrem langjährigen qualvollem Leiden erlost worden. Mit ihr geht ein Stück Altwiener Patrizüertums zu Grabe, dessen Kunstsinn, Grazie und Anmut sie sich bis in die letzten Lebensstunden bewahrt hat. Sie war die Tochter jenes berühmten Herrenschneiders binger von europäischem Rufe, dessen Fracks einer seiner Hauptkunden, Moltke. als wahre Gedichte bezeichneie. Ihre Muter war die Tochter eines der ersten judischen Großindustriellen, des Herrn N. Hellmann in Prag. Von der geistigen Bedeutung ihres Vaters zeigt, daß er der intimste Freund von Adolf P. F i s c h h o f gewesen ist, der als sein Gast die letzten Winter seines Lebens an der Riviera verbrachte. Auch hinterließ er eine der interessantesten Privatgalerien des alten Wien. Von ihrer Mutter erbte sie den großen Wohltätigkeitssinn. Frau Singer war Begründerin des Theresien- Kreuzervereines. der noch heute in ausgiebigster Weise für 70 Schulkinder der Leopoldstadt sorgt. In sehr jungen Jahren heiratete Frau Hellmann den Bruder threr Mutter, den Großindustriellen Bernhard Hellmann, und war durch die reichen Mittel ihres Gatten, ihre Schönheit ihre Eleganz und ihren Geschmack imstande, ein Haus zu führen, das mit den ersten aristokratischen Salons von Wien wetteifern konnte. Sie verstand aber die Salondame mit der aufopferndsten Wohltätigkeit zu vereinigen, in aller Frühe und bis spät in die Nacht sorgte sie bis in die letzten Tage ihres Lebens am Schreibtisch und Telephon für ihre Schützlinge, namentlich aus der Künstlerwelt und der erste 1826 begründete Israelitische Frauen - WoWtätigkeitsverein konnte nach dem Heimgang der Baronin Charlotte Königs warter keine tatkräftigere, energischere und gütigere Präsidentin finden als die jetzt Entschlafene. Auch die „Weibliche Fürsorge" verliiert viel an dieser seltenen Frau. Sie hat fast ihre ganze Zeit überlebt den Gatten, die beiden Brüder, den Begründer und Herausgeber der „Zeit", Prof. Isidor Singer, und den angesehenen Sambier Franz Singer. Daß der von schrecklichen physischen Leiden Gequälten und ihres großen Vermögens seit vielen Jahren Beraubten ein großer jüngerer Freundeskreis treu ergeben blieb, spricht wohl am besten für die großen Geistes- und Gemütsqualitäten von Lina Hellmann, die sich noch 24 Stunden vor ihrem Tode mit der bevorstehenden Ghanukka-Bekleidung des Theresien-Kreuzervereines und dem Radio vortrage des Violonisten Griinschlag, der ihre besondere Anerkennung genoß, beschäftigte. Die Wiener Beth-Hamidrasch. Wien IL, Tempelgasse 3. Vorlesungen im Wintersemester 1937/38 (5698). Sonntag, 5 bis 6 Uhr: Rektor Prof. Dr. S. K r a u s s: Minhagim. 6 bis 7 Uhr: Rektor Prof. Dr. S. Krauss: Seder Olam. Montag. 6 bis 7 Uhr: Rabbiner Zikier: Psalmen. 7 bis 8 Uhr: Rabbiner ZikieT: More Newochim. Dienstag: 6 bis 7 Uhr: Rabbiner Dr. Zimmels: Darstellungen aus Geschichte und Kultur der Juden. 7 bis 8 Uhr: Rabbiner Dr. Rosenmann: En Jakob (Kidiuschin). M i 11 w o c h. 6 bis 7 Uhr: Rabbiner Lektor Dr. Rubin: Midrasch. 7 bis 8 Uhr: Rabbiner Lektor Dr. Rubin: Talmud-Traktat Pessacb'fm. Donnerstag, 6 bis 7 Uhr: Rabbiner Dr. Rosenmann: Jesaias II (Fortsetzung). 7 bis 8 Uhr: Rektor Prof. Dr. S. Krauss: Minhagim. S a m s t a g. 11 bis 12 Uhr: Rektor Prof. Dr. S.Krauss: Seder Olam. 4 bis 5 Uhr: Rabbiner Lektor Dr. Rubin: Bibel. Die feierliche Erötffnunig des Wintersemesters findet statt: Sonntag, den 3. Oktober 1937, um %7 Uhr abends, im Kleinen Tempel. II., Tempelgasse 3 und wird durch einen Vortrag des Herrn Rabbiner Lektor Doktor Rubin über „Bibelkritik und Bibelexegese" eingeleitet Der Vorstand: Ernst V o ig e 1 tn. p., Dr. Jokab O r n s t e i n m. p., Schriftführer. 'Präsident. WHMHHHMnHMMK Leopoiasiddter Iempeiwerein Aeschel Awr otiom 11., Pazmanltengasse 6, Tel. R 47-8-53 Anmeldungen v. ÄuigeDoien, Trauungen feudi unl. freiem Himmel) u. Barmlzwaus Parteien verkehr an Welkten von 2 bis »/«4 Übt nachmittags, an Sonnte gen von 10 bis 12 Uhr vormittags Gabetstunden Tischri Marcheschwaun 66S8 Tischri 2ü. IBereschis (1. B. M.) 1 Kaftora I Kau omar boel ascbcm / Meworcbim Hachaudescb I Borchi Nafscbi f „ 28. u. 29. * „ 30. 1. Tag Rausch Cbaudescb I Marcheschwaun 1-2.,, „ „ | „ 2. J früh G 30 6.30 und 9.00 6.30 { sbda 5.25 6.15 525 Lücke, die sie in der Wiener jüdischen Wohltätigkeit hinterläßt, wird nicht so leicht auszufüllen sein. C. Benedikt — Dieser Tage verstarb nach längerem schweren Leiden im 71. Lebensjahre Frau Helene J or y s z und wurde am 23. d. M. unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. In der Verblichenen verliert Herr Hermann J o r y s z seine innigst geliebte Gattin, mit der er im Juni das1 Fest der Goldenen Hochzeit gefeiert hatte. Herr Leo J o r y s z, Ausschußmitglied der Bezirksorganisation Leopoldstadt der „Union österreichischer Juden", die fürsorgliche brave Mutter und wendet sich der schwergeprüften Familie Jorysz die innige Anteilnahme weiter Kreise zu. Die Dahingeschiedene war eine gute Jüdin und eine dem Wohle der Ihren stets ergebene Frau, eine wahre „esches chajil". An dem Leichenbegängnisse nahmen zahlreiche Vorstandsmitglieder der Bezirksorganisaüion Leopoldstadt der „Union" wie auch des Ersten Wiener Gewerbevereines teil, insbesondere die Herren Dir. Gustav K o 1 m i n, Paul Schwarzstein,- Edmund Hofmann, Nathan Donath und Rudolf F r e i w i r t h. In inniger Weise fungierten Oberrabbiner Dr. T a g 1 i c h t und Oberkantor Funke. Ehre dem Angedenken dieser braven Frau und guten Mutter! Im Bethaus Adass-Jeschurun, IX., Pfluggasse 5, wurde kürzlich der Cbinuch eines Sefer-Tora gefeiert das der Präsident des Vereines, Herr S. Weiss schreiben ließ. Nachdem Herr Weiss die in seiner Wohnung Erschienenen herzlichst begrüßt hatte, wurde das Sefer in die Synagoige."' getragen, woselbst Oberkantor Schiffmann die kantoralen Funktionen in vollendeter Weise versah, jRabbiner S. Benedikt eine ergreifende Ansprache an den Spender richtete, worauf Herr Dr. H. Marienberg im Namen des Vorstandes ebenfalls demselben dankte und das Sefer in die Obhut der Synagoge übernahm. Nachher versammelten sich die Anwesenden abermals in der Wohnung des Spenders zu einer reichhaltigen Seluda, wobei Rabbiner S. Benedikt in einer geistreichen Ansprache die Verdienste des Herrn Präsidenten Weiss würdigte. Nach ihm hielt sein Sohn Rabbiner Benjamin Benedikt eine zündende Rede, die bei den Zuhörern allgemeinen Anklang gefunden hat Mit eindrucksvollen Ansprachen der Herren Dr. B<lauer und Dr. Gross schloß die erhebende Feier. Die Talmud Thora „Achwa w'reus", IL, Taborstraße 59, gibt bekannt, daß der Unterricht wieder begann, u. a. die Kurse für Anfänger, in Chumasch, Raschi, Mischna und Talmud. Schulleiter: Rabb. Dr. Wolf Gottlieb. Einschreibung: täglich von 2—4 Uhr. Mensa academica judaica. Der Küchenbetrieb der Mensa academica judaica, IX. Lazarettgasse 6, wird am Montag, dien 4. Oktober d. J., um 12 Uhr mittags wieder eröffnet. Theater und Kunst. jüdisches Kulturtheater. „Christian und J ak o b", eine dreiaktige Komödie von S. Gronemann, die vor wenigen Tagen im Theater Matate in Tel-Awiw in der Inszenierung des früheren Intendanten des Königsberger Staditheaters, Richard Roeenbaum, mit ganz ungewöhnlichem Erfolge zum erstenmal in Szene ging, gelangt in der ersten Oktoberwoche im Jüdischen Kulturtheater zur deutschen Uraufführung. Die Regie führt Rudolf Weiss. Bis zu dieser ersten Premiere der neuen Spielzeit wird allabendlich, 8 Uhr, das erfolgreiche Schauspiel „J u d S ü s s" von Ashley Dukes nach dem Roman von Lion Feuchtw a n g e r gegeben. Jüdische Künstlerspiele. Wie bereits in einer Vorkritik erwähnt hat das uraufgeführte Gordinstück „Esterke" einen sensationellen Erfolg errungen, vor allem wegen der Darstellung durch die Mitglieder des Morris S ch w a r t z-Ens e mbles. Eny Liton hat den dramatischen Ton bereits im Organ. Ihr Spiel ist in den Szenen mit stillem Leid, im Glück, im Dämmerzustand und in der Ekstase gleich großartig. M. Lipmann erfüllt die Situation jederzeit durch die Wucht seiner künstlerischen Persönlichkeit, und mildert den Charakter seiner egoistischen Rolle durch erquickende Komödientöne. J. G r u.'db e rfg1 s Jeschiwabocher ist wie aus einem Gemälde. Und Natalja Lipmanns Mutter huscht schnatternd, - lachend, weinend als echte Repräsentantin naturalistischen Stils über die Bühne. Ausgezeichnet alle übrigen Typen, so die Damen C. Bell und Erika Schön, die Herren — durchwegs auf die heitere Kunst eingestellt — Schorr, Bell und Sigal. Lubetzkys Musik und Lipmanns Regie bringen eine ausgezeichnete Aufführung zustande. Das Wiener jüdische Theaterpublikum sollte sich die Gelegenheit, einer solchen Vorstellung beizuwohnen, nicht entgehen lassen. Dr. S. * „Esterke" wird in den Jüdischen Künstlerspielen täglich abends halb 9 Uhr, Sonntag nachmittags auch halb 4 Uhr bei kleinen Preisen gegeben. „Jidl mit'n Fidl". Es ist der erste jiddische Tonfilm, der nach Wien gelangt ist: ein musikalisches Lustspiel mit Maly P i c o n, der berühmten Soubrette in der Hauptrolle. Dennoch darf man keineswegs glauben, daß in dem Buch, für das Konrad Tom zeichnet, Komödienelemente, wie man sie von der jiddischen Bühne her kennt, schablonenhaft verarbeitet wurden. Nein, dieser Film, in dessen Mittelpunkt wandernde Dorfmusikanten stehen, wirkt wirklich stellenweise wie ein Epos. Polnische Landschaft erscheint auf der Leinwand, weite Wiesen und fruchtbare Aecker, kleine Städte, auf deren Märkten buntes Treiben herrscht, in kleinen Episoden treten charakteristische Volkstypen hervor, in Scherz und Ernst zieht der jüdische Ghetto-Alltag vorüber und selbstverständlich fehlt auch nicht die traditionelle Hochzeit mit Sang und Klang und Tanz. Maly P i c o n gibt die Tochter eines alten Musikanten, den sie mit ihrem Geigenspiel auf den Märkten, zu dem er dann und wann den Baß streicht, erhält. Um den Belästigungen durch die nicht immer zart besaiteten Männer zu entgehen, hat sie sich als Bursche verkleidet und ihr resolutes Wesen macht die Täuschung so glaubhaft, daß ein anderer junger Musikant, den sie heimlich liebt, gar nicht auf die Idee kommt, in ihr das Mädchen zu suchen. So fiedelt und singt sie sich durchs Leben, dessen Härten sie stets mit fröhlichen Scherzworten und drolligen Einfällen zu meistern sucht, und viele schöne jüdische Volkslieder und Tänze (musikalisches Arrangement: Abraham Ellstein) klingen auf. In der Wirkung des von P r y b i 1 s k i und Green einfallsreich inszenierten Filmes tragen eine ganze Reihe vorzüglicher Schauspieler, vor allem die Herren Fostel, Boyk und LiebgoW sowie Fräulein Dr. Fakiel bei. Beerdigungen. 22. September 1937: Oskar Pollak. 55 Jahre, 6. Bez. (I. Tor). — Isidor Heller, 73 Jahre, 7. Bez. (I. Tor). — In'S. Ewald Grün, 1. Bez. (I. Tor). — Julius Kohn, 69 Jahre, 1. Bez. (I. Tor). — Heinrich Klinger, 69 Jahre, 6. Bez. (I. Tor). — Moritz Leinwand, 77 Jahre, 2. Bez. (I. Tor). — Margarethe Löwinger, 42 Jahre. 4. Bez. (I. Tor). — Katarina Singer, 87 Jahre. 9. Bez. (IV. Tor). — Max Kohn, 70 Jahre, 3. Bez. (IV. Tor). — Arnold Knöpfler, 60 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Theodor Schönherz, 60 Jahre, 1. Bez. (IV. Tor). — Armin Schwarcz, 54 Jahre, 18. Bez. (IV. Tor). — Gustav Handl, 71 Jahre, 3. Bez. (IV. Tor). — Israel Lichtman. 78 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Max Perlmann, 75 Jahre, U9. Bez. (Döbl. Friedhof). 23. September: Netti Fleischmann, 75 Jahre, 19. Bez. (I. Tor). — Magdalena Kohn, 68 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Rudolf Langer, 53 Jahre, 7. Bez. (IV. Tor). — Josefine Sachs. 81 Jahre, 13. Bez. (IV. Tor). — Dr. Moritz Kestenbaum, 73 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Helene Jorysz, 71 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Paula Weiss, 40 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). 24. September: Emil Wolfer, 46 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). — Philipp Drimmer, 32 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). — Lina Buxbaum, $1 Jahre. 9. Bez. (IV. Tor). — Sofie Singer, 70 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). — Ernestine Deutsch, 59 Jahre, 13. Bete. (Döbl. Friedhoi). 26. September: Therese Glauber. 85 Jahre, 9. Bez. (I. Tor). — Julie Herrnfeld, 75 Jahre. 5L BazL (L)Tofl). — Agnes Sbarowitz, 75 Jahre, 2. Bez. (I. Tor), — Walter Brod, 13 Jahre, 5. Bez. (I. Tor). — Gerson Adler, 78 Jahre. 8. Bez. (IV. Tor). — Ester Reh, 68 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Sigmund Katz. 81 Jahre, 16. Bez. (IV. Tor). — David Finkelstein, 37 Jahre, 18. Bez. (IV. Tor). — Bertha Schönstein, 66 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Sure Gottdenker, 73 Jahre. 20. Bez. (IV. Tor). Eigentümer, Herausgeber, Verleger und verantwortlicher Schriftleiter: Oskar Hirschfeld, Wien IL, Praterstraße 29. — Druck: Ignaz'Spitz & Söhne, Wien II. Robertgasse 2.

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