Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1937-09-17 · Heft 37 (17.9.1937) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 37 (17.9.1937)
Date
1937-09-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064663-3064698--21299-3086639
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

DIE WAHRHEIT Nr. 37 — 17. September 1937 Seite 3 Aber Masaryks Kampf war nicht vergebens. Durch sein Beispiel erzog er immer weitere Kreise zum Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit. Juden helfen Masaryk und der jungen Tschechoslowakei. Der Kampf um Wahrheit und gegen Ritualmordlüge hat den Gelehrten und Politiker Masaryk unter den Juden in der ganzen Welt sehr populär gemacht. Als Masaryk während des Krieges im Auslande für die Gründung des tschechoslowakischen Staates wirkte, fand er hilfreiche Freunde unter den Juden in verschiedenen Ländern, so in Holland, der Schweiz, England und Amerika. In seinen Erinnerungsbüchern gedenkt er der unschätzbaren Hilfe, die ihm seitens prominenter Juden zuteil geworden ist. Die junge Tschechoslowakei unter Masaryk hat in ihrer Staatsverfassung den Juden volle bürgerliche Rechte zuerkannt. Masaryk für die ihrer Rechte beraubten deutschen Juden. Am 23. August 1933 empfing Präsident Masaryk den Chef der Jüdischen Telegraphen- Agentur, Mr. Jacob Landau aus New York, und erklärte ihm auf die Frage, ob der Völkerbund das Problem der ihrer Rechte beraubten deutschen Juden aufgreifen soll, folgendes: Ich nehme an, daß der Völkerbund in der Tat diese Angelegenheit behandeln wird. Das jüdische Problem in Deutschland kann nicht als rein interne Angelegenheit angesehen werden. Tausende von Juden, die man ihrer Rechte, ihrer Existenzmöglichkeit beraubt hat, flüchten in wachsender Zahl aus Deutschland. Sie bilden naturgemäß ein Problem für alle Länder, die ihnen ein Asyl In allen Versicherungsangelegenheiten — at U « w M der „Union", L, Schottenring 25, Telephon A 19-2-77, jeden Montag und Freitag von 10 bis 12 Uhr vormittags. / Leiter: Komm.-Rat Alexias Salzer. Für Lebensversicherungsberatung haben wir einen Speziallachmann bestellt, welcher unsere Mitglieder besonders günstig beraten wird. geboten haben. Man kann nicht erwarten, daß diese Staaten Lasten tragen sollen, die durch die Politik eines einzelnen Staates verursacht wurden. Dennoch glaube ich, daß sich die Situation zum Besseren wenden wird. Antisemitismus ist nichts Neues. Das Prager Rabbinat hat angeordnet, daß am Jörn K i p P u r ,in allen Synagogen aus Anlaß de.r Seelenandacht des heimgegangenen Präsident-Befreiers Masaryk gedacht wird. Sachseis — Qualitätshüte S 9.80 u. 12.— Feine Haarfilzhüte S 19 — u.23.— Borsalino Ant. Casa S 32.— 1»., TaborstraBe Mr. 39 XIV., SechshauserstraBe Nr. 39 XVII., Kalvarienberggasse Nr. 31 Palästinateilung — auf die lange Bank geschoben. Am Vorabend des Versöhnungstages kam es im Genfer Völkerbundrat endlich zu der lange erwarteten Sensation: der englische Außenminister Eden gab Erklärungen über die Absichten seiner Regierung bezüglich Palästinas ab. Sie laufen im wesentlichen darauf hinaus, daß die Mandatarmacht an der Dreiteilung des Heiligen Landes in einen jüdischen Staat, einen arabischen Staat und ein britisches Schutzgebiet für die den Christen heiligen Stätten festhält,' nicht aber an dem Teilungsplan der Königlichen Kommission. Es soll vielmehr ein neues Spezialorgan ernannt werden, das nach Palästina gehen, mit den Juden und Arabern verhandeln und dann erst Vorschläge für einen Teilungsplan ausarbeiten und der britischen Regierung unterbreiten solle. Sodann werde die Sache dem Völkerbund vorgelegt und dessen Genehmigung eingeholt werden. Späterbin müßte ein Grenzfesrtsetzungsausschuß eingesetzt werden. Wie man sieht, sind das Pläne auf eine recht weite Sicht, und das scheint auch der Zweck der Uebung zu sein. Die englische Regierung hat erkannt, daß sie sich mit der Akzeptierung des Teilungsplanes der Königlichen Kommission in die Nesseln gesetzt hat, und sucht, da ihr dieser Plan, wenigstens im Prinzip, nach "Wie vor durchaus sympathisch ist, vor allem Zeit zu gewinnen, bis sich die Wogen der Erregung über ihr Projekt soweit geglättet haben werden, daß England seinen Hofe 100.000 Taler, doch erfuhr man in Kopenhagen niemals, woher das Geld stammte. Auch in den folgenden Jahren wurden an Dänemark größere Summen vorgestreckt, so daß diie Anleihen im Jahre 1806 sich aui nahezu zwei Millionen Taler beliefen. Bs war überhaupt das Jahr 1806, in dem der Glücksstern Rothschilds in erhöhtem Glänze zu scheinen begann. Durch die dänischen Anleihen war das Vermögen des alten Mayer Amschel beträchtlich gewachsen; von größerer Bedeutung war es jedoch, daß er jetzt das bedingungslose, unerschütterliche Vertrauen Wilhelm IX. genoß. Infolge der französischen Invasion mußte der Landgraf von Hessen vor dein heranrückenden Franzosen fliehen. Fast wäre sein ganzes großes Privatvermögen eine Beute Napoleons geworden; er übergab es daher Mayer Amschel und dieser rettete es durch Mut und Kiugheit, bewachte treu das anvertraute Gut und verwertete das riesige Barvermögen des Kurfürsten recht nutzbringend, so daß er in der Lage war, es dem rückkehrenden Landgrafen wieder vollständig rückzuerstatten, ja sogar mit einem entsprechend hohen Zinsenbetrage. Der Kurfürst, der sein Gut halb und halb für verloren hielt, war von dieser Rechtschaffenheit um so mehr überrascht, als er ein ähnliches Verhalten von seilten seiner Agenten sonst nicht gewöhnt war. Darum zögerte der Landgraf nicht, an allen Höfen Europas die Rechtschafienneit des Hauses Rothschild ins beste Licht zu stellen. Dies vermehrte das Vertrauen zu ihm und legte sicherlich den Grund zu seiner späteren finanziellen Größe. Aber je mehr der Ruf und das Vermögen Mayer Amschels und feiner fünf Söhne wuchs, desto eifriger betätigten sie ihren großen angeborenen Wohltätigkeitsa'nn. Mayer AirtsöheJ hatte stets einen ganzen Höfstaat von Armen um sich und besaß eine eigene Art, Almosen zu erteilen. Er ging nachts durch das Frankfurter Ghetto und steckte jedem anscheinend Bedürftigen, der ihm begegnete, verstohlen einige Silberstücke in die Hand, und ehe dieser danken konnte, war der güt:ge Wohltäter schon verschwunden. Ueberhaupt war ihm das Wohltun zur zweiten Natur geworden und hierin machte er keinen Unterschied zwischen seinen Glaubensgenossen und den andersgläubigen Mitbürgern. — Als Frankfurt die Hauptstadt des neugebildeten Großiürstentums wurde, schenkte der edeldenkende Fürst den Juden die vollen Bürger- und politischen Rechte, freilich wurden diese später wieder ihnen weggenommen. Rothschild wurde in Anerkennung seiner großen Verdienste zum Mitglied des Wahlrates ernannt. Doch konnte sich Mayer Amschel Rothschild dieser Ehrung nicht mehr lange erfreuen, da er am 19. September 1812 im 70. Jahre seines Lebens verschied. Als er das Herannahen des Todes fühlte, versammelte er seine fünf Söhne um äich und legte ihnen ans Herz, stets zusammenzuhalten und alle ihre Geschäfte und Unternehmungen gemeinschaftlich zu beraten und gemeinsam durchzuführen; auch schärfte er ihnen ein, stets treu und unerschütterlich am Glauben der Väter festzuhalten. Die fünf Brüder Rothschild und ihre Kinder befolgten treulich diesen Rat und noch heute kommen die Angehörigen des Hauses Rothschild nach Möglichkeit dieser Familientrad.ition nach. Die Söhne des alten MayeT Amschel waren Finanzgrößen In fünf Weltstädten geworden. Sio verdankten diesen Aufstieg dem einstigen Rabbinatskandidaten des Frankfurter Ghetto, der durch eigene Kraft ein im Staatsfinanz- und Börsenwesen bahnbrechendes Bankhaus begründet hatte. Rabbiner Dr. Alfred W i 11 m a n n, Nikolsburg Willen schließlich doch durchzuführen in der Lage sein wird. Es empfindet, wie sich zeigt, bloß den allgemeinen Unwillen über sein Vorhaben, nicht aber die Argumente, die diesen Unwillen hervorgerufen haben, als Hemmnis. Es wäre sonst unerfindlich, wozu die ganze Prozedur, die ja schon die erste Königliche Kommission unseligen Andenkens umständlich genug durchgeführt hat, jetzt von einem neu zu ernennenden „Spezialorgan", das ja der englischen Gepilogenheit gemäß wieder nur eine Kommission sein wird, noch einmal wiederholen soll, um schließlich im wesentlichen doch zu denselben Ergebnissen zu gelangen. Denn darüber hat Eden den Völkerbundrat nicht im Zweifel gelassen: „Der Versuch Palästina ist gescheiter t!" Die Schuld daran gab er weder der Mandatarmacht noch auch, was sicherlich interessant ist, allein dem arabisch-jüdischen Konflikt, sondern 1. der Ausbreitung des Antisemitismus, 2. den neuen Lebensbedingungen, die einzelne Länder für ihre Juden geschaffen haben, wodurch der Staatsmann wohl andeuten wollte, daß nicht die zionistisch-politische Agitation, sondern nur die äußere Unterdrückung den jüdischen Andrang nach Palästina in viel größerem Maßstab in Erscheinung treten ließ, als einer gedeihlichen Entwicklung der Jüdischen Heimstätte förderlich gewesen wäre. Was den Zeitgewinn betrifft, hat er im Prinzip unseren Segen. Es war ja gerade die U e b e rstürzung der jetzt zur Diskussion stehenden Palästina-Politik, die den jüdischen Widerspruch herausgefordert hat. Wenn Herr Eden jetzt darlegte, daß die Niederlegung des Mandats dem Buchstaben des Statuts über A-Mandate entspricht, der die Selbständigwerdung der in diese Mandatgruppe eingeteilten Länder vorsieht, so muß festgestellt werden, daß in dieser Hinsicht gerade von den Juden, so vielen Grund zur Unzufriedenheit mit der englischen Palästina-Verwaltung sie auch hatten, kein Druck ausgeübt worden ist und auch die extremsten Zionisten von dem Judenstaatsprojekt der Königlichen Kommission überrascht waren. Zu Edens Erklärung, daß die Ausführung dieses Projektes zu den schwierigsten und wichtigsten Problemen der Gegenwart gehört, stellen wir Nichtt zionisten die Dringlichkeit dieser Aufgabe ent- ■ schieden in Abrede. Uns erscheint als die dringend- I ste und wichtigste Autgabe die Ansiedlung der jüdischen Opfer des europäischen Antisemitismus. Darum erblicken wir in der Beschränkung der judischen Einwanderung nach Palästina eine katastrophale Maßregel. Herr Eden will diese Maßregel erst im Einvernehmen mit den Arabern nach dem Gelingen seiner Bemühungen, die Araber für den Teilungsplan zu gewinnen, mildern. Das dürfte eine artige Geduldprobe werden . . . Eden erklärte diesbezüglich: „Eine Aenderung der gegenwärtigen Beschränkungsmaßnahmen hängt von dem Fortschritt der nun aufzunehmenden Verhandlungen mit den Parteien ab." Das kann ja nett werden, wenn das Immigrationsbedürfnis der von ihrer europäischen Scholle vertriebenen Juden von der Gnade der Araber abhängen soll! In dieser Beziehung ist leider zu viel gesündigt worden. Jüdischnationaler Chauvinismus und Hakenkreuzhetze haben das Verhältnis zwischen den Arabern und Juden vergiftet. Mit Recht haben die nichtzionistischen Vertreter in der Jewish Agency dies bemängelt und die Anbahnung freundlicherer Beziehungen als unerläßliche Voraussetzung gedeihlicher Verhältnisse in Palästina gefordert. Zu diesem Ziele ist es aber der am wenigsten geeignete Weg, unberechtigte Wünsche des einen Partners auf Kosten des anderen zu erfüllen. Die Araber, denen die jüdische Einwanderung nur Wohlstand und Kultur brachte, haben keinen stichhältigen Grund, diese Einwanderung zu lähmen. Die Juden aber sind auf Einwanderungsmöglichkeiten gerade jetzt angewiesen. Soeben ist ein neuer Teil der deutschen Juden, der oberschlesische, unter

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.