Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 35-36 (5.9.1937)
- Date
- 1937-09-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 35/36 — 5. September Ug7 Seite 1 Matura-Schule „UNIVERSUM" w IX», GamlSOngaSSe 3 / Tel. A-20-4-48 / Beginn neuer Anfängerkurse Milte Saptarabar | Säwtliche Lehrmittel leihweise! | Vormittags-, Abend- und NaChRlittaSSkUrSB (db5Uhr) Mittelschüler mit Vorkenntnissen können bereits am 1. September in die Vorgeschrittenen-Kurse eintreten / Mittelschüler aus der 4. Klasse mit ungünstigen Jahreszengnissen werden für die Matura vorbereitet Der Weise von Zion. Anläßlich der hohen Feiertage findet wie alljährlich der f esfgottcsdienst im Prachtsaal des ,.A*a&«s Qottcs" IX.. MuOdarleiiirafle statt. Kartenverkaui von 9—12 Uhr, und 3—5 Uhp Karten von 5 3.— auiwärts Vorstand des Vorstand Tempelvereines Bikur Chaulim IX., Müllnergasse IX., Liechtensteinstr. 113 Während der Züricher Zionistenkongreß durch eine Reihe von überflüssigerweise hinter geschlossenen Türen abgehaltenen Sitzungen der nationalsozialistischen Propaganda mit den angeblichen „Geheimprotokollen der Weisen von Zion" neue Nahrung bot, hat er auch für seinen eigenen Bedarf das Geheimprotokoll wenigstens eines Weisen von Zion zutage gefördert, nämlich ein angeblich schriftlich fixiertes Uebereinkommen des Präsidenten Dr. Wei'zmann mit dem britischen Kolonialminister Ormsby-Gore, durch das die. zionistische Organisation zum Teil bereite verpflichtet worden sei, den Palästina-Teilungsplan anzunehmen, ehe der 20. Zionistenkongreß noch getagt hat. Der Entdecker dieses in Form eines Memorandums gehaltenen Schriftstücks war seltsamerweise der Obmann der Judenstaatspartei Meir Großmann, dessen Fraktion seit jeher in prinzipieller Opposition zu Weizmann steht, so daß man sich nicht recht vorstellen kann, wie gerade diese Partei in den Besitz eines angeblich von Weizmann verfaßten und von diesem sicherlich nicht für die Oeffentlichkeit bestimmten Dokuments gelangt sein soll. Die Londoner Zeitungen, die diese „Enthüllungen" veröffentlichten, berichteten denn auch ergänzend, daß ihnen Dr. Weizmann auf telegraphische Anfrage erklärte, er habe wohl ein Memorandum über seine Unterredung mit Ormsby-Gore ausgearbeitet, das aber geheim war. Jedenfalls habe niemand das Recht gehabt, den Bericht zu veröffentlichen. Wenn Herr Großmann für die Echtheit seiner Dokumente die Tatsache anführte, daß er sie im Kongreß-Plenum vorgelesen und kommentiert habe, ohne daß sich Weizmann darüber aufgeregt und es Untersuchung verlangt habe, die er jetzt nachträglich fordert, so scheint uns dies eher das Gegenteil zu beweisen, nämlich, daß Dr. Weizmann das Vorgelesene eben nicht als sein geistiges Eigentum erkannt hat. Uebrigens sind die Dokumente keineswegs sensationell. Es ist ja wiederholt in der Presse festgestellt worden, daß Dr. Weizmann in seinen Unterredungen mit der britischen Regierung und mit den Mitgliedern der Kgl. Kommission sich für einen modifizierten Teilungsplan aussprach. Man kann über diese Politik denken wie man will, eine so unkorrekte Taktik, wie sie ihm Großmann vorwirft, ist dem Gentleman, der Weizmann unleugbar ist, nicht zuzutrauen. Läge sie aber tatsächlich vor, dann wäre dies weniger für den Zionistenkongreß als für die Jewish Agency ein Grund zur Anklage, da, wie der Führer der Nichtzionisten, Felix W a r b u r g, auf der Council-Tagung hervorgehoben hat, nur die Agency und nicht der Kongreß zur Erteilung von Vollmachten an Weizmann, die Palästina-Politik betreffend, berechtigt ist. Darüber hat sich Herr Meir Großmann hinweggesetzt . . . Er hat aber auch noch etwas anderes übersehen, nämlich den psychologischen Schlüssel zu der überraschenden Bekehrung Weizmanns für die Schaffung des Judenstaates, noch dazu eines Judenstaates, der niemandem gefällt. Bekanntlich hat gerade Weizmann früher, so lange es noch Zeit war, immer vor der politischen Propaganda für einen Judenstaat gewarnt, da er angesichts der Haltung der Araber in dieser Propaganda eine Gefahr für die Jüdische Heimstätte in Palästina erkannte. Gerade diese Vernunttpredigten haben ihm die gehässige Kritik der Judenstaatspartei zu¬ Direktors witwe v t mit kultiviertem Haushalt, Bad, Telephon, Klavier I sucht Pensionärin | aus gutem Hause. Unter„Wie beimMutterl" an die Expedition des Blattes. gezogen und es ist die Annahme nicht von der Hand zu weisen, daß er der Suggestion dieser permanenten Kritik in dem Augenblicke erlag, wo die Realisierung des Judenstaatsprojektes sogar von der englischen Regierung verlangt wurde. Anstatt Weizmann mit neuen Vorwürfen wegen seiner Nachgiebigkeit dem unerwarteten Projekte gegenüber zu überhäufen, täten also die Herren von der Judenstaatspartei gut daran, die Schuld an der jetzigen Haltung Weizmanns in ihrer eigenen Brust zu suchen. Eine andere Erklärung für dessen raschen Umfall gibt es ja gar nicht! Sollten gerade dem weitblickenden Politiker, als der Weizmann sich oft erwiesen hat, die Mängel der politischen Mißgeburt der Königlichen Kommission verborgen geblieben sein? Sollte gerade er, der selbst englischer Bürger ist, als einziger Mensch auf der Welt an die absolute Hilflosigkeit Englands der freiwillig übernommenen Aufgabe gegenüber, verfolgten Juden eine menschenwürdige Heimstätte zu errichten, glauben? Gerade an dem Tag, an dem das Eingeständnis dieser angeblichen Hilflosigkeit seitens der Königlichen Kommission in die Oeffentlichkeit drang, tagte in L o n d o n, wo ja bedrängte Kreaturen immer auf Schutz und Rettung hoffen dürfen, eine internationale Gesellschaft zur Bewahrung der — Walfische vor der Ausrottung, und mit begreiflichem Neid erfuhren wir Juden, daß unter den neun Staaten, die sich sofort als an die dort beschlossenen Schutzmaßnahmen gebunden erklärten, auch Deutschland sich befand, obwohl die Walfische durch das Abenteuer des Propheten Jonas als Judenschutztruppe kompromittiert erscheinen. Müssen wir das Versagen Englands als Protektor der Heimstätte für von der Ausrottung bedrohte Juden nicht um so kränkender empfinden? Ohne Zweifel tut dies auch Weizmann und mit Recht schreibt die „Stimme", selbst ein Organ der „Neinsager": Man kann Weizmanns Politik billigen oder ablehnen. Man verzerrt aber die Dinge, wenn man sie von der einen oder der anderen Seite aus persönlicher Sympathie zu Weizmann als der Weisheit letzten Schluß verklären oder aus Haß entstellen will. Wer sich in der einen oder in der anderen Art und Weise einstellt, kann nicht zu einer objektiven Einschätzung der Lage kommen und muß in die Irre gehen . . . Wir haben keinen besseren Mann als Weizmann, wenn er auch nach unserer tiefsten Ueberzeugung hier einen schweren Fehler gemacht hat." Wir Nichtzionisten erklären diesen schweren Fehler als ein unzeitgemäßes Eingehen Weizmanns auf die extrem zionistische Judenstaatsideologie und erkennen aus den Folgen die von der „Union österreichischer Juden" stets betonte und auf ihrer jetzigen Kenessio Gedaulo auch von der Aguda verkündete Notwendigkeit, das Monopol der Zionisten auf die Bestimmung des jüdischen Schicksals in Palästina abzulehnen. Das Land, das allen Juden heilig ist, muß vor dem Schicksal bewahrt werden, eine Karikatur zionistisch-politischer Phantasmagorien zu werden. Um die jüdisch-arabische Verständigung. Sensationelle Interviews der J. T. A. Der Genfer Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur hatte Gelegenheit, sowohl den Bevollmächtigten der Jewish Agency beim Völkerbund Dr. Nahum G o 1 d m a n n als auch die F ü hrer der arabischen Delegation, die sich anläßlich der Tagung der Permanenten Mandatskommission in Genf aufhielt, über die Möglichkeiten des Zustandekommens einer jüdisch-arabischen Round Table-Konferenz zu befragen. Dr. Nahum G o 1 d m a n n erklärte, die Jewish Agency sei stets bereit gewesen und sei es auch heute, mit den Arabern zu einer Konferenz am runden Tisch zusammenzutreffen. Eine Verständigung mit den Arabern könne allerdings nur auf der Basis der Balfour-Deklaration und des Mandates erfolgen. Die Araber müßten ferner bereit sein, einer auf das Prinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit gestützten jüdischen Einwanderung in Palästina zuzustimmen und sich mit dem Gedanken abzufinden, daß die Juden in Palästina eine Mehrheit bilden werden. Die Führer der arabischen Delegation, Adv. Auni Bey Abdul Hadi und Scheich Arslan, gaben in einem längeren Gespräch ihrer Ansicht dahin Ausdruck, daß eine Verständigung mit den Juden nur möglich sei, wenn diese auf ihre zionistischen Aspirationen verzichten. Die Araber seien bereit, den Juden vollständige Gleichberechtigung in Palästina zu garantieren; die Juden würden entsprechend ihrem verhältnismäßigen Anteil an der Gesamtbevölkerung an der Regieruns des Landes teilnehmen können, die hebräische Sprache werde eine der offiziellen Landessprachen sein. Die Voraussetzung für dies alles müsse jedoch sein, daß die Juden den Gedanken, jemals eine' Mehrheit im Lande zu bilden, aufgeben. Nur in diesem Falle werde es in Paiästina Frieden geben können. Werde man jedoch versuchen, den TeilungspLan ohne die Zustimmung der Araber, die niemals erfolgen werde, mit Gewalt zu verwirklichen, dann würden die Araber Gewalt mit Gewalt beantworten. Wir glauben nicht, erklärten die arabischen Führer zum Schluß, daß die englischen Soldaten eine solche Mission auf sich werden nehmen wollen. Wird man versuchen, die Teilung Palästinas mit Hilfe einer jüdischen Armee durchzuführen, dann wird niemand die arabischen Armeen des Irak, Transjordaniens, Syriens und der anderen arabischen Länder daran hindern können, über die paar hunderttausend Juden in Palästina herzufallen, sie zu töten und ihre Leichen ins Meer zu werfen. In allen Versicherungsangelegenheiten — je U e r S der „Union", I., Schottenring 25, Telephon A 19-2-77, jeden Montag und Freitag von 10 bis 12 Uhr vormittags. / Leiter: Komm.-Rat Alexius Salzer. Für Lebensversicherungsberatung haben wir einen Spezialfachmann bestellt, welcher unsere Mitglieder besonders günstig beraten wird. ReiSegepäCkSVerSiCheriing