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Die Wahrheit · 1937-09-05 · Heft 35-36 (5.9.1937) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 35-36 (5.9.1937)
Date
1937-09-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 35/36 — 5. September 1937 DIE WAHRHEIT jffittftftqftKcfte Iftecatungsfteile in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisation - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sei kretariat der „Union" I.. Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. Jedes Mitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheäen der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheäen, Stcuerberatung ooUkommen unentgeltliche Auskunft. Derficberungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, PolizzenprOfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine nambmfte BegBnBtlgung. der Prämtensätze. reicht, das nicht gut tun könnte. Aber die Hartnäckigkeit der Araber, so sagen die „Times" zum Schluß, ist zu oft durch jüdische Ungeduld über die Verzögerung und den Aufschub gefördert worden, die die Mandatsmacht im Interesse des Aufbaus des Nationalheims anzuwenden sich gezwungen sah. Die eindrucksvolle, zum Schluß erfolgte Mahnung der Mandatskommission sollte von beiden Parteien als der wohlerwogene Rat von Richtern gehört werden, die unparteiisch, unpolitisch und frei von Leidenschaft sind." Die Zeitschrift „S p e c t a t o r", in der die Anschauungen maßgebender konservativer Kreise zum Ausdruck kommen, stellt fest, daß die Situation in der Palästinafrage durch die Resolutionen der Jewish Agency und den auszugsweise veröffentlichten Bericht der Mandatskommission zwar nicht erheblich verändert, aber doch berührt worden ist. Der Grundsatz der Teilung werde von beiden Körperschaften mit verschieden stark betontein Zögern akzeptiert, allerdings verlange die Jewish Agency, daß eine jüdisch-arabische Konferenz einberufen werde, die einen letzten Versuch Streng rituelle Pension und Speisehaus Firtinrf>r Baden D. Wien Hermtne L111I1IC1 Rolettgosse? gibt bekannt» daß ihr Betrieb, ganzjährig geöffnet unter eigener Leitung geführt wird!_ machen soll, durch Uebereinkommen eine Lösung unter Vermeidung der Teilung herbeizuführen; bisher aber gebe es auf arabischer Seite kein Anzeichen für ein Eingehen auf diesen Vorschlag. Dafür, daß, wie die Mandatskommission es wünscht, den beiden Völkern in ihren Gebieten Unabhängigkeit erst gewährt werden soll, sobald sie dazu reif sind, spreche viel; dennoch scheine für den Standpunkt, daß mit Rücksicht auf die in Palästina herrschende Ungewißheit und Unruhe eine endgültige Lösung so schnell wie möglich herbeigeführt werden soll, mehr zu sprechen. Jetzt habe sich der Völkerbundsrat zu äußern, aber es sei schwer vorstellbar, wie der Völicerbundsrat der britischen Regierung Pflichten auferlegen könnte, zu deren Uebernahme sie nicht bereit ist. Auch „New Statesman and Nation" glaubt, daß man durch die vorläufige Stellungnahme der Mandatskommission nicht wesentlich weitergekommen ist. Wenn sie es auch bezweifle, daß ohne „ein gewisses Schwanken in der Politik" bei der Mandatarmacht die Zustände sich im Jahre 1936 nicht so sehr verschlechtert hätten, gebe sie doch zu, daß das Mandat von dem Augenblick an undurchführbar geworden ist, in dem die Königliche Kommission diese Ansicht aussprach und die britische Regierung sie annahm. Die beiden Vorschläge der Mandatskommission böten wenig Aussicht auf Lösung des Einwanderungsproblems, Ausgleich des Gegensatzes zwischen jüdischen und arabischen Ansprüchen oder Milderung der Bitterkeit und des Verdachtes, die der Durchführung des Mandates entgegengebracht werden. Der Mandatarmacht erwachse aus beiden Vorschlägen die Möglichkeit neuer Schwierigkeiten. In den Betrachtungen, die „T i m e a n d T i d e" zu der Lage anstellt, wird hervorgehoben, daß ohne größere Anpassungsbereitschaft auf jüdischer und arabischer Seite eine befriedigende Lösung nicht herbeigeführt werden kann. Grenzziehung, Kantonisierung oder besondere Mandate würden sonst kitzlige Vorschläge bleiben. Vermutlich aber werde die Teilung in-dieser oder jener Form versucht werden müssen. Die führende amerikanische Zeitung „N e w York Times" befaßt sich in einem Leitartikel mit dem Bericht der Mandatskommission und bemerkt, die Meinung der Mandatskommission, daß die Mandatarmacht versucht habe, die einander feindlichen Gefühle in Palästina zu besänftigen, sei nicht überzeugend; vielmehr habe die Mandatarmacht hierin versagt. Die Probe auf die Durchension „Aitftoinette" am Semmering verfügt über jeden modernen Komfort, zählt zu den bestbesuchten Häusern, gauzjährig offen. Hervorzuheben ist die interkonfessionelle Einstellung der Besitzer. Preise für volle Pension mit Abgaben: Nichtsaison S 8.—, 9. und 10.— und in der Saison S 10.—, 11— und 12.— führbarkeit jedes für Palästina vorgeschlagenen Programms, schließt die Zeitung, ist das Maß, in welchem eine Verständigung zwischen Juden und Arabern zustande gebracht werden kann. Denn nur bei wirklicher Zusammenarbeit können die hohen Aspirationen beider Völker im Heiligen Lande erfüllt werden. Chief Rabbi Hertz antwortet dem Patriarchen Miron Christea. Die von uns jüngst gemeldete Propagierung des Gewaltantisemitismus durch den griechischorthodoxen Patriarchen von Rumänien, Miron Christea, hat in Londoner jüdischenKreisen Besorgnis in bezug auf das zukünftige Schicksal der Juden in Rumänien geweckt. Der rumänische Patriarch hat bekanntlich ganz im Stile seines neuen Freundes Cuza die unglaublichsten Anschuldigungen gegen die Juden in Rumänien erhoben und die schwersten Beleidigungen gegen sie geschleudert. Dabei erwähnte der Patriarch, daß er die gleichen Ausführungen bereits gegenüber einer jüdischen Delegation unter Führung des Oberrabbiners Dr. Beck, die ihn während seines Aufenthaltes in London vor etwa einem Jahr besucht hatte, gemacht habe. Der Patriarch meinte offenbar den Obernabbiner des britischen Reiches Dr. J. H. Hertz. Chief Rabbi Dr. Hertz sieht sich nun veranlaßt, in einem Interview mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur auf die Ausführungen des Patriarchen Miron Christea folgendes zu erwidern: . Mit Verblüffung habe ich den barbarischen Ausbruch des rumänischen Patriarchen im Zusammenhang mit der Judenfrage gelesen. Außerordentlich betroffen bin ich vor allem von seiner Erklärung, daß er sich in genau den gleichen Worten einer Delegation englischer Juden gegenüber geäußert habe, die ihn besucht hat, um zugunsten ihrer rumänischen Glaubensbrüder zu intervenieren. Das ist einfach nicht wahr. Die Delegation bestand aus Leonard G. M o nt e f i o r e (Präsident der Anglo-Jewish Association, d. Red.) und mir. Der Patriarch leugnete damals, irgendein antisemitisches Vorurteil zu haben, erkundigte sich in freundlicher Weise nach dem Befinden von Dr. G a s t e r (dem aus Rumänien stammenden Chacham der sephardischen jüdischen Gemeinde Englands, d. Red.) unl Dr. Niemirower (Landesrabbiner und Senator in Bukarest) und erklärte mit Nachdruck, daß einige seiner besten Freunde Juden seien. Ueberflüssig zu betonen, daß weder Leonard Montefiore noch ich auch nur einen Augenblick in der Gesellschaft des Patriarchen verblieben wären, hätte er sich so allen menschlichen Anstandes bar gezeigt wie in seinen jetzt bekannt gewordenen Aeußerungen im „Curentul". Er war damals Gast des Erzbischofs von Canterb u r y, und wir besuchten ihn, um an ihn zu appellieren, dem Beispiel Seiner Gnaden des Erzbischofs zu folgen und nach seiner Rückkehr nach Rumänien Worte zu sprechen, die die erregten Gefühle in seinem Lande beschwichtigen könnten. Als ein Allheilmittel zur Behandlung der Judenfrage in Rumänien erschien dem Patriarchen die Einberufung eines internationalen Kongresses zur Behandlung der Judenfrage. Ich brachte die Meinung zürn Ausdruck, daß in der Zwischenzeit er das besondere Privileg haben würde, Worte zu sprechen, die zu Frieden, gegenseitigem Verstehen und Brüderlichkeit unter den Bewohnern Rumäniens führen können. Seine Antwort Lautete: ,.In erster Reihe" bin ich Rumäne". In ein gewisses Unbehagen versetzte ihn mein Zuruf zum Abschied: „Nein! Eure; Heiligkeit sind nicht in erster Reihe Rumäne,' in erster Reihe sind Sie C h r i st!" * Patriarch Miron Christea hat an den Führer der gewaltantisemitischen „Eisernen Garde" Corneliu Codreanu ein Schreiben gerichtet, in welchem er diesem seinen Segen erteilt und ihn' ermutigt, seine Tätigkeit ungeschwächt fortzusetzen. Gleichzeitig setzen die nationalistischen rumänischen Zeitungen, gestützt auf die antisemitische Erklärung des Patriarchen, ihre intensive antisemitische Hetzagitation fort. Die einflußreiche Tageszeitung „Universu 1", die wegen ihrer scharfen antisemitischen Einstellung bekannt ist, warnt die Regierung davor, sich mit dem Patriarchen in einen Konflikt einzulassen, da es sonst zu U nruhen kommen könnte, ähnlich denen in Jugoslawien, wo ernste Zwistigkeiten zwischen Regierung und Kirche bestehen. In verantwortlichen politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß der Antisemitismus in Rumänien jetzt einen Siedepunkt erreicht hat Ein netfes Detail erzählt das Pariser „Neue Tagebuch" über jenen Herrn von Langen, dem kürzlich, mit anderen seiner Kollegen, der Aufenthalt in England verweigert wurde. Man weiß, daß dieser Journalist im Nebenberuf, der seinen „Zeitungsdienst Graf Reischach" früher in Rom vertrat, auch Italien etwas unfreiwillig hatte verlassen müssen. Ueber den Grad von Beliebtheit, deren er sich auch dort erfreute, unterrichtet jetzteine Anekdote, die sogar wahr ist. Als Mussolini vor einigen Monaten seine große Fahrt durch Libyen machte, reiste ein großer Schwärm von Journalisten mit Auch Herr von Langen meldete sich. Im Propagandaministerium dachte man angestrengt nach, wie man ihm die Sache möglichst widerlich machen könne. Schließlich kam man auf einen Gedanken. Als das Schiff in Afrika gelandet war und die Details für die Fortsetzung der Fahrt herausgegeben wurden, erhielt Herr von Langen die Information, daß er das ihm zur Verfügung gestellte Auto mit einem Kollegen zu teilen habe: mit dem Korrespondenten der „Jüdischen Telegraph en-Agentu r". Seine Proteste waren heftig. Sie wurden offenbar gerne, mit einem gewissen Vergnügen angehört aber es zeigte sich eine bedauerlich absolute, ganz unübersteigbare Unmöglichkeit, die getroffenen Arrangements noch abzuändern. Jüdische Männer, jüdische Frauen! Wir wenden uns heute mit der Bitte an Euch, das schwere Los unserer Kranken dadurch zu erleichtern, daß Ihr uns dazu verhelft, unsere jüdische Bibliothek zu erweitern und zu vergrößern. Beweist Euer jüdisches Mitgefühl dadurch, daß Ihr unseren Aufruf nicht wirkungslos verhallen lasset. Spendet reichlich gute Bücher, jüdischen und nichtjüdischen Inhaltes für den Tempelverein der Lungenheilstätte Alland! Auch die kleinste Buchspende wird dankbar angenommen. Zusendungen erbeten an den Tempelverein der Lungenheilstätte Alland, Niederösterreich.

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