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Die Wahrheit · 1937-09-05 · Heft 35-36 (5.9.1937) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 35-36 (5.9.1937)
Date
1937-09-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 35/36 —_5. September 1937 Seite 5 . Kein Tag ohne Kaffee Trinken Sie Meinl-Kafffee! K e i m e z u e r s t i c k e n, da die Rädelsführer und Hetzagitatoren noch immer auf freiem Fuß belassen worden sind. Im Laufe des Dienstag wurden an allen Moscheen Jerusalems von Fauzi Bey el K a u k a d y i, dem Führer der arabischen Terrorgruppen während der Unruhen 1936, unterzeichnete Plakate angeschlagen, in denen die Araber Palästinas aufgefordert werden, den Guerillakrieg zu erneuern und sich gegen die Juden zu bewaffnen. Für die Polizei ist erhöhte Bereitschaft angeordnet worden. Panzerwagen und schwer bewaffnete Polizeiabteilungen patrouillieren durch die Straßen von Jerusalem und Tel Aviv; größere Militärabteilungen sind in verschiedenen Unter dem Titel „Die Judenheit am Scheidewege" setzt sich die „R e i c h s p o s t" vom 27. v. M. in Verbindung mit einem Bericht über die Tagung und Beschlüsse der „Kenessio Gedaulo" in scharfen Worten mit dem politischen Zionismus auseinander. Das Judentum zerfalle in zwei gegnerische „Hälften", in eine „auf materialistisch-nationalistischem Boden stehende, religiös indifferente, vom Marxismus durchsetzte zionistische" und in eine „dem Väterglauben treu gebliebene orthodoxe". Was ist geschehen, daß die „Reichspost" plötzlich den politischen Zionismus so genau durchschaut, seine Ideologie, seine Wege und Ziele erkennt und ihn mit sachlichen, aber scharfen und entschiedenen Worten ablehnt? Ist irgendwo die Maske gefallen, sind irgendeinem ungeschickten Spieler die Karten entglitten? In einem Punkte bedarf der Artikel der „Reichspost" einer Ergänzung. Die „Reichspost" vergißt, daß es im Judentum nicht nur jene beiden „Hälften" gibt. Wir müssen daher darauf hinweisen, daß es in allen Ländern der Welt Juden gibt, die jede politisch-internationale Bindung entschiedenst ablehnen und in politischen Dingen nur die Richtung ihres Vaterlandes kennen. Dieser Teil der Judenschaft fühlt sich mit Palästina nur traditionell-religiös und praktisch insoweit verbunden, als er die Ansiedlung von Glaubensgenossen, die anderwärts keine Existenzmöglichkeit haben, materiell und ideell weitestgehend fördern will. Dieser Teil des Judentums ist zwar nicht orthodox, aber durchaus positiv zu religiösen Dingen eingestellt, erhält in den Ländern mit numerisch schwacher Orthodoxie den jüdischen Kultus gänzlich und muß schon darum der religiösen Betätigung größtes Augenmerk zuwenden, weil ja dieses Moment für ihn als einziges den Inhalt des Judentums verkörpert. In England, Frankreich, Italien, Ungarn, der Tschechoslowakei — allerorts gibt es solche fast überall die Majorität bildende, nur zum geringsten Teil geschlossen organisierte, numerisch mitunter sehr starke Verbände von Juden, die natürlich ebenfalls mit Leichtigkeit einen großen Weltkongreß einberufen könnten, die es aber eben darum nicht tun, weil sie jedes internationale Zusammenarbeiten — soweit es sich um mehr als religiöse und soziale Dinge handelt — als programmwidrig und dem Gefühle und der Ueberzeugung widersprechend ablehnen. In Oesterreich dürfte der „Reichspost" die „Union Österreichischer juden" als Repräsentanz dieser Richtung nicht unbekannt sein. Sie sei daran erinnert, daß in dem scharfen Wahlkampf im Herbst vorigen Jahres die „Union" dem „auf materialistisch-nationalistischem Boden stehenden, religiös indifferenten, von Marxismus durchsetzten" Zionismus entgegengetreten ist und allein, ohne Unterstützung, diesen Kampf, überschüttet von Verleumdungen und Beschimpfungen, durchgefochten hat und weiterführt. Der vom „Führer", Präsidenten Staatsrat Dr. Friedmann, ausgestoßene Schlachtruf der Umwandlung der Kultusgemeinde in eine Volksgemeinde ist von den Nationalzionisten zwar aus taktischen Gründen später abgeblasen worden, aber in der Praxis hat sich in diesem Streben nichts geändert. Die „Eroberung der Kultusgemeinden" durch den Zionismus hat ja durchaus keine religiösen Motive, sondern entspringt nur. dem Streben nach" Macht und nicht zuletzt nach der Möglichkeit, die Stadtteilen zusammengezogen worden. Wegen der in den Grenzgebieten herrschenden starken Spannung wurden zur Unterstützung des transjordanischen Grenzkorps für die Bewachung der Grenze zwischen Transjordanien und Saudi-Arabien Luftstreitkräfte herangezogen. Der Waad Leumi hat einen Aufruf an den Jischuw, insbesondere an die jüdische Jugend, erlassen, Besonnenheit zu wahren und sich nicht provozieren zu lassen. — Die hebräische Tagesprdsse warnt die Palästinaregierung und macht sie bereits jetzt für eine eventuelle Wiederholung der Unruhen verantwortlich. „Davar" erklärt, solange die Organisatoren der Terrorakte nicht entwaffnet und hinter Schloß und Riegel sind, werde es in Palästina keinen Frieden geben. Mittel der Gemeinde in die Hand zu bekommen. Die großen Bethäuser der Wiener Tempelvereine werden fast durchwegs von Unionisten erhalten, besucht und verwaltet — denn hier handelt es sich eben n u r um religiöse Dinge. Die Orthodoxie in Oesterreich ist numerisch nicht stark genug, um die Richtung des Wiener Judentums entscheidend zu beeinflussen. Es hat Sachseis — M 2^ Qualitätshüte ^asl S 9.80 u. 12.— i Za^H w^'/Mm Feine Haarfilzhüte S 19 — u.23.— tf/T Borsalino Ant. Casa S 32.— II., TaborstraBe Nr. 39 XIV., SechshauserstraBe Nr. 39 XVII., Kalvarienberggasse Nr. 34 dies auch ein Teil der Wiener „Aguda" erkannt und arbeitet bereits mit der „Union" zusammen. Bei dem in der „Union" immer stärker hervortretenden Interesse für Vertiefung in Religion und religiösem Wissen kann eine solche Zusammenarbeit schöne Erfolge bringen. Die „Union", die ja auch in der Zeit des höchsten Liberalismus stets Religion und Tradition gepflegt hat, trägt den gesteigerten Forderungen der Gegenwart vollauf Rechnung. Mit Herbstbeginn wird eine intensive religiös-kulturelle Tätigkeit unter Leitung von Rabbinern und Religfonslehrern speziell in der „Jugend- Union" und dem „Jüdischen Jugend-Kreis" einsetzen. Der vor kurzem veröffentlichte Auszug aus der vorläufigen Stellungnahme der Mandatskommission zu der von England vorgeschlagenen Lösung des Palästinaproblems ist in der englischen Presse mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Die Blätter stellen zwar mit Genugtuung fest, daß die Mandatskommission die Unparteilichkeit der von England durchgeführten Untersuchung anerkannt hat, lassen aber eine gewisse Enttäuschung darüber durchblicken, daß die Mandatskommission die auch schon in dem Peel-Plan vorgesehene Uebergangszeit durch eine provisorische Kantonseinteilung oder die Einführung gesondert zu verwaltender Mandate über das jüdische und arabische Gebiet verlängert sehen möchte. Die „Time s" veröffentlichen einen längeren Leitartikel, in dem festgestellt wird, daß die Vorschläge der Mandatskommission einen weiteren Schritt zur Lösung der schwebenden Fragen bedeuten. Das Blatt meint, daß die Anregungen der Mandatskommission zu unbestimmt seien, um im einzelnen kritisiert werden zu können. Der Kantonisierungsplan löse nicht das Hauptproblem einer Einwanderungskontrolle, während auf der anderen Seite der Plan, zwei gesonderte Mandatsgebiete in Palästina zu schaffen, es ermögliche, in die zwei neuen Staaten zu verschiedenen Zeiten Selbstregierung einzuführen. Im Hinblick auf die verschiedenartige politische Erfahrung von Juden und Arabern sei dies eine gute Anregung. Aber sie werde die Verbitterung vergrößern und Die „Reichspost" wird wohl erkennen müssen, daß in Oesterreich als numerisch ins Gewicht fallender religiös eingestellter Gegenfaktor des politischen und nationalen Zionismus in erster Linie die „Union österreichischer Juden" in Betracht kommt. Aber die „Reichspost" könnte eigentlich nicht nur berichten und reststellen — sie könnte auch helfen! Das wichtigste Propagandamittel und der Hauptköder der zionistischen Agitation unter der Jugend ist die Behauptung, daß die jüdische Jugend hier keinerlei Existenzmöglichkeit finden kann und wird, daß ihre Zukunft einzig und allein in Palästina liegt. Hier elendes Zugrundegehen unter lauter Feinden — dort paradiesisches Leben unter lauter Volksgenossen — vielleicht weiß die „Reichspost", wie gut solche Agitation auch anderwärts wirkt? Könnte die „Reichspost" nicht dafür eintreten, daß auch für brave junge österreichische Juden, die nicht nach Palästina tendieren, die den christlichen Staat durchaus respektieren und jedwede Einmengung in den christlichen Bereich entschiedenst ablehnen, Existenzmöglichkeiten in allen Berufen unter den gleichen Voraussetzungen wie für die christliche Jugend geschaffen werden? Wir hätten es dann viel leichter, die jüdische Jugend für religiöse und heimatliche Ideale zu gewinnen und dem Einfluß des „auf materialistischnationalistischem Boden stehenden, religiös indifferenten, vom Marxismus durchsetzten" Zionismus zu begegnen. nENSIONAT FÜR JÜDISCHE MKDCHEN .»SIN WIEN Für das Schuljahr 1937/38 werden jüdische Mädchen aufge- I nommen. Nachhilfe in allen Fächern, Sprachen- und Musik- ■ Unterricht wird gewährleistet.LiebevolleBehandlung.Familien- ■ anschluB,erstkl. rituelle Kost, mäSige Preise, beste Referenzen. ■ Jüdisches Mädchenpensionat, Wien II., I Lassinglelthnerplatz 2/12 | das Mißtrauen über die britischen Absichten vertiefen. Die „Times" stellen weiter fest, die Mandatskommission habe eingeräumt, daß die Teilung an sich eine mögliche Lösung des Palästinaproblems darstelle. Es sei nun am Völkerbundsrat, die Frage eingehend zu behandeln. Kolonienminister Ormsby-Gore habe vor der Mandatskommission zum Ausdruck gebracht, daß die Verantwortung für jede zukünftige Regelung vom Völkerbundsrat und England getragen werden müsse. Das Blatt fährt fort: „Sollte der Völkerbundsrat keine Einwendungen erheben, so würde der nächste Schritt die Einsetzung einer Grenzkommission sein, die die Einzelheiten der Teilung auszuarbeiten haben würde. Diese Einzelheiten und die Arbeit der Grenzkommission müssen von der Britischen Regierung zum Gegenstand von Verhandlungen mit Juden und Arabern gemacht werden. Das ist eine langwierige und schwierige Sache, welche Entscheidungen auch immer in Genf fallen mögen. Diese ganze Arbeit wird vergeblich sein, wenn das Ziel einer Aussöhnung aus den Augen verloren wird. Es gibt ein kleines Zeichen für einen versöhnlichen Geist seit dem Augenblick, wo der Cou ncil der Jewish Agency sich für Verhandlungen und Freundschaft mit den Arabern als eine Alternative zum Teilungsplan ausgesprochen haben. Der Oberste Arabische Ausschuß hat, schlecht beraten, bei den Eröffnungssitzungen der Mandatskommission ein hartherziges negatives politisches Programm über- Politischer Zionismus, Orthodoxie und „Reichspost". Die Mandatsmüdigkeit Englands.

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