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Die Wahrheit · 1937-09-05 · Heft 35-36 (5.9.1937) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 35-36 (5.9.1937)
Date
1937-09-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 35/36 — 5. September 1937 Seite 3 DAS IST DAS ECHTE NEROL NATURREINES KOKOSNUSSFETT 9 Die Erzeugung steht unter Aufsicht Sr. Ehrwörden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Die Macht der Idee — die Idee der Macht! Jüdischer Glaube — jüdischer Nationalismus. Von Dr. Ernst Feldsberg. glimmt noch in vielen Herzen. Der wilde Nordwind, der heute durch viele Lande weht, vermag ihn nicht zu ersticken, sondern eher zu entfachen. Wir preisen ja Gott auch als „meschane Ittim", als „Aenderer der Zeiten". Ein solcher Entfacher göttlicher Funken ist aber auch unser Rosch-haschana-Fest. Wir feiern an diesem Feste Gott als Vater und Schöpfer aller Menschen. Nach dem Ausspruch des Talmud feiern wir Rosch haschana nicht nur für uns, sondern für die ganze Menschheit. Darum beten wir an diesem Bußfeste, daß die Bosheit (und nicht etwa die Bösen) hinschwinden möge, auf daß alle Welt einem Schono tauwo, einer glücklichen und friedvollen Zeit, entgegengehe. Möge das neue Jahr uns und allen Völkern den langersehnten und gerechten Frieden bringen! Israelitisch - Theologische Lehranstalt in Wien. Zum Zwecke der Heranbildung von Religionslehrern für Mittelschulen eröffnet die Israelitisch-Theologische Lehranstalt in Wien im Einvernehmen mit der Israelitischen Kultusgemeinde ab 7. Oktober d. J. einen Kurs a) für Talmud und Bibelexegese für solche Hörer, die in diesen Disziplinen nicht die genügende Vorbildung haben, b) für Pädagogik und Methodik für sämtliche Hörer der Lehranstalt. Teilnehmer an diesem Kurse müssen die Matura an einer Mittelschule abgelegt haben. Anmeldungen zu diesem Kurse sind an das Rektorat der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt, II., Tempelgasse 3, zu richten. Die Aufnahmeprüfungen für ordentliche Hörer der Lehranstalt finden am 5. und 6. Oktober d. J. statt. Der Rektor: Prof. Dr. S. Krauss. Nur wenige Tage noch und wieder werden die Juden am Tage des Gerichtes die gewaltige Idee des jüdischen Glaubens erkennen, wenn sie gewillt sind, das jüdische Leben als ein Leben zu erleben. Die gewaltige Idee der Schicksalsverbundenheit aller Juden der Welt, die gewaltige Idee des Glaubens an den einig einzigen Gott, dia untrennbare Verbundenheit jedes Juden mit der heiligen Schrift, die Erkenntnis von der Gleichheit aller Menschen werden dauernd dem Judentum den von Gott gewollten Lebensinhalt bieten. Durch 40 Jahre mußten die aus den Sklavenketten der Pharaonen befreiten Juden durch die Wüste ziehen, damit ein neues Geschlecht ins heilige Land ziehen könne, ein Geschlecht, das nicht mehr um das goldene Kalb, um den Götzen getanzt hat. In dem Lande der Verheißung sollte das jüdische Volk eine Sammelstätte finden, in der Gottesglauben und Thoratreue herrschen, die allein die Staatsverfassung bilden dürfen. Längst sind die Mauern des heiligen Tempels gefallen und die heiligen Stätten verwüstet, nur die Klagemauer erzählt noch von einstiger Größe des jüdischen" Reiches. Vertrieben wurden die Juden, hinausgejagt in eine Welt, die sie wegen ihres Glaubens durch Jahrtausende verfolgt. In Folterkammern mußten sie ob ihres Glaubens büßen, auf Scheiterhaufen mit dem Bekenntnis auf den Lippen ihre reine Seele aushauchen. Diese Qualen und Torturen, dieser furchtbare Vernichtungskrieg, sie alle konnten aber eines nicht vernichten: den Glauben an Gott und die Macht der heiligen Lehre. Je härter die Juden bedrängt wurden, je mehr sie ob ihrer Glaubenslehre verfolgt und gepeinigt wurden, um so treuer stritten sie für dieses heilige Vermächtnis vom Berge Sinai. Nichts konnte diese Macht vernichten, die ärgsten Mittel der Verfolgung und des Hasses blieben ein stümperhafter Versuch gegen diese Macht der Idee unserer Lehre. In falscher Erkenntnis der jüdischen Volksidee, in Verkennung der Jahrtausende alten jüdischen Geschichte erstand plötzlich eine neue Idee, eine Idee, die, von der Moderne geschaffen, wieder Juden um ein goldenes Kalb tanzen ließ, um ein goldenes Kalb, das sich Nationalismus nannte. Götzendiener dieser Idee glaubten eine Renaissance des Judentums scharfen zu können, die das jüdische Volk wieder nach dem heiligen Lande als dem Lande der Verheißung zurückführen sollte. Nicht die Fahne Juda Makkabi's, den sie so gerne als ihren Helden usurpieren, die Fahne, auf der die Worte standen, „Wer ist wie Du, unser Herr", wird dieser Idee der Macht vorangetragen, sondern die Fahne des militanten Nationalismus, der nichts wissen wollte und nichts wissen will von jüdischer Glaubensidee, der einzig und allein auf jenen völkischen Prinzipien aufgebaut ist, die von den ärgsten Hassern des Judentums als ihre Prinzipien, als ihre Religion gelehrt werden. Die Vertreter des Nationalismus wollen nur einen jüdischen Staat, in dem sie herrschen können und der ihnen die Erfüllung ihrer Idee vorzutäuschen scheint. Die Mehrheit des Zionistenkongresses hat sich daher für den Teilungsplan ausgesprochen, der dem neu zu schaffenden Zwergstaat die heiligen Stätten nimmt, jene Mehrheit, deren Vertreter es als einen Gewissenszwang auffassen, wenn jüdische Kinder zur Uebung religiöser Pflichten verhalten werden. Das Schicksal des jüdischen Nationalismus ist besiegelt durch die Anerkennung des Teilungsplanes. Es ist unzweifelhaft geworden, daß die moderne Idee des Nationalismus mit der Idee des Judentums als Glaubensidee nichts mehr zu tun hat. Es wird den Jüdischnationalen nicht mehr möglich sein, sich auf die große Sehnsucht der messianischen Idee zu berufen. Die Erfüllung der Judenstaatsidee des modernen jüdischen Nationalismus ist nichts anderes als ein scheinbarer Sieg der Idee der Macht. Die Macht der Idee, die Macht des Bekenntnisses zum Judentum, als der größten Idee menschlicher Erkenntnis, wird ewig bestehen bleiben. Es hat Nationen und Völker gegeben, deren Macht von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang reichte, sie sind vom Erdboden verschwunden und nur die Geschichte erzählt von ihrer einstigen Größe. Könige sind gekommen und Könige sind gegangen, das Rad der Zeit ist über die Geschichte so vieler Völker hinweggegangen. Das was aber als ein ewiger Lichtstrahl über all diese Machtideen hinweg geblieben ist und in aller Ewigkeit der Menschheit die innere Kraft geben wird, ist der Glaube an Gott, der Glaube an unsere Lehre und der Geist, der von dieser Lehre ausgeht. Katholische Kirche soll Verdammungsurteil gegen Judenverfolgung in Deutschland sprechen. Die führende katholische Zeitung Irlands „The Standard" fordert, daß die katholische Kirche in ihrer Gesamtheit ein Verdammungsurteil gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland spricht. Bis jetzt, schreibt die Zeitung, haben wir von keiner offiziellen Verurteilung der Judenverfolgung in Deutschland seitens der Kirche Kenntnis erhalten. Daß die Kirche den Antisemitismus verurteilt, kommt in einem Dekret des Heiligen Vaters aus dem Jahre 1928 zum Ausdruck. Das muß heute im Hinblick auf die Lage in Deutschland wiederholt werden. Genau so wie die Kirche jeden Haß unter Völkern zurückweist, solle sie ein besonderes Urteil über den Geist des Hasses gegen das einst vom allmächtigen Gott erwählte Volk sprechen, über den Geist des Antisemitismus. Ungünstige wirtschaftlicheEntwicklung in Palästina. Der Londoner „Daily Telegraph" meldet aus Jerusalem: Die Unsicherheit über das Schicksal Palästinas hat eine ungünstigeWirkungaufdie wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Löhne fallen, die Baubewegung hat sich verringert. Jaffa ist eine tote Stadt. In Tel Aviv ist die Zahl der vereinbarten Neubauten um 50 Prozent zurückgegangen. Verband der Sabbathfreunde „Schombre Schabbos", Wien IL, Im Werd 6, Tel. A-46-0-15. Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung. In Anbetracht der bevorstehenden hohen Feiertage werden jene strenggläubigen jüdischen Arbeitslosen, deren Kontroll- oder Auszahlungstag auf einen der Neujahrstage, Jom-Kippur oder Sukkostage fällt, eingeladen, in unserem Sekretariat um Ausstellung einer Besehe nigung anzusuchen, auf Grund welcher die Arbeüslosenämter den Kontroll-, bzw. Auszahlungstag auf einen anderen Wochentag verlegen.

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