Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 34 (27.8.1937)
- Date
- 1937-08-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 34 — 27. August 1937 Seite 5 was iür Verbesserungen immer äurchgesetzt werden können, ein verkrüppeltes Gebilde übrig bleiben wird. Ich beschwöre Sie, alle Schritte zu tun, damit die Zukunft auf Basis eines Arrangements gesichert wird, das nicht unmöglich sein kann. Wir Juden Amerikas haben den Juden Rußlands geholfen und es ist ein weitreichender Hilfsplan für die Juden Deutschlands in Arbeit. Viele neue Probleme stehen vor uns — ich will nicht erst die Länder aufzählen, die heute den Juden das Leben schwer machen. Wir haben Palästina in jeder möglichen Weise favorisiert und bei den Sammlungen geholfen; die Ziffern zeigen, daß die Nichtzionisten bei weitem die größten Geber waren, und sie haben es gern getan. Welche Entscheidung immer fallen wird, unser Interesse wird nicht geringer werden, aber die Methoden werden vielleicht andere sein müssen. Wenn die Haltung dieses Council die sein wird, daß sie nur darauf schaut, einen Staat zu bekommen, und nicht auch gleichzeitig die Verpflichtungen gegenüber den Nachbarn eingedenk sind, so werden wir nicht mit Ihnen gehen könne. Ich 'bitte Sie in tiefstem Ernst und in aller Liebe, die ich für das jüdische Volk habe, nichts vorschnell zu tun, nicht Versuchsballons auszusenden und einem Staat zuzustimmen, der sehr leicht zerstört werden kan. Es würde uns sehr hart ankommen, wenn wir unsere Hilfe für Palästina, die wir nicht aufgeben wollen, außerhalb der Jewish Agency zu leisten gezwungen wären. Sie wünschen, daß etwas getan werden soll, was Sie alle gleichzeitig mißbilligen. Ich warne Sie als Freund und Mitarbeiter, geben Sie nicht Ihre wahren Ideale auf für ein Scheinideal, das voller Gefahren ist! (Beifall.) Der Schluß der Tagung des Council der Jawish Agency. Am 21. August, um Mitternacht, ist die V. Tagung des Council der Jewish Agency nach, einer kurzen Ansprache von Dr. Weizmarin geschlossen worden. Voran gingen die Abstimmung über die politische Resolution und über die Anträge der einzelnen Kommissionen, sowie die Wahlen der verschiedenen Organe der- Jewish Agency. ...v.~: Nach langen Verhandlungen kam zwischen den Führern der Z'ionisten und der Nichtzionisten eine Einigung zustande, die ihren Ausdruck in einer Kompromißresolution findet. In dem ersten Teil der Resolution werden die Schlußfolgerungen der auf dem Zionistenkongreß angenommenen Mehrheitsresolution bestätigt. Im zweiten Teil wird die Behauptung der Kgl. Kommission, daß sich das Mandat als undurchführbar erwiesen habe, zurückgewiesen und die Exekutive beauftragt, sich jeder Beschränkung der durch die Balfour-Deklaration und das Mandat international garantierten Rechte zu widersetzen; die von der Kgl. Kommission vorgeschlagenen Palliativmittel, die u. a. die Festsetzung eines politischen Einwanderungsmaximums vorsehen, werden verurteilt. Im dritten Teil der Resolution „bekräftigt der Council die bereits auf früheren Tagungen abgegebenen Erklärungen, in denen die Bereitschaft zum Ausdruck kommt, mit den Arabern in Palästina auf der Basis freier Entwicklung des arabischen und des jüdischen Volkes und, gegenseitiger Wahrung der nationalen Rechte zu einem friedlichen Uebereinkommen zu gelangen. Er beauftragt die Exekutive, ihre auf dieses Ziel gerichteten Bemühungen fortzusetzen und im Hinblick darauf die britische Regierung zu ersuchen, eine K o n f erehzvonjuden und Arabern Palästinas einzuberufen, um die Möglichkeiten eines friedlichen Uebereinkommens zwischen den beiden Völkern in einem ungeteilten Palästina auf der Basis der Balfour-Deklaration und des Mandats ausfindig zu machen. Im vierten Teil der Resolution schließlich werden die Vorschläge der Kgl. Kommission als unannehmbar bezeichnet; die Exekutive wird beauftragt, in Verhandlungen mit der britischen Regierung zur Feststellung der genauen Bedingungen für die Errichtung eines jüdischen Staates einzutreten. Im Falle des Zustandekommens eines endgültigen Planes soll dieser von der Exekutive einer speziellen Tagung des Council zur Erörterung und Beschlußfassung vorgelegt werden. Die Resolution wurde bis auf den vierten Teil vom Council einstimmig angenommen; bei der Abstimmung über diesen Teil, in dem der Exekutive die Vollmacht zu Verhandlungen mit der britischen Regierung erteilt wird, enthielten sich dreizehn Delegierte der Stimme. Vor der Abstimmung (üründungsjahr 1831) Matura-Schule „UNIVERSUM43 IXm GarniSOflSaSSe 3 / Tel. A-2O-4-48 / Beginn neuer Allfängerkurse Mitte S«pt«mb«r | Saatliche Lehrmittel leihweisef | Vormittags-, Abend- und NaClMlittaflSkUrSCl (3D 5 Uhr) Mittelschüler mit Vorkenntnissen können bereits am 1. September in die Vorgescbrittenen-Kurse eintreten / Mittelschüler aus der 4. Klasse mit ungünstigen Jahreszeagnissen werden für die Matura vorbereitet hielt Dr. Weizmann eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Die Befürchtung, die die Nichtzionisten empfunden haben, ehe sie nach Zürich kamen, daß die Exekutive etwa nicht alles getan habe, um zu einem friedlichen Uebereinkommen mit den Arabern zu gelangen, war durch die Tatsache gerechtfertigt, daß die Exekutive die Jewish Agency über ihre Verhandlungen mit den Arabern nicht genügend informierte. Das war natürlich vor allem eine Folge der geographischen Entfernung zwischen Palästina und New York. Ich freue mich, daß die Nichtziionisten nun die Tagung des Council mit dem Bewußtsein verlassen, daß die Exekutive alles getan hat, was in ihren Kräften stand, um Frieden mit den Arabern herzustellen. Für VATER und SOHN SACflSEL HÜTE 11., Taborsfraße Nr. 3Q XIV., Sechahauserstraße Nr..3Q XVU., Kalvarlenberggasse Nr. 34 Es ist wahr, daß jener Teil der Resolution, in der die Exekutive aufgefordert wird, von der britischen Regierung zu verlangen, daß sie eine arabisch-jüdische Konferenz zum" Zwecke der Herstellung des Friedens in einem ungeteilten Palästina einberufe, in der vom Zionistenkongreß angenommenen Mehrheitsresolution nicht enthalten ist; die Aufnahme dieser Entschließung in die Resolution der Jewish Agency ist den amerikanischen Nichtzionisten 'z'U danken, die mit dem aufrichtigen Wunsch, unsere Arbeit zu unterstützen, an den Beratungen, der Tagung-des Council teilgenom- ENS IO N AT FÜR JÜDISCHE MXDCHEN IN WIEN Für das Schuljahr 1937/38 werden jüdische Mädchen aufgenommen. Nachhilfe in allen Fächern, Sprachen- und Musik- UnterrichtwirdgewährleistetUebevolle Behandlung, Familienanschluß, erstkl. rituelle Kost, mäßige Preise, beste Referenzen. Jüdisches Mädchenpensionat, Wien II., Lassingleithnerplatz 2/152 men haben. Noch nie stand der Council vor Fragen von so vitaler Bedeutung, wie auf dieser Tagung, und noch nie war es wichtiger, daß Zionisten und Nichtzionisten zu einem harmonischen Einvernehmen gelangen. Wenn nun ein solches Einvernehmen glücklich hergestellt werden konnte, so ist das in hohem Maße der großzügigen Haltung der rrichtzionistischen Vertreter, unter ihnen insbesondere Felix M. W a r b u r g, Steuer und Strook, zu danken. Im Laufe der weiteren Ausführungen übte Dr. Weizmann Kritik an der britischen Regierung und besonders an der Palästina-Administration, betonte jedoch, er wolle mit aller Deutlichkeit erklären, daß, mag die Enttäuschung und Unzufriedenheit des jüdischen Volkes mit der Handlungswerse Englands in Palästina noch so begründet sein, die Juden sich doch stets ihrer Dankesschuld gegenüber Großbritannien als der Macht, die mehr als alle anderen für ihre Nöte und Aspirationen Verständnis gezeigt habe, bewußt sein werden. Trotz der Schwierigkeiten, mit denen Großbritannien in der gegenwärtigen verwickelten weltpolitischen Lage zu kämpfen hat, hat es sich dennoch bemüht, etwas für das bedrängte jüdische Volk zu tun und die unerläßlichen Voraussetzungen für die Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina geschaffen. Das jüdische Volk werde, was immer auch kommen mag, dem britischen Reich stets durch die unzerreißbaren Bande der Dankbarkeit und Freundschaft verbunden sein. (Lebhafter Beifall.) Bei den nach Annahme der politischen Resolution und der Anträge der einzelnen Kommissionen durchgeführten Wahlen wurden nehen die vom Zionistenkongreß gewählten Mitglieder der Exekutive als n i c h tzionistrsche Mitglieder Dr. H e x t e r, Frau Jacobs- New York, Dr. K a r p f - New York, Dr. Senator und, Dr. R u p p Ln gewählt. M. M. Ussischkin wurde mit Sitz ohne Stimmrecht in die Exekutive gewählt. Als Repräsentant der Jewish Agency in Genf mit Sitz in der Exekutive und Stimmrecht in allen politischen Fragen wurde Dr. Nahum Goldmano bestätigt. Louis L i p s k y wurde zum Vertreter der Jewish Agency in den Vereinigten Staaten mit Sitz in der Exekutive bestimmt; er wird diese Funktion gemeinsam mit Doktor K a r p f ausüben. Zu Vertretern der Nichtzionisten in der Politischen Kommission in London wurde Lionel Cohen-London, Neville Laski-London, Sir Osmond d'AvIgdor Goldschmid - London, Lord R e a d i n g, Prof. Speyer- Brüssel und Felix M. Warburg-New York gewählt. Leonhard Stein wurde zum ehrenamtlichen Rechtsberater der Jewish Agency wiedergewählt. Zum Vorsitzenden des Council der Jewish Agency wurde Lord Melchett, zum Vizevorsitzenden Morris Rothenberg-New York gewählt. Schließlich wurde ein aus vierzehn Mitgliedern bestehender Administrative Commitee eingesetzt. Sämtliche Organe wurden einstimmig gewählt. Die nichtzionistischen Mitglieder des Administrative Commitee wurden bevollmächtigt, drei Personen namhaft zu machen, die, mir gleichartigen Pflichten und Rechten ausgestattet wie die zionistischen Beigeordneten (assistant members) der Exekutive, in die Exekutive der Jewish Agency aufgenommen werden sollen. Vernichtung des jüdischen Buchhandels im Dritten Reich. Schon seit langem ging man von nationalsozialistischer verantwortlicher Stelle Deutschlands darauf aus, den jüdischen Buchhandel zu vernichten, insbesondere ihn von dem Vertrieb deutscher Bücher auszuschalten. Vor längerer Zeit ist bereits jüdischen Buchhändlern der Vertrieb nationalsozialistischer Literatur grundsätzlich verboten worden. Die jüdischen Antiquariat- und Kunsthändler wurden durch Maßnahmen der Reichskulrurkammer gezwungen, ihre Betriebe zu schließen oder an Nichtjuden zu verkaufen. Seit einer Reihe von Monaten setzte ein erbitterter Kampf ein, die jüdischen Buchhändler vollkommen aus dem deutsohen Buchhandel auszuschließen. Sie wurden nicht mehr in die Adreßbücher des deutschen Buchhandels aufgenommen, so daß sie zeitweilig Bücher nicht von den Kommissionären, die zwischen Verlag und Buchhandel stehen, geliefert erhielten. Dieser Zustand wurde dann provisorisch behoben. Es wurde aber von dem Beauftragten des deutschen Buchhandels in der Reichsschrifttumskammer eine endgültige Regelung für den 1. April d. J. angekündigt. Danach sollten die jüdischen Buchhändler konzessionspflichtig sein, in dem Inneren ihres Geschäftes und an der Außenseite deutlich kennzeichnen, daß sie nur an Juden liefern dürften. Die angekündigte Verordnung ist nunmehr erfolgt und noch schlimmer ausgefallen, als man befürchtet hatte. Jüdische Buchverleger und Buchhändler dürfen nach dieser Verordnung ihr Gewerbe im Deutschen Reich nur ausüben unter Beschränkung ihrer Tävigkeit auf j ü d i s c h e Literatur und auf ausschließlich jüdischen Abnehmerkreis. Sie werden von dem Sonderbeauftragten des Reichsministera für Volksaufklärung und Propaganda betreffend Ueberwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im Deurschen Reichsgebjet, Reichskulturverwalter Hinkel, erfaßt. Ais jüdische Literatur sind anzusehen: Bücher und Schriften — gleichgültig, ob in deutscher Sprache, in Hebräisch, Jiddisch oder einer anderen Fremdsprache —, deren Verfasser oder Herausgeber oder