Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 34 (27.8.1937)
- Date
- 1937-08-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 34 — 27. August 1937 DIE WAHRHEIT yPtrtfd>aftBä>e ffierqtungsftelle in der „Union" unter Lotung des Obmannes des Organisation - Komitees der „Union österreichischer Jaden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel A 19-2-77. JedesMitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der -Wirtschaft, wie in alten gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung Dollkommcn unentgeltliche Auskunft. öccfidjcrungsbccatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbmdi, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprüfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine namhafte BmgBnatlgmnB der Prämlensätxe. Villenpension Kreinberg iftiBlfi! Hohe Feiertage geöffnet. 'Auskunft: Wien II.. Krummbaumgasse 1 Telephon: A44-4-62, U 10-800 und Lola _- _ — „' .Sdilff, Breitenstein a/S Telephon 11. Auf fraU I<Ola SOlifl^erlangeii Prospekt. Leitung fen auch nicht vergessen, daß unsere Religion von den Juden stammt" In Zusammenhang mit seiner Rundfrage veröfientlichte der „Curentul" auch die Antwort des Präsidenten des Zentralrates der Juden Rumäniens und der Union rumänischer Juden, Dr. Wilhelm Fi 1dermann, in der dieser u. a. ausführt: Indem Tag und Nacht wiederholt wird, daß in Rumänien eine jüdische Frage, eine jüdische Gefahr vorhanden sei, haben die Rumänen begonnen, daran zu glauben, daß Rumänien krank sei und daß die Entfernung der Juden das einzige Heilmittel wäre..Bilden die Juden wirklich eine Gefahr? Wenn die 250.000 Juden in den beiden kleinen rumänischen Fürstentümern von einst die Entwicklung Rumäniens nicht gehindert, sondern im Gegenteil durch Anteilnahme an allen historischen Geschehnissen an diesem Aufstieg mitgewirkt haben, so sehe ich nicht ein, wie die 800.000 Juden des mächtigen und vereinigten Großrumäniens eine nationale Gefahr darstellen könnten. Jch glaube, daß weder wir diese Ehre noch das rumänische Volk eine solche Beleidigung verdienen. Dies um so eher, als im Altreiche Sie Gesamtzahl der fremdstämmigen Bevölkerung fünf Prozent, davon die Hälfte Juden, betrug, während in Großrumänien die Gesamtzahl der fremdstämmigen Bevölkerung 27 Prozent, davon nur fünf Prozent Juden, ausmacht. Sind also diese fünf Prozent gefährlicher als die restlichen 22 Prozent? Das ist unverständlich. Warum spricht man von einer Verjudung des Landes ■und nicht von einer Magyarisierung oder Germanisierung? Die Zahl der Ungarn und Deutschen übersteigt doch um das Dreifache die Zahl der Juden . . . Eine ökonomische Gefahr kann nur in einem Lande entstehen, in welchem die Dichte der Bevölkerung ein gewisses Maß überschritten hat, Rumänien steht aber, hinsichtlich der Bevölkerungsdichte, weit hinter den anderen Ländern Europas zurück. Es ist nicht angebracht, von einer Entlastung zu sprechen, wenn pro Quadratkilometer noch keine Belastung besteht. Das bestätigt auch die Arbeitslosenstatistik. In anderen Ländern gibt es Millionen oder Hunderttausende Arbeitslose. Wir aber kennen Kecine Arbeitslosigkeit. Wenn wir also keine Arbeitslosigkeit kennen und wenn die Bevölkerung pro Kilometer dünn ist, wo liegt dann die wirtschaftliche' Gefahr? — Nur in manchen Städten und in vereinzelten Berufen besteht eine scheinbare Ueberlastung. Abshilfe kann nicht durch Emigration geschaffen werden, sondern nur durch eine' bessere interne Aufteilung. Daher glaube ich, daß nicht die Anwesenheit der Juden, sondern gerade eine Massenauswande/ung von Juden eine wirtschaftliche Krise hervorrufen würde: Zusammenbruch der industrieflen und unbeweglichen Werte, Rückgang der Preisender landwirtschaftlichen Produkte usw., wie dies.ypr. Jahrzehnten der Fall war, als ein starker Hang zum Auswandern bestand. Die Juden haben die Rumänen nicht daran gehindert, jedweden intellektuellen oder wirtschaftlichen Beruf zu ergreifen . . . Auch die Behauptung, daß sich die Juden wirtschaftlich isolieren, ist nicht richtig. Ich veröffentlichte vor kurzem eine nominelle. Statistik des Personals in den jüdischen Unternehmungen und wies nach, daß die jüdischen-lArbeitsgeber 24 % Prozent jüdische Gesellen und Lehrlinge beschäftigen und 75.5 Prozent Rumänen. Zu behaupten, daß es ein jüdisches Problem im Lande gibt, - gleichgültig welcher Art, sei es auch wirtschaftlicher, bedeutet nicht den eingebildeten Kranken spielen, sondern einen, der sich nach einer fälschen Diagnose . behandeln läßt. , Die besten Eisgq WQf^t- BQlSeliwareo 3 mal täglich frisch bei IftBtL, Wiee IL, PralerslratG 33 Unter Aufsicht: des' ~ ' " Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S2;- aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. Die Rede Felix Warburgs im Council der Jewish Agency. Felix War bürg, der als erster Redner in der Generaldebatte das Wort ergriff, führte aus: In diesem Hause, in dem die Jewish Agency vor einigen Jahren gegründet wurde, möchte ich zuerst der Männer gedenken, die in der Geburtsstunde der Körperschaft anwesend waren und heute nicht mehr unter uns weilen. Ich gedenke Louis Marshalls, der wenige Tage nach Schluß der Gründungsversammlung, die er als eine der glücklichsten Stunden seines Lebens bezeichnete, von uns ging. Seither haben uns auch Oscar Wassermann, Lee K. Frenke 1 und unser lieber Freund, der erste L o r d M e I c h e 11, verlassen. ■Der Traum von Schönheit und wahrer Hilfe, dem wir seit jenem Tag Wirklichkeit zu geben versuchten, soll nunmehr grausam reduziert werden. Ich gehe nicht auf die Philosophie von Zionismen oder Nichtzionisten ein; die Frage ist, ob diese Lösung, die uns vorgeschlagen wird, wirklich die einzige ist. Wir in Amerika sind ein friedliches Volk; wir hassen Grenzen, wir wissen, daß verschiedene Sprachen, verschiedene Religionen und verschiedene Ambitionen in einem Lande nebeneinander existieren und daß alle ohne Neid und ohne Angriff nebeneinander leben können. Wir haben uns der Jewish Agency abgeschlossen aus dem Gefühl der Verantwortung für die leidenden Juden in dieser Welt und mit dem Ziel, Menschen zu ermutigen, sich selbst erhaltend und produktiv, stolz und frei zu leben. Wir haben uns fürPalästina interessiert, bevor an die Jewish Agency gedachtwurde. Seit jenem ersten Schiff mit Proviant und Medikamenten, das' von Amerika nach Palästina geschickt wurde, sind Millionen von Dollar « nach Jerusalem gesandt worden, und ich denke, daß das allen Gruppen der Bevölkerung zugute gekommen ist. Und wir glauben, daß der vorliegende Plan nicht weiter betrieben werden darf, ohne vorher die ernstesten Versuche zu machen, daß Juden und Araber in Palästina sich miteinander verständigen. In dieser: Meinung sind wir durch Hunderte von Telegrammen von orthodoxen und reformierten Juden,, von Zionisten und Nichtzionisten bestärkt worden. Nun wird behauptet, daß der Vorsehlag der Royal Commission unabänderlich ist, und der zionistische Kongreß hat eine Resolution, Verhandlungen betreffend, gefaßt loh halte das nicht für den richtigen Weg. Die sechs Mitglieder der Kom- Der Allgemeine Kranken- und Unterstützungsverein „nontefiore NädistenlieDe veranstaltet wie alljährlich, anläßlich der hohen Feiertage, im Hotel „B&UrlSdier MOl" Wien IL, Obere Augartenstraße 5, einen FESTGOfTIS DIENST Der Kartenverkauf iindet an Wochentagen von 9 — 12 Uhr vorm. und von 2—o Uhr nachm., Sonntag von 9 Uhr früh bis 6 Uhr abends statt. mission, die eine wunderschöne Arbeit geleistet haben, sagen zum Schluß, daß das Mandat nicht durchgeführt 'werden kann, weil Juden und Araber nicht zusammenleben können. Und als Beweis wird angeführt; daß während der ganzen bisherigen Mandatsperiode die Araber und Juden nicht zusammengebracht werden konnten. Ich war fünfmal in Palästina; mich hat vom ersten Augenblick an der Gedanke dieser Möglichkeit gepackt, ioh habe :mit jedem der High Commissioners gesprochen und ihnen gesagt, daß diese Möglichkeit bisher noch nicht ergriffen wurde. Wenn jetzt deklariert wird, daß die beiden Volker , nicht zusammenkommen und nicht zusammenleben können, so ist das eine Antwort, die ein Volk wie das unsere nicht als endgültig akzeptieren kann. Es ist nicht wichtig, daß wir im einzelnen Verbesserungsmöglichkeiten des Planes diskutieren; die erste Frage ist, die beiden Völker zu einer Round-Table-Konferenz zusammenzubringen. Was sechs noch so bedeutende Gentlemen sagen, die aber zum erstenmal in Palästina waren und keine von den Sprachen des Landes verstehen, das soll jetzt eine endgültige Entscheidung sein? Ich glaube nicht, daß England das haben will. Ich habe die Entwicklung Palästinas mit Liebe und .Interesse , beobachtet. Viel von dem, was wir getan haben, konnte nur gebaut werden^ weil' England hinter uns stand und sein Versprechen wenigstens zum Teil erfüllte. Wir Amerikaner' wollen weiter Menschen, die nach Palästina 'gehen wollen, unterstützen, wenn wir eine ehrliche Anstrengung sehen, daß aus Palästina in nationaler Beziehung eine zweite Schweiz gemacht werden' soll. Bisher wurde es nicht versucht. Wahrscheinlich wäre'«bis -vor kurzer Zeit eine Verständigungskonferenz wirklich schwer zusammenzubringen gewesen. Heute aber ist die Situation anders, die Furcht vor der Teilung läßt viele aufhorchen, es gibt verständigungsbereite Menschen von Einfluß, : sicherlich auch auf der andern Seite, und was eine jüdischarabische Round - Table - Konferenz empfehlen würde, das müßte auch von der Welt ernst genommen werden. Aus der Ferne sieht man manchmal Dinge genauer, als sie den Menschen erscheinen, die nahe an der Sache sind. Ich habe oft meine Bewunderung für die Bevölkerung-von Palästina,. die solche Charakterstärke und Widerstandskraft in schwerer Zeit an den Tag gelegt hat, und für die Zionistische Exekutive ausgesprochen. Aber auch einer solchen Exekutive die Vollmacht für weitere Verhandlugen zu geben, ist gefährlich und ich habe vor den Ergebnissen große Angst. In unseren Besprechungen vor dieser Tagung haben wir zum Ausdruck gebracht, daß nach unserer Meinung diese Verhandlungen in Formen stattfinden müssen, wie sie die Jewish Agency vorschreibt. Ich und meine amerikanischen Freunde waren über die Schritte in Genf und über verschiedene Vorgänge hinter den Kulissen, als der Plan zuerst auftauchte, nicht informiert. Die Jewish Agency muß verlangen, daß jede andere Möglichkeit gesucht iwird als die, unser Haupt zu beugen und unsere Ideale aufzugeben. Wie die Vorschläge vor einen neuen Zionistenkongreß gebracht werden müssen, so müssen sie auch in diesem Gremium üb er prüft werden. Bis zu dem Moment, wo der Judenstaat errichtet ist, ist die Jewish Agency die letzte Instanz. Wehn der Gedanke einer Round-Table-Könfereriz nicht durchdringt und wenn nicht ein Staat errichtet werden kann, der'groß genug ist, um üti-, seren Bedürfnissen zu entsprechen, wird man an die Frage gehen müssen, wie ein solcher Staat aussehen soll. In meiner geschäftlichen Tätigkeit ist von mir nie verlangt worden, eine enthusiastische Zustimmung zu einem Vorschlag zu geben, den jeder für schlecht ansieht. In unserem Falle glaube ich, daß, /