Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 34 (27.8.1937)
- Date
- 1937-08-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 34 — 27. August 1937 Seite 3 aus diesem Grunde auch vor dem taktischen Zusammengehen mitJabötinsky, ohneRücksicht auf dessen Einstellung zur Religion, nicht zurückschreckte. Denn wichtiger als alles sei zunächst die Brechung des zionistischen Monopols, das so unheilvolle Früchte gezeitigt hat. Der Präsident der Aguda, Jakob Rosenheim, gab sogar der Meinung Ausdruck, daß der Teilungsplan von zionistischer Seite ausgegangen sei, da er zionistischer Denkungsart entspreche. Auf Grund der Entschließung des 'Rabbinischen Rates nahm die Kenessio Gedaulo in einer sich wohltuend vom Zionistenkongreß unterscheidenden Einmütigkeit eine Resolution an, in der der J u d e n s t a a t splan abgelehnt wird. Die Grenzen Palästinas seien von Gott bestimmt und kein Mensch habe das Recht, sie zu ändern. : Nebst solchen von der religiösen Einstellung der Orthodoxie diktierten Urteilen vernahm man aber auch manch beachtenswertes Edikt nüchterner realpolitischer Erkenntnis. So hielt Dr. Maximilian Landau, Berlin, ein Referat über die Reform des jüdischen Wirtschaftslebens. Vor allem müsse eine großzügige landwirtschaftliche Siedlüngsaktion betrieben werden, und zwar nicht bloß in den Heimatländern, sondern auch in Uebersee, besonders in den Dominien des britischen Imperiums. Der Redner wies den Einwand zurück, daß die Juden für die Besiedlung von Ländern außerhalb. Erez Israels nicht die heroische Lebenskraft und unerschütterliche Zähigkeit aufbringen werden. Ueberhaupt sei die Argumentation, daß duich ein großzügiges Hilfswerk in der Diaspora der Aufbau Erez Israels vernachlässigt und „ge-: schädigt" würde, durchaus unzutreffend und kurzsichtig. Palästina werde durch eine Sanierung der Diaspora nicht nur nicht geschädigt, es könne dadurch hur gewinnen.! y {<_ Eis; ist sehr erfreulich, daß dieser Ansicht auch auf d^r Jewish Agency Ausdruck gegeben wurde, und qs war nicht der erstbeste, der sie dort vertrat, sondern der Dichter Schalorn Asch, eine unbestritten repräsentative Gestalt des Judentums. Er sagte: „Man muß vor der ganzen Welt verkünden, daß Palästina allein nicht imstande ist, die ganze Juj deniragein/vollem Umfange zu-lösen. Die Ju-- i denfräge ist eine Angelegenheit, die in jedem - Lande eine besondere Lösung erfordert." DAS IST DAS ECHTE KUNEROL NATURREINES KOKOSNUSSFETT Die Erzeugung steht unter Aufsicht Sr. Ehrwörden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Das ist Wort für Wort das, was wir von der „Union" jahraus, jahrein verkünden. Es freut uns, daß wir, wenn wir schon unseren berechtigten Anspruch auf persönliche Vertretung in der Jewish Agency nicht durchsetzen konnten, dort wenigstens unsere A n s i c h ft n" laut werden hörten, noch dazu von so berufgner Seite. Die Stimme der Vernunft läßt sich eben nirgends dauernd unterdrücken ... <'"''-■ H. Pie tragische Lage der Juden in Rumänien. Das Czernowitzer „Mo r g e n b 1 a 11" befaßt sich in einem Leitartikel „Zurück zur Wahrheit" mit der gegenwärtigen Lage der Juden in Rumänien. In dem Artikel heißt es u. a.: „Die Hetzkampagne gegen die Juden zieht immer weitere Kreise. Die Haßwelle steigt und sie erfaßt Stellen, von denen man bisher hätte annehmen dürfen, daß sie in ihren verantwortlichen Positionen sich auch eine gewisse objektive Betrachtungsweise angeeignet haben. Wie wir sehen, ist das Gegenteil der Fall und die Grammophonwalze vom „Steigen des jüdischen Einflusses" wird immer fleißiger eingelegt. Dieser Lärm über die Steigerung der jüdischen Macht begleitet die Tatsache des täglichen wirtschaftlichen Niederganges der Juden und ihrer fortschreitenden Verdrängung aus bisher innegehabten sozialen und wirtschaftlichen Positionen. Aus allen Aemtern sind die Juden ausgeschalte t. Dieser Umstand hat ihren Za.s t r o m, zu freien Berufen zur Folge gehabt. Nun beginnt die Verdrängung auch aus diesen. Die Entwicklung, die heute sich in der Advokatur ankündigt, wird morgen den A'-erzteberuf und andere private B e - r u f s a'r t e n erfassen. Die Nationalisierungsgesefcze zeigen, ob sie nun zeitweilig abgeschwächt werden, oder nicht, deutlich an, daß diese Tendenz auch auf die f n d u s t r i e übergreift. Im Handel machen sich Anfanggejscheinungen geltend, deren Zielsetzung die gleiche ist... Während die jüdische Bevölkerung in den Wurzeln ihrer Existenz getroffen, der ärgsten sozialen Bedrohung ausgesetzt^ wird, muß sie die Anklage,, vernehmen, daß sie der Mehrhertsbevölkerung die Grundlagen ihrer Existenz abgräbt.:Eine sonderbare Taktik und eine wahrhaft tragische Ironie." Wie berechtigt die Behauptung des Czernowitzer Blattes ist, daß die antisemitische Haßwelle sogar Männer in verantwortlichen Positionen ergriffen hat, beweist eine vom Oberhaupt der Griechisch-orthodoxen. Kirche in Rumänien, Patriarch Miron Christea, veröffentlichte «Erklärung, die in ihrem Wortlaut ein von Haß und Böswilligkeit gegenüber den Juden erfülltes Dokument ist Der Patriarch bezeichnet darin die Juden als Parasiten, die eine Epidemie von Korruption und sozialem Uebel hervorgerufen haben. Während des Krieges hätten sie in Massen, aus Galizien, Rußland, Oesterreich, Ungarn und Deutschland kommend, das Land überflutet und die Existenz der Rumänen bedroht. Man möchte, schreibt der Patriarch, weinen vor Mitleid mit dem armen rumänischen Volke, dessen innerstes Mark von den Juden ausgesogen wird. Das christliche Gebot „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" bedeute nicht, daß nicht Maßnahmen ergriffen werden dürfen, um sich jener zu erwehren, die wie Blutegel das Blut der christlichen Rumänen aussaugen. Man sei nicht nur berechtigt, sondern es sei sogar heilige Pflicht, sich von dieser Pest zu befreien. Der frühere Premierminister Und Historiker Prof. Nicolae Jorga unterstützt den Patriarchen in einem von allen nationalistischen Zeitungen veröffentlichten Aufruf an die Rumänen, sich zur Wiedereroberung alles dessen, was ihnen von den Juden genommen wurde, zusammenzuschließen. Carol Peter Petrescu, einer der Führer der Radikalen Bauernpartei -Rumäniens, hat durch die Deputiertenkamraer an Premierminister Tatare s c u ein Memorandum, gerichtet, in welchem die gewalt-antisemitische Haltung des Patriarchen i n scharfen Worten verurteilt wird. In den Memorandum wird die Aufmerksamkeit der Regierung auf die gefährlichen Folgen gelenkt, die sich aus der Erklärung des Patriarchen ergeben könnten, und darauf hingewiesen, daß die Pressezensur alle kritischen Aeußerungen zu dieser Erklärung unterdrückt hat, wodurch der Eindruck er* weckt wurde, daß die,Regierung die An< sieht des kirchlichen Oberhauptes gut heiße. Das Resultat solcher Erklärungen, heißt es in dem Memorandum weiter, werde eine Stärkung der Herrschaft der primitiven Instinkte und eine Verschärfung des in Rumänien herrschenden Zustande« der Unsicherheit und Unruhe sein, die nur dazu angetan sind, dem Prestige Rumäniens im Auslande zu schaden. Es wird eine sofortige Untersuchung der Erklärung des Patriarchen gefordert, die das Vorhandensein des jüdischen Problems in Rumänien dem Mangel an Voraussicht seitens der Regierung, der Unfähigkeit des Verwaltungsapparates und einer falsch angewandten Gastfreundschaft zuschreibt. Zum Schluß wird erklärt, daß das jüdische Problem weder durch Gewaltakte, noch durch innere Zwistigkeiten gelöst werden kann. Gegen das Schlagwort von der Massenauswanderung. Die Bukarester Zeitschrift „Curentul" hat eine Rundfrage über die Judenfrage in Rumänien und das Auswanderungsproblem veranstaltet, an der sich prominente rumänische Politiker beteiligten. Unter anderem äußerte sich der hervorragende Rechtsgelehrte und frühere Justizminister Prof. Mircea D j u v a r a wie folgt: „Die Annahme, daß dureb die Schaffung des Judenstaates in Palästina das Judenproblem in den Ländern der Welt gelöst wird, ist k i n d i s c h. Von einer Massenauswanderung von Juden aus Rumänien z. B. kann keine Rede sein. Jene, die hier geboren sind, werden sich nur schwer entschließen, Rumänien zu verlassen. Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, daß Rumänien ohne Juden bleiben könnte. Es ist keine gute rumänische Tat, zwischen uns und unseren Minderheiten einen Abgrund zu graben. Das nützt nur unseren Feinden im Auslande und bedeutet eine Mißachtung unserer großen Zukunftsinteressen. Es würde eine unselige Verblendung bedeuten-, wenn wir nicht einsehen wollten, daß es Juden gibt, welche mit der Seele unseres Landes und unseres Volkes zutiefst verbunden sind. Wir diir-