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Die Wahrheit · 1937-08-27 · Heft 34 (27.8.1937) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 34 (27.8.1937)
Date
1937-08-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 34 — 27. August 1937 DIE WAHRHEIT Se.cU^u'ut KJZu^Uvvv^- 3tennÄA^(<CnßJ2ÄTv u..KXivcIg/l z-w, Rj?Ä>ltatvv SVtÄA^ÄM^ twt J^L S /R>4i5*e>t/ klfc^enfee/i^ uWi ,-R/0>tf e^. 3 und der englischen Regierung als undurchführbar erkannt wurde. * In dieser Feststellung liegt in bester Diplomatensprache eine scharfe Kritik an der englischen Mandatspolitäc, die ihre angebliche Unzulänglichkeit erst so spät, richtiger zu spät «erkennt und nun Lösungen vorschlägt, durch die die ohnehin so gespannte Situation nur noch verschärft wird. Denn bei den Joden und den Arabern hat der Teilungsplan heftigste Ablehnung gefunden. Während aber die Araber Totalitätsansprüche (woher sie diesen Begriff wohl bezogen haben?) an das ungeteilte Palästina erheben und sogar mit dem „Heiligen Kriege" gegen die Juden drohen, sind faist alle jüdischen Palästina-Pläne aufgebaut auf der Hoffnung, mit den Arabern zu friedlich-Schiedlichem Einvernehmen zu gelangen. £s wäre auch gar zu seltsam, wenn die zur Zeit dominierende Rassenfrage, die in europäischen Ländern zur Entwurzelung 4er Juden mißbraucht wird, gerade dort versagen würde, "wo sie der jüdischen Neupatriierung Vorschub leisten müßte. Die Königliche Kommission der Engländer, "die die Welt durch so viele Paradoxa überraschte, bat sich -allerdings, auch die Unterstellung geleistet, von einem unversöhnlichen Rassengegehfeatz zwischen Arabern und Juden zu faseln. |n. Wirklichkeit ist gerade die Rasse das einzige, ,was Juden und Araber heute gemeinsam haben: Beide sind Semiten, ja beide sehen sogar in Abraham ihren Ahnherrn; Wenn es wahr ist, daß die Stimme des Blutes alle sonstigen Gegensätze zum Schweigen bringt, dann iann es vai&chw Juden und Arabern keine Dauerfeindschaft geben, es muß vielmehr über kurz oder lang ihre Wesensgemeinschaft auch politisch überzeugend zum Durchbruch kommen. Es handelt sich bloß darum, gewisse Scharfmacher, als deren Exponent sich der Mufti Von Jerusalem besonders hervortut, auszuschalten, um den Weg zur friedlichen Annäherung der beiden semitischen Volksstämme in Palästina freizumachen. Es ist das Verdienst der Nichtzionisten, daß die sich an jeden Zionistenkongreß anschließende Tagung des Councils der Jewish Agency, die zu gleichen Teilen aus Zionisten und Nichtzionisten besteht, diesmal ganz im Geiste der Versöbhurig mit den Arabern stand und dieses Problem in den Vordergrund der Beratungen rückte. Schon die Eröffnungsrede des Präsidenten ■Weizmann hatte hauptsächlich die Aussichten tind Möglichkeiten einer Verständigung mit den Arabern zum Inhalt und wurde als eine indirekte Antwort auf die vor der Tagung geäußerten, in unserer letzten Nummer wiedergegebenen Ansichten des Überwiegeden Teiles der Nicfatzionisteh, insbesondere des Kreises um Felix Warburg, zu der Frage der jüdisch-arabischen Beziehungen empfunden. Die Generaldebatte gestaltete sich äußerst interessant. Die Rede, die Felix Warburg hielt und die wir an anderer Stelle veröffentlichen, ließ keinen Zweifel über die Wichtigkeit, die er und sein Kreis der jüdisch-arabischen Versöhnung beimessen. Er drohte geradezu, die amerikanischen Nichtzionisten könnten sich genötigt sehen, die Jewish Agency zu verlassen, falls der Council eine Politik beschließen sollte, die der Möglichkeit von Friedensverhandlungen mit den Arabern vor Weiterführung der Verhandlungen mit England nicht Rechnung' tragen sollte. U s s i s c Ii k i n, der Führer der „Neinsager" auf dem Zionistenkongreß, gab seinen Entschluß bekannt, sich im Council aus „Parteidisziplin" der Abstimmung zu enthalten, um die Geschlossenheit der Zionisten in der Jfewish Agency nicht zu gefährden. •i Sensationell wirkte1 die Rede des Rektors der Hebräischen Universität, Dr. J. L. Magnes, der im eigenen Namen und im Namen einer Gruppe von Nichtzionisten den,Antrag stellte, es möge ein Komitee aus Zionisten und Nichtzionisten beauftragt werden, in Verhandlungen mit Großbritannien, den Arabern, dem Völkerbund und den Vereinigten Staaten ejtiäsutreten, zur Prüfung der Frage, wie am besieh ein b i n a t it> n a 1 e r Staat in einem ungeteilten Palästina errichtet werden könnte. Magnes warnte vor Schaffung eines Judeiistaates ohne vorangegangene Verständigung mit den Arabern; es würde im Judenstaat eine mächtige arabische Lr reden ta entstehen, was zu einem Krieg zwischen Juden und Arabern führen könnte. Ich scheue mich nicht, erklärte. Magnes, zu sagen, daß ich' mich vor den Folgen fürchte. Ich fürchte für mein Volk in Erez Israel, ich fürchte, daß der Judenstaat im Krieg untergehen wird. Neyille L a s ki, .der Präsident des englischen Board of Deputies, schloß sich der Ansicht ,von Felix Warburg an, dag^ man noch einmal den Ver-: such machen müsse, mit: den Arabern ins Reine zu kommen, bevor ,.dje/,;Verhandlungen : mit der Mandatarmacht beginnen.. . Viele von uns, erklärte LaskL scheinen von dem Worte „Staat" geblendet zu sein, ich möchte aber darauf hinweisen, daß aus ökonomischen, strategischen und politischen Gründen die Errichtung eines so. winzigen Staates in einer sturmbewegten Welt große Befürchtungen wachruft. Mein Ideal ist ein jüdisches Palästina unter veränderten Mandatsbedingungen, und zwar: Unbeschränkte Einwanderung, deren Regelung nur von der ökonomischen Aufnahmefähigkeit des Landes abhängig gemacht werden sollte, nicht von r>olitischen Umständen; Einsetzung eines gesetzgebenden Rates ungefähr nach dem Muster der Australian Commonwealth; Heranziehung von Juden zur Verteidigung der Landesgrenzen. Großbritannien müßte die Vorteile einsehen, die ihm eine zufriedene, prosperierende, intelligente und loyale Bevölkerung bieten kann. Nach der Erwiderung Weizmanns, der sich hauptsächlich mit den seinem Standpunkte so entgegengesetzten Ausführungen von Felix Warburg und Dr. J. L. Magnes befaßte und erklärte, daß vorläufig leider die Basis für Verhandlungen mit den. Arabern nicht gegeben sei, wurden die Beratungen in die paritätisch aus Zionisten und Nichtzionisten zusammengesetzte Politische Kommission verlegt. In dieser er- HOTEL ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang eignete sich ein Zwischenfall, der bewies, daß es Felix Warburg und seinem Kreise durchaus ernst um die Durchsetzung ihrer Ansichten ist. Der Vorsitzende der Kommission, Prof. Speyer, hatte es abgelehnt, die Abstimmung über die beiden Resolutionen —die Mehrheitsresolution des Zionistenkongresses und die Resolution von Magnes — zu vertagen, obwohl V/arburg mitgeteilt hatte, daß auf Grund seiner persönlichen Verhandlungen mit Weizmann die Aussicht auf eine friedliche Beilegung der Meinungsverschiedenheiten bestehe, was eine Verschiebung der Abstimmung ratsam erscheinen lasse. Als mm Prof. Speyer mitteilte, daß die Abstimmung über die beiden Resolutionen sofort stattfinden werde, verließen die Amerikaner den Saal. Oer Zwischenfall, der durch ein taktvolleres Vorgehen des Vorsitzenden hätte vermieden werden können, hat unter den Delegierten große Erregung hervorgerufen. Schließlich kam es doch zu einer Einigung. Es wurde eine Resolution ausgearbeitet, die an ariderer Stelle unserer heutigen Nummer publiziert wird und deren wesentlicher Punkt in dem Auftrag des Councils an die Exekutive bestehtv die britische Regierung zu ersuchen, eine Konferenz von Juden und Arabern zustande zu brim gen, um die Möglichkeiten eines friedlichen Uebereinkommens zwischen Juden und Arabern innerhalb und zugunsten eines ungeteilten Palästina ausfindig zu machen. Die „Union österreichischer Juden" lM Schottenring 25, Mezzanin, veranstaltet zu den hohen Feiertagen in Ihren Sälen einen Kartenbestellungen im. Sekretariat der „UNION", Wien L Schottenring 25, Telephon A 19-2-77# in der 2eit von 9^*1 Uhr vormittags und 3-^5 Uhr nachmittags Restaurant Stefanie Hugo ü. fall* Härtlhger;yg'ibb.Z<6ltrieir II., TaborctraBe 12 Tel. R 48-4-46 *1t^5 Erstklassige renomtaterte Küche, große Auswahl. Reichhaltige Menüs von 51.60 aufwärts. Exakte Bedienung. Schöner schattiger Garten. Angenehmer Aufenthalt. So haben die Nichtzionisten einen erfreulicheÄ moralischen Erfolg in der für alle Juden hoch bedeutsamen Palästina-Frage, die durch die. politischen Verimuigen der Zionisten eine So katastrophale Entwicklung genommen hat, zu verzeichnen. Bedeutsam für uns österreichische Nichtzionisten ist die Tatsache, daß der von den Amerikanern eingenommene "Standpunkt sich voll und ganz mit der Ansicht deckt, die von der „Union österreichischer Juden"1 in der von ihrem Zentralvorstande jüngst gefaßten Palästina-Resolution geäußert wurde. Dabei waren die amerikanischen Nichtziotvisteh in der Jewish Agurcy autonom gewählte 'Repräsentanten wichtiger und bedeutender jüdischer Organisationen, während in Oesterreich die „Nichtzionisten" für die Jewish Agency bekanntlich von den — jüdischnationalen Zionisten ausgesucht wurden. Es ist durchaus zu begrüßen, daß gleichzeitig mit der Züricher Tagung der Jewish Agency die Marienbader Kenessio Gedaulo der Aguda stattfand. So bekam die Welt weitere maßgebende nicht zionistische Stimmen aus Europa in bedeutsamer Schfcksalsstutide des Judentums zu hören, was der zionistischen Monopolsucht auf Palästina-Politik sehr eindrucksvoll Abbruch tat, Die Aguda-Tagung hat auch gar nicht verhehlt; daß dies mit voller Absicht geschah und daß man 1 f beweisen Sie «och liente Ihr Abonnement! Erlagscheine erhielten Sicirrit gleicher Post

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