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Die Wahrheit · 1937-08-20 · Heft 33 (20.8.1937) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 33 (20.8.1937)
Date
1937-08-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 33 — 20. August 1937 Seite 7 „Auch Sie haben jüdisches Blut in den Adern.66 In dem von Lord Beaverbrook herausgegebenen „Daily Express", der meistgelesenen englischen Zeitung (Auflage etwa drei Millionen Exemplare), die als nazif reündlich gilt, nimmt Georg Edinger in einem aufsehenerregenden großen Leitartikel „Auch Sie haben jüdisches Blut in den Ädernu Stellung gegen den Rassewahn Hitler- Deutschlands und verweist dabei auf die hohen Verdienste jüdischer Persönlichkeiten um Kunst, Politik und Wirtschaft Englands. Georg Edinger beginnt mit einer Anekdote: er erzählt, wie eines Tages der König von Portugal, Johann V., seinen Premierminister beauftragt habe, festzustellen, wer jüdisches Blut in Portugal habe und alle Judenstämmlinge mit einer gelben Kappe zu kennzeichnen. Wenige Tage später sei der 'MiidsW'e^hiiMen'ünd' 'ha6e zlwei Kappen in der Hand gehabt: „Die eine ist für Sie, Majestät, die andere für Ihre Gattin und die meine ist auch bereits in* Arbeit!" soll er erklärt haben. Der Autor schreibt dann, es gäbe in England zirka 300.000 Juden, also etwa ein halbes Prozent der Einwohnerschaft; aber abstammungsgemäß sei der jüdische Prozentsatz überhaupt nicht festzustellen. Er betont, daß sich die lebende Generation sehr gut des Vizekönigs von Indien, Lord Reading, erinnert, den Minister des Home Office, Lord Samuel, und den jetzigen 'Kriegsminister, Hore-Belisha, kennt, und nennt den Gouverneur von Australien, Sir Isaac Isaacs, den englischen General während des Krieges, Sir John Monash, Das Lebenswerk Emil Rathenaus, die Allgemeine Ete&trizitäte-Gesellscbaft, feierte in diesen Tagen ihren •50 Geburtstag. So wenig wie anläßlich des 90. Bestandjubiiäums der HanAurg-Amerika-JLinie im Dritten Reich Albert Ball ins gedacht wurde, so wenig ermnerter.inano8icb. dort am Jubiläumstage der A. E. G. ihres Gründers Emil Rathenau. Der Mann Emil Rathenau aber ist mit der A. E. G. so verbunden wie nur je das Geschaffene mit seinem Schöpfer. , Als die A. E. G. am 23. August 1887 aus der Deutschen Edlison-tGesellschaft gegründet wurde, war Emil Rathenau 49 Jahre alt Die Familie Rathenau gehörte in den Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts schon zum jüdischen Patriziat Berlins, besonders die Familie der Mutter Emils, die Liebermanns, aus der auch der berühmte Maler Max Lieb ermann hervorgegangen ist. Der Großvater Liebermann war einer der erfolgreichsten jüdischen Industriellen Schlesiens. Er besaß einen Hochofen mit einer dazugehörigen Maschinenfabrik, er hatte in Preußen die mechanische Bedrückung von Kattunstoffen eingeführt Bei seinem Großvater absolvierte Emil Rathenau seine Lehrzeit dann studierte er technische Wissenschaften in Hannover und Zürich, um schließlich bei A. Borsig als Ingenieur einzutreten. Borsig schlickte ihn nach England und als er zurückkehrte, kauft er gemeinsam mit einem Jugendfreund für 75.000 Taler eine kleine Maschinenfabrik in der Chausseestraße auf. „Ein wohlsituierter und tüchtiger Fabriiksbesitzer", so berichtet FeKx Pinne.r in seinem Buch ,J3mil Rathenau und das elektrische Zeitalter", „das war das Ziel, das den Eltern vorschwebte und das sich immerhin um eine wesentliche Spielart von den Lebens- und Wirtschattsbedingungen unterschied, die sonst in den damaligen jüdischen Kreisen Berlins und Deutschlands üblich waren". Das übernommene Unternehmen erwies sich bald als zu klein, es bezog neue Räumlichkeiten in Martinikenfelde, es wurde eine Aktiengesellschaft, aber es fiel schließlich — vielleicht eben deswegen — dem Gründerkrach von 1873 zum Opfer. Von da an bis zur Verbindung mit Edison und seiner Erfindung, volle zehn Jahre hindurch, war Rathenaoi bemüht sich durch Reisen und Studien unablässig fortzubilden, bis er seine eigentliche Bestimmung fand. Das ,3ystem Rathenau" bestand darin, eigene Finanzgesellschaf teTn zu bilden und stets der Gläubiger, niemals der Schuldner der Banken zu sein. Manche, die ihn nicht näher kannten, mochten versucht sein, seine übergroße Vorsicht in Finanzdinsen, ja selbst in persönlichen Angelegenheiten, als Kleinlichkeit auszulegen. Sein langjähriger Freund und (Mitarbeiter; ' der Bankier Carl Fürstenberg, wußte ihn besser zu enträtseln, wenn er in seiner zugespitzten Rede- Sir Michael Myers, den Chef des Justizwesens von Queensland, und Sidney Abrahams, den von Ceylon, die alle reine Juden sind. Er widerlegt die Behauptung, die Juden beherrschten das Bank- und Kapitalwesen, indem er beyeist, daß die fünf großen Banken Englands unter 105 Direktoren nur drei jüdischer Abkunft haben. Elf reine Juden sitzen im englischen Oberhaus — „aber Sie können lange suchen, wenn Sie in diesem Haus elf reine Arier finden wollen!" erklärt Georg Edinger. „Wäre unsere Wirtschaft nicht sehr viel äriper, wenn es den Chef von Lyons, Sir Isidore Salmon, nicht gäbe, Lord Hirst von« der General Electric, Benjamin Drage, Sir Burton und Lord Melchett?" fragt Georg Edinger, der selbst zugibt, daß auch er irgendwie jüdisches Blut in den Adern habe. Natürlich läßt er auch den Anteil an der englischen Schauspielerschaft nicht aus und nennt Maurice Moscovitch, Leon M. Lion, Ernest Milton, Julia Neilson, M. Rawlings, Constance Collier, von den Amerikanern: Chaplin, Muni, Sidney, Fairbanks, Eddie Cantor und Harold Lloyd. Schließlich untersucht der Autor den hohen Adel Großbritanniens und kommt zu dem Ergebnis, daß selbst der Duke von Norfolk jüdisches Blut habe, weil nämlich 1877 durch eheliche Verbindung mit den Treves eine feinjüdische Linie in das alte Geschlecht gekommen sei. Und überhaupt weist Edinger nach, daß im Hochadel Englands der jüdische Einfluß nicht immer zum Schaden der Abkömmlinge ziemlich groß sei. weise behauptete, bei Emil Rathenau höre der Begriff des Geldes bei drei Mark auf und fange erst bei drei Millionen wieder an, Sparsamkeit und Großzügigkeit vereint, sind die mit Erfolg gekrönten Tugenden dieses genialen Mannes. Den Werdegang der A. E? Q. 'brauchen wir hier nicht nachziutzeichnen. ' Das so' wie es steht,' ein gewaltiges, weltumspannendes Unternehmen, zeugt für den, der es von Anfang an geleitet hat. Ab Emil Rathenäu 1915 starb; sagte sein Sohn Walter dem Vater nach, daß die Gabe des „Schauens" eine seiner wesentlichsten Eigenschaften gewesen sei Er meint damit die Kraft der Phantasie, die auf allen Lebensgebieten das Stigma der Auserwähltheit ist „Wie der Fernsprecher ön Philadelphia, packte mich die Erfindung des berühmten Einsiedlers von Menlo-Park", so berichtet Emil Rathenau von sich selbst als er 1881 auf der Pariser Weltausstellung zum erstenmal Edäsons Kohlenfadenlampe sah. Er wußte: das war das Zeichen, unter dem er siegen würde, der Strahlenkranz des elektrischen Zeitalters. W. C—nn. Ende der Tagung der Mandatskommission. . Die Permanente Mandatskornmission des Völkerbundes hat am 13. August nachmittags die Aussprache über den englischen Plan einer Teilung Palästinas im wesentlichen beendet; der von ihr ausgearbeitete Bericht wird der am 9. September beginnenden Tagung des Völkerbundrates vorgelegt werden. Die Kommission ersuchte in ihrer Schlußsitzung den englischen Kolonienminister und dessen Stellvertreter bei den Beratungen m Genf, John Hathorn Hall, um nähere Aufschlüsse, warum die englische Regierung zu der Auffassung gelangt ist, daß das bisherige Mandat in Palästina nicht aufrecht zu erhalten ist. Die Mandatskommission war bestrebt, bis ins einzelne klar zu legen, ob die englische Mandatsverwaltung alles erforderliche getan hat, um das Mandat durchzuführen und wen die Verantwortung für die Mißerfolge bei der Durchführung des Mandates trifft Bei der Erörterung des Kappels Einwanderung erklärte Kplön^nmijnsier .Örrtjsby-Gore, daß, soferne überhaupt von einer A uf «echte rfial tung des Mandates" in s ei ii er gegen wärt igen Fjttrm gesprochen werden .könnte, dies n u r m ögIi ch wäre, wenn Schmflckan^ fon Grttftea und Grauem einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kulturen die Einwanderungspolitik einer Revision unterzogen würde. Als er von einigen Kommissionsmitgliedern gefragt wurde, ob er im Falle einer Teilung das jüdische Palästina für wirtschaftlich entwicklungsfähig halte, erwiderte er, der jüdische Staat werde zwar kein typisches Etawanderungsland sein, wie etwa Australien, aber er werde Immerhin ein Asyl für die Flüchtlinge aus den Ländern darstellen, in denen die Juden Verfolgungen ausgesetzt sind. Zu dem Problem der Umsiedlung von Arabern und Juden im Falle einer Teilung Palästinas erklärte Ormsby-Gore, daß ein solcher Bevölkerungstransfer nur auf der Basis von Verhandlungen zwischen zwei vollkommen souveränen Ländern möglich ist. England wäre dann auch i? der Lage, die Garantie dafür zu übernehmen, daß in dem arabischen und in dem jüdischen Staat die Minderheitenrechte gewahrt werden. Ffirstprimas Seredi gegen Rassismus. Anläßlich des Maria-Himmelfahrtstages hiety der Kardinal-Fürstprimas von Gran, Seredi, vor 50.000 Gläubigen eine Rede, in der er u. a. sagte: „Eine Nation kann durch die gewaltsame Durchsetzung des sogenannten Rassenschutzes nicht gerettet werden. Diese Reinrassigkeit isf eine Utopie, die heute nirgends auf der Erde ger funden werden kann." QffeW %wt 4m JUqitte Ultnuuut. Bad Ischl, Augast 1937. Verehrte und geliebte Frau! Durch meine Abwesenheit von Wien kann ich leider Ihren gesegneten 90. Geburtstag nicht mitfeiern, aber schreiben will ich Ihnen, welche Gefühle ich für Sie im Herzen trage, und so wird dieser Brief ein „Liebesbrief" werden, wie ihn sonst nicht Neunzigjährige, sondern Neunzehnjährige erhalten! Ja, ich liebe Sie, ich liebe an Ihnen alles, was ihnen die Liebe jedes Einzelnen, der Ihnen begegnet, zuträgt! Sie sind der seltene Typ der alten vornehmen Wienerin, aasgestattet mit der Bildung der heutigen modernen Jugend, mit einer blendenden Rednergabe, die als lebendiger Zeuge Ihrer besonderen Geistesgaben fungiert! Und all' diese kostbaren Gottesgeschenke verschenken Sie mit Ihrem weichen Herzen wieder an Unglückliche und Bedrängte and wissen mit Ihrer angeborenen Grazie sich mit Helferinnen zu umgeben, die, von Ihrer magnetischen Kraft angezogen, Schmerzen anderer lindern, Not und Elend, durch Ihren weisen Rat befeuert, mildern! Die große Schar Ihrer Bewunderer naht sich Ihnen an Ihrem Geburtstage, um Ihnen für all' dies zu danken, was Sie ihnen an Beispiel und Freundschaft spenden. Lassen Sie mich zu dem Allmächtigen beten, daß Er Sie uns, daß Er Sie den Mitmenschen noch lange erhalte, ohne Begrenzung der jüdischen 120! Wenn der Herbst kommt, bin ich wieder in Wien und hole alles nach, was ich heute versäumt habe. Ich werde in Ihre klugen Augen schauen, Ihre guten Hände fassen, die kleine, liebe Gestalt an mein Herz drücken und stolz darauf sein, dieses .Solovergnügen" als den Beweis Ihrer alten und bewährten Freundschaft zu empfinden. Die Freude dieses Vorgefühls gewähren Sie gewiß Ihrer Sie bewundernden und Ihnen im Alter nachkommenden Sofie Grünfeld. Wiedereröffnung des Theaters an der Wien. Mittwoch, den 1. September, eröffnet das Theater an der Wien unter der Direktion von Arthur He Um er seine zweite Spielzeit. Zur Uraufführung gelangt Sardous von Hans Weigel als Komödie mit Musk bearbeitete „iMadame Sans-Gene", Musik von Bemard Grün.

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