Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 33 (20.8.1937)
- Date
- 1937-08-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 33 — 20. August 1937 DIE WAHRHEIT Kalender-, Sidra-, Perek-, Omer- und Haftorah-Tafel G«b»t*trt]tid«ii Elnl S697 Aug. 1937 ,' - 1 früh abdf. 7.00 Elol 13. 7.00 j Ki s«e (5. B. M.) j «.00 ,. 14-1 M*110^ U.45 1 Rom akoro 1 (2. Perck J 7.00 Elnl 15. bi? 19. 7.00 abds. Freitafr',.20. August 7.00 Sarasiag, 21. „ 7.45 Sonntag, 22. bis Donnerstag, 26. Aug. 7.00 Ein rumänischer Minister gegen antisemitische Verhetzung. Kürzlich fand in Vaslui (Rumänien) die Grundsteinlegung für einen Zubau des jüdischen Spitals statt. Aus diesem Anlaß hielt: "■ Minister H-egura eine Rede, in der er u. a. sagte: Jene, welche •zufälligerweise einer anderen •Religion angehören, beugen sich trotzdem vor einem einzigen Gott und angesichts der Leiden werden alle gleich, ohne Unterschied ihres Glaubens. Ich lege Wert darauf, gerade in dieser Zeit der hemmungslosen Verfolgung der Juden, in dieser Zeit der bisher nicht gekannten Demagogie und schamlosester Verhetzung und Aufwiegelung zum Zwecke der Entzweiung der Bevölkerung dieses Landes einen Beweis demokratischer Denkungsart zu geben. Angesichts der bis zum Pa- Toxysmus gesteigerten Agitation lege ich Wert darauf, durch Unterstützung eines positiven Werkes gegen solche Methoden tathaft zu protestieren und dieser Protest soll eine energische Widerlegung der in Stadt und Land entfesselten Demagogie darstellen. In seinen weiteren Ausführungen verwies der Minister darauf, daß die Regierung die jüdische Bevölkerung von Vaslui durch Subventionen für ihre Schulen, Gewerbe- und Handelsorganisationen, sowie ihre Studenten unterstützte. Herrn Stricker ins Stammbuch. Am 18. April 1903 schrieb der Zionistenführer Max Nord au an den Schriftleiter der „Ungarischen Wochenschrift", Herrn Julius Gabel: „In Ungarn ist die Nationalitätenfrage ausschließlich eine Sprachenfrage. Nach Abstammung und Rasse fragt der ungarische Gesetzgeber und Politiker nicht. Als nicht-magyarischer Nationalität gelten ihm nur diejenigen, deren Sprache nicht die ungarische ist. In diesem linguistischem Sinne sind die Juden in Ungarn keine Nationalität, da sie keine eigene Sprache sprechen, sie stellen also nur eine ursprüngliche und unbestreitbare Tatsache fest, wenn sie erklären, daß sie in Ungarn keine Nationalität bilden, keinerlei Nationalitätenpolitik treiben und und in Ungarn nur ungarisch-politische Zwecke verfolgen wollen." Die von Dr. Josef S. Bloch herausgegebene „Oester reichische Wochenschrift" bemerkte dazu: „Wenn die ungarischen Juden keine eigene Nationalität sind, da sie keine eigene Sprache sprechen, so sind auch die Juden in England, Frankreich usw. keine eigene Nationalität, denn auch sie sprechen nur die Sprache ihres Landes, sie ist ihre Muttersprache." Die in der „Wahrheit" jüngst wiedergegebenen Gedankengänge der Parlamentsrede des Herrn Reichstagsabgeordneten Dr. Janos Vaszonyi, dessen Vater bekanntlich auch als Nationalungar religiöser Gesinnung war, decken sich Herrn Stricker zum Trotz völlig mit dem oben von Max Nord au den ungarischen Juden zur Kenntnis gebrachten politischen Anschauung. Phantastereien. In einem Referat vor dem Plenum des Zionistenkongresses führte der Schatzmeister der Exekutive, Eliezer Kaplan, aus, es gebe die Möglichkeit, in den nächsten zwei Jahren 200.000 Juden in Palästina anzusiedeln. Dazu sei es notwendig, ein Kapital von 35 Millionen Pfund aufzubringen. Dabei teilte Kaplan, der vielleicht en guter Schatzmeister, aber sicherlich ein schlechter Schatzmeister ist, in einem Atem mit: In den Jahren 1932 ■WHHMHMMMUBMMaV Leopoldstadter Tempelverein Aescnel Awrohom II., Pazmanllengassc 6, Tel, B 47-S-63 Anmeldungen v. Aufgeboten, Trauungen (audmnt. freiem Himmel) u. Dormlzwaus Parteien verkehr«o Weikucen »on 2 blt '/r* Uhr n«cbnrtitaes. so Soumif><»' *c u 10 bis 12 Uhi vorniinags GebetBUindeu Irflb Elul S6D7 flbds 6.30 Elul 13. 7.00 In seie (5. B. M.) \ pa,tort! -•»5 Koni akoro | 2. Perek I 6.30 ■ - „. 15. bis 19. - 7.00 bis 1936 sind in Palästina 30 Millionen Piund investiert worden und über 150.000 Juden wurden in dieser Zeit angesiedelt. Also in vier Jahren der noch nicht so kraß zu Tage getretenen Wirtschaftskrise sind bei Investition von 30 Millionen Pfund 150.000 Juden angesiedelt worden. In zwei Jahren will der Herr Kaplan bei Erhöhung des Investitionskapitals um nur ein Siebentel gleich um ein Viertel mehr Juden nach Palästina bringen. Zionistische Illusionspolitik! Zweierlei Gerechtigkeit in Polen. Zwölf Huligans, die sich im Juni an dem Pogrom in Gzenstochau beteiligt hatten, standen am 11: August vor dem Czenstochauer Bezirksgericht. Vier Angeklagte wurden zu je acht Monaten Gefängnis, einer zu einem Monat Gefängnis verurteilt, die übrigen wurden freigesprochen. Das Wilnä/er. Gericht verurteilte die beiden jungen Juden David Gordon und Ohaim Riemer zu ie zwei Jahren Gefängnis, weil sie am Tage des Protestes gegen den Pogrom von Przytyk versucht hatten, eine Protestversammlung-zn organisieren. GEMEINDECHRONIK. Vom Kuratorium der Wiener Beth Jakob Lehrerinnenbildungsanstalt Das Kuratorium der Wiener Beth lakob Lehrerinnenbildungsanstalt teilt mit, daß Frau Betty Wreschn er-Rothschild, Krakau-Zürich, die Leitung des Heiraes mit dem beginnenden Winter semester übernimmt. Das Kuratorium war bestrebt, durch die Gewinnung der in der Beth Jakob-Bewegung so gut bewährten Frau Betty Wreschner-Rothschild die Gewähr zu schaffen, daß das zu errichtende neue Heim der Wiener Beth Jakob Zentral-Anstalt allen Ansprüchen, die einerseits Beth Jakob, andererseits die Zöglinge an ein solches Heim stellen, voll und ganz befriedigt werden. Der Unterricht des Wintersemesters beginnt Dienstag, den 5. Oktober 1937 (Rosch Chodesch Cheschwan). Anmeldungen sind zu richten an: Direktor Dr. Joel P o 11 a k, Wien H., Große Pfarrgasse 3. I Trauung. Sonntag, den 22. August, 143 Uhr nachm., findet im Pazmanitentempel die Trauung des Fräuleins Gertrud R i e s s, Tochter der Frau Jenny R i e s s, mit Herrn Fritz Drill, Sohn der Frau Pauline Drill, statt. Todesfall. In der letzten Woche verschied Fräulein Adele Gerber und wurde unter zahlreicher Beteiligung der Wiener jüdischen Patrizierkreise, aus denen sie stammte, auf ihrem' letzten Wege geleitet. Adele Gerber hat ihr ganzes Leben in ebenso aufopfernder als unauffälliger Weise dem Wohl der Ihren und solcher vereinsamten Frauen gewidmet, die in weniger günstigen Verhältnissen lebten. Obwohl sie sich bescheiden im Hintergrund hielt, hat sie vielleicht das meiste zur Errichtung der drei „Heimhöfe" beigetragen, in denen Hunderte von arbeitenden Frauen die Früchte ihrer Tätigkeit und Lebensarbeit genießen, ohne auch nur den Namen dieser gewesenen Vteepräsidentin der Gesellschaft gekannt zu haben. Die großen Gaben ihres Geistes befähigten sie, viele Jahre die „Dokumente der Frauen" mit Auguste Fickert und Marie Lang herauszugeben. Viele Tränen der Kinder ihrer Freundinnen, denen sie die beste „Tante" war, sind der Kinderlosen nachgeflossen. Ihrer Schwester Helene, die Malerin ist, und ihrem edlen Bruder Victor Gerber bedeutet ihr Tod einen unersetzlichen Verlust. C. Benedikt. LITERATUR. „Maß und Wert*-, Zweimonatsschrift für freie deutsche Kultur.. Herausgeber: Thomas Mann. - und Konrad Falke. Verlag Oprecht, Zürich. Einzelheft schw. Frcs. 2.50, Jahresabonnement schw. Frcs. 12.—. In Zürich erschien soeben das erste Heft einer neuen Zeitschrift „Maß und Wert.",' Zweimonatsschrift für freie deutsche Kult irr, h er a uis1gegeben von Thomas Mann und Konrad Falke. Das 16 Seiten lange Vorwort ist gleichzeitig "Programm und Bekenntnis, ein Bekenntnis zu allen unvergänglichen Werten echter Kultur. — An schöner Literatur enthält das .erste Heft den Anfang einer Novelle von Thomas Mann: „Lotte in Weimar", ferner „Die Rückkehr", ein Kapitel aus einem noch unveröffentlichten Roman von Josef Breitbach, das voll stärkster Spannungsmomente ist. — Mit den wichtigsten. Fragen iunserer ^europäischen. Gegenwart befassen sich zwei.län-- .gere Artikel: H. Ste Uthausen: „Die Zukunft der Freiheit" und'Karl M a n n h e i m: „Zur Diagnose unserer Zeit". Einer der interessantesten Aufsätze des Heftes ist Erich K ah 1 e r's historische Untersuchung: „Die preußische Oekonomie". — Von kleineren Arbeiten, die in der Zeitschrift unter der Rubrik „Glossen" zusammengefaßt sind, nennen wir Konräd Falke: „Politische Aphorismen", Gerhard S c h o l z: „Lichtenberg und wir", Edmond Jaloux: „Der schöpferische Traum", Rene S c h i,k e 1 e: „August".;— Ausführliche Buchkritiken beschließen das erste Heft. Amtliche V&tiautlUvuuiqeH d&t JsMaetüischm JCultusgemewdt Wim Gottesdienst für Jugendliebe an den hohen Feiertagen; Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien veranstaltet an den kommenden hohen Feiertagen im Festsaale des Hotel Jost". I.. Fleischmarkt 20 (Eingang I.. Drachengasse 1), einen Festgottesdienst, der hauptsächlich für die reifere Jugend beidorfei Geschlechtes (im Alter von etwa 15 bis 20 Jahren) bestimmt.ist. . Der Zutritt zu diesem Gottesdienste, der nach dem Vorbilde und im lUmfange der Gemeindegottesdienste abgehalten wird, erfolgt auf Grund unentgeltlich, ausgegebener Karten, deren Verteilung tunlichst im Wege der Jugendorganisationen durchgeführt werden soll. . Die. Jugendgruppen werden eTSueht, ein. Verzeichnis jener .Jugendlichen, die Eintrittskarten zu diesem Gottesdienste wünschen, bis spätestens Montag, den 23. August d. J. dem Jmgendreferate der Kultusgemeinde zu übermitteln. . Die Ausgabe der Karten auf Grund der Verzeichnisse erfolgt, am 24. und 25. August d. J.. während die Eihzelkarten"an Jugendliche am Montag, den 30. August d. J. im Jugeridreferate, I., Seitenstettengasse 2. 1. Stock, von 9 bis 12 Uhr vormittags ausgefolgt werden. Diese Eintrittskarten gelten nur für . Jugendliche: für Erwachsene werden besondere Eintrittskarten' ausgegeben. Beerdigungen. 11. August 1937: Adolf Fürst, 78 Jahre. 2. Bez_ (IV. Tor). — Wilhelm Spielmann, 83 Jahre. 2. iBez. (IV. Tor). — Therese Markstein, 51 Jahre, 1. Bez. (IV. Tor). — Therese Hirschhorn. 45 Jahre, Mauer bei Wien (IV. Tor). — Mayer Rusznyaki. 85 Jahre, Mattersburg (IV. Tor). — Wilhelm Strauss, 77 Jahre, 7. Bez. (IV. Tor), — Regine Kraus. 78 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). 12. August: Emil Wottitz, 75 Jahre, 3. Bez. (I. Tor). — Ernestine Strauss, 88 Jahre, |1. Bez. (I.Tor). — Salomon Grumwerg, 33 Jahre, 20. Bez. (IV. Tor). — Sigmund Deutsch, 63 Jahre. 20. Beiz. <>1V. Tor). — Manired Dantes, 4 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). — Samuel Sommer, 52 Jahre. 20. Bez. (IV. Tor). — Katharina. Lur stig. 76 Jahre. 2. Bez. (IV. Tor). — Anna Rosenthar, 79 Jahre, 4. Bez. (IV. Tor). — Siegfried Horner, 58 Jahre, 7. Bez. (IV. Tor). 13. August: Johanna Ehrenthal, 45 Jahre, 1. Bez. (I. Tor). — Julius Wassertrüdinger, 68 Jahre. 13. Bez. (I. Tor). — Regine Zwillinger, 83 Jahre, 7. Bez. (I. Tor). — Marie Schalib, 86 Jahre, 9. Bez. (I. Tor), — Simon Bruch, 81 Jahre. 15. Bez. '(1. Tor). — Josefa Steinberger, 71 Jahre, 9. Bez. (IV. Tor). — Erika Heller, 9 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Adolf Spitz, 81 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). 15. August: Hans Ritter v. Gutmann, 46 Jahre, 2. Bez. (I. Tor). — Josefine Waller. 62 Jahre, 1. Bez. (I. Tor). — Therese Löwy. 87 Jahre. 2. Bez. (I. Tor).— Oskar Altmann, 50 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Philipp Mandl, 79 Jahre, 13. Bez. (IV. Tor). — Esther Slama, 79 Jahre, 12. Bez. (IV. Tor). — Michael Teichmann, 70 Jahre. 7. Bez. (IV. Tor). — Erich Schächter, 19 Jahre, 2. Bez. (IV. Tor). — Adolf Weiss, 88 Jahre. 19. Bez. (IV. Tor). — Julius Ornstein, 68 Jahre. 6. Bez. {IV. Tor). 16. August: Sigmund Schick, 46 Jahre, 12. Bez. (I. Tor). — Rosa Freuder, 60 Jahre. 13. Beiz. (IV. Tor). Theresia Mundstein. 50 Jahre. 19. Bez. (IV. Tor), — Therese Mattersdorf, 74 Jahre, 18. Bez. (Döbl. Friedhof). 17. August: Dr. Alired Bach, 80 Jahre, 6. Bez: (I. Tor). — Nett! Pisk, 87 Jahre, 2. Bez. (IV; Tor). — Alexander Kleiner, 77 Jahre, 7. Bez. (IV. Tor). — Moses Pollak. 62. Jahre, 19. Bez. (IV. Tor). Eigentümer,. Herausgeber, Verleger und verantwortlicher Schriftleiter: Oskar Hirschfeld, Wien II.. Pratersträße 29* :—. Druck: Ignaz Spitz & Söhne, Wien II. Robertgasse 2.