Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1937-08-20 · Heft 33 (20.8.1937) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 33 (20.8.1937)
Date
1937-08-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064663-3064695--21266-3086603
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

T DIE WAHRHEIT Nr. 33 — 20. August 1937 Seite 5 In Ol! e n Ver3icherangsangelegenheiten Z U ' «B S sf der „Union", I., Schottenring 25, Telephon A 19-2-77, jeden Montag und Freitag von io bis 12 Uhr vormittags. / Leiter: Komm.-Rat Alexius Salzer. Für LebeHSversicherungsberatung haben wir einen Spezialfachmann bestellt, welcher unsere Mitglieder besonders günstig beraten wird. ReiSOgepäeKSVersiCherung Feierliche Eröffnung der Kenessio. Am Dienstag, den 17. Augirst, abends, wurde im Kursaal zu Marienbad im Beisein von 600 Delegierten, 150 Delegiertmnen der Frauenorganisation der Aguda und über 2000 Gästen aus allen Teilen der Welt, insbesondere aus Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn und Oesterreich die Dritte Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel feierlich eröffnet. Den Vorsitz 'führten der Präsident der Welt-Aguda, Jacob 'Rosen.he im, und Oberrabbiner Lewin-Rzeszow. Lange vor Beginn der Eröffnungssitzung belagerten hunderte Menschen die zum Kursaal führenden Straßen. So oft ein „Gaon" (hohe rabbinische Autorität) mit seiner Begleitung erschien, bildeten die Massen der vor dem Kongreßgebäude stehenden Delegierten und Gäste spontan Stpalier. Besonders herzlich und feierlich wurde der Aleksandrower Raw begrüßt, der, ein einstiger Gegner der Aguda-Bewegung, sich vor kurzem der Aguda genähert hat. Sehr viele jugendliche Orthodoxe warteten vor dem Eingang zu dem großen Saal, der jedoch nicht mehr als 1200 Personen fassen konnte, so daß die Reden durch Lautsprecher in alle umgebenden Säle übertragen werden mußten. Der Saal, in dem die Eröffnungssitzung stattfand, war mit den tschechoslowakischen Nationalfahnen und Emblemen der Kenessio Gedaulo dekoriert. Auf der erhöhten Tribüne hatte die gesamte Exekutive mit Präsident Rosenheim in der Mitte Platz genommen. Auf der Ehrentribüne sah man alle erschienenen rabbinischen Größen, unter ihnen den „Gerer Rebbe", den „Czortköwer", den „Sochaczower", den „Ostrower", Rabbi Elchonon Wassermann, den „Aleksandrower Rebbe" die Oberrabbiner Schreiber-Bratislava, SUver- Amerika,-•••Rottenbeng-Antwerpen, 'Seotzktn-Luckr Duschinski-Jerusalem u. a. Es waren erschienen: Vertreter der tschechoslowa'krsohen Regierung, der englischen und der polnischen Gesandtschaft in Prag, sowie Vertreter der Stadtge'meinde Marienbad. (Präsident Rosenheim eröffnete die Kenessio Geuaulu unter außerordentlicher Spannung der Taugende Zuhörer. Oberrabb;ner Lewin begrüßte aufs wärmste die erschienenen offiziellen Vertreter, Delegierten und Gäste und sagte, die Weltjudenheit bringe der Kenessio ein gewaltiges Interesse entgegen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Beratungen des Kongresses, über die in unserer nächsten Nummer ausführlich berichtet wird, dem gesamten Judentum und der jüdischen Religion zum Wohle gereichen mögen. ■ Weitere Begrüßungsansprachen hielten der Gerer Refbbe, der Czortköwer, der Sadagorer, der Sochaczower, der Aleksandrower, ierner die Oberrabbiner Silver-Cincinnati, Schreiber-Bratislava und Duschinski- Jerusalem. Es sprachen dann die erschienenen offiziellen Vertreter und die Vertreter der Neu-Zionistischen Organisation. Hierauf wurden Begrüßungsschreiben des englischen Außenamtes, des englischen Kolonienministeriums, des tschechoslowakischen Gesandten in London, Jan Masaryk, des tschechoslowakischen Innenministeriums, des Flüchtlingskoihmissärs Nefll Malcolm, der „Union österreichischer Juden", des Board of Deputies of British Jews und seines Präsidenten Neville Laski, des Reichsverbandes der Juden in Deutschland u. v. a. verlesen. Besonders feierlich gestaltete sich der vor der Eröfinung des Kongresses über- Anregung von Rabbi Chajim Oser Grodzenski-Wilna vom Rabbinischen Rate inaugurierte Gottesdienst Im :Saale des Kongreßgebäudes nahmen an demselben zahlreiche bedeutende Rabbiner und ein Großteil der anwesenden Delegierten und Gäste teil. Nach dem Mincha-Geibet wurde Tehilim gesagt; die berühmten Gaorürri Raw Zirelsohn und. Rabbi Elchonon Wassermann hielten Predigten. E N SIO N AT FÜR JÜDISCHE MÄDCHEN IN WIEN Für das Schuljahr 1937/33 werden jüdische Mädchen aufgenommen. Nachhilfe in allen Fächern gewährleistet. Liebevolle Behandlung, FamilienanschluB, erstklassige rituelle Kost, mäßige Preise, beste Referenzen. Jüdisches Mädchenponsionat, Wien II., Lasslnglaithnerplatz 2/12 S9 Der Zionistenkongreß spricht nicht für alle Juden!" Kritische Situation vor Eröffnung der Tagung des Councils der Jewish Agency — Spaltungsgefahr. Zürich, 18. August FeIixM.VWarburg hat, bevor er mit den übrigen amerikanischen Mitgliedern des Council der Jewish Agency zu der diese Woche stattfindenden Tagung nach Zürich abgereist ist, eine Erklärung Veröffentlicht, in der er feststellt, daß der Zionistenkongreß nur im eigenen Namen, nicht aber für die Juden in allen Ländern spreche, die indirekt mit ihm verbunden sind. In der Erklärung wird darauf hingewiesen, daß die paritätische Zusammensetzung der Jewish Agency aufrecht erhalten werden müsse. Endgültige Schlüsse über die Haltung der Juden in der Welt könnten nur aus der Stellungnahme der Jewish Agency gezogen werden. Es sei niemandem möglich, -zu isageh, welches der allgemeine Wille der Juden sei und welcher Bericht von der Agency der Mandatskommission unterbreitet werden wird, bevor der Council der Agency die gesamte Lage gründlich geprüft haben wird.. Ditektoxswitwe mit kultiviertem Haushalt, Bad, Telephon, Klavier 1 sucht Pensionärin 1 aas gutem Hause. Unter.. Wie beim Matterl" an die Expedition des Blattes. Felix Warburg spricht weiter die (übrigens auch in der bekannten „U n i o n" - Resolution zum Ausdruck gebrachte) Ansicht aus, daß ein dauernder Friede nicht erzielt werden kann, bevor nicht Juden und Arabern die volle Möglichkeit gegeben wird, zu einer friedlichen Verständigung zu gelangen. Warburg ist überzeugt, daß die Britische Regierung, die „so lange die Schützerin der Unterdrückten'* gewesen sei, eine freundschaftliche Regelung begrüßen würde. Zum Schluß iwird erklärt, daß Warburg und seine Mitarbeiter sich bemühen werden, zu einem friedlichen Uebereinkommen nicht nur mit den Nichtzionisten, sondern auch mit den Zionisten zu gelangen. Dann werde es möglich sein, eine Einheitsfront zu bilden und an Verhandlungen mit arabischen Vertretern über die Lösung unseres großen gemeinsamen Problems, des Aufbaus Palästinas, heranzutreten und die Teilung eines so. kleinen Landes zu verhindern. Diese Erklärung des prominenten nichtzionistischen Führers der Jewish Agency hat in den Kreisen der zionistischen „Ja"-Sager konsternierend gewirkt. Man öe*ürohtete in diesen Kreisen nämlich, daß, falls die im Council vertre-; teneü ziooisitischßn Teilungsgegner sich in der Teihingsfrage mit. den Nichtzfonisteh zusammenschließen, die Möglichkeit besteht, daß sie gemeinsam eine politische Resolution fassen könnten, die den Mehrheitsbeschluß des Zionistenkongresses, in dem der Exekutive Vollmachten zu Verhandlungen mit der britischen Regierung erteilt werden, desavouieren könnte. Um diese Möglichkeit von vornherein auszuschließen, wurden die zionistischen Teilungsgegner, die von dem: Kongreß zur Council-Tagung entsandt wurden« verpflichtet, sich der Parteidisziplin zu unterwerfen und im Einklang mit der Mehrheitsresolution zu handeln. Bezeichnend für die Aufrichtigkeit der Zionisten gegenüber ihren nichteionistischen Vertragspartnern ist auch die von der JTA. wiedergegebene Ansicht von Führern der Arbeiterpartei und der Allgemeinen Zionisten B, die dahin geht, daß die nichtzionistischen Partner in der Jewish Agency keine Aussicht hätten, ihre Forderungen durchzusetzen. Auch für den Fall, daß die Nichtzionisten die Jewish Agency verlassen sollten, würde bei den Verhandlungen mit der Mandatanrtacht keine veränderte Situation geschaffen sein. Sie stützen ihre Ansicht auf den Umstand, daß der Bericht der Kgh Kommission, der sich einer sehr vorsichtigen Ausdrucksweise befleißigt, ausdrücklich von der Zionistischen Organisation und nicht von der Jewish Agency spricht. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat aber Kolonienminister Ormsby Qore der Mandatskommission versichert, daß die britische Regierung die Verhandlungen Uber die geplante Lösung des Palästina-Problems nicht mit den Vertretern der Zionistischen Organisation, sondern mit Vertretern der Jewish Agency führen werde, weil diese gemäß den bindenden juridischen Normen die hierzu berufene Körperschaft darstelle. Wie verlautet, haben die Mitglieder der Mandatskommission ihr Einverständnis mit diesem Standpunkt der englischen Regierung, der im Einklang mit den betreifenden Bestimmungen des Mandats steht, zum Ausdruck gebracht. In Völkerbundkreisen versteht man die Erklärung Ormsby Gores, daß die Jewish Agency aHein zu Verhandlungen mit der britischen Regierung berechtigt sei, dahin, daß damit die Jewisn Agency als Ganzes, also einschließlich der Nichtzionisten, gemeint ist Scharfe Rede Warburgs gegen den Judenstaat. Gleichsam als Auftakt zu der am Mittwoch, den 18. August, abends, begonnenen Tagung des Council der Jewish Agency, auf der der zionistische und der nichtzidnistische Teil des Council gemeinsam zu den Beschlüssen des XX. Zionistenkongresses Stellung zu nehmen, bzw. diese zu sanktionieren haben werden, versammelten sich am Dienstag, den 17. August, abends, im Clariden-Hof zu Zürich mehr als 100 Mitglieder des nichtzionistischen Teils aus verschiedenen Ländern der Welt zu einer Vorberatung, in deren Mittelpunkt der Peel-Bericht und das Problem der Schaffung eines Judenstaates in einem Teile Palästinas standen. Hauptredner des Abends war der Führer der amerikanischen Nichtzionisten und Ehrenpräsident des Joint Distribution Committee Felix M. Warburg. Felix M. Warburg, der den Vorsitz führte, skizzierte in einer längeren Rede die Haltung der der Zionistischen Organisation nicht angehörenden amerikanischen Juden zum Judenstaatsproblem. Mir macht das Schicksal der 400.000 Juden in Palästina Sorge, sagte Warburg. Der eingeschlagene Weg zum Judenstaat ist nicht der richtige. Vor allen Verhandlungen über Errichtung eines Judenstaates in einem Teile Palästinas müßte eine arabisch-jüdische Verständigung herbeigeführt werden. Es ist von erster Wichtigkeit, zuerst eine Versöhnung mit den Arabern zu erreichen, bevor man versucht, die" Mandatarmacht und den Völkerbund davon zu überzeugen, daß die Errichtung eines Judenstaates der Fortführung des Mandates vorzuziehen sei. Ich beklage es, daß der Peel-Bericht die Meinung äußert, daß zwischen Juden und Arabern eine Verständigung nicht möglich sei. Nach all dem, was die Juden in Palästina vollbracht haben — wirtschaftliche Entwicklung des Landes, Besserung der Gesundheitsverhältnisse, nahezu völlige Ausrottung der Malaria; Fortschritte, die den Arabern ebenso wie den Juden zugute kommen —, bedeutet es eine schwere Enttäuschung, wenn die Kgl. Kommission eine solche Meinung vertritt Ich appelliere an die Führer der Nichtzionisten in der Jewish Agency, ihr Bestes zu tun, um die Hitzköpfe in den zionistischen Reihen, die so schnell wie möglich den Judenstaat in einem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.