Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 33 (20.8.1937)
- Date
- 1937-08-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Nr. 33 — 20. August 1937 Seite 3 „Stürmer" angeprangert. .Einige Beispiele aus der Prangerrubrik des „Stürmer'": „Im Hause des Maurers Karl Weite in Ziegenort (Kreis Uecker.müitde) ist der Jude Levy aus Züllschow ein gern gesehener Gast." — „Die Frau des Amtsgerichtsrat a. D. Wegner in Retchenbach/Sa. kauft in dem jüdischen Kaufhaus Krell & Co. ein. Ihr Gatte ging bis zur Einsangstür des Judenkaufhauses." — „Der Kraitdroschkenbesitzer Hermann Steinhoff aus Elsdorf fuhr den Juden Hirsch zu einer J u d o n b e e r d i ,g'U n g." — „Am Leichenbegängnis des Judendoktors Landisberg in Joachimsthal (Uckermunde) nahmen teil der Herr von Behrendt, der Friseurmeister Bolte, die Ehefrau des Schlächtermeisters Schulz, die Ehefrau des Grünkramhändlers Grützke und der Arbeiter Lindemann." — „Die vier Mitglieder der NS-Frauenschaft in Ochtendung (Kreis Mayen), die Ehefrau Wilhelm Ackermann, die Ehefrau des; Josef Leseäu, die Ehefrau des Adolf Merkler und die Ehefrau des Anton Müller nahmen an der Beerdigung des Juden ßüßmann teil." Der Bericht zählt eine große Reihe weltbek.&pn'ter jüdischer U n t e r>n ehmu n g e n auf, die in arische Hände übergegangen sind, und publiziert eine sehr große Reihe judenfeindlicher Maßnahmen, die zum Teil von der „Wahrheit" bereits mitgeteilt wurden. Aus Berlin wird weiter berichtet: lieber d'ie jüdischen Sportverbände (Bar Kochlba, Makkabi und der jüdische Frontkämpferbund) ist vor einiger Zeit ein zeitlich unbegrenztes Spielverbot verhängt worden, und zwar ohne Begründung. Schon mehrmals wurden) Spielverbote auf bestimmte Zeit verhängt, dann Wieder aufgehoben, dann wieder verhängt. Verhängung und Aufhebung erfolgten meist ohne jede Begründung. Die! Folge dieser Maßnahmen ist, daß die Verbände af'fmählieh finanziell ruiniert werden. Sie dürfen sowieso nur noch auf eigenen Sportplätzen spielen. Die Pacht eines der Tennisplätze kostet z. B. 11.000 RM. Wenn nicht .gespielt werden darf, kommen auch keine Einnahmen herein. Außerdem sind keine Möglichkeiten zum Training gegeben, so daß die jüdischen Sportler in Deutschland allmählich ihre sportlichen Qualitäten verlieren, nicht mehr wettbewerbsfähig bleiben. Die jüdische Sportjugend in Deutschland ist daher sehr deprimiert Das Reichsinnenministerium hat Richtlinien über den Be'sucl jüdischer kursäste in deuts'c h e n Heilbädern erlassen. Danach müssen Ju-' U betweisen Sie ■och heule Ihr Abonnement! den, getrennt von den übrigen Gästen, in jüdischen Kuranstalten, Hotels, Pensionen usw. untengebracht werden. In diesen Betrieben dürfen deutschblütige weibliche Personen unter 45 Jahren nicht beschäftigt werden. Die Gemeinschaftseinriebtang, die Heilzwecken dienen, wie BadeJiäuser, Liegehallen u. a., sind den Juden zugänglich, hingegen dürfen den Juden mit Rücksich auf die nichtjüdischen Gäste örtliche Beschränkungen hinsichtlich der Benützung auferlegt werden, wie bestimmte Badezeiten und Beschränkung auf bestimmte Kabinen. Von Kungärten, Sportplätzen und ähnlichem können Juden ausgeschlossen werden. In den übrigen Bade- und Kurorten können Juden von 'Kureinrichtungen allgemein oder teilweise ausgeschlossen werden. Eine Unterscheidung zwischen aHsländiisdhein und inländischen Juden wird nicht gemacht. Im iPaßwesen ist jetzt wiederum eine stärkere Benachteiligung der Juden zu beobachten; grundsätzlich erhalten Juden kein Visum, um zur Pariser Weltausstellung zu reisen. Es ist mehrfach vorgekommen, daß jüdischen Paßinhabern ihre Pässe entweder ganz entzogen oder auf eine kürzere Laufzeit umgeschrieben wurden. Die Pässe aller Nürnberger Juden wurden eingezogen. Auch die Entscheidungen der Gerichte tragen systematisch dazu bei, die Juden aus allen Bezirken des öffentlichen Lebens herauszudrängen. Beamte werden für den Verkehr mit Juden dienstenlassen^ Wenn Frauen von Nationalsozialisten in jüdischen Geschäften auf Borg kaufen, so sind die Ehemänner laut Gerichtsb^sohWssen.mcht verjp0i<±tet, die Schuld zu bezahlen. Die Rasseschande-Urteile häufen sich. t:_____Die Ausbildung.von Jüden ifür "Landarbeit Ist auf deutschem Grund. imd\Boden Verboten. Mäh erschwert jetzt auch die Ausbildung jüdischer Arbeitskräfte. im DAS IST DAS ECHTE NEROL NATURREINES KOKOSNUSSFETT Die Erzeugung steht unter Aufsicht S r. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Ausland. Juden, die sich zur landwirtschaftlichen Ausbildung ins Ausland begeben, laufen Gefahr, bei der Rückkehr (zu vorübergehendem Aufenthalt bis zur endgültigen Auswanderung) als „Rückwanderer" verhaftet zu werden. Aus den Häusern der Baugenossenschaften werden die Juden hinausgedrängt."Die Prtvatkrankenkassen drängen die langjährigen jüdischen Mitglieder hinaus, welche um ihre jahrzehntelangen Beitragszahlungen gebracht werden. Der Boykotterror gegen die jüdischen Geschäfte wird in fast allen Gauen geführt. Die Stimmung der Juden schwankt außerordentlich. Einmal scheint es so, als wenn irgend eine Maßnahme alle Hoffnungen vernichtet, dann wieder glaubt man Anzeichen wahrnehmen zu können, daß die Offizielle Verfolgung der Juden gemildert wird. Der^ntlsemitisnius ist am stärksten unter den 1 fite 1 le k t u e 11 e n, besonders unter den Aerzten. Der Zionistenkongreß geschlossen. Am Abend des 16. August, ist der XX. Zionistenkongreß nach feierlichen Ansprachen von Doktor Stephen S. Wise, David Ben Gurion, Dr. Weizmann und M. M. Ussischkin geschlossen worden. Voran gingen die Wahlen des Aktions-Comitees und der Exekutive. Zum Präsidenten der Zionistischen Organisation wurde mit alien gegen die Stimmen der Jndenstaatspartei Dr. Chaim Weizmann wiedergewählt. Der Kongreß brachte Präsident Weizmann eine stürmische Ovation dar. Wiedergewählt wurde auch die bisherige Exekutive, die die folgende Zusammensetzung hat: David Ben Gurion, Prof. Selig Brodetsky, Mosche Sh ertok. Jizchak Grünbaum, Rabbi J. L. F i s h m a n, Elieser Kaplan, Dr. Fischel Rottenstreich, ferner der Leiter des Kolonisations- und Wirtschaftsdepartments der Jewish Agency Dr. Arthur R u p p i n und der Repräsentant der Exekutive in Genf, Dr. Nahum G o 1 d m a n n. Als Beigeordnete (assistant members1) der Exekutive mit Stimmrecht in allen ihre Departments betreffenden Angelegenheiten wurden hinzugewählt: Der Führer des Welt-Hechaluz Elijahu D o b k i n (Arbeiterpartei), der Führer des Hapoel Hamisrachi in Palästina Mosche Schapiro und der Londoner Reverend M. L. Perlzweig (Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten). Wiedergewählt wurde auch das amerikanische Mitglied der Exekutive ohne Stimmrecht Louis Lipski. Mit der Wiederwähl der Exekutive und der Zuwahl der Beigeordneten war die fünftägige Leitungskrise überwunden. Auch bei diesen Wahlen stimmten die Judenstaatler mit „nein". Gewählt wurde ein Ak.tiöhs-Komitee .Von 70, statt bisher 54 Mitgliedern. Zum Präsidenten des A-K. wn'rde M. M. Ussischkin wiedergewählt, und zwar mit idem Recht den Sltarrtgeli der Exekutive beizuwohnen. Öei der Wiederwanl Üssischkins stimmten die Judenstaatler ausnahmsweise mit „ja". Nach den Abstimmungen verließen sie demonstrativ den Saal. Das Aktions-Komitee wurde vom Kongreß beauftragt, eine politische Kommission zur Beratung und Unterstützung der Exekutive in Lohdon einzusetzen. Das Zionistische Aktions-Komitee hat in seiner ersten Sitzung diese politische Kommission aus sieben Mitgliedern gewählt. Der Kommission gehören an Prof. L. B. Namier, Harry Sacher, Lord Melchett, Rabbi Meir Berlin, Berl Kaznelson und Leonhard Stein. Das siebente Mitglied wird entweder Rabbi Stephen S. Wise oder Prof. Felix Frankfurter (Amerika) sein. Ueber Ersuchen von Rabbi Wise wurde die Entscheidung hierüber den amerikanischen Zionisten selbst überlassen. Wesentliche Beschlüsse des Kongresses. Der XX. Zionistenkongreß hat in seiner Sitzung am Sonntag, den 15. Augusr, das Budget für das kommende Arbeitsjahr angenommen; das Gesamtbudget beträgt 365.000 Pfund und setzt sich u. a. aus folgenden Einzelposten zusammen: Kolonisation:' 75.000 Pfund; Ansiedlung deutscher Juden: 30.000 Pfund; Alija und Hachschara: 34.000 Pfund; Oeffentliche Arbeiten und Bau von Arbeiterwohnungen: 35.000 Pfund; Unterricht: 28.000 Pfund; Politisches Department: 25.000 Pfund; Wirtschaft und Industrie: 10.000 Pfund; Rückzahlung von Anleihen: 50.000 Pfund; Ausgaben des Keren Hajessod: 23.000 Pfund; Verwaltung in Jerusalem und in London: 22.000 Pfund.