Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 33 (20.8.1937)
- Date
- 1937-08-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 33 — 20. August 1937 DIE WAHRHEIT SzdLAxtfMA \<hidi*vv%- 3tertrt£/TV,KW&e/ri/ ^.rCUvckn. z^t RIä^kx^v (5ViS6l?Äw -vwvc S-Tb&S&V&WcUbQx&W% WtfnX.-ft'o'tf ©q,. 3 mende Sehnsucht zu steigern vermag. Wer die Einhaltung unserer religiösen Gebote, selbst eines so arbeiterfreundlichen, wie es das Gebot der Sabbath-Ruhe ist, und die Erziehung der jüdischen Jugend zu Gebet und Frömmigkeit als Gewissenszwang empfindet, den weist seine Idepjogje^ wpiji; ger nach Zkm. Unbeeiqjrächtigt vqn dem schweren Debakel dieses ZionistenkQngresses bleibt dje fltononolsucht des national-politischen ScheüMappenzionismus, zu dessen Wortführerin sich jüngst die „Stimme" aufwarf, indem sie im Namen der „Neinsager" Weizmanns These ablehnte, der Zionismus wolle nur einen Beitrag zur Lösung der Judenfrage feisten. Sie erklärt vielmehr: „Der Zionismus will die Judenfrage lösen. Er darf nicht auf das Ibescheidene Niveau eines philanthropischen Unternehmens sinken. Beiträge zur Lösung der Judenfrage leisten auch der Joint, die Ica, die Pica und die'AJliance." Dazu haben wir Unionisten, die wir in Uebereinstimmung mit den prominentesten Nichtzionisten der Welt, u. a. mit Felix Wärjjurg (^n engfi- $ohen Palästma-Teihuigs]>laii gegenüber zu dgn ehrlichen Neinsagern zählen, zu bemerken, daß die Beiträge der hier aufgezählten Organisationen zur Lösung der Judenfrage sich stets nützlicher und wertvoller erwiesen haben, als der natiqnaljüdische Zionismus, der allen Warnungen zum Trotz flas Palästoa-Immigratiqnsproiblem mit der unsinnigen Judenstaatsforderungen so sehr bgjas|et hajt> daß „Die Stimme" in der gleichen Nummer zpiknirsphi schreiben mußte: „Gewiß hat i&'dgr scheh Gasse das" Wort* vom jüdischen Staat gezündet; aber die solcherart (hier fehlt: unverantwortlicherweise von den jüdischnatiohaleh Ziöhisten) erzeugte Hochstimmung kann vor der nüchternen Sprache der Geographie nicht Halt machen. Das Palästina, das der englische Plan anbietet, bringt nur Krisen und enttäuschte Hoffnungen." \ semmeringI—1 Judenstaat und Judenwedkte. Unter diesem Titel bemüht sich im „M. o r g e n" vom 16. August 1937 Herr Bruno Heilig, das Problem des Judenstaates und die Auswirkungen dieses Problems auf die außerhalb des neuzuschaffendeti Judenstaates wohnenden Juden zu erörtern. Wer aber glaubt, daß die Erörterung dieses Problems nach allgemeinen, objektiven Grundsätzen erfolgt ist, der wird beim Studium des Artikels im „Morgen" eines Besseren belehrt werden. Bruno Heilig versucht in diesem Artikel, unter Zugrundelegung jüdisch-nationaler Kasuistik dem Problem näher zu kommen. In Wirklichkeit hat dieser Artikel scheinbar nur einen Zweck, und zwar den Zweck, der jüdischnationalen Idee die Mauer zu machen und aMes gutzuheißen, was unter blau-weißer Flagge im Heiligen Hand geschieht, und alles als eine Wohltat zu bezeichnen, was der Nationalismus den Juden gebracht hat und bringen wird. .:, Der Artikel geht von der grundlegenden Voraussetzung aus, daß die Gesamtheit deT Juden der Welt ein nationales Volk bildet, das den anderen Völkern der Welt vergieichbar ist. Schon diese grundlegende Voraussetzung ist grundfalsch. 'Die Juden der Welt bilden vor allem — und darüber gibt es keine Diskussion — eine Re 1 igions- und Glaubensgemeinschaft. Den auf der niedrigsten Kulturstufe stehenden Juden im Kongo einigt mit dem auf hoher Kulturstufe stehenden deutschen, französischen oder . englischen Juden einzig und allein das Bekenntnis zur Glaubensidee. Niemand kann behaupten, daß den auf niedrigster Kulturstufe stehenden Negerjuden und den auf höchster Kulturstufe stehenden europäischen Juden eine gemeinsame Sprache, eine gemeinsame Kultur und eine gemeinsame Volkszugehörigkeit im nationalen Sinne einigen. Jeder wird aber überzeugt sein, daß der Negerjude und der europäische Jude in ihrem Glauben an den einig-einzigen Gott, in ihrem Bekenntnis zur Gesetzgebung auf dem Berge Sinai und in dem Glauben an das Ideal der Nächstenliebe sich finden werden. Der Volksbegriff des jüdischen Volkes ist eben ein anderer Begriff als der jedes anderen Volkes. Bei jedem anderen Volk geht je nach der Staatsfortn die Souveränität im Staate und im Volke vom Kaiser oder vom König oder vom Führer oder vom Volke selbst aus. Der Wille des Volkes, der Wille des Führers oder des Herrschers bestimmen Recht und Gesetz im Staate. Beim jüdischen Volk, das durch die Gesetzgebung auf dem Berge Sinai zu einem Volk wurde, dem die Mission übertragen ward, die Idee der Menschlichkeit den Menschen zu lehren, geht die Souveränität yon Gott aus. Das jüdische Gesetz kann nicht geändert werden. Wer dem Judentum zugehöri, muß jan die Souveränität der Gottesidee glauben". Mit |er Abstreifung des Bekenntnisses iat ied^- Jude aufgehört Volksangehöriger zu sein oder umgekehrt, es kann nur derjenige der sogenannten ..Volksgemeinschaft" angehören, der sich zum jüdischen .Glauben^bekennt Es ist daher unmöglich, irgend ein Volk Her Welt mit der Gemeinschaft der Juden zu' vergleichen. Die Bezeichnung des jüdischen Volkes'als eines ganz „gewöhnlichen Volkes" und der Vergleich des jüdischen Volkes mit anderen Völkern der Erde beweist nur, daß der Verfasser des Artikels im „Morgen" über die jüdische Geschichte, über die gewaltige Idee des jüdischen Bekenntnisses und über die Mission des Judentums als überholt?ur Tagesordnung übergegangen ist. Durch diese Tatsache hat sich die „wissenschaftliche" Betrachtung im ,iMorgeri" über „Judenstaat und Judenrechte" selbst gerichtet. Obwohl nach diesen Feststellungen es sich erübrigt, zu dem weiteren Inhalt der Betrachtungen Stellung zu nehmen, sei der Ordnün? halber noch folgendes angeführt. HOTEL ELISABETHHOF Zeitgemäße preise. Kein Mahlzeitenzwang Es ist wohl richtig, daß es Staaten in Füjle gibt» dje. nicht alle '^ngehörige'iTfn ejnem Siedlungsg^iet \^rehiig|n,' äfcier es gibt kernen Staat,"'der auf &ihem T^itqjjiujn $ur fj^sfen§''|g jjjs 15 prp^tit'l^er Volksgenossen vereinigen kann, während" die*restlichen zirka 85 Prozent außerhalb des Staates zu leben gezwungen sind, weil der Staat nicht in der Läge ist, sie aufzunehmen. Es kann daher nicht ernst gemeint sein, wenn behauptet wird, daß der Judenstaat zu dem Zwecke gegründet wurde, um möglichst viel Juden aus anderen Ländern aufzunehmen. Der Judenstaat kann doch nicht mehr Juden aufnehmen, als auf seinem Territorium Platz haben, und es haben auf dem Territorium des Judenstaates nicht einmal ein Sechste} des y/ejljud^entuins Platz. Wie kann ga Von siner ' pjanjb&ß»£etj pin'^^eruns^i^c' sprochen werden? Wie kann man sich zu der Behauptung versteigen, daß die jährliche Zahl der Einwanderer progressiv gesteigert werden wird, wenn man sich vor Äugen hält, daß nach de^ grundlegenden Voraussetzungen des'Bevölkera'ngV prinzipes sich' die Ergiebigkeit des Bodens in einer arithmetischen Progression, die Zahl der Bevölkerung aber in einer geometrischen Progression 'Steigert. Man nuiß, wenn man solche Artikel liest, bedauerlicherweise zur Ansicht' kommen, daß £hp Spalten einer aflgemeinen Tageszeitung jfidisjcfc nationaler Propaganda zur Verfügung gestellt wurden. ' ' Dr. Ernst Feldsberg; Restaurant Stefanie Hugo «. Julie Herlinger, geb. Zollner II., TaborstraBa 12 Tal. R 48.4-46 Erstklassige reo otnm ierte Küche, große Auswahl. Reichhaltige Menüs von S 1.60 aufwärts. Exakte Bedienung. { Schöner schattiger Garten. Angenehmer Aufenthalt. $' Die Situation der Juden in Deutschland. Die Jüdische T ele g r aph e n - Agen t u r reproduziert einen Bericht, der sich auf Aussagen direkter Beobachter und ' Augenzeugen stützt, über die derzeitige Lage der Juden in Dritten Reich. Der antisemitische Terror, heißt es in dem Berichte, hat sich wahrend des letzten Monats weiter verschärft. Laßt irgend eine Stelle auch nur ein wenig Milde walten, so fährt sofort die Parteipresse — mit dem „Stürmer" an der Spitze — dazwischen und prangert die lässigen Volksgenossen an. Die Annahme, Deutschland wolle „alle Juden los werden", bestätigt sich indes nicht mehr lückenlos. Wohl wird die jüdische Auswanderung im allgemeinen recht gern -gesehen, sofern der weitaus größte Teil des Vermögens zurückbleibt. Vom 1. Februar 1933 bis 31. Dezember 1936 haben etwa 110.000 Jüden Deutschland verlassen, die jüdische Bevölkerung im Lande hat sich in diesen vier Jahren von 517.000 auf 390.000, d. h. um ein Viertel, vermindert. In den Jahren 1934, 1935 und 1936 vereinnahmte das Reich 153,3 Millionen Mark Fluchtsteuer ans jüdischem Vermögen, welches übrigens auch nach Zahlung der Fluchtsteuer nur zu einem Bruchteil ins Ausland gebracht werden konnte; die Transierierunsämöglichkeiten sind außerordentlich beschränkt. Der JCräfiemangel;in verschiedenen Berufszweigen bringt es mit sich, daß man sich auch die jüdischen Qualitätsleislungen'zu sichern sucht. Jüdischen1 Facharbeitern, Technikern und Aerzten wird — wie verschiedene Berichterstatter melden — immer 'häufiger die Ausreisebewilligung mit der Begründung verweigert, sie würden „noch gebraucht werden". In einem größeren Werk in Mitteldeutschland arbeiteten bis vor kurzem zwei jüdische Techniker. Sie wurden gemäß der Forderung der Nazivertrauensleute entlassen. Einer der beiden wollte ins Ausland gehen. Die Polizei ver-: weigerte ihm den Paß: „Ein Techniker iindet in Deutschland immer Arbeit." In Wahrheit hat der Mann keine Arbeit bekommen. In Sachsen praktiziert ein jüdischer Arzt Die Nazis verlangten, daß er verschwinde. Der Major einer Reichswehrabteihing verhinderte die,?, indem er verlangte, daß der Jude durch eine gleiohr.i wertige Kraft ersetzt werde. Man konnte einen solchen Ersatz nicht stellen. In B e r J i n bleiben im Gegensatz zur sonstigen Verschärfung des Terrors gegen die Juden jüdische- Aerzte ziemlich unbehelligt. Ihre Einnahmen werden jedoch genau kontrolliert. Jüdischen Aerzten wird das Auswandern^ nicht mehr erlaubt, weil ein Mangel an Stabsärzten eingetreten ist. Die Wehrmacht verlangt, daß keine Aerzte aus Deutschland herausgelassen werden. Die zuständigen Stellen begnügen sich auch' hier damit, die Reserve-Juden festzuhalten, sehen sich' aber nicht veranlaßt, ihnen das Leben erträglicher zu machen. Bei den jüdischen Aerzten in Berlin z. B., die als einstige Frontkämpfer noch zur Krankenkasse^ Praxis zugelassen sind, lassen die Kassen nichts unversucht, um die Patienten von ihnen fernzuhalten. Die Deutsche Arbeitsfront entzieht ihren Mitgliedern (lie Krankenunterstützung, wenn sie sich von jüdische^ Aerzten behandeln lassen. Die Hauptrolle im antisemitischen Betrieb sjÄg$(, nach wie vor Julius Streicher. „Der Stürmejr,S' wind immer häufiger vor allem an Schulen und Pö$£ ämtern angeschlagen. Wer irgend eine Beziehung >'jg eurem Juden Pflegt, wird mit Namen und Adresse