Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 33 (20.8.1937)
- Date
- 1937-08-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedle par rediteur" Jüdische tDodiensckrilT Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der „Union österreichischer Juden" : Ersdieint jeden f reitag Preis 40 Groschen Redaktion und Administration: Wien IL, Heinestraße 13 — Telephon R 44-1-40 — Postsparkassenkonto Wien; A 100.918 53; Jahrgang Wien, 20. August 1937 Nummer 33 Die Mausefalle. Während der Ziohistenkongreß zu den von der englischen Regierung akzeptierten Palästina- Plänen der Königlichen Kommission in einer nichtssagenden, nach der Schablone „Wasch mir den Pelz und mach ihn nicht naß!" redigierten Resolution Stellung genommen hat, hat der jüdische Volkswitz die Tendenz, die dem Teilungsplan zugrunde liegt, klar und scharfsinnig in die Formel gefaßt: „Das Heilige Land soll so geteilt werden, daß England das Heilige behält, die Araber das Land kriegen und den Juden der Rest gegeben wird." Die Pointe liegt in dem Doppelsinn der Redewendung „jemandem den Rest geben". Indem sich die jüdischen Volks- , massen mit der Kolportierung dieses Witzes auf den tragischen Boden seines Doppelsinns stellen, folgen sie in der Erkenntnis, wenn auch ein wenig verspätet, dem weisen Urteil, das unser unvergeßlicher Rabbi Df. Josef Bloch schon vor, vierzig Jahren in unmittelbarer Diskussion mit Dr. Theodor Herzl, der ihn für sein Judenstaatsprpjekt zu gewinnen suchte, über dieses Projekt gefällt hat. Bloch argumentierte schon damals, daß die Juden in Palästina keineswegs sicherer sein würden als in Europa und daß ihr dort errichteter Staat einer — Mausefalle gleichkäme. Das heute zur Diskussion stehende Judenstaatsprojekt Englands hat wenigstens den einen Vorzug, daß es die Treffsicherheit des Bloch'schen Urteils auch dem der Suggestion der Judenstaatsideologie am gründlichsten erlegenen Utopisten anschaulich machen muß. Als sich Herzl und Bloch bei der Erörterung des funkelnagelneuen Projekts erhitzten, waren die Grenzen des projektierten Staates noch illusorischer als der Staat selbst. Herzl erschien als Hauptsache die Bildung eines jüdischen Kernes im Heiligen Lande. Um diesen Kern herum würden sich dann schon von selbst, wie bei einem gesunden Baum die Jahresringe, immer weitere jüdische Zonen angliedern. Bloch, der nicht aus dem Musenhain eines Mitbegründers des klassischen Wiener Feuilletons, der Herzl war, sondern aus den sehr prosaischen Gefilden der Realpolitik daherkam, wo er zu seinem Leidwesen hatte beobachten müssen, welch gewaltige Hindernisse böswilliger Neid dem edelsten jüdischen Streben, auch wo es keineswegs einem jüdischen Egoismus, sondern dem allgemeinen Wohle der Menschheit diente, in den Weg zu le- Basiere Didigntnnd billig gen bemüht war, ahnte noch größere Schwierigkeiten dort, wo das jüdische Werk von Haus aus nur jüdischen Zwecken bestimmt war. Er sagte sich, daß die Großtaten jüdischer Wissenschaftler in der „Galuth" auch von den Antisemiten, wenn auch widerwillig, akzeptiert werden müssen, und tatsächlich sehen wir, daß sogar die Nazis nicht daran denken, auf die Stickstoffgewinnung aus der Luft, die Benützung des Autos und des Rundfunks rassenstolz zu verzichten, weil die Schöpfer dieser technischen Errungenschaften Juden gewesen sind. Aber welcher von den alten Staaten, die sich gegenseitig ständig belauern und einander jede Chance zur besseren Entwicklung streitig machen, sollte ein Interesse daran haben, ausgerechnet einen Judenstaat zu dulden und ihm womöglich noch üppiges Gedeihen und damit verbundene Macht zu gönnen? Sollte die Weltpolitik sich jemals zu, dieser ihrem Wesen zutiefst, widersprechenden RoUe herbeilassen, dann würde sie höchstens dem Vorbild der Hexe aus dem deutschen Märchen folgen, die den Hansel wacker mästet, um ihn, sobald er dick und fett geworden, aufzufressen. Dr. Bloch, der durchaus nicht wollte, daß dies kein Märchen bleibe, sprach deshalb in bezug auf den Judenstaat das warnende Wort von der Mausefalle. Nunmehr illustriert das englische Judenstaats- Projekt die Berechtigung dieses Bloch-Wortes schon in räumlicher Beziehung. Wenn dem gerade heute eminenten Emigrationsbedürfnis der europäischen Juden ein Staat gegeben wird, nicht größer als das österreichische Burgenland und schon jetzt ebenso dicht bevölkert wie dieses, dann drängt sich das Wort „Mausefalle" von selbst auf, besonders wenn man die jüdische Geschichte kennt. Schon im Altertum war es das tragische Schicksal des jüdischen Staates, mitten in der Interessensphäre der damaligen Großmächte zu liegen. Es ist heute nicht anders: Als vor kurzem der italienisch-englische Konflikt noch akut war, erklärte das Mussolini-Blatt jede zionistische Betätigung der italienischen Juden als Vaterlandsverrat. Ein paar Wochen später, als das Verhältnis zwischen Italien und England sich besserte, erlaubte Mussolini den italienischen Zionisten die Teilnahme am Züricher Kongreß. Sind derlei Abhängigkeiten von fremder Laune die richtigen Auspizien, die den Juden die tatsächliche Die „Union österreichischer Juden" l.t Schottenring 25, Mezzanin, veranstaltet zu den hohen Feiertagen in Ihren Sälen einen [PiST^©?TTOniW? Kartenbestellungen im Sekretariat der „UNION", Wien I., Schottenring 25, Telephon A 19-2-??, in der Zeit von 9-^1 Uhr vormittags und 3-^ Uhr nachmittags Oesferrclchlsches Qualität* Fabrikat Ueberau erhältlich Souveränität gewährleisten sollen, losgelöst von allen Sorgen der Weltpolitik ihr eigenes Haus bestellen zu können? Werden sie nicht, anstatt pro^ duktive Aufbauarbeit zu leisten, ständig bis an die Zähne bewaffnet Wache halten müssen, damit nicht irgend ein außerhalb der jüdischen Einflußsphäre entstehender Kriegsbrand die jüdische Heimstätte in Asche legt? Der Vorsitzende der Executive der Jewish Agency in Jerusalem, der Arbeiterführer David Ben Gurion, gab der Jüdischen Telegraphen- Agentur eine langatmige Erklärung über den Sinn des bekannten politischen Kongreßbeschlusses vom II. August. Darin sagte er u. a.: ,J3as Wesen der Zionistischen Organisation als staatsbauendes Instrument hat sich auf diesem Kongreß in seiner ganzen Größe offenbart!" Da muß schon die indiskrete Frage gestattet sein: Wieso? Wenn sich der Zionismus als staatsbauendes Instrument empfiehlt, tut er dies immer mit der Erklärung, daß der Jude zur Erfüllung der ihm neuen schweren Pflichten eines Kolonisators angeblichnur in Palästina befähigt sei, weil dort, und nur dort, seine ideologische Verbundenheit mit dem Lande seine körperliche Unzulänglichkeit ausgleiche. Schön! Aber diese ideologische Verbundenheit fließt doch einzig und allein aus der jüdischen R eligion! Nur diese hat in der jüdischen Seele die Verbundenheit mit Zion in den Jahrtausenden unserer physischen Trennung von Zion aufrecht erhalten. Lediglich das jüdische Gebet hat unsere Erinnerung an Jerusalem so wach erhalten, daß sie sich in Zeiten unserer Bedrängnis in flam- PamenfronfehtionsnTodellftqus „Zoe iescheu. tOieneeUt" fllerjus Sa 15er. & Co. Wien IX/2., Wfihrfaigersfr. 63 Telephon A 23-249 Gründungsjahr 1897 Dotnehmes TTlodellhaus für Damenbekleidung wie Mäntel. Kleider, Kostüme, Blusen mafcfttelier im f)aufe Trauetwaren stets lagernd oder Anfertigung binnen 24 Stunden