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Die Wahrheit · 1937-08-13 · Heft 32 (13.8.1937) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 32 (13.8.1937)
Date
1937-08-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 32 — 13. August 1937 Seite 3 Die „Union österreichischer Juden" I., Schottenring 25, Mezzanin, veranstaltet zu den hohen Feiertagen in ihren Sälen einen IFi§T<ä©TTES[0>[]iuW Kartenbestellungen im Sekretariat der „UNION", Wien I., Schottenring 25, Telephon A 19-2-97, in der Zeit von 9-^1 Uhr vormittags und 3^-6 Uhr nachmittags Villenpension Kieuzberg BlüMtllliimSMl wo sich; .die Mißachtung seiner diplomatischen Weisheit gerächt hat, als eifriger Proponent des neuen „Judenstaateis". Dafür stimmte die Judenstaatspaftei gegen den „Judenstaat" ... Diese skurrile Umgruppierung der traditionellen Gruppenordnung auf deri Zionisteit-Korigressen istnicht: auf momentane Begriffsverwirrung zurückzuführen, sondern hat eine tiefere Ursache: die falsche Voraussetzung des politischen Zionismus. Herz! begründete diesen mit der Forderung: „Das volklos-:; Land dem landlosen Volk!" Eine bestechende, aber sachlich nicht fundierte Formel: F*alästina'ist kein volkloses Land. Es wohnen dort nun einmal die Araber und sie sorgen eifervoll dafür, daß man sie nicht übersehen kann. Das ist die Ursache der katastrophalen Gestaltung der Dinge im Heiligen Lande. Als Trost diuit uns zum Glück die Erkenntnis, daß auch der Rest der Herzlschen Formel nicht st:nmt: Wir Juden sind im allgemeinen kein landloses Volk, sondern innerlich in unserer natürlichen Heimat zutiefst verwurzelt. Speziell für uns österreichische Juden gilt das Schiller-Wort: „Der Üesterreicher hat ein Vaterland und liebt's und hat auch Ursach, es zu lieben." Und diese Liebe stärkt uns auch in diesem Moment der Trauer über die unerfreuliche Situation im Heiligen Lande, dessen wir als der Wiege unserer sittlich-religiösen Kraft mit frommer Pietät stets gedenken. Weizmann prinzipiell fpr den Teilungsplan. Im Verlauf der politischen Aussprache in den geschlossenen, äußerst dramatisch verlaufenen Sitzungen des Kongresses, der sich nach Ablehnung des Antrages der J udenstaatsparte.i auf öffentlich« Abhaltung der Teilungsplän-Debatte mit 285 gegen lil'5 Stimmen zur ' Gänze als politische Kommission konstituiert Tiat, ergriffder Präsident der Zionistischen Organisation Dr. We iz.m an n wiederholt das Wort zu 'bedeutsamen Ausführungen über die Aussichten des Teilungspranes und eines arabisch-jüdischen Friedens.. ifj Wir" rrmssen; sagte T)r.: Weizmann in seiner dritten Rede u. a., auf dem neuen Wege deri größten ' Teil der Aspirationen des Mandates verwirklichen. Und wir haben uns nach schwerem inneren Kampfe zu der Ansicht durchgerungen, daß man, wenn das Projekt stark geändert wird, das wird erreichen können, was man durch das Mandat erreichen würde. Denken Sie, wir würden unsere Arbeit unter dem Mandat weiter fortsetzen und es würde eine jährliche Immigration von 60.000 kommen, und wir würden nach 15 Jahren eine Majorität im Lande bilden. Auch dann wäre die Kolonisation zumeist nur in dem Teil vor sich segansea.^dei—un&_iet*t z>uäe^J**e£erK-£st. Und schließlich, wäre' es" ein Judenstaat 'gewesen mit ungefähr 45 Prozent Arabern. In der Küstenebene, wäre eine überwiegende Jüdische Majorität, im itCiterland eine arabische Überlieferung ist, auf Motive, welche beVeite "bei ässyririschen Reliefs vorkommen (Lebensbaum), auf Bandgeflech'te, die typisch für die Zeit der Völkerwanderung bis'in die altslawische Kunst hineinreichen, auf Ausschmückung>sformen, welche, um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, reinen Barockstil zeigen. Diamant führt uns in den Gedankenkreis des jüdischen Steinmetzen ein und zeigt, wie sehr er, von jüdischem Mythos umgeben, unter einer strengen, traditionell religiösen Gebundenheit gestanden war. Zu bemängeln wäre jedoch der Buchtitel. Die Publikation wäre eher „Ostjüdische Grabplastik" zu benennen. Denn das Gebiet einer jüdischen Volkskunst ist ein ungleich größeres, als es nur die Ausschmückung von Grabsteinen gewesen ist. Wenn wir von den jüdischen Kunstgebieten der Antike und denen im Westen Europas, etwa innerhalb der mudejaren Epoche Spaniens, der Renaissance in Italien, der' Gotik in Deutschland etc. absehen, gibt es innerhalb einer jüdischen Volkskunst im Osten noch zahlreiche andere, ganz bedeutende Schaffensgebiete, wie Synagogenarchitektur und Wandmalerei, Kunstgewerbe und Textilkunst Eine historisch interessante Abhandlung über die „Chazaren und die Ansiedlung der Ostjuden", von Dr. M. Diamant und Dr. A.'Preis s, beenden diese beachtenswerte "und über ein jüdisches Kun&tgebiet bereichernden .'Aufschluß--gebende' Veröffentlichung. - Vor einiger Zeit erschien im Verlag „Die Garbe", <iem Mitteilungsblatt der Jüdischen Kulturstetie ein (in diesem Blatte schon einmal besprochenes) Buch über dag W6ric Uriel Birnbaums, vom Grafen Polzer-floditz, dem letzten Kabinettsdirekfor weiland- Kaiser' Karls. Uriel Birnbaum,' jene seltsame Vereinigung von Maler-Dichter-Denker, wurzelt tief im Religiösen. Alls Sohn des Mizlich verstorbenen Denkers und Philosophen Mathias Acher strenggläubiger Umgebung entstammend, ist bei dem Künstler eine nicht vöneihander zu trennende Vereinigung von jüdisch-mysthdsche'm Glauben und ^österreichischem. Bewußtsein. laufiaflentL. '" Als" Maler"■ bedient * s"icn~Birnbaum "einer von ihm erfuBdöini:=?6igeler^ fe^hnik)fdes äÄÄ^i^^JVuftrl-J; Sl[fl9 ttf Hohe Feiertage geöffnet. Auskunft: Wien II.. Krummbaumgasie 1 Telephon: A44-4-S2. VJ 10-800 und Lola _ , «Aitt Schiff. Breitenstein a/S Telephon 11. Auf fratl LOla SChUI Verlangen Prospekt. Leitung Majorität — und die Teilung wäre entstanden, ohne daß sie ausdrücklich eingerichtet worden wärt. Wenn wir nun in dem Gebiet, das uns zugesprochen werden wird — eine Verbesserung des Planes vorausgesetzt — dasselbe durchführen, so haben wir materiell nur etwas aufgegeben, was wir kolonisatorisch gegenwärtig nicht besitzen. Stellen Sie sich nun die Frage: Ist das, was das Peel-Projekt uns bietet, haltbar oder nicht, gibt es ups die Möglichkeit einer Immigration in bedeutendem Maßstab? Ich habe von zwei Millionen gesprochen, die Ziffer kann kleiner oder größer sein. Zwei Millionen Menschen in 20 Jahren bedeutet eine Immigration von 100.000 pro Jahr. Welche Aenderungen sind nach unserer Meinung notwendig? Zunächst: Jerusalem. 70.000 Juden in Jerusalem sind für uns von großer Bedeutung, wir beanspruchen die neuen, t'ast rein jüdischen Stadtteile Jerusalems. Zweitens: Souveränität. Das gens farbiger Tüschen, sowie _ bunter Pastellkreiden. Eine tiefe Farbensattheit, eine wundersame Harmonie koloristischer Kontraste kennzeichnet in Uriel Birnbaums Werk den in mysthischer Tieie reinsten Gottesglaubens wurzelnden Künstler. Sein Bilderzykhfs „Moses" atmet die gigantische Urkraft des großen Volkserweckers, in der Darstellung von dessen wuchtigen Größe zeigen sich geradezu michelangeleske Kräite. Tausendfältige Ideen finden ihren Niederschlag in Birnbaums künstlerischem Scharfen. In ,Der Kaiser und der Architekt", seinem koloristisch vielleicht bedeutendsten Werken, findet Birnbaum schier unerschöpfliche Bauprojekte und phantastische Architekturen. Dicke Mappen bergen Entwürfe und Handzeichnungen, in welchen der Künstler oft in skurrilster Art Problemen und Gedanken nachgeht, bei welchen Goya Pate gestanden sein könnte Uriel Birnbaum, der Dichter zarter Sonette und tiefer gottsuchender Verse, ist auch als Maler Lyriker. Eine in Birnbaums farbiger Technik geschaffene Tuschzeichnung „Sommermärchen" atmet die ganze seelische Tiefe dieses Verse malenden, Märchen ersinnenden Künstlers. Doch Birnbaum ist auch ein Kämpfer. Stahlhart und aufrecht rückt er, der asls Freiwilliger das große Ringen des Krieges mitgemacht und Kriegsbeschädigter ist, gegen alles zu Felde, was gottlos ist und herumnörgelnd, schlapp und dekadent. Unsere Zeit ist vergeßlich und undankbar. Sonst könnte es nicht sein,, daß^ ein so vielgestaltender, schaffender Künstler, eigenartigsten Könnens, heute vergessen und arm, draußen in Hietzing, ein stilles, von Alltagssorgen verdüstertes Leben au führen gezwungen ist Des Grafen P o i z er-Hodi t z ritterliche Feder ha! es in dankenswertester Weise unternommen, dem Menschen und Künstler Uriel *Birnbaum <fie Würdigung zuteil werden zu lassen, die er verdient. Dieses; Buch, mit dein 'Feuer idealster Begeisterung gescfirie|)'en, sollte in jüdischen Kreisen überallhin verbreitet werden, aüs Wiedergutmachung für die Sünde, welche „das „In,Ver.gessehheit7Gerafen" eines Künstlers is^e^tiin großer Jude und [zugleich ein großer ÖestersäcBeluit. Restaurant Stefanie Hugo u. Mim Hetlinger, geb. Zöllner II., Taborstrala 12 Tal. R 4«-4-4« Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl. Reichhaltige Menüs von S 1.60 aufwärts. Exakte Bedienung. Sehöner schattiger Garten. Angenehmer Aufenthalt Peel-Projekt beeinträchtigt die Souveränität in verschiedenen Punkten, vor aUem durch die t e m-> porären Mandate über Safed, Akko, Haifa und, Tiberias. Wir fordern in unseren Besprechungen, daß diese Inseln mitten im Judenstaat in zwei bis drei Jahren dem Staate einverleibt werden. Drittens: Der. Peel-Bericht hält es für wünschenswert, keinen Haien in Tel-Aviv auszubauen, sondern daß ein gemeinsamer Hafen Jaiffa-Tel-Aviv unter Leitung eines Engländers eingerichtet werde. Wir haben erklärt, daß ein souveräner Staat einen Haien bauen kann, wo er es für notwendig hält. Dieser Peel-Vorschlag ist so ziemlich fallen gelassen worden. Die finanziellen Fragen, die Frage des Korridors, werden noch studiert. Zur Souveränität gehärt auch, daß wir das Immigrationswesen allein leiten. Nun zu den territorialen Fragen: Ist eine Immigration von 50.000 bis 60.000 Jahr iür die nächsten 20 oder 25 Jahre gegeben? Wenn uns von den drei Millionen Dunam bewiteserbaren Bodens in der Küstenebene um Beisan und im Hule- Gebiet in den nächsten 20 Jahren eine Million Dunam zur Verfügung gestellt wird, also 50.000 Dunam im Jahr, so wäre das die Grundlage der Arbeit iür die nächsten 20 Jahre. 50.000 Dunam bedeuten 2500 Familien auf dem Boden, 7500 Familien in der Stadt, zusammen 50.000 Menschen. Weizmann schloß: Jetzt eröffnen sich größere Chancen für den Frieden mit den Arabern als je zuvor. Wir haben ihnen -für ein Entgegenkommen etwas au bieten. Und das ist die erste Grundlage für friedliche Verhandlungen zwischen Völkern. (Lebhafter Beifall.) In der der Abstimmung vorangegangenen Nachtsitzung des Kongresses kam es zu einer letzten großen Auseinandersetzung zwischen Dr. Weizmann und dem Führer der Nein-Sager M. M. Ussischkin. Weizmann erklärte u. a.: Jetzt hat England gesprochen: So weit kann England gehen und nicht weiter! Wir stehen vor einer realen Tatsache; es ist an uns, von dem, was uns geboten wird, das Beste zu machen. Die Durchführung des Mandates ist für England infolge der internationalen Komplikationen schwierig geworden. Ich appelliere an den Kongreß, die- Teilung im Prinzip anzunehmen und die weitere Entwicklung der Zukunft zu überlassen! Was wir jetzt zu tun im Begriffe sind, ist nicht Abschaffung des Mandate, sondern Evolution der Balfour-Deklaratiön. Es. isf ein schwerer. Weg,, aber-wir müssen ihn 'gehen, weil'er der Weg <fcr größeren Möghchkeitiert ist. " ' '

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