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Die Wahrheit · 1937-08-13 · Heft 32 (13.8.1937) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 32 (13.8.1937)
Date
1937-08-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 32 — 13. August 1937 DIE WAHRHEIT SecL^t*^, K&^cUw^- $w d&jvizrr^}&at&vc[, u,.rvUve^ 7/w, t Wkintvv (5Vt&^£n. rwwt S-B^eH/ ^(^Ott^cnfce/l^ Wianl^ö^ 3 lästina-Mandatels zu drücken, bei den Juden der ganzen Welt gezeitigt haben. Aber für den Zionistenkongreß als die mit der „Lösung der Judenfrage" im Sinne Herzls aktiv befaßte Instanz kommen zu der allgemein jüdischen Enttäuschung noch spezielle Momente verletzter Empfindlichkeit reichlich hinzu. Man fragt sich mit Recht wie es möglich ist, daß zwanzig in Tegelmäßigen Intervallen öffentlich und mit planmäßig versuchter Wirkung, auf die breiteste Oeffentlichkeit abgehaltene Tagungen des zionistischen Parlaments die nichtjüdische Welt ir 'einer so erstaunlichen Ahnungslosigkeit in Bezug auf die zionistischen Pläne belassen haben, wie sie jetzt angesichts der englischen Vorschläge für die künftige Gestaltung Palästinas zutage kommt. - Atif AhnungsiosSEkeit stößt mairzu seiner größten Verblüffung^ wenn ein so seriöser Politiker wie Win st on Churchill der Qeberfllitung der Jüdischen Heimstätte durch Juden die Schuld an dem Entstehen der Teilungspläne gibt: „Es schien den Arabern, als rück» nfii dieser Ueberflutung das Gespenst der tatsachlichen Vorherrschaft der Juden immer näher." Da muß nian sich doch wundern, wie ein so ernst zu nehmender Anwalt der jüdischen Sache das, was die Zionisten in Wort und Schrift jahraus, jahrein als ihr Ziel laut genug ausposaunten: die Schaffung einer jüdischen Majorität, als ein — Schreckgespenst der Araber auffaßt, das leicht gebannt werden kann: „Die Kabel waren mit zu starkem .Strom geladen und schmolzen. Das ist wohl ein .Grund, die Leitung auszubessern und die Stromstärke herabzusetzen". Es ist wohl kein Wort darüber zu verlieren, äaß gerade die hier in aller Unschuld empfohlene Herabsetzung der (Einwiandefuttgs-)Strorastärke angesichts des heutigen Emixrationsbedürfnisses der jüdischen Jugend aus vielen europäischen Ländern sich lauf das von den Zionisten angemaßte Monopol zur Lösung der .Judenfrage katastrophal auswirken muß. Wir Nichtnationale sehen die Richtigkeit der Logik Churcliilb durchaus ein. Wir haben ja ähnliche Gedanken bei Erörterung des Palästina-Problems und Ca f * ifBCSTiniNr der von uns stets betonten Notwendigkeit, dem jüdischen Emigrationsbedürfnis auch noch andere Einwanderungsmöglichkeiten zu erschließen, oft genug geäußert. Das Erstaunliche ist abe/, daß Churchill mit seinen Ausführungen den-Zionisten nicht entgegentreten, sondern ihnen sekundieren wollte. Wenn nun sogar ein so bedeutender poetischer Kopf der Sache, die er da zu förd^fern-gläub't] so ahnungslos gegenübersteht, wie kann;märi: sich dann über das absolute Versagen der englischen Bürokratie, deren in Palästina gezeigte Verwaltungskünste jetzt das höchste Befremden der Genfer Mandatskommission hervorrufen, wundern? Verblüffend daran ist bloß der geringe WirkungSr nadius der zionistischen Aufklärungsarbeit, die doch auf den Kongressen einen laut genug tönenden Resonanzboden gefunden zu' haben schien. Die Herren verstanden es ja auch, von diesem klängvollen Instrument den hemmungslosesten Gebrauch zu machen. Die Eröffnungssitzung war immer ein Staatsakt ersten Ranges. Die Vertreter der Großmächte erschienen und beguckten sich anerkennend die Verwalter jüdischer Opferfreudigkeit Denn, wie sich jetzt zeigt hat sie vor allem diese Tugend interessiert, di& ja jetzt auch ihrenpraktischen Lohn in der Erlaubnis findet, nicht nur den eigenen Judenstaat sondern auch den neuen Araber Staat zu finanzieren. Was sonst noch auf den Kongressen gezeigt und gesagt wurde, hat bedeutend weniger Resonanz in der nichtjüdischen Oeffentlichkeit gefunden. Wie kommt, das? Vielleicht weil man des Guten allzuviel getan und allzuheftig beim Fenster hinausgeredet hat. Gerade der Engländer mit seinem Jahrhunderte alten Parlamentarismus hkt ein besonders geschultes Ohr, seriöse Politik von reklamesüchtiger Demagogie zu unterscheiden. Wenn auf einigen HOTEL ■ E LI SA B ET HHOf p Zeitgemäße Preise. | Kein Mahlzeitenzwang der letzten Kongresse' mit' gar zu handgreiflichen Übertreibungen Wählerfang getrieben wurde; wie £. B} mit? der1 natürlich räemäls Tatsache gewordenen Veri&ndigung: „MbOÖ-Zertm^tfcfürf deiitsene JtfdenM",' dämi höW der Brite1, dem sclfon der ungleich bescheidenere Einwanderungsstrom als allzu starke Kabelbelästung erschien; einfach nicht mehr hin. Diese allzu derbe Stärke der Propaganda nach außen fand ein tragisches Gegenstück in der inneren Schwäche von Kongreßbeschlüssen. Ein Beispiel für viele ist der auch von Juden außerhalb der zionistischen Kreise sehr begrüßte Misrachfe Sieg auf dem vorigen Kongresse, der endlich die Durchführung der Sabbath-Ruhe im Heiligen Lande zu verbürgen schien. Wie man aber, heute Weiß, ist alles beim alten geblieben ... Ein. Parlament das sich selbst mchf ernst nimmt, verwirkt natürlich das Recht von anderen ernst genommen zu werden. So sank der Zionistenkongreß immer mehr zu dem herab, als was sich der jetzige mit grotesker Deutlichkeit deklariert: uls fünftes Rad am Wagen. Wäre es nach dem Kopf des englischen Kolonialministers gegangen, dann wäre der Jubiläumskongreß in Bezug auf den Judenstaat vor einer vollendeten. Tatsache geständen. Aber auch so hat er zur Klärung der Angelegenheit nicht beitragen können. Denn was heißt das, auf der einen Seite den Teilungsplan, der die Schaffung eines „Judenstaates" vorsieht, als „unannehmbar" abzulehnen, auf der anderen Seite Verhandlungen zu gestatten, deren Endziel dieser selbe „Judenstaat" — wenn auch vie 11 eicht in einer ,-,annehmbareren" Form — sein soll? Und die groteske- - Verteilung der Kämpfer für und wider machte den 20. Zionistenkongreß gar zu einer parlamentarischen Karikatur:: Weizmaun, der immer klug davor gewarnt hatte, durch Betonung der Judenstaats-Forderung die Araber zu provozieren, entpuppte sich' jetzt, FEUILLETON. Neue Jüdische Künstliteratur. Besprochen von Hugo Friedman n Im Jahre 1932 wurden durch eine gemeinsame Expedition der Pariser Akademie und der Yale-UnLversltät zu Dura Europos im syrischen Mandatsgebiet Ruinen einer römisch-mazedonischen Stadt freigelegt, unter denen auch die Reste einer Synagoge zutage gefördert wurden. Die Wände dieser Synagoge waren mit Freskomalereien geschmückt, deren belebte Komposition, Reichhaltigkeit und Farbenfrische nur unter den bedeutendsten Wandgemälden der antiken Malerei ihresgleichen findet, Fresken, welche alle bisher bekannten antiken Wandmalereien jüdischen Gebrauchs in den Schatten stellen. Seither haben zahlreiche kunstwissenschaftliche Erörterungen über diese Funde stattgefunden, welche die bisherige Stellungnahme zu einer jüdischen iKunstentwicklung im Altertum völlig umorientieren mußten. Tatsächlich handelt es weh hier tun eine einigermaßen eigenwillige, eigenartige Kunstform, die sich nicht recht in irgend eines der bekannten RuiretKebiete des 'Altertums einordnen läßt In den hiefür interessierten Kreisen haben die Funde seinerzeit ein Aufsehen hervorgerufen, wie sie vielleicht nur noch von der Auffindung des Tut-Ench-AmmuGrabes übertroffen worden waren. Man merkt den zahlreichen nichtjüdischen Publikationen darüber deutlich eine gewisse Verlegenheit an, hier eine Stellung nehmen zu müssen, welche alle bisherige Auffassung völlig umändert Theodor Ehrenstein, der bekannt; Verfasser alttesfiamentarischer Kunstjwfoläkationen hat bereits vor Jahrei' in einer sehr beachtenswerten Schrift sich nrit einenr%hnlichen Thema befaßt a,c er den Nachweis zu erbringen bemüht war, daß die prächtigste bekannte hebräische äklerhandschrift, die siigenatmte ttaggadau von Sarajevo, nur.von einem jüdischen Miniator illuminiert worden sein konnte. In seiner (im Kunst-, verlas A. Kende) kürzlich erschienenen Publikation wendet sich Ehrenstein zunächst gegen eine Veröffentlichung des deutschen Archäologen Professor Lietzmamn, welcher in der Zeitschrift ,Atlantis" über seine Reise nach Dura Europos, an Ort und Steide der Ausgrabungen; berichtet. Lietzmann bespricht die inzwischen zur besseren Konservierung nach Damaskus überführten Freskomalereien ziemlich ausführlich, um sie als künstlerische Arbeiten dem persischen (also einem arischen) Kulturkreis zuzuschreiben. Dagegen n^mmt Ehrenstein entschieden Stellung und weist an Hand von weitestgehenden Daten nach, daß innerhalb der bekannten persisch-sassanidischen Kunstentwicklung keinerlei wie immer geartete Parallelen mit den Dura-Fresken zu finden seien. Mit absolut einleuchtenden kulturhistorischen und archäologischen Argumenten führt der Verfasser den Nachweis, daß diese Freskomalereien nur von eineni oder mehreren jüdischen Künstlern herrühren können. Ehrensteins Argumentierung wird namentlich durch einen Hinweis auf die talmudische Archäologie (Besprechung der Darstellung des Queuwunders Mosis) besonders klar. Eine Reihe ausgezeichneter Illustrationen vervollständigen diese höchst beachtenswerte jüdische Kunstpublikation. Fast jede Erörterung eines jüdischen Kunstgabietes sieht sich veranlaßt, ki irgend einer Form sich mit dem biblischen BiklnisverBbx zu beschäftigen, dieses "zu kommentieren und demi behandelten Kuns'tgebiet entsprechend anzupassen. In seiner vorerwähnten Schrift widerlegt Ehrenistem eine rituelle Unzulässigkeit der figürlichen Ausschmückung der Darah-5ynagög<e, indem er, sicherlich mit Recht annimmt, die Juden jener Zeit und Gegend, umgeben von künstlerisch höchst bedeutenden Werken der Nachbarvölker, Aegypter, Assyrer, Heilten, Sassaniden, Hellenen und Römer, hätten mit der badHchen Darstellung biblischer Szenen stolz auf die Heroenzeit des Judentums verweisen wollen, ohne sich darüber klar zu sein oder auch nur daran zu denken, ein religiöses Gebot, zu verletzen. In einem vor kurzem (bei R. Löwit, Wien-Jerusalem) erschienenen Buch „Jüdische Volkskunst" berührt dessen Autor Max Diaman t gleichfalls das Problem des mosaischen Bildnisverbotes. Er kommt zu dem Schluß, daß als verbotenes Abbild lediglich die Plastik (Pesel, d. i. das Ausgehauene) anzusehen sei, während gegen Malerei und Relief, soweit sie keine Ideenassoziation mit Götzendienst hervorgerufen haben, nichts einzuwenden gewesen sei. Tatsächlich gelten für die islamische Tradition die gleichen Vorschriften und die Ost-Kirchen, deren malerische Aifsdrucksiform in der byzantinischen Ikonographie erstarkt ist, lehnen gleichfalls jederlei Plastik ab. Die weitere Entwicklung, von Zeit und örtlichen Verhältnissen bedingt, war freilich immer wieder geänderten Auffassungen unterworfen, so daß schließlich selbst im orthodoxen Ritual Osteuropas gegen die Verwendung von kleinplastischer Ausschmückung der gottesdienstlichen Geräte kein Einwand erhoben wurde. Meist handelt es sich hier um heraldische Motive, Löwen, Greife, Kronen etc. Ini weiteren befaßt sich Diamant mit beachtenswerter Ausführlichkeit mit ostjüdischer Grab-, Plastik. Auch dem oberflächlichsten Interessenten jüdischer Kunst ist es auffällig, welch bedeutenden Raum, die Grabplastik innerhalb des jüdischen künstlerischen Schaffeusgebietes eingenommen hat. Ini Westen waren, es vielfach nichtjüdische Handwerker, welche als Steinmetze im Dienste jüdischen Gebrauchs gestanden^ waren. Es ist kaum anzunehmen, daß etwa die überaus"| prächtigen Grabstelleh des Israel Texeira de Mattos und seiner Familiären zu Öuderkerk bei Amsterdam von indischen Künstlern herrühren. Im Osten aber war, das Amt des Maze we-Schiägers ein jüdisches. Diamant 'bespricht oriit besonderer Ausführlichkeit dieses Gebiet einer jüdischen Volkskunst in Osteuropa, wobei die zahlreichen Textabbildungen, sowie an die vierzig Tafelbilder dieses Buch schon vom nein, ilhistra'torischen Standpunkt beraericensiwert machen. Der Autor verweist auf die eigenartige Ornamentik verschiedener Grabstellen, deren, Kunstform das Produkt alter Kunst-

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