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Die Wahrheit · 1937-08-06 · Heft 31 (6.8.1937) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 31 (6.8.1937)
Date
1937-08-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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SeU»_4. Nr. 31 — 6. August 1937^ DIE WAHRHEIT In ffllcn Yersicherungsangelegenheiten — zuftflf der „Union", I., Schotteniing 25, Telephon A 19-2-77, jeden Montag und Freitag von io bis 12 Uhr vormittags. / Leiter: Komm.-Rat Alexius Salzer. Für Lebeasverslcherungsberatung haben wir einen Speziallachmann bestellt, welche unsere Mitglieder besonders günstig beraten wird. RelSegepSckSVerSlCherung Eine amerikanische Delegation unter (Führung Stephen Wise. Als fünfte jüdische Delegation neben denjenigen der Jewish Agency, des Waad Leumi, der Neuzionistischen. Organisation und der Agudas Jisroel ist in Genf eine Abordnung der amerikanischen Zionisten unter Führung von Dr. Stephen S. Wise eingetroffen. Dr. Wise erklärte, die amerikanische Delegation werde sich nach Kräften bemühen, eine Teilung nach den von der britischen Regierung vorgeschlagenen Richtlinien zu verhindern. Auch auf dem ZionistenkongreO würden die Amerikaner gegen Annahme des Teilungsplanes kämpfen. Blanche Dngdale, die Nichte Balfours, ffir Teilung, aber für größeres jüdisches Gebiet. Die Nichte und Biographin Lord Balfours, Blanche E. C. Dugdale. schreibt den „Times", auch Lord Balfour hätte sich unter den heutigen Umständen für eine neue Lösung in Palästina, eingesetzt. Die Balfour-Deklaration dürfe nicht aufgegeben werden, nachdem 400.000 Juden auf Grund dieses Versprechens in Palästina angesiedelt Wurden und die Hoffnungen von Millionen in der Dia- Spora sich auf Palästina richten. Lord Balfours Politik sei aber nicht statisch, sondern dynamisch gewesen. Zweifellos wäre es unter den heutigen Umständen seine Ansicht gewesen, daß ein jüdischer Staat als ein weiterer Schritt in der Entwicklung errichtet werden müsse, aber unter Grenzen, die seine Lebensfähigkeit sichern. Stellungnahme der zionistischen Vereinigung für Deutschland. Dr. Siegfried Miosen der bisherige Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung ifür Deutschland, erstattete auf der Sitzung des Laridesvorstandes der ZVfD ein Referat zur Palästinapolitik, das eine zusammenfassende Erörterung der entscheidenden Probleme brachte. In der anschließenden Debatte brachten die Mitglieder des Landesvprstandes, ungeachtet einzelner kritischer Einwände, im allgemeinen ihre Uebereinstimmühg mit den Grundlinien des Referates von Dr. Moses zum Ausdruck. Der Redner führte u. a. aus: Wir werden Klarheit nur gewinnen, wenn wir vor Erörterung der iBinzelproblerne, die bei einer Teilung entstehen, die Frage ganz grundsätzlich stellen: Beiahen wir das Prinzip der Teilung Palästinas {mit der Schaffung eines selbständigen jüdischen Staates), vorausgesetzt, daß ein fairer Teilungsplan zustandekommt? Wenn sich ein Ansatzpunkt für eine jüdisch-arabische Verständigung, durch die eine neue verheißungsvolle Aera eröffnet werden könnte, nicht zeigt und in diesem Sinne das Mandat für undurchführbar anzusehen ist, so muß man meiner Meinung nach in der Tat das Prinzip der Teilung bejahen; insoferne bejahen, als eine Teilung, die uns den Judenstaat bringt und unseren berechtigten Ansprüchen in Bezug auf Grenzziehung und Ausgestaltung entspricht, einem Status quoi vorzuziehen ist, bei dem die Beziehungen zwischen Juden und Arabern ungebessert sind. Um es ganz klar zu sagen: im Gegensatz zu vielen anderen bejahe ich das Prinzip der Teilung nicht bloß, weil anderenfalls die Alternative der vernichtenden Einwanderungsbeschränkungen droht, spn- ■dern ich glaube, daß es Teiuingsbe'ding-ungen «übt, bei deren Erlangung die Teilung den anderen Möglichkeiten vorzuziehen ist Um diese Bedingungen gijt es zj? kämpfen. '. ':"' Es gibt andererseits Teilungsbedingungen, die die Teilung unannehmbar machen, z. B. den Teilungsvorschlag der Kommission, sofern er unverändert bleiben sollte. Den Verpflichtungen Englands kann nur ein Plan entsprechen, der die in der Balfour-Deklaration und im ■bisherigen Palästina-Mandat niedergelegte Verpflichtung garantiert, die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstitte durch entsprechende politische, administrative und wirtschaftliche Bedingungen zu sichern. Der Plan der Kommission aber beeinträchtigt das bisherige jüdische Aufbauwerk aufs empfindlichste. Wir können aber von vornherein zugestehen, daß der Plan neben Droheilde Kalenderreform. Der Schriftsteiler Marcus Silberschatz (dessen vor einigen Jahren.aus sozialen Gründen erfolgtes Eingreifen in Sachen der Kalenderreförm von allen jüdischen Richtungen anerkannt wurde) lenkt die Aufmerksamkeit der jüdischen Öffentlichkeit darauf, daß die s.eit 1931 gebannte Gefahr eines Reformkalenders mit Blankotag, die seinerzeit in jüdischen den Mängeln, die ihn für uns unannehmbar machen, Vorteile enthält. Hierher gehört vor allem die uns durch den Vorschlag verheißene Erlangung der selbständigen Staatsform. Dje Kleinheit des Territöriunis, das uns bisher für den Judenstaat angeboten worden ist, und die sonstigen Fehler des Planes haben uns vielleicht noch nicht voll zum Bewußtsein gebracht, was uns diese Staatlichkeit bedeuten kann, wenn'sie von'je'iien Mängeln befreit wird. Nichts wäre falscher, als wenn wir die Aufgabe, vor die wir und vor die im besonderen der Kongreß gestellt ist, dahin verstehen wollten:.Wir müssen uns entscheiden, ob wir für oder gegen den Teilungsplan sind, ob wir gegen ihn protestieren oder uns mit ihm abfinden wollen. Die Aufgabe geht vielmehr dahin, nicht nur politische Formeln gegeneinander abzuwägen, sondern pestaltungsmöglichkeiten, wie sie sich nur aus Verhandlungen ergeben —r Möglichkeiten also, deren konkrete Form je nach den sich entwickelnden Verhandlungsergebriissen'wechseln kann. Wir glauben, daß wir Gedankengänge als politisch abenteuerlich ablehnen müssen, die darauf hinauslaufen, daß wir einen neuen Kampf um einen Judenstaa't auf dem Gesamtgebiet Palästinas eröffnen. Kommt eine solche Teilung nicht zustande — z. B. deshalb, weil man uns Jerusalem und den Negew vorenthält —, so müssen wir uns auf einen Fortbestand desJVland-ates trotz aller Zweifel an seiner Durchführbarkeit einrichten. In diesem Falle besteht die Aufgabe, dahin zu wirken, daß die von der Kommission vorgeschlagene Verwaltüngsreform durchgeführt wird, die Einwanderungseinschränkung aber unterbleibt oder zum mindesten auf ein glimpfliches Maß reduziert wird. ' Dr. Moses schloß: „Jeder von uns soll und wjrd bereit sein, sich den Beschlüssen des Kongresses in dieser lebenswichtigen Frage zu beugen, und wenn das von vornherein feststeht und wir alle u'ris bemühen werden, zu einer einheitlichen zionistischen Antwort auf die Frage der Stunde zu kommen, dann wird-der Kongreß sich als der aktionsfähige, entscheidende Faktor erweisen, den wir jetzt so brauchen wie noch niemals." Die Araber Palästinas und die arabischen Lander. Wie den „Times" aus Jerusalem gemeldet wird, dürfte nach ' den Debatten des Parlaments über den Teilungsplan in Palästina eine an Zwischenfällen weniger reiche Zeitperiode beginnea Auf arabischer Seite hätten die Debatten dazu geführt, daß die durch die Furcht vor der Teilung entstandene S p a nnung gemildert und die Geneigtheit zu Verhandlungen mit den Juden über ein Abkommen, durch das die Teilung vermieden werden könnte, stärker geworden ist. Es habe sich schnell eine für solche Besprechungen günstige Atmosphäre entwickelt. Das Eingreifen neutraler oder teilweise neutraler Vermittler wird _als wünschenswert bezeichnet; insbesondere denke man dabei an den irakischen Staatsmann Nuri Pascha es Said. Man gebe zu, daß der Einfluß des Mufti ein Hindernis für diese Bestrebungen ist Doch glaubt man nicht, daß dieses Hindernis angesichts der Volkstümlichkeit des Gedankens entscheidend sein wird, besonders; da das Prestige des Mutti dadurch gelitten hat. daß er sich aus Furcht vor Verhaftung in ein Haus neben der Omar-Moschee zurückgezogen hat. Man ziehe für den Mufti ungünstige Vergleiche zwischen seiner Haltung und1 der des verstorbenen ägyptischen Nationalistenführers Zaghlul Pascha. ' Man könne auch feststellen, daß der unmittelbare Ausbruch von Unruhen weniger wahrscheinlich geworden sei. Die Haltung der Araber sei im allgemeinen eine versöhnlichere geworden und dann wisse der Mufti auch, daß sofort das Kriegsrecht verkündet und er bestimmt verhaftet werden würde. *) Die „Wahrheit" hat in den Monaten Juni-Juli 1937 ausführliche Berichte über die katastrophale wirtschaftliche Lage der Juden in Polen gebracht. Die prekäre Situation müßte sich noch bei weitem verschärfen, wenn die drohende Kalenderreform, die sich zu einer Fessel im Wlirtschaftsleben gestatten müßte, Wirklichkeit würde. Auf die mit der Reform verbundenen Gefahren wurd in einem der Jüd. Tel.-Ag. (zugekommenen Bericht hingewiesen. Kreisen aufwühlend wirkte und gegen die Juden und andere Konfessionen eine gewaltige Agitation in der ganzen Welt entfalteten,«durch einen Vorstoß der chilenischen Regieiung beim Völkerbund Wieder akut geworden ist: es droht die Einführung schon zum 1. Januar 1939. Bekanntlich besteht die Gefahr des aus Rationalisierungsgründen geplanten Reformkälenders mit Blankotag (d. h. der Verwandlung des 365. Jahrestages iii einen zu keiner Woche gezählten Feiertag, um das Jahr auf genau 52 Wochen abzurunden) darin, daß sich der kalendarische Sabbath jährlich um einen oder zwei Tage vom astronomischen entfernen njüßte, so daß die sabbathfeiernden Juden die Wahl hätten, entweder auf den tradi- Anjäßjich der hohen Feiertage findet wie ajljährlich der FEST GOTTESDIENST im Prachtsaal des „Auge Gottes", IX., Nußdorferstraße 75. statt. Nartenvorverkäuf ab 22. August an Sonn- und Feiertagen 9 —12 Uhr, an Wochentagen, von 3—5 Uhr, Karten von S 3.— aufwärts. Vorstand des Vorstand Tempelvereines Bäkur Chaulim IX., Mfltlnergasse IX... Liechtensteinstr. 113 tionelien Sabbath zu verzichten oder jedes Jahr an einem anderen kalendarischen Wochentag, der mit dem betreffenden astronomischen Sabbath identisch wäre, ihre Betriebe, geschlossen zu halten, was eine Verwirrung bei den Kunden und. daher, eine Geschäf tssq^ädigung hervorriefe. Der Völkerbund hafden (urspr,ttn$lfc,h ia' Deutschland angeregtem) yprschla^ Chiles den Regierungen übermittelt, die ihn an gffi wirtschaftlichen Korporationen weflerzuleiten, ha-, ben. Gegenwärtig ist diese Aktion im Gange. Bei Erzjelung einer Dreivieftel-Mehrheif zugunsten des Projektes soll die Einführung des neuen Kalenders, i/ie gesagt, am 1. Januar 1939 erfolgen; dabei ist es unklar, ob die Sache noch, vorher vor einem PJenum zur pebatte gestellt, werden soll. Eine Reihe wirtschaftlicher Korpora-, tionen Oesterreichs hat sich bereits für den neuen; Kalender ausgesprochen. Silberschatz hat in, Publikationen, die 1930/31 erschienen sind und in Eingaben an den Völkerbund die Eliminierurig derreligiösen Fragen aus dem Komplex, der auch einschneidende Reformen gegen die uralte christliche Tradition vorsah, projektiert. I m B ericht des offiziellen Genfer Kalenderreförmkomitees an die zuständige Sektion des Völkerbundes, der Mitte Juni 1931 erstattet wurde, wird ausgesprochen, daß Fragen von wesentlich religiösem Charakter zur Gänze der Entscheidung der interessierten religiösen Instanzen überlassen bleiben sollen. Zionistische „Aktivierung" der „Wlio" Im Verlauf der allgemeinen Aussprache auf der 9. Weltkonferenz der WIZO wurden Prq^ Werne der schulentlassenen weiblichen Jugend in Palästina erörtert. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Mädchen in Palästina vielfach unmittelbar nach Beendigung der Volksschule Iris Erwerbsleben treten oder in der Erwerbsarbeit der Familie mithelfen müssep. Es wurde verlangt, daß der Berufsausbildung der Vierzehn- bis Achtzehnjährigen sowohl in der Landwirtschaft als in verschiedenen Gewerben, wie Schneiderei, Putzmacherei usw. größere Aufmerksamkeit geschenkt werdet Die Delegierten der Konferenz, die gleichzeitig Kongreßdelegierte sind, wurden aulgefordert, auf dem Kongreß geschlossen zu dem Problem der Kinderarbeit Stellung zu nehmen. Bezüglich der Hachschara wurde die Notwendigkeit paritätischer Zusammenarbeit mit den Verbänden des Hechaluz betont. Ein breiter Raum wurde in der Debatte auch der Umschichtungsarbelt der WIZO in der „Galut" gewidmet. Es wurde angeregt, hierbei Organisationen, wie ICA, JOINT, Alliance so wie die jüdischen Gemeinden mit heranzuziehen. Als notwendig wurde auch die Schaffung besonderer Ausbildungsstätten für Mädchen und die Errichtung von Schulen bezeichnet. (Das macht seit vielen Jahren in Wien vorbildlich „Das Kriiger- Heint", das sich aber entgegen der freigebigen Unterstützung der politisch-zionistischen Jugendverbände der nur sehr engherzigen Mithilfe def jg* dischnationalen Majorität der Israelitischen Kultusgemeinde Wien erfreuen darf. Änm. d. Red.) Einmütig stellte sich die Konferenz auf den FRANZENSBAD ERSTES MOORBAD DER WELT. IDEALES FRAUEN- UND HERZHEILBAD. eingebettet. STÄRKSTE GLAUBERSALZQUELLEN. Ueberraschende Heilerfolge bei Herz- und Frauenleiden, Kinderlosigkeit, Gicht, Rheumatismus,1 Fett- ' leibigkeit und chronischer Stühlverst'opfung. Kurbetrieb vom 15. April bis Mifte Oktober. PROSPEKTE UND AUSKÜNFTE KOSTENLOS DURCH DIE KURVERWALTUNG.

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