Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1937-08-06 · Heft 31 (6.8.1937) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 31 (6.8.1937)
Date
1937-08-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3064663-3064693--21250-3086585
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

DIE WAHRHEIT Nr. 31 — 6. August 1937 Seite 5 Alle Schulbücher richtige Auflagen, für antiquarische allerbilligste Preise. Größte Auswahl! Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst. — Zeit spart, wer kauft imSCHULBÜCHERANTQUARIAT MRMANN TOCMIIK Wien IL, Ecke Taborsfraße 52 Telephon R 41-4-20 Standpunkt, daß der WIZO eine gewisse Zahl von Zertifikaten, insbesondere für die Absolventinnen ihrer Hachschara, zur Verfügung gestellt werden müsse. Im Anschluß daran wurde die Forderung erhoben, daß die WIZO die Hachschara nicht nur ■der Mitglieder ihrer Jugendgruppen, sondern der Mädchen überhaupt übernehmen solle. Die Aussprache über diese Frage wird fortgesetzt. Im weiteren Verlauf der Generaldebatte wurde besonders eingehend die Frage erörtert, ob die WIZO zionistisch aktiviert werden darf und soll. Mehrere Rednerinnen stellten die Forderung auf, daß die zionistische Tätigkeit in der allgemeinen WIZO- Arbeit einen wichtigen Platz einnehmen solle. Besonders müsse auch darauf geachtet werden, daß die WIZO-Bewegung hebräisiert wird. Zu diesem Zwecke sollen Abendkurse für Hebräisch veranstaltet werden; ferner soll die kulturelle Tätigkeit in den Reihen der WIZO intensiviert werden. (Die österreichischen jüdischen Frauen müssen prüfen, ob sie in die „WIZO" hineingehören. Anm. d. Red.) Weiter wurde verlangt, daß die Weltorganisation, die auf zahlreichen Gebieten wichtige praktische Arbeit leistet, auf dem Zionistenkongreß, gleich der „Hadassah", eine eigene Vertretung bekomme. Dieser Vorschlag wurde von sämtlichen Konferenzteilnehmerinnen lebhaft verfochten. Eine entsprechende Resolution wird im Plenum des Kongresses eingebracht werden. Alis dem „Dritten Reich" Ein Nadelstich mehr. Der Reichspropagandaminister hat allen jüdischen Geschäften den Verkauf des sogenannten Radiovolksempfängers und ebenso seiner Bestandteile verboten. Hinauswurf jüdischer Teilhaber aus Handelsgesellschaften gerichtlich sanktioniert. Das Hanseatische Oberlandgericht hatte sich mit einem Fall zu beschäftigen, in dem eine offene Handelsgesellschaft einen jüdischen Gesellschafter aus ihrer Mitte ausgeschlossen hat, weil der Firma die Entziehung einer auf Schiffe und Freihafen sich .-beziehenden Handelserlaubnis für den Fall der weiteren Teilhaberschaft de9 jüdischen Gesellschafters drohte. Das Gericht bestätigte diesen Hinauswurf und machte geltend, daß, wenn der Fortbestand des Geschäfts gefährdet ist, die Ausschließung des jüdischen Teilhabers und die •Uebernahme des Geschäftes ohne Liquidation durch den arischen Geschäftsteilhaber im Interesse des arischen Teilhabers geboten und dem jüdischen Teilhaber' zumutbar sei. Entscheidend sei hierbei der Gesichtspunkt, daß die Verbindung eines Juden mit einem Arier und ihre gemeinsame wirtschaftliche Tätigkeit grundsätzlich abgelehnt -werden. Säuberung des Maklerberufs von Juden wird weitergeführt. — Haus¬ und Grundstückwesen wird von jüdischen Elementen gereinigt. Wie aus Deutschland gemeldet wird, wird die Entfernung der Juden aus den verschiedenen Wirtschaftsgebieten ohne besondere Gesetze weiter durchgeführt. Augenblicklich hat die Deutsche Arbeitsfront eine Aktion eingeleitet, um das Hausand Grundstückwesen von jüdischen Elementen zu „säubern". Die neuerrichtete Arbeitsfront-Fachschaft für Haus- und Grundstückwesen, die alle Hauseigentümer, Grundstück- und Hypothekenmakler, Hausverwalter und Hauswirte umfaßt, führt die Gleichschaltungsaktion durch, um ihre Freunde zu versorgen und hat zu diesem Zwecke 2inen umfangreichen Denunziantendienst gegen die jüdischen Grundstückinhaber und -Verwalter einäerichtet. Die Deutsche Arbeits-Korrespondenz schreibt: „Gerade in diesem Berufe besteht eine stark jüdische Ueberfremdung. In Berlin bestehen etwa 2500 Maklerfirmen, von denen mindestens 40 Prozent jüdisch sind. Hinzu kommt noch, daß wir in Berlin rund 20.000 Schwarzmakler haben." Englische Faschisten singen vor Streicher das Horst-Wessel-Lied. Die „Times" melden aus Berlin: Gauleiter Streicher empfing in Nürnberg eine Abordnung von 20 britischen Faschisten, die sich gegenwärtig Nazi-Arbeit im Ausland auf einer Reise durch Deutschland befinden. In seiner Ansprache drückte Streicher Bewunderung für die britische Schwarzhemdenorganisation aus und sagte: „Warum weigert sich die englische Nation noch immer, ihre Hand den Deutschen entgegenzustrecken? Darauf gibt es; nur eine Antwort: Wenn das englische Volk die Wahrheit kennen würde, würde es Deutschland die Hand reichen, aber in England haben die Juden und das jüdische Geld sehr viel zu sagen. Aus. diesem Grund, und das wird meine Ueberzeugung bis zu meinem Tode sein, darf der Kampf gegen; die Juden niemals aufhören. In diesem Sinn betrachte ich Sie als meine Brüder und Kameraden in unserem Kampf. Wir haben nur einen gemeinsamen Feind, das ist das Judentum, wir müssen es besiegen. Die Zeit wird kommen, daß die WeltrVon dem Satan Alljuda befreit sein wird. Vielleicht ist der Tag näher, als wir glauben, da unsere beiden Völker nicht mehr gegen-, sondern miteinander für die Zukunft der Welt arbeiten werden. England und Deutschland zusammen, und vom'. Judentum befreit, wären imstande, der Welt ein neues Gesicht zu geben." Die Besucher brachten ein dreifaches Siegheil auf Hitler und Streicher aus- und überraschten ihren Gastgeber dadurch, daß sie das Horst- Wessel-Lied auf englisch sangen. Stelian Popescu: Die Juden sind gewarnt. Der frühere Minister und jetzige Chefredakteur des „Universul", der Antisemit Stelian Popescu, erklärt u. a.: Das jüdische oder antisemitische Problem in Rumänien ist ein wirtschaftliches Problem. Individuell genommen, ist der Jude von Natur aus kein schlechtes Wesen. Er besitzt sogar Fähigkeiten, die ihn in dem Milieu, in dem er sich niedergelassen hat, nützlich erscheinen lassen. Der Jude verliert aber das Maß in dem Augenblick, da er sich stark fühlt und seine Macht mißbrauchen kann. Wir haben so viele Juden im Lande, die eine Gefahr für uns darstellen; wäre es nicht angebracht, um einer Gewaltbewegung gegen sie vorzubeugen, dafür Sorge zu tragen, daß sie irgend wo eine Heimstätte erlangen? Die Juden sind Die besten fiseiHirst-iDlSdtvutt 3 mal täglich frisch bei l(6El,Wl!lll.,P[ll!ISl[Jtf33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adäs-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A ,1a Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. I sclunflckang ton Gruiten und Gräbern LeopoldDeutschJienXI. einzige jüdische Gärtnerei beim Zentraliriedhof I. Tor, Tel. U 13-0-40 Zentralfriedhoi IV. Tor, Tel. U 17-0-08 Eigene Kultaren durch unsere nationale Bewegung des Wiedererwachens gewarnt. Sie müßten selbst daran denken, sich anderswo eine Unterkunft zu beschaffen. Ich jedoch glaube nicht, daß die Juden nach diesem Ziel streben, sie ziehen es vor, in der Mitte anderer Völker zu leben. In diesem Falle sollen jene, welche' beweisen werden, daß sie sich entsprechend den Gesetzen und mit Genehmigung der Völker, niedergelassen haben, dort bleiben, wo sie sind. Sie sollen sich assimilieren und sich die Sitten, sowie das ehrliche Benehmen der Wirtsvölker aneignen und mit denselben einen Körper und ein Land bilden. Nazistische Umtriebe in Ungarn. Die politische Sektion der Oberstadthauptmannschaft ist einer illegalen politischen Organisation auf die Spur gekommen, die, wie das offiziöse Korrespondenzbüro mitteilt, nicht über das Anfangsstadium hinaus gediehen ist. „Pester Lloyd" ergänzt diese Mitteilung durch die Meldung, daß ein gesellschaflich-politischer Verband die ungarische Oeffentlichkeit und die Behörden in Rundschreiben zur Gründung eines neuen „national-rassischen" Verlagshauses aufgefordert hat, das wahrhaft ungarisch-rassische Bücher für das rassenechte Publikum veröffentlichen soll, denn „durch eine geheimnisvolle Verschwörung der Verleger werde dem ungarischen Publikum Gift statt geistiger Nahrung vorgelegt, da aus der derzeitigen Literatur eine der ungarischen Rasse fremde Weltanschauung spreche". Ungarische Antisemiten verherrlichen Mord an Juden. Vor einigen Tagen ist der junge jüdische Advokat Dr. Desider Abonyi in Kispest, in der Nähe von Budapest, als er zu seiner Hochzeit nach Debrecen fahren wollte, von einem stellenlosen Chauffeur durch einen Revolverschuß tödlich verletzt worden. Der Mörder erklärte vor dem Untersuchungsrichter, er habe „nur die rechte Hand, mit der ihn Abonyi zugrunde gerichtet habe, verletzen wollen". Der Mord, der außerordentliches Aufsehen erregt hatte — Abonyi war auch Stadtrepräsentant von Kispest — entfesselte eine maßlose antisemitische Hetzkampagne in der rechtsradikalen Presse, die so weit ging, daß sich vor dem Hause des ermordeten Rechtsanwaltes junge Leute zusammenrotteten und den Mörder hochleben ließen. Die Stadtleitung gab ein Kommunique heraus, in welchem gesagt wird, daß in Kispest „Harmonie" herrsche und daß lediglich die Zeitungen die Vorkommnisse aufgebauscht und übersteigert hätten. Die Zigeuner Rumäniens im judenfeindlichen Lager. Die rumänischen Zigeuner haben sich der von Prof. Cuza und Octavian Goga geführten judenfeindlichen National-christlichen Partei angeschlossen. Das Organ dieser Partei, die „Tsara Noastra" (Unser Vaterland), hat eine Beilage in der Zigeunersprache herausgegeben, in der der Beitritt der rumänischen Zigeuner bekanntgegeben wird. Es ist vermutlich das erstemal in der Geschichte des Zeitungswesens, daß eine judenfeindliche Zeitung in Zigeunersprache erscheint. Da die Zahl der Zigeuner in Rumänien außerordentlich groß ist, ist zu erwarten, daß sie der Partei bei „Wahlaktionen" gute Dienste leisten und den bei solchen Gelegenheiten üblichen Terror gegen die Juden verstärken werden. Ein vor kurzem in Bukarest abgehaltener Zigeunerkongreß hat von der Regierung Maßnahmen gegen die jüdischen Musiker verlangt, durch deren Konkurrenz die Arbeitslosigkeit unter den Zigeunern, den Vertretern der „wahren Volksmusik", wachse.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.