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Die Wahrheit · 1937-08-06 · Heft 31 (6.8.1937) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 31 (6.8.1937)
Date
1937-08-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 31 - 6. August 1937 Seite 3 Kulturarbeit" der „Stimme ü VI Es kann nicht oft genug wiederholt werden, daß das jüdischnationale Organ „Die 'Stimme" die politische Ohnmacht der Jüdischnationalen dadurch zu bemänteln versucht, daß es . über die Sachlichkeit eines Themas hinweg sich in Schimpforgien, falschen Beschuldigungen und Denunziationen ergeht So hat die „Stimme" in ihrer Nummer vom 30. Juli 1937 versucht, in einem Artikel unter dem Titel „Die Union und ihr Deutsches Volksblatt" in Fortsetzung ihrer chronischen „Haltet den Dieb"-Politik — der „Union" eins aufs Zeug zu flicken. Die „Wahrheit" hat wahrheitsgetreu darüber berichtet, daß sich die Vertreter der Gruppe „Binjan Haarez" dagegen gewehrt haben, daß die jüdischen Jugendverbände verpflichtet werden, dafür zu sorgen, daß ihren Mitgliedern Kenntnisse im jüdischen Schrifttum, in jüdischer Geschichte, in der Bibel und der Liturgie vermittelt »werden. Privat - Pension 5ifcf>er MSdllng, Scheffergasse 2 An der Goldenen Stiege Streng Erstklassige Küche Mäßige Preise. Herrliche Lage. Bad im Hause Ganzjährig geöffnet. In dieser Verpflichtung sieht der „Binjan Haarez" die Ausübung eines Gewissenszwanges auf die jüdische Jugend. Das Organ des „Binjan Haarez", „Der Jude", hat vor aller Oeffentlichkeit diesen Standpunkt vertreten. Es seien hier nur einige Stellen aus dem Artikel dieser Zeitung zitiert, der sich mit der jüdischen Jugendbewegung befaßt: „Man will auf die jüdischen J ugendbünde einen Druck ausüben, damit diese ihre Kulturarbeit auf religiöse Grundlagen umstellen. Die Kulturarbeit . dej jüdischen lugend ist vom Geiste der Renaissan.ce des Judentums erfüllt . . . . Die jüdische Jugend wird jeden Versuch, ihr den Weg ihrer Kulturarbeit vorzuschreiben, ablehnen, sie ist nur so weit mit dem Judentum verbunden, als dieses eine weltlich-nationale Kultur- und Schicksalsgemeinschaft ist." Es sei auch an dieser Stelle noch einmal wiederholt, daß der Vertreter des „Binjan Haarez" im Kultusvorstand wörtlich erklärte: „£ s i s t u n s i 111 i c h, die Jugend zu religiösen Handlungen zu zwingen." Diese mündlichen und schriftlichen Erklärungen sind so eindeutig, daß eine Interpretation nach keiner Richtung hin notwendig ist. Die „Stimme" kann es nicht bestreiten, daß die oben zitierten Zeilen in. dem Organ des „Binjan Haarez", „Der Jude", wörtlich abgedruckt wurden, und die jüdischnationalen Kultusvorsteher können nicht bestreiten, daß der oben zitierte Satz vom Vertreter des „Binjan Haarez" im Kultusvorstand gesprochen wurde. Trotzdem wagt es die „Stimme", über die „Union", die sich gegen diese Art der Jugenderziehung gewendet hat, herzufallen und die Mitteilungen der „Wahrheit" als Lügenmeldungen zu bezeichnen. Ja die „Stimme" wagt es, zu behaupten, daß das „Deutsche Volksblatt" von der „Union" Mitteilungen zur Veröffentlichung erhält. Mit dieser Lügenpolitik glaubt die „Stimme", ihren Parteifreunden das notwendige Agitationsmaterial liefern zu können, durch diese Lügenmelduhgen glaubt die „Stimme", den inneren religiösen Zerfall jüdischnationaler Parteien tarnen zu können. Die „Union österreichischer Juden" wird unentwegt dafür eintreten, daß die jüdische Jugend religiös erzogen wird. Die „Union österreichischer .luden" wird dafür Sorge tragen, daß endgültig mit der nationalen politischen Verhetzung der Jugend aufgeräumt wird. Es muß mit allen Mitteln verhindert werden, daß die Jugend mit den pompösen Worten der „Säkularisierung des Judentums, weltlich-jüdische Kultur und weltlich-nationale Kultur" irregeführt wird. Auf der einen Seite deckt die „Stimme" diese unjüdische Jugenderziehung des „Binjan Haarez" IM und auf der anderen Seite will sie die Oeffentlichkeit glauben machen, daß seit der zionistischen Verwaltung in "der Kultusstube der Religionsunterricht, der Hebräisch-Unterricht, die Pflege des religiösen Brauchtums unter den Juden Wiens, ganz besonders aber in der jüdischen Jugendbewegung gefördert wurde. Wem will die „Stimme" diese Dinge erzählen, jüdischen Eltern, die wissen, daß die sogenannte religiöse' Erziehung nur unter der Perspektive des politischen Nationalismus gefördert wird, oder den Wiener Juden, die wissen, daß die trotz der Abnahme der Zahl der Kinder so vermehrten Religion»- und Hebräisch-Lehrer zum großen Teil nichts anderes tun, als für das Steuergeld aller Wiener Juden einseitige jüdischnationale Einpaukerdienste zu leisten? So lange die „Stimme" sich mit Anschauungen identifiziert, welche die Kenntnis jüdischer Literatur und Liturgie und die Pflege religiöser Gebräuche als einen Gewissenszwang bezeichnen, so lange dürfen sich die Jüdischnationalen nicht als Hüter religiöser Institutionen aufspielen. Die „Stimme" beruft sich — wie sie es in letzter Zeit wiederholt zu tun pflegt — auf antisemitische Blätter, so in diesem Falle auf Mitteilungen im „Deutschen Volksblatt", um gegen die ihnen so verhaßte Union-Politik zu wettern. Die Jüdischnationalen täten besser, wenn sie nicht in fremden Blättern schürfen, sondern in ihrer eigenen nationalen Geschichte nachblättern Iffittfcftaftlicfre ffierqtungsftelte in der „Union'' unter Leitung des Obmannes des Organisations - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" /., Schottenring 25, Mezzanin, Tel A 19-2-77. JedesMitglied der „Union" erhält in alten Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in alten gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung DoHkommen unentgeltliche Auskunft. Derficberungsberatuncj in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprüfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine ammhmfte BmaBauttaun» dmr Prämlmmätxm. Restaurant Stefanie Hugo if. Julie Herlinger, geb. Zellner II., Taborstraßa 12 Toi. R 48-4-46 Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl. Reichhaltige Menüs von S1.60 aufwärts. Exakte Bedienung. Schöner schattiger Garten. Angenehmer Aufenthalt würden. Da würden sie feststellen, daß man seine Kenntnis von der a religiösen Einstellung der Jüdischnationalen, die das Judentum als „Nation" interpretieren, nicht aus unserem Blatte zu schöpfen braucht. Sie würden dann in Herzl's Tagebüchern seine Aeußerung zum Obevrabbiner Dr. Güdemann finden, daß er auch als Autor des „Judenstaates" Freidenker bleibe. Trotz der Veröffentlichungen im „Deutschen Volksblatt", und trotz der Anrempelungen durch die „Stimme", werden wir uns das Recht nicht nehmen lassen, Kritik an jüdischen Zuständen und Vorgängen zu üben. Wenn der Zionistische Landerverband, dessen Organ die „Stimme" ist, unsere Kritik peinlich empfindet, möge er die Unzukömmlichkeiten, die wir kritisieren, abstellen. Der plumpe Versuch aber, uns durch Diffamierung mundtot zu machen, wird uns nicht einschüchtern und uns keineswegs in unserer dem Wohle des Judentums gewidmeten Arbeit erlahmen lassen. Für und gegen den Teilungsplan. Ormsby-Gore vor der Mandatskommission. Kolonienminister William Ormsby-Gore, der die britische Delegation bei der Tagung der Ständigen Mandatskommission in Genf iührt, hat am 30. Juli nachmittags in einer nichtöffentlichen Sitzung der Kommission den Standpunkt der britischen Regierung zu dem PaJästinaproblefn dargelegt. Ormsby-Gore erklärte, daß keine bisherige Tagung der Mandatskommission von so großer Bedeutung war, wie die gegenwärtige. Er hielt der Kommission eindringlich ihre ernstliche Verantwortlichkeit vor. Auch eine nicht endgültige Zustimmung oder Ablehnung seitens der Mandatskommission, betreffend die Vorschläge der englischen Regierung, könne schon sehr weitreichende Folgen haben. Billige die Kommission die Vorschläge, so müssen Verhandlungen mit den Juden und den Arabern geführt werden, ob sie bereit sind, bei der Ausarbeitung des endgültigen Planes mitzuwirken. Aber es müssen da auch Staatsverträge und die entsprechenden finanziellen und militärischen Abkommen ausgearbeitet werdea sowie ein abgeändertes Mandat für diejenigen Teile Palästinas, in denen England weiterhin Mandatsmacht bleiben wolle. „Das ist also ein ungeheuer ausgedehntes Ptosramm, das wir zusammen zu bearbeiten haben." Die englische Regierung suche nach einem befriedigenden Ausweg aus einer Sackgasse. Die Bestrebungen der Juden und Araber seien einander ganz entgegengesetzt. Die Krise müßte gelöst werden, wenn in diesem Teile Asiens Friedea Fortschritt und geregelte Regierungsverhältnisse bestehen sollten. Nach Auffassung der englischen Regierung stelle ein Plan, wie er im Bericht der Königlichen Kommission dargelegt sei, die beste und aussichtsreichste Lösung der K r i s e d a r. Ormsby-Gore betonte weiter, daß die englische Regierung sich dei^internationalen Bedeutung Palästinas stets bewußt gewesen sei. Schon vor dem Entstehen des Mandatsgedankens sei während des Weltkrieges unter den alliierten Hauptmächten in dem sogenannten Sykes-Picot-Abkommen Einverständnis erzielt worden, daß Palästina ein internationales Gebiet werden solle. Jetzt sei der Augenblick gekommen, um die politischen Geschicke dieses Landes in der Zukunft ins Auge zu fassen. Die Aufgabe sei festzustellen, wie Palästina in Uebereinstimmung mit dem Geist des Völkerbundpaktes, mit der Baifour-Deklaration sowie mit dem guten Willen aller Teile der palästinensischen Bevölkerung und mit den internationalen Interessen im Heiligen Land am besten regiert werden könnte. Ormsby-Gore sprach noch über die eventuelle Notwendigkeit der Einsetzung einer Grenzziehungskommission. Die Bestimmung der Aufgabe dieser Kommission und die Art ihrer Zusammensetzung können so wichtig sein, daß sie ebenfalls längerer Vorbereitungen bedarf. Deshalb möchte er auch diesen Punkt schon jetzt mit der Mandatskommission besprechen, weil eventuelle Maßnahmen dafür rechtzeitig getroffen werden müßten. Der englische Kolonienminister legte schließlich Wert auf die Feststellung, daß die englische Regierung nicht gebunden sei und sich aui die Einzelheiten des in dem Bericht der Königlichen Kommission entwickelten Planes nicht festgelegt habe. Es waren sämtliche Mitglieder der Kommission, mit Ausnahme des Italieners Marquis de Teodoli, anwesend. Mufti-Delegation in Genf verlangt voll« ständige Abschaffung des Mandats und Unabhängigkeit für Palästina. Kolonienminister Ormsby-Gore hat in Genf die von der Mufti-Partei entsandte Abordnung empfangen. Die Abordnung hat der Mandatskommission eine Denkschrift überreicht, in der die Vorschläge des Peel- Berichtes eingehend kritisiert werdea Es sei eine merkwürdige Rechtsauffassung, wenn man den Juden Eigentumsanspruch an einem Lande zugestehe, weil es ihre Vorfahren vor 2000 Jahren bewohnt hättea Die Königliche Kommission könne sich nicht das Recht anmaßen, den Juden den bedeutendsten und fruchtbarsten Teil Palästinas an der Küste und im Norden des Landes zuzuteilen und 300.000 Araber unter jüdische Herrschaft zu bringea Wenn man im Heiligen Lande wirklich Gerechtigkeit und Frieden walten lassen wolle, so könne man nichts anderes tun, als Artikel 22 der Völkerbundssatzung loyal auszuführea wo es heiße, gewisse Gemeinwesen, die ehemals zur Türkei gehörten, hätten eine solche Entwicklungsstufe erreicht, daß sie vorläufig anerkannt werden können unter der Bedingung, sich von den Ratschlägen eines Mandatars in der Verwaltung solange leiten zu lassen, bis sie imstande seien, sich selbst zu regierea Die Araber hielten diesen Zeitpunkt für gekommen und seien bereit, die Belange des Empire jn ihrem Lande ebenso zu gewährleisten wie die Lebensrechte der jüdischen Minderheit. Eine teilungsfreundliche arabische Delegation. Eine Gegenwirkung gegen die Aktion der Mufti- Abordnung wird jedoch von der ebenfalls in Geni weilenden Abordnung der Nashashibi-Partei ausgeübt. Diese konzentrierte ihre Bemühungen im Lauie des Donnerstag daraui, die ständige syrische Delegation in Genf iür die Unterstützung des Teilungsplanes zu gewinnen

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