Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 31 (6.8.1937)
- Date
- 1937-08-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 31 — 6. August 1937 DIE WAHRHEIT SeclUx^uer KJklcUvvfr d&nxzrr^}]CAdbvn/ t^.KX^rkn. taa. , W&U*Uyv (JX^ÄA^ nwt ße-ö S-B^tSeX^ k(fc^enfe€A% u^i eq,.3 Wechsel eintreten, wenn die Juden diese Gelegenheit ausschlügen. Die Gegner der Teilimgsabsicht. Die Debatte war beherrscht von den Ausführungen der Gegner Weizmanns. vor allem durch die Rede des Präsidenten des jüdischen Nationalfonds, U s s i s c h k i n, der die Vorschläge Weizmanns ablehnte und sich gegen dessen rationalistische Einstellung' wandte. Ussischkin verlangte, daß man die moralischen Kräfte der jüdischen Welt mobilisiere und einsetze. Der Zionismus könne auf keinen Teil des Mandatsgebietes verzichten, ein solcher Verzicht wäre unehrlich, da das jüdische Palästina ihn niemals annehmen und daher die Gefahr einer Irredenta ständig bestehen bleiben würde. Der Redner erklärte, er lehne die von Weizmann geforderte Ermächtigung zu Verhandlungen mit England glatt ab. Seine Ausführungen wurden von den konservativen und orthodoxen Teilnehmern mit stürmischem Beifall begleitet. Trotz der Stärke der Opposition scheinen aber die Anhänger eines Kompromisses mit England auf dem Kongreß die Mehrheit zu erlangen. Das Teilungsproblem auf den Züricher Vorkonferenzen. Misrachi entschieden gegen die Teilung. — Auffassung bei den Arbeitergruppen nicht einheitlich. — Ussischkin und Wise bereit, es auf eine Spaltung ankommen zu lassen. Bei den Vorbesprechungen der verschiedenen Gruppen in Zürich steht das Teilungsproblem, alles andere überschattend, im Vordergrund. Während der Misrachi mit Entschiedenheit und geschlossen gegen die Teilung auftritt, ist die Stimmung im Arbeiterlager durchaus uneinheitlich. Nach viertägigen Beratungen gewinnt auf der Arbeiterkonferenz die Meinung an Boden, daß die Teilung sich nicht vermeiden lassen dürfte und man versuchen sollte, aus dieser Lösung das Beste herauszuschlagen. Auch die Arbeiterdelegation aus Amerika, die ursprünglich entschieden gegen die Teilung eingestellt war, hat sich dem Einfluß der Anhänger einer anderen Anschauung nicht ganz entziehen können. Es macht sich auch stark der Einfluß der polnischen Delegierten geltend, die die Fortsetzung einer starken jüdischen Auswanderung aus Polen als unerläßlich bezeichnen. Unbedingt kompromißlos wird die Teilung von Dr. Stephen Wise und M. M. Ussischkin abgelehnt. Diese sind bereit, es wegen dieser Frage sogar zu einer Spaltung in der Zionistischen Organisation kommen zu lassen. Im übrigen verbreitet sich in allen Kreisen der Kon- BADtiAfTEM IHOTEL ELISABETHHOF Zeitgemäße Preise. Kein Mahlzeitenzwang C a f 6 H SEMMERIN <T"j— greßteilnehmer immer mehr die Ueberzeugung, daß die Entscheidung über die politischen Hauptfragen bis zum September zurückgestellt werden wird, da man es für notwendig hält, die Entscheidung der Mandatskommission abzuwarten, die erst unmittelbar vor der Septembertagung des Völkerbundsrates veröffentlicht .werden wird. Die Parteien des Zionistischen Kongresses. Die Parteien der Wiener isr, Kultusgemeinde. (Eine vergleichende Studie.) In den jüdischnationalen Blättern wurden die Ergebnisse der Delegiertenwahlen für den 2. Zionisten-Kongreß veröffentlicht. Die Gesamtheit aller Zionisten der Welt wird auf dem Kongreß von 432 Delegierten vertreten, sein. Von diesen Delegierten gehören dem Arbeiterflügelallein201 Delegierte an, zu welchen als demokratische Gruppe die 110 Mandate der Allgemeinen Zionisten Gruppe A (Weltvereinigung) zu rechnen sind, so daß von den 432 Delegierten bei weitem die absolute Majorität von 311 Delegierten der Arbeiter-Partei angehört. Die orthodoxen Zionisten haben 70 Vertreter zum Zionisten- Kongreß entsendet. Nach diesen verhältnismäßig großen Parteien rangieren als kleine Splitterparteien, denen eigentlich gar keine Bedeutung beigemessen werden kann, die Allgemeinen Zionisten Gruppe B und die Judenstaatspartei. Die Allgemeinen Zionisten Gruppe B haben 33 Delegierte, die Judenstaatspartei 8 Delegierte zum Weltkongreß entsendet. Diese Splitterparteien, die in ihrer Gesamtheit 41 Mandate besitzen, haben im Ganzen 9,4% der Mandatsanzahl für sich erreicht. Die Verteilung der Mandate auf dem Zionisten-Kongreß ist für die Juden Wiens ganz besonders interessant In der Kultusstube führen die Vertreter der beiden Splitterparteien, und zwar die Allgemeinen Zionisten Gruppe B (Weltverband) und die Judenstaatspartei mehr als das große Wort. Die durch den Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Desider Friedmann repräsentierten Allgemeinen Zionisten Gruppe B und die durch den Vizepräsidenten Oberbaurat Stricker repräsentierte Judenstaatspartei tun so,'' als ob sie innerhalb der zionistischen Parteien von ausschlaggebender Bedeutung wären. Sie schwimmen in Wien überall obenauf und;' wollen glauben machen, daß sie wirklich innerhalb der zionistischen Bewegung auch nurein Wort zu reden haben. Die Wahlen zum Zionisten-Kongreß sprechen so deutlich, daß es keiner Erklärung mehr bedarf. Es wird aber notwendig sein, daß die Wiener jüdische Bevölkerung, die sich nicht zum jüdischen Nationalismus bekennt, einmal einsieht, daß sie eine Pflicht gegenüber sich selbst zu erfüllen hat, eine Pflicht, die dahin geht, diese Vertreter von Splitterparteien in die ihnen auf Grund ihrer verschwindenden Minorität in der zionistischen Weltbewegung gebührenden Schranken zurückzuweisen. Die zum Zionisten-Kongreß entsendeten Vertreter dieser beiden Splitterparteien, die Herren Grünbaum, Stricker und Konsorten, die sonst in der Kultusstube eine so laute Stimme haben, werden ihre Stimme sehr dämpfen müssen, wenn sie überhaupt werden gehört werden wollen. Gemeinsamer Schritt der Neo- Zionisten und der Agudas. Der Präsident der Neu-Zionistischen Organisation, Vladimir Jabotinsky, und der Präsident der Weltorganisation Agudas Jisroel, Jakob Rosenheim, haben gemeinsam an den Präsidenten der Jewish Agency, Professor Chaim Weizmann, efn Schreiben gerichtet, in welchem der Vorschlag gemacht wird, im Hinblick auf die Besorgnisse, die die Vorschläge der Kgl. Kommission in der gesamten jüd'schen Oeffentlichkeit hervorgerufen haben, eine Körperschaft einzusetzen, die die gesamte propalästinensisch eingestellte Judenheit umfaßt und die Stellungnahme des jüdischen Volkes zu der Zukunft Palästinas endgültig festlegen soll. Als erslter Schritt zu diesem Ziele solle unverzüglich eine Round Table-Konferenz von Vertretern der Jewish Agency, der Neu- Zionistischen Organisation und der Agudas Jisroel einberufen werden. Das Schreiben an Dr. Weiznian hat folgenden Wortlaut: Da in der ganzen jüdischen Welt . die Befürchtung zunimmt, daß die Vorschläge der Kgl. Kommission Sinn und Seele der jüdischen Heimstätte-Bewegung zu vernichten drohen, wird es mehr denn je gebieterisch notwendig, daß über die Stellung des jüdischen Volkes zur Zukunft Palästinas von einem Organ endgültig entschieden wfrd, das die gesamte propalästinensische Judenheit der Welt repräsentiert. Wir sind uns des großen Dienstes bewußt, den die Zionistische Organisation der Sache eimes jüdischen Palästinas geleistet hat, aber wir sind überzeugt, daß alle rechtlich denkenden Menschen, Juden und Nichtjuden, darin übereinstimmen werden, daß weder die Zionistische Organisation, noch die Jewish Agency, wie sie gegenwärtig konstituiert ist, behaupten können, die gesamte propa1ästfinensische Judenheit in vollem Umfang zu repräsentieren. Schon das Bestehen der beiden Organisationen, in deren Namen dieser Brief geschrieben wird, ist — v on anderen an dem Aufbau Palästinas interessierten Vereinigungen vorläufig nichit zu reden. — ein unwiderleglicher Beweis, daß es außerhalb der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency erhebliche Massen gibt, die sich um die jüdische Heimstätte aktiv und direkt bekümmern. Offensichtlich,besteht eine noch größere Zahl n i c h t o r ga n is i e r t er J ud e n, für die das Schicksal Palästinas, besonders in dem gegenwärtigen Augenblick, etwas bedeutet, was nicht nur ihre geistigen Ideale, sondern auch die Aussichten ihres künftigen Wohlergehens, wenn nicht ihrer weiteren Existenz, berührt. In vollem Bewußtsein der wesentlichen Unterschiede zwischen den Anschauungen der untereeichneten Organisationen halten wir es dennoch für unsere gemeinsame Pflicht, der Zionistischen Organisation, der Jewish Agency und der jüdischen und nichtjüdischen Welt im allgemeinen unsere Forderung vorzulegen, daß die jüdische Stellungnahme zu der Zukunft Palästinas der Entscheidung einer besonderen Versammlung unterworfen werde, die die gesamte propaiästinensischejudenheit der We/lt ohneRücksicht auf Gruppenzugehörigkeit repräsentiert. (Jedenfalls aine erwägenswerte Anregung. Anm. d. Red.) Als ersten Schritt in dieser Richtung schlagen wir vor, daß unverzüglich eine Round Table-Konferenz unserer drei Organisaltionen, geleitet durch einen neutralen Vorsl'itzenden, einberufen werde, damit wir gemeinsam über die Mittel und Wege entscheiden, um deu in dem vorangehenden Absatz dargelegten Gedanken zu verwirklichen. Mandatskommission im Prinzip für Teilung? — Detaillierter Plan von London verlangt. Zuverlässigen Berichten zufolge, die in den maßgebenden Kongreßkreisen aus Genf eingetroffen sind, wird die Mandatskommission den Teilungsgrundsatz als beste Lösung der gegenwärtigen Lage in Palästina annehmen, jedoch vorschlagen, daß die Britische Regierung einen detaillierten Plan vorlege. Dieser neue Plan würde abermals der Mandatskommission zu unterbreiten sein, die dann ihrerseits dem Völkerbundsrat Vorschläge machen würde. Plifglieder und freunde der „Union ösferreidiisdier Joden". (Dezlrhsorganisationen innere Stadl, Leopoldsfaüf und Landstraße) treffen sich während der Sommermonate bei jedem Wetter, jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater, Ausstellungsstraße (vis~ä~vis dem Lustspieltheater), woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache und geselliger Unterhaltung gegeben ist.