Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 30 (30.7.1937)
- Date
- 1937-07-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 30 — 30. Juli 1937 SeiteJ :ganzen Reihe Hotels. Kaffeehäuser und Ausflugsorte gewarnt werden und ihnen eine Liste verschiedener Firmen, Protessionisten und Aerzte arischer Abstammung besonders empfohlen ward. Bisher sind die Behörden gegen diese Boykottpropaganda nicht eingeschritten. Nazistische Propaganda in Amerika. In einer Rundfunkrede beschuldigte das Mitglied des amerikanischen Kongresses, John McOrmac Deutschland, daß es die Vereinigten Staaten mit nationalsozialistischem Propagandamaterial überschwemme. In jeder bedeutenden Stadt Amerikas, insbesondere im Norden und Westen, betreibe die deutsche Jugend regelrechte militärische Uebungen unter der Anleitung nationalsozialistischer Instruktoren; man präge der Jugend Theorien ein, die sich gegen die amerikanische Regierung und Tradition richten. McOrmac beschuldigte Hitler, daß er sich seiner diplomatischen Vertreter in Amerika bediene, um „giftige Propaganda zu verbreiten, wobei den Deutsoh-Amerikanern gedroht wird, man werde mit ihren Verwandten in Deutschland abrechnen, falls sie den Befehlen nicht Folge leisten würden". Nationalsozialistische Propaganda in Südafrika. „Morning Post" berichtet aus Johannesburg, daß eine Hochflut von nationalsozialistischem Propagandamaterial nach Südafrika verschickt worden sei. Zehntausende von Broschüren, die in afrikanischen Sprachen geschrieben sind, wurden in Hamburg aufgegeben. Sie wurden dadurch, entdeckt, daß sie vielfach an afrikanische Juden' mit arisch klingenden Namen versendet -wurden, die sie den Behörden übergaben. Nazi in Memel. Vor dem Kreisgerioht in Memel standen vor kurzem einige Deutsche litauischer Staatsbürgerschaft, die wegen staatsfeindlicher Tätigkeit angeklagt, waren. Dias Gericht bestellte zum Verteidiger von Amts wegen einen jüdischen Rechtsanwalt. Daraufhin erklärten sämtliche Angeklagte, daß sie sich von einem Juden nicht vertreten lassen. Das Gericht war gezwungen, einen anderen Anwalt zu bestimmen. Antisemitische Exzesse in einer rumänischen Stadt. Nach einer Meldung des „Czernowitzer Morgenblatt" ist es in P a n c i u während der dort stattgefundenen Gemeinde- und Bezirksratswahlen zu schweren antisemitischen Ausschreitungen gekommen. Eine Gruppe von mehreren Hundert Cuzisten zog durch die Straßen der Stadt, wobei jüdische Passanten angehalten und mißhandelt wurden. Die Huligans drangen auch injüdischeGeschäfte ein und demolierten die Einrichtungen. Dreißig jüdische Läden und Privatwohnungen wurden vollkommen zerstört. Die jüdische Bevölkerung von Panciu richtete an den Ministerpräsidenten ein Protesttelegramm, in welchem auf die Ereignisse hingewiesen wird. Der Ministerpräsdent hat den Auftrag erteilt, die Untersuchung unverzüglich einzuleiten und gegen die Schuldigen mit der ganzen Strenge des Gesetzes vorzugehen. ,,Stürmer"-'Propaganda in Aussig In der Nacht zum 22. Juli sind im Stadtgebiet von Aussig Exemplare des Nürnberger Streicher- Organs „Der Stürmer" verteilt worden. Die Zeitungen und auch Flugblätter wurden unter die Haustüren geschoben. Die Nachforschungen der Polizei nach den Verteilern des in der Tschechoslowakei verbotenen Hetzblattes blieben erfolglos. Oxforder Kirchenkonferenz gegen Rassismus und Antisemitsmus. Die Oxiorder Konferenz belaßte sich mit der Frage des sogenannten nationalen Zusammenschlusses und hob hervor, daß die Nationalität ein Geschenk Gottes ist, anderseits aber betonte die Konferenz, daß die Nationalität nicht zum höchsten Wert werden und die Nation nicht vergottet werden dürfe. Es wurden die nationale Eigensucht, die rassische Ausschießlichkeit und der Haß verurteilt. Hierbei wurde ausdrücklich der Antisemitismus erwähnt. Es sei Sache der Kirchen, durch die Verkündung des Evangeliums dem nationalen Leben Inhalt zu geben und dabei Wächter des Oekumenismus, bzw. der übernationalen Gemeinschaft zu sein. Die deutschen Kolonisten in Palästina wollen nach Libanon übersiedeln. . Die englischen Zeitungen melden, daß die in Palästina ansäßigen Deutschen am Libanon größere Ländereien angekauft haben, in denen sie sich im Falle einer Teilung ansiedeln wollen, um nicht ein Teil des jüdischen Staates zu werden. Todesurteil gegen jüdischen Journalisten in Franco-Spanien verschoben. Die polnische Regierung wurde aus ßurgos verständigt, daß der aus Polen stammende junge jüdische Journalist Bruno Sandberg von den Truppen des Generals Franco gefangen genommen und zum Tode verurteilt wurde. Die Regierung erwirkte durch eine Intervention bei General Franco eine Aufschiebung der Hinrichtung. Jüdische Gemeinde-Autonomie in der Tschechoslowakei. Am 1. August endet die Frist, die das Innenministerium den jüdischen Kultusgemeinden zur Ueberreichung von Vorschlägen betreffend ihre Organisation gestellt hat. Der Oberste Rat der jüdischen Kultusgeme'ndenverbände in Böhmen und Mähren-Schlesien hat einen Entwurf ausgearbeitet, durch den das allgemeine und geheime Proportionalwahlrecht in den jüdischen Gemeinden eingeführt wird. Höchstes Vollzugs- und Kontrollorgan soll der Oberste Rat der jüdischen Gemeindenverbände mit einem Rabbinerkollegium und einem Rabbinatsgericht in religiösen Fragen sein. Die Verhandlungssprache des Obersten Rates soll nach dem Entwurf tschechisch sein. - Dr. J. H. Vos, 50 Jahre. Der auch im jüdischen Leben eine bedeutende Rolle spielende holländische Politiker Abg. Dr. J. H. Vos feierte am 21. Juli seinen 50. Geburtstag. Dr. Vos gehört außer dem Parlament auch dem Stadtrat von Amsterdam an. Mehrere Jahre lang war er Stadtältester. Schmacknag won Gruiten and Gräbern LeopoldDeutschJienXL einzige jüdische Gärtnerei beim Zentralfriedhoi 1. Tor. Tel. ü 13-0-40 Zentralfriedhof IV. Tor, Tel- U 17-0-08 Eigene Kulturen Österreich und Palästina. Auf der vierten ordentlichen Generalversammlung der österreichisch - palästinensischen Handelskammer, die vor kurzem in Tel Awiw unter dem Vorsitz des österreichischen Generalkonsuls Dr. J o r d a stattgefunden hat, gab der Präsident der Kammer, Dir. D. Z. Pinkas, eine Uebersicht über die Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Oesterreich und Palästina. Ans den Statistiken geht hervor, daß der Import aus Oesterreich stark zurückgegangen ist, während der Export aus Palästina nach Oesterreich gestiegen ist. Die Kammer ist bemüht, dem Rückgang des Imports aus Oesterreich, der nicht zuletzt durch d>ie verstärkte Konkurrenz Deutschlands (!). auf dem palästinensischen Markt verursacht wurde, durch die Propagierung österreichischer Waren und durch den Hinweis auf Waren, welche in Palästina benötigt werden, entgegenzuarbeiten. Der österreichische Generalkonsul in Palästina, Dr. J o r d a, der gegenwärtig in Wien weilt, äußerte sich in einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter über das Leben der Oesterreicher in Palästina. Die österreichische Kolonie in Palästina ist in den letzten Jahren stark angewachsen: die österreichischen Einwanderer, die sich vorwiegend in künstlerischen Berufen, in der Modeindustrie und Landwirtschaft betätigen, genießen einen ausgezeichneten Ruf. Sie sind in der „H i t a c h d u t O 1 e j A u s t r i a" in Jerusalem, Haifa und Tel Awiw zusammengefaßt und nehmen aktiven Anteil an den Arbeiten der in Palästina gegründeten Vaterländischen Front. . U beweisen Sie Dollfufi-Gedenkfeiern . der Kultusgemeinde Im Tempel in der Seitenstettengasse fand am Freitag, den 23. d. M., abends, ein Trauergottesdienst für Dr. Dollfuß statt. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz. Anwesend waren in Vertretung des Bundeskanzlers Ministerialrat Ing. Dr. Erich Huber, in Vertretung des Unterrichtsministers Ministerialrat Dr. Eberstaller, für die Polizeidirektion Polizeirat Dr. Wessely, für den Wiener Magistrat Obermagistratsrat Dr. Libano, eine Delegation des Verbandes der türkischen Israeliten in Wien, der Kultusvorstand unter Führung des Vizepräsidenten Oberbaurates Stricker, eine besonders starke Vertretung der „Union österreichischer Juden" mit dem Präsidenten Dr. Oppenheim an der Spitze, der Bethausvorstand, Abordnungen der jüdischen Organisationen des Bundes jüdischer Frontsoldaten, der legitimistischen jüdischen Frontkämpfer im Eisernen Ring, die Beamtenschaft der Kultusgemeinde und viele andere. . . . des „Bundes jüdischer Front" Soldaten Oesterreichs" Samstag, den 34. Juli d. J., fand in dem vom Präsidium der türkisch.israelitischen Gemeinde zur Verfügung gestellten Tempel die vom „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs veranstaltete Gedenkieier für weiland Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß statt. Unter den zahlreich erschienenen Ehrengästen sind insbesondere hervorzuheben: In Vertretung des Herrn Bundeskanzlers dessen Personaladjutant Oberstleutnant Bartl, für Staatssekretär für das Sicherheitswesen Dr. Michael Skubl, Polizeirat Dr. Priester. In Vertretung des Stadtkommandos Wien Major Johann Ruzicka mit einem Oiitzier des Ini.- Reg. 15. Weiters Militärprovikar Reg.-Rat Allmer. Stadthauptmannstellvertreter Oberpolizeirat Richter, der Kommandant der Sicherheitswache II, Polizeioberstleutnaiu Nossberger. Für das Generalkommando der rrontmiliz Hauptmann Lüftner, für die 2. Milizbrigade Jüdische Männer und Frauen! Gedenket bei Antritt Eurer Sommer-Erholung der armen Jüdischen Kinder und spendet reichlich für die Ferienaktion der Kultusgemeinde „KINDER AUFS LAND * Spenden erbeten an: Fürsorgezentrale der Kultusgemeinde Wien /., Seitenstettengasse 2 Postsparkassen Konto: B 29-659.