Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 30 (30.7.1937)
- Date
- 1937-07-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 30 — 30. Juli 1937 DIE WAHRHEIT Kalender-, Sidra-, Perek-, Omer- und Haftorah-Tafel Oebctvcunden Aw 5697 Jnli/Ang. 1937 früh ab äs. 7.00 Aw 22. 7.30 / Ekew (5. B. MO \ I Haftora 1 «•«> » Äe*ijaUn 1 Hacbaudesck 1 l 5. Perek J 7.00 „ 24. bis 28. (Uumkipurkotaun)7.00 abds. Freitag, 30. Jnli 7.30 Samstag, 31. Juli 820 Sonntag, 1. bis Donnerstag, 5. Aug. 7.00 Leopoldsfädter Tcmpelfcrcin Aescbel Awrohom II., Pazmanitengosse 6, Tel. ü 41-8 63 Anmesduitgen t. Auf geboten, Trauungen (endinnl. freiem olninieDD. Darmlzwaus Osbetstnnden Aw 5697 Aw 22. Ekew (5.B.M.) Haftora Walamner zijaun 5. Perek i 28. (Janm kipur kotaun) Major Bosken, für das Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde das Mitglied des Kultusvorstandes Ins. Eugen Buchbinder, Primarius Univ.-Prof. Dr. Herbert Elias. An der Gedenkfeier nahm auch eine starke Abordnung der „Union österreichischer jiuden" teil. Nach einem Trauerpsalm begab sich Gejneinderabbiner Dr. B. Murmelst ein zur Kanzel, um seine Gedächtnisrede izu halten, in .welcher er in trefflicher Weise eine Parallele zwischen dem Propheten Zacharias, der als Erneuerer des heiligen Landes gilt, und dem verewigten Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß zog. Es /folgte nun ein deutscher Choral, -worauf Baindestfüh.fer Hptm. von fniedmann Ge- Öenkworte für den großen Kanzler und Frontkameraden sprach: „Wir verehren in dem Verewigten nicht nur den Erneuerer Oesterreichs, nicht nur den Begründer einer neuen Epoche unseres Vaterlandes, sondern auch den Frontsoldaten, der aus dem Erlebn.s in der Kampffront Kraft für sein großes Wenk schöpfte. Wir grüßen ihn und neigen unser Haupt vor dem großen Menschen, großen Oesterreicher,, großen Staatsmann und Frontkameraden!" Nach diesen Worten entzündete der Bundesführer Hptm. von Friedmann unter den Klängen des alten Liedes „Ich hatt' einen Kameraden" das Seelenl.cht für den toten Bundeskanzler. Nach der Rezitierung-des Gebetes für das Seelenheil des Märtyrerkanzlers sprach Rabbiner Dr. Murmelstein das Totengebet. Mit der österreichischen Bundeshymne und dem Lied der Jugend schloß diese erhebende Feier.; . . des Tempelvereines, Wien ffl., Untere Viaduktstraße 13 Nach Verrichtung des Abendgebetes betrat der Vizepräsident des Tempels, Herr Ins. Hugo Koditschek, die Kanzel vor der Bundeslade und hielt folgende Ansprache: „Anläßlich des morgigen dritten Todestages des verewigten Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß habe ich in Vertretung unseres derzeit auf Urlaub befindlichen Rabbiners Dr. Kupfer die Aufgabe übernommen, einüge Worte des Gedenkens izu sprechen. Dr. Engelbert Dollfuß ■war ein österreichischer Bauernsohn und mit der österreichischen Heimat tief verbunden. Ihm lag schon frühzeitig der Gedanke am Herzen, Oesterreich wieder nach dem verlorenen Kriege Geltung .in der Welt zu schaffen und hatte er als österreichischer Bundeskanzler die Verteidigung der österreichischen Unabhängigkeit auf das mutigste durchgeführt. Er schuf die Vaterländische Front als einziges Instrument der politischen Willensbildung und begründete wieder den österreichischen Patriotismus. In de'r Staatsverfassung vom 1. Mai 1934, die mit den Worten beginnt: „Im Namen Gottes, des Allmächtigen, von dem alles Recht ausgeht", wurde der Satz verankert, daß die bürgerlichen Rechte von der Konfession des Staatsbürgers vollkommen unabhängig sind; wir Juden haben daher allen Grund, das Andenken des Verewigten hochzuhalten und zu ehren, da die Gleichberechtigung aller Staatsbürger in den Staatsgrundgesetzen von Dr. Dollfuß, ebenso wie früher, nunmehr auch jetzt, neuerlich festgelegt wurde. Er war ein sehr religiöser Mann, mutig und Gott ergeben. Sein Märtyrertod am 25. Juli 1934 bleibt allen Oesterreichern in wehmütiger Erinnerung und sein 'Lebenswerk, diie .Schaffung der Urtabhängiigikei t Oesterreichs. bildet die Grundlage unseres Staates und wird von seinem Nachfolger, unserem verehrten Herrn Bundeskanzler Dr. von Schuschnigg, als sein Vermächtnis, treu fortgesetzt. Wir wollen nunmehr das Andenken Dr. Engelbert Dollfuß, ins Gebet einschließen und in altehrwürdiger Weise für das Seelenheit des Verewigten beten: El mole rachatum und den jüdischen Gedanken für alle Zeiten vernichtet zu haben, so dachten die Gegner Dollfuß', durch seinen Tod sein Werk zu zerstören. Dieser Held, der die Liebe des Oesterreichers zu seinem Vaterlande wieder wach gerufen hat, war das Opfer seiner Idee; die Idee wird aber heute von dem Nachfolger Herrn Bundeskanzler Dr. Schuschnigg weiter und zum Erfolge geführt. Die der Feier würdige weihevolle Stimmung wurde durch den Vortrag des vorgeschriebenen Gebetes für das Seelenheil der Verstorbenen, gesungen von Herrn Oberkantor A. Braun aus Wjen, besonders gehoben und von den Anwesenden. andächtig stehend angehört. Dr. J. I. Altsoldatentag. Die österreichische Soldatenfront veranstaltet Sonntag, den 15. August 1937, ein großes Altsoldä- "tenwiedersehensfest in Bad Ischl. Der Reichsführer Bundeskanzler Dr. von Schuschnigg hat sein Erscheinen bei diesem Altsoldatenfest zugesagt. Aus diesem Anlasse wird von Wien aus ein eigener Sönderzug geführt werden. Der Fahrpreis beträgt bei der Sönderzugsbenützung für Hin- und Rückfahrt zusammen S 1320, Abfahrt ab Wien am 14. August um 23 Uhr. Die Benützung des Sonderzuges steht jedermann frei. Nur müssen sich die Fahrtteilnehmer mindestens drei Tage vorher bei der Oesterreichischen Soldatenfront in Wien VI., Mariahilferstraße lc, als Sonderzugsreisende anmelden. Die Rückreise wird in Bad Ischl am 15. August I. J. um 23.30 Uhr angetreten, die Ankunft in Wien erfolgt am Montag, den 16. August, um 5.36 Uhr. Amtliche Vedaut&amHqen d&t J&taetitischeH. JCuitusqemeinde lüiefi Ausbildung von Krankenpflegerinnen. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien hat beschlossen, zwei jüdische, die österreichische Staatsbürgerschaft besitzende Mädchen zu diplomierten Krankenpflegerinnen ausbilden zu lassen. Die Ausbildung wird an der staatlichen Krankenpflegeschule des Allgemeinen Krankenhauses erfolgen. Der Lehrgang beträgt drei Jahre und bezweckt die planmäßige, praktische und theoretische Schulung in allen Zweigen der Krankenpflege auf wissenschaftlicher Grundlage, sowie die berufliche Erziehung. Ueber die endgültige Aufnahme entscheidet ausschließlich eine kurz vor Schulbeginn tagende staatliche Aufnahmskommission. Die Schülerinnen aller drei Jahrgänge erhalten im Schülerinneninternat der Krankenpflegeschule die unentgeltliche Verköstigung. die Beistellung der Berufskleidung und kostenlose Reinigung derselben. Die Bewerberinnen haben sich schriftlich zu verpflichten, nach Vollendung ihrer Ausbildung über Verlangen des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde Wien für die Dauer von drei Jahren in den Dienst des Spitals oder des Altersheimes der Israelitischen Kultusgemeinde zu treten. Ein Anspruch auf eine solche Anstellung wird jedoch durch Absolvierung der Krankenpflegeschule nicht erworben. spätestens 1. August 1937 in der Amtsdirektion der Israelitischen 'Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, III. Stock, abzugeben. Die Gesuche sind -zu belegen mit: a) Geburtsschein, b) Heimatschein, d) bei außerhalb Wiens wohnenden Bewerberinnen vom Amtsarzte der zuständigen Bezirkshauptfmannschaft ausgestelltem Zeugnis über die volle physische Eignung für den Krankenpflegeber.uf, e) Bestätigung über die Impfung innerhalb der letzten zwei Jahre, i) letztem Schulzeugnis. g) Zeugnissen über allfällige bisherige berufliche Tätigkeit, h) selibstverfaßter und eigenhändig geschriebener Schilderung des Lebenslaufes. Für einen armen Mann, dem beide Füße amputiert werden mußten, wird ein Selbstfahrwagen dringend gebraucht. Gefl. Mitteilungen wegen Ueberlassung eines solchen Wagens, eventuell gegen mäßige Bezahlung, an die Fürsorgezentrale der Kultusgemeinde, I.. Seitenstettengasse 2, I. Stock, erbeten. GEMEENDECHRONIK. Beerdigungen. , . . in Bad Gleichenberg Die jüdischen Kurgäste in Bad-Gleichenberg feierten im Rahmen des Freitag-Abendgebetes am 23. d. M. im Betsaale des Hotel Theresienhof in besonders weihevoller Stimmung die Wiederkehr des Todestages unseres verewigten Bundeskanzlers Doktor Dollfuß. Als Repräsentant der Vaterländischen Front war der Bezirksleiter Herr Magister Roda während der ganzen Dauer der Feier anwesend. Die Gedenkrede hielt Herr Rabbiner Professor Dr. K. Kupfer aus Wien und sprach in sinnigen Vergleichen über das bedeutungsvolle Wirken und so tragische Ableben unseres Bundeskanzlers. Er erinnerte an den Wochenabschnitt des vergangenen Samstages (Trauer-Samstag), in welchem von der Zerstörung des Heiligtums die Rede ist. Genau so wie Titus <bej der Zerstörung des Allerheiligsten mit seinem Schwerte den Vorhang zerschnitt und dann glaubte, das Juden- Todesfall. Am 24. Juli ist nach längerem Leiden der in weiten Kreisen bekannte und geschätzte Herr Jakob Schlesinger, Graveur und Stampiglienerzeuger (II., Praterstraße 16), im 69. Lebensjahre gestorben. Montag, den 26. d. M. fand das Leichenbegängnis unter zahlreicher Beteiligung am Zentralfriedhof, IV. Tor, statt. Herr Rabbiner Dr. Mehrer hielt dem Verblichehen einen riefempfundenen Nachruf. Dann sprach Herr Cafetier Rudolf Freiwirth im Namen des I. Wiener Gewerbevereines zu Herzen gehende AbschSedsworte. Herr Schlesinger war in 42jähriger Ehe seiner Frau der beste Gatte und seinen Kindern der aufopferungsvollste Vater. Seine Arbeitsamkeit und Redlichkeit erwarben ihm die uneingeschränkte Wertschätzung aller, die ihn kannten. Die kantorale Funktion versah in ergreifender Weise Herr Oberkantor Funke. Um den Verblichenen trauern seine Gattin, zwei Söhne und zwei Töchter, Schwieger- und Enkelkinder. M. S. Verein zur Unterstützung; russischer Juden verboten. In Wien sollte ein jüdischer Verein zur Unterstützung notleidender russischer Juden durch Geld und Lebensmittelspenden unter Führung orthodoxer Wiener Juden ins Leben gerufen werden. Wie der JTA-Vertreter erfährt, wurde die Gründung dieses Vereines von der Behörde untersagt Als Begründung wird angeführt, daß durch das Bestehen eines solchen Vereines ein Zuzug, notleidender russischer Juden nach Wien erfolgen könnte. Ausspeisungs-Verein für den XVI. und XVII. Bezirk. Der Verein, welcher als Verein izur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk seit 38 Jahren dafür gesorgt hat daß in diesen Bezirken kein jüdisches Kind hungert, hat seinen Namen in Ausspeisungs-Verein" geändert, weil er täglich auch etwa 80 arme Männer und Frauen ausspeist. Dadurch sieht sich die Vereitisleitung veranlaßt, die früher während der Ferien unterbrochene Ausspeisung auch über den ganzen Sommer fortzuführen. An den Pessach-Feiertagen wurden Seder-Abende veranstaltet welche an jedem Abend etwa 120 arme Juden und Jüdinnen festlich vereinigten. Der Verein ist ein Segen für die Armen der beiden Bezirke und verdient die größte Unterstützung aller Menschenfreunde. 21. Juli 1937: Regine Kupferschmied, 79 Jahre, 13. Bez., I. Tor. — Dr. Theodor Jefflnek, 69 Jahre, Straßhof, IV. Tor. — Ludwig Steiner, 72 Jahre, 18. Bez. IV. Tor. — Bernhard Schieber, 65 Jahre, 18. Bez., IV. Tor. — Rudolf Rosenzweig, 38 Jahre, 13. Bez., IV. Tor. — Dr. Alexander Herzbaum, 51 Jahre, Lodz, IV. Tor. 22. Juli: Hanni Österreicher, 84 Jahre, 9. Bez., I. Tor. — Regine Kolnik, 69 Jahre, 1. Bez., I. Tor. — Paul Fink, 43 Jahre, 9. Bez., I. Tor. — Isidor Steinschneider, 66 Jahre, 9. Bez., IV. Tor. 23. Juli: Oskar Zeiner, 64 Jahre, 13. Bez., I. Tor. — Ludwig Haller, 66 Jahre, 9. Bez., I. Tor. — Rosa Wolf, 67 Jahre, 1. Bez., I. Tor. — Hermine Kohn, 61 Jahre, 1. Bez., I. Tor. — Anna Löwy, 79 Jahre, 19. Bez., I. Tor. — Pinkas Balsam, 63 Jahre, 18. Bez., IV. Tor. — Amalie Gröschl, 41 Jahre, 16. Bez., IV. Tor. — Rosa Pollak, 84 Jahre, 16. Bez., IV. Tor. — Peter Wittels, Kind, Moskau, IV. Tor. — Anton Penicek, 69 Jahre, 1. Bez., IV. Tor. — Fanny Perlmutter, 42 Jahre, 9. Bez., IV. Tor. 25. Juli: Raimund Neugröschl, 74 Jahre, 2. Bez., 1. Tor. — Ida Nachwalder, 73 Jahre, 4. Bez., IV. Tor. — Amalie Spiegel, 69 Jahre, 17. Bez., IV. Tor. — Leo Woltär, 54 Jahre, 1. Bez., IV. Tor. — Regine Binhitz, 52 Jahre, 9. Bez., IV. Tor. — Samuel Hirsch, 52 Jahre,. 4. Bez., IV. Tor. — Antonie Silbiger, 72 Jahre, 2. Bez., IV. Tor. — Pessi Friedberg, 81 Jahre, 9. Bez., IV. Tor. 26. Juli: Josef MÜIet, 67 Jahre, 18. Bez., I. Tor. — Franz David, 69 Jahre, 18. Bez., IV. Tor. — Flora Finkelstein, 72 Jahre, 9. Bez., IV. Tor. — Jakob Schlesinger, 68 Jahre, 2. Bez., IV. Tor. — Rudolf Freud, 54 ]ahre, 2. Bez., IV. Tor. 27. Juli: Leopold. Pisk, 69 Jahre, 13. Bez., IV. Tor. — Johanna Klinger, 69 Jahre, 13. Bez., IV. Tor. — Irene Bley, 24 Jahre, 1. Bez., IV. Tor. — Ida Abeles, 66 Jahre, 5. Bez., IV. Tor. — Ella Salomon, 59 Jahre, 13. Bez., IV. Tor. — Anton Bettelheim, 50 Jahre, 2. Bez., SV. Tor. — c,-----* Braun, 64 Jahre, 4. Bez., IV. Tor. Eigentümer, Herausgeber, Verleger und verantwortlicher Schriftleiter: Oskar Hirschfeld, Wien IU. Praterstraße 29. — Druck: Ignaz Spitz & Sahne!;, Wien II. Robertgasse 2.