Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 30 (30.7.1937)
- Date
- 1937-07-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite ö Nr. 30 — 30. JuJi 1937 DIE WAHRHEIT Aus dem „Dritten Reich" — Nazi-Arbeit im Ausland Kommt der „Judenpaß" m Deutsch- Juden, die offiziell als satisf aktionsland? unfähig angesehen werden. Wie das „Prager Tagblatt" aus Berlin meldet, bereitet das Reichsinnenministerium ein Gesetz bezüglich der Erteilung von Pässen für Juden vor, welches anläßlich des in Nürnberg stattfindenden Parteitages im September verkündet und. sofort in Kraft gesetzt werden soll. Das Gesetz sieht vor, daß künftig Juden keinen Auslandspaß mehr von den Polizeibehörden ausgestellt werden darf. Für die notwendige Legitimierung bei Postanstalten, Behörden usw. soll eine sogenannte Personalkarte ausgegeben •werden, welche den Vermerk tragen wird, daß sie keinen Ersatz für einen Paß darstellt und zu Reisezwecken nicht benützt werden darf. Juden, die ins Ausland reisen wollen oder auszuwandern wünschen, werden gezwungen sein, besondere Anträge bei den zuständigen Polizeiämtern um Ausstellung des notwendigen Reisepasses einzureichen. Erst nach einer genauen Prüfung soll über solche Gesuche entschieden werden. Gebirgsferienheim in Annaberg (1100 m Der Augast-Transport geht am 3. AuguBt 193? ab! Streng-rituelle Vollpension (5 Mahlzeiten) für Kinder unter 14 Jahren S 4.— pro Tag Die sowjetrussische Vertretung von Berlin vollkommen von Juden gesäubert Maßgebende Zeitungen in Westeuropa haben bereits auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß Stalin Hitler entgegengekommen ist indem er nicht nur den Botschafter Suritz, der Jude ist, abberufen hat, sondern auch eine Reihe höherer Botschafts¬ und Konsulatsibeamte, die nach hitlerdeutscher Auffassung als Juden anzusehen sind, versetzen ließ. Im Zusammenhang mit dem Empfang des neuen sowjetrussischen Botschafters Jureniew beim deutschen Reichskanzler wird bemerkt, daß auch auf dem Posten des Pressechefs der russischen Botschaft ein Wechsel eingetreten ist Der bisherige Pressechef Gnjedin, der ein Sohn des ehemaligen bekannten deutsch-russischen Sozialisten Parvus- Helphand ist, wurde abberufen und durch Herrn Astachow ersetzt. Verjudetes Germanentum gefährlicher als Rassenjudentum. Das „Schwarze Korps", Organ der SS., veröffentlicht einen Artikel, in dem es u. a. heißt: „Wir müssen auch den jüdischen Geist ausrotten, der heute ungestörter denn je seine Blüten treiben kann, wenn seine .Träger über die schönsten Ariernachweise verfügen. Denn nicht der Rassejude an sich ist uns gefährlich gewesen, sondern der Geist, den er verbreitete. Und ist der Träger dieses Geistes nicht Jude, sondern Deutscher, so muß er uns doppelt so bekämpfenswert sein als der Rassejude". Juden offiziell satisfaktionsunfähig. In der deutschen Studentenschaft wird die Mensur wieder eingeführt. Der neue deutsche studentische Ehrenkodex, der bereits vorliegt beruht auf dem Prinzip, daß der Ehrbegriff nicht länger das Privileg einer bestimmten Kaste ist. Die Trennung der Zivilisten in Satisfaktionsfähige und Satisfaktionsunfähige ist verschwunden, außer bei den Sonderabteilung der Reichskriminalpolizei zur Behandlung von Rassedelikten. Durch einen Erlaß des Reichsinnenrninisters Frick ist bestimmt worden, daß sich eine Sonderabteilung der Rdchskrirrünalpolizei mit allen Delikten gegen die Nürnberger Rassegesetze zu beschäftigen hat. Die Kompetenz der Reichskriminalpolizei erstreckt sich auf das gesamte Reichsgebiet. Rein arische Kammermusikabende. Wie die „Pariser Tageszeitung" meidet hat die deutsche Reichsregierung dem Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom, Professor Ludwig Curtius, nahegelegt, in den Ruhestand zu treten, obwohl er erst in drei Jahren die Altersgrenze erreicht Als Begründung wird angegeben, daß er mit Juden und sonstigen „Nichtpriern" freundschaftlichen Verkehr pflege, was sich insbesondere in Form von Kanihiermusikabenden abgespielt hit. Rucktritt Kareskis genehmigt. In einer am 23. Juli staffgefundenen Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berlinerjüdischen Gemeinde wurde die Amtsniederlegung von Direktor Georg Kares ki als stellvertretender Vorsitzender der Berliner Jüdischen Gemeinde zur Kenntnis genommen und Ministerialrat i. R. Fuchs zum Mitglied des Gemeindevorstandes gewählt. Zensur für deutsch-jüdische Presse. Das Reichspropagandaministerium, Sonderreferat Hinkel, dem alle in Deutschland erscheinenden jüdischen Zeitungen, Zeitschriften und Gemeindeblätter unterstehen, hat diesen vor kurzem eine Verfügung zugestellt durch die folgendes verordnet wird: 1. Es ist verboten, aus deutschen Zeitungen, Zeitschriften un dBüc her n zu zitieren oder auf den Inhalt Bezug zu nehmen. Es ist danach nicht nur jedes Zitieren aus der g esamten deutschen Literatur ohne besondere Genehmigung verboten, sondern das Verbot erstreckt sich auch auf alle Publikationen von Gesetzen, Verordnungen, Gerichtsurteilen, die Angelegenheiten der Juden in Deutschland betreffen. 2. Es ist verboten, an Maßnahmen der polnischen Regierung Kritik zu üben. 3. Es ist verboten, zur italienischen Kolonialpolitik kritisch Stellung zu nehmen. Der Antisemitismus in Italien. Die „Neue Zürcher Zeitung" veröffentlicht1 einen Artikel ihres römischen Korrespondenten über die Frage des Antisemitismus in Italien, in dem es u. a. heißt: „Der Antisemitismus erscheint in Italien ärmlich und nebensächlich vor allem, weil er mit entlehn ten Ideen arbeitet, in der Hauptsache mit deutschen. Sein Ausfallstor gegen das Judentum und sein strategischer Leitfaden sind die berüchtigten „Protokolle der Weisen von Zion". Seine Voraussetzung ist das unbewiesene Dasein einer jüdischen Weltorganisation, eines universal jüdischen Planes zur Unterjochung und Zerstörung der christlichen Welt. Zudem ist neuerdings der italienische Antisemitismus auch dem Rassenwahn verfallen. In einer römischen Zeitschrift konnte man unlängst eine längere Artikelserie über die „jüdische Rassenschmach" lesen. Iffictfcftqftlicfte ffierqtungsftelte in der „Union" unter Leitung des Obmannes des Organisation - Komitees der „Union österreichischer Juden". Herrn Kommerzialrat ALEXIUS SALZER: jeden Montag und Freitag von 10—12 Uhr vormittags im Sekretariat der „Union" Schottenring 25, Mezzanin, Tel. A 19-2-77. Jedes Mitglied der „Union" erhält in allen Angelegenheiten der Wirtschaft, wie in allen gewerberechtlichen u. kaufmännischen Angelegenheiten, Steuerberatung Dollkommcn unentgeltliche Auskunft. Derficherungsberatung in allen Zweigen der Elementarversicherung wie Feuer, Einbruch, Glas, Haftpflicht Unfall, Transport, Polizzenprüfung etc Die Mitglieder der „Union" erhalten eine namhafte Begünstigung der PtämUnsätze. Eine römische Zeitung veröffentlichte dieser Tage, zwar ohne Kommentar, doch offenbar zürn Zwecke der Diskriminierung zwischen Juden und Ariern, eine Liste von 1650 jüdischen Familiennamen in Italien. Eine Zeitung in Cremona hat sich in antisemitischen Glossen spezialisiert. Was tut aber die Gegenpartei, Sie sieht bereits in verängstigtem Fernblick eine Aera der fascistischen Pogrome voraus, ein staatliches Verbot an die Arier, in jüdischen Geschäften einzukaufen, den wirtschaftlichen Ruin von 40.000 italienischen Juden. Der italienische Antisemitismus — so hört man längs der jüdischen Front flüstern — werde Italien noch an Deutschland verdingen, ja er sei ein Zeichen dafür, daß der Fascismus dem Nationalsozialismus verfalle; der: italienische Antisemitismus grabe einen unüberbrückbaren Abgrund zwischen den autoritären Staaten, wo es den Juden schlecht gehe (oder gehen werde) und den demokratischen Ländern, und was die italienische Mittelmeerpolitik betreffe,, so könne nur das eine gesagt werden, daß es Italien nicht konveniere, sich aus dem an den Mittelmeergestaden so zahlreich vertretenem Judentum einen zuverlässigen Feind zu machen. Infolge seines realistischen Sinns und seiner intellektuellen Sauberkeit glaubt der Italiener nicht an das S c h r e c k "e n s g e s p e ri s t einer jüdischen Weltverschwörung' gegen die Christenheit, nicht an die überstaatliche Macht des Judentums, nicht an das Vorhandensein eines jüdischen Plans zur Unterwerfung der Welt. Ebensowenig ist das italienische Volk in seiner Allgemeinheit für Rassetheorien empfänglich. In Rom waltet noch der Geist, nicht „Blut und Boden". Immerhin muß der Wahrheit gemäß festgestellt werden, daß im italienischen Volk eine instinktive Ablehnung des Judentums weitverbreitet ist. Rechtlich bedeutet dies aber nichts gegen die absolute Gleichstellung von Christen und Juden, solange diese letzteren nicht Anhänger internationaler oder außernationaler Bewegung sind, die mit den nationalen Grundsätzen des Fascismus k o11 i d i eren." Boykottlisten der Gasteiner Nazis. i Im Kurort Bad - Gastein sowie in den umliegenden Ortsohaiten werden zahlreiche Flugzettel verteilt, in denen Reichsdeutsche Gäste vor einer FRANZENSBAD ERSTES MOORBAD DER WELT. IDEALES FRAUEN- UND HERZHEILBAD. In ebener Lage in ausgedehnte Anlagen und Wälder eingebettet. STÄRKSTE GLAUBERSALZQUELLEN. Ueberraschende Heilerfolge bei Herz- und Frauenleiden, Kinderlosigkeit, Gicht, Rheumatismus, Fettleibigkeit und chronischer Stuhlverstopfung. Kurbetrieb vom 15. April bis Mitte Oktober. PROSPEKTE UND AUSKÜNFTE KOSTENLOS DURCH DIE KURVERWALTUNG. - Nttglleder und freunde der „Union österreidifsdier Juden". (Bezirksorganisationen innere Stadt, Leopoldstadt und Landstraße) treffen sich während der Sommermonate bei jedem Wetter, jeden Mittwoch, ab 8 Uhr abends im reservierten Teil des Restaurant Deutschberger, Prater, Ausstellungsstraße (vis-ä^vis dem Lustspieltheater)» woselbst auch Gelegenheit zu freier Aussprache und geselliger Unterhaltung gegeben ist.