Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 30 (30.7.1937)
- Date
- 1937-07-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 30 — 30. Juli 1937 DIE WAHRHEIT I I 45 KM Versicherungsangelegenheiten — z U 4S r s der „Union", h, Schottenring 25, Telephon A 19-2-77, jeden Montag und Freitag von 10 bis 12 Uhr vormittags. / Leiter: Komm.-Rat Alexius Salzer. Für Lebensversicherungsberatung haben wir einen Speziallachmann bestellt, welche unsere Mitglieder besonders günstig beraten wird. RefsegepäckSVer5iCherung Herzu. rranenheilbad Tafzmannsdorf unseren österreichischen Glaubensgenossen schädlich bekämpft und wird dies auch weiterhin — mag Präsident wer immer sein — tun. Der Vorwurf ist um so kurioser, als in Wirklichkeit der politische „Gegensatz" zwischen dem „Union'-Vorstand von 1904 •und dem heutigen lediglich auf einer optischen Täuschung der. „Stimme" beruht Heißt es doch in dem Kondolenzschreiben ausdrücklich, daß HerzI auch dann als großer Jude hätte geehrt werden müssen, wenn er die jüdischnationale Bewegung, die doch für die Z i o n i s t e n die Hauptsache ist, nicht entfacht hätte. Wörtlich: „Auch wenn er nicht eine mächtige Bewegung zur Wiedergeburt des jüdischen Volkes angeregt hätte," würde Theodor Herzl durch seine glänzenden Geistesgaben, durch den hervorragenden Platz, den er sich als Schriftsteller erworben und durch sein edles Menschentum unserer Glaubensgemeinschaft zur höchsten Ehre gereichen." Dem Weisen genügt dies, der „Stimme" nicht! Sie räsoniert: „Das war 1904. Im Jahre 1937 gibt es für die „Union" kein jüdisches Volk und sie schimpft auf die „jüdischriationalen Zionisten." Da müssen wir schon fragen: Wer schimpft? Sind wir es, die den jüdischnationalen Gegnern Kosenamen, die der antisemitischen Terminologie entlehnt sind, wie „Mauschel" beHegen, ihre verfassungsmäßigen, zur Wahrung der jüdischen Gemeinde-Autonomie unternommenen Schritte als „Denunziationen" verächtlich machen, sie als „Ignoranten in jüdischen Dingen", ja sogar als „Amalekiter4* brandmarken wollen, bloß um den Mangel an sachlichen Argumenten zu tarnen? .In unseren Polemiken wird man deijei Kraftausdrücke, die ja in Wahrheit nur Ausdrücke der Schwäche sind, vergeblich suchen; wir haben es nicht nötig zu schimpfen, denn die Richtigkeit unseres Standpunkts wird durch die tatsächliche Entwicklung erhärtet. Was wir von der Schädlichkeit des jüdischen Nationalismus für den Palästina-Auf bau seit jeher vorbrachten, das wurde von der Königlichen Kommission bestätigt, indem sie ihren katastrophalen, hoffentlich endgültig begrabenen Teilungsplan damit begründete, daß angesichts der nationalen Aspirationen der Juden wie der Araber die Assimilation der beiden semitischen Stämme zu einem palästinensischen Staatsvolk aussichtslos sei. In der „Galuth" hat die Deklaration der Juden als eigener Nation die begeisterte Zustimmung der Antisemiten gefunden, während sie in Ländern, die bisher keinen Judenhaß kannten, wie Italien, als peinlicher' Affront gegen das vaterländische Interesse aufgefaßt wird. Diese Tatsachen treffen die Jüdischnationalen viel wuchtiger, als es Grobheiten vermöchten. Wir können es uns daher erlauben, bei noch so nachdrücklicher Wahrung unseres Standpunkts unsere Gegner mit Höflichkeit und Courtoisie zu behandeln — selbst auf die Gefahr hin, damit gelegentlich so groteske Mißverständnisse zu zeitigen, wie bei der „Stimme" mit der Kondolenz zu Herzls Tode. m Die besten Elsei Wirstul SeHfewir» 3mal täglich frisch bei l»6&JUll.,f[lMrii!3! Unter Aufsicht des Rabbinates der AdasrJisroel-fSqhiffschnl). Ausgezeichnete Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen •and'Menüs von S;<2— aufw. Hochzeiten, Diners'und andere'Festlichkeiten werden in "und außer'Maus "elegantest ausgeführt. Gewissenszwang für die jüdische Jugendbewegung? Unter diesem Titel schrieb das Blatt des „BinjanHaarez" in seiner Zeitung „Der Jude" folgendes: „Wie uns mitgeteilt wird, soll seitens der Kultusgemeinde die Absicht bestehen, die Gewissensfreiheit der jüdischen Jugend in Wien aufzuheben. Man will auf die jüdischen Jugendbünde einen Druck ausüben* dam&t diese ihre Kulturarbeit auf religiöse Grundlagen umstellen. Die Kulturarbeit der jüdischen Jugend ist vom Geiste der Renaissance des Judentums erfüllt, sie bejaht die Säkularisierung des Judentums, seine Verweltlichung. Es sind die Güter der w e 111 i c h e n jüdischen Kultur, die sie sich anzueignen bemüht, und ausschließlich diese w e 111 i c litt a t i o n a 1 e K u 11 u r ist es, zu der sie ein inneres Verhältnis hat. Gewiß, die jüdische Jugend ist sich dessen bewußt, daß ein großer Teil des jüdischen Kulturgutes infolge der späten Ueberwindung des Mittelalters des jüdischen Lebens in religiöser Form gehalten ist. Die jüdische Jugend ist bestrebt, auch in die religiöse jüdische Literatur einzudringen, und die allmensch liehen Werte, die unter der religiösen Hülle verborgen sind, sidh fruchtbar zu machen. Die jüdische Jugend wird aber jeden Versuch, ihrdenWeg ihrer Kulturarbeit vorzuschreiben, ablehnen, sie ist nur so weit mit dem Judentum verbunden, als dieses eine V&dcuiqt in, Cafes msw. weltlich - nationale Kultur- und Schicksalsgemeinschaft ist. Die jüdische Jugend kann überzeugt sein, daß sie in der jüdischen Oeffentlichkeit — wenn es notwendig sein sollte — Bundesgenossen finden wird." Mit den pompösen Worten „Säkularisierung des Judentums, seiner Verweltlichung, weltlichjüdische Kultur, weltlich-nationale Kultur" usw. soll wohl die Tatsache zum Ausdrucke gebracht werden, daß der „Binjan Haarez" von der jüdischen Religion nichts wissen will oder nur so viel, als Perfekte Stenotypistin, jüngere Kraft, in Buchhaltungsarbeiten. Kassaführung und Lohnverrechnung versiert, per sofort gesucht. Offerte mit Lichtbild und Gehaltsansprüchen sind zu richten: Pinkafeld. Postfach 2 v~f*o ~—- W | tt7iuv^muJ I „die allmenschlichen Werte unter der religiösen Hülle verborgen sind." Wenn sie diese Werte suchen, dann werden sie sie nicht nur in der Hülle, sondern noch tief unter dieser finden. Die „allmensclilichen Werte" sind wohl die sittlichen und wir wüßten keine anderen Werte, die in der jüdischen Religion zu suchen und zu finden wären, als die ethischen. Es gibt keine andere jüdische Kultur als die jüdischreligiöse und alles andere ist Wortgeklingel. Aber die Subventionen für die Jugendbünde des Binjan Haarez aus den Mitteln der. religiösen israelitischen Kultusgenieinde Wjen schmecken gut. ÜL Mineral-, Mooran 1 natürliche Kohlensäure-Sprudelbäder I Elektro-Kardiographisches Institut / Röntgen-Institut Tief reduzierte Pensionspreise einschließlich aller Heilbäder HtlsKÜnfte und Prospekte: Kurbad A. G. ' Bad Tatzmannsdorf und M. U. Dr. I. H. Körner — Reisebüro „CITY", Wien I., Kohlmarkt 8 / Telephon U 26-4-29 Südamerika als Einwanderungsland für Juden. Dr. Bruno Weil, Vizepräsident des . Centrai- Vereines der Juden in Deutschland, und seine Gattin Dr. Alice Weil, die im Reichsverband der Juden in Deutschland führend tätig iist, haben viele Monate bin-: durch alle Länder Südamerikas und auch Nordamerika bereist, um die Frage der Ansiedlungsmöglichkeit für Juden in diesen Ländern zu studieren und nach dieser Richtung hin Verhandlungen zu führen. Dr. ßruno Weil hat in großen amerikanischen und europäischen Zeitungen und auch in der Berliner „C. V.-Zeitung" die Eindrücke aus dieser Reise Sn einer Reihe Aufsätze wiedergegeben. In seir nem Schlußartikel teilt er eine große Reihe konkreter Tatsachen und Schlußfolgerungen mit. Er führt ungefähr aus: ~ Dr. Waä zieht einen Vergleich zwischen den Verhältnissen in Nord- und Ün Südamerika und schreibt: New York dst die größte jüdische Siedlung der Welt. Zweieinhalb Millionen Juden gäbt es in dieser Stadt. Es 'ist leicht, hier jüdische Einrichtungen jeder Art zu schaffen, Tempel und Krankenhäuser, Kinderheime und Schulen, Waisenhäuser und Seminare. Und ich denke hier oft an die religiöse Not, die wir in vielen Städten des Südens gefunden haben, wo es noch keine Gemeinden «ßbt, wo jeder um die Bewahrung seines Judentums einen höchst persönlichen Kampf führen muß. Nichts wird an ihn herangetragen, alles muß er sich selbst erringen. ■ Wir sind zuletzt vor e'in und einem viertel Jahr hier gewesen. Die Veränderung der Stadt in .dieser dpchsehr kurzen Zeit ist außerordentlich groß. Die Ueberzeugung, daß es in wirtschaftlicher' Beziehung aufwärts geht, iist allgemein; sie durchzieht das private wiie das öffentliche Leben. Auch die Eingewanderten sind von diesem Optimismus erfaßt. Viele, die wir damals än trübster Stimmung getroffen haben, sind in das Wirtschaftsleben eingegliedert worden, haben irgend einen Job" gefunden. Auch hier kann niemand ohne Anlaufzeit darauf rechnen, daß er Sn dem großen Rennen seinen Platz behaupten kann. Aber es scheint, weil alles hier jetzt vorwärts geht, daß die Anlaufzeit durch den Konjunkturwandel bedeutend abT gekürzt worden (ist. Auch in Südamerika, z. B. in A rgentinien und Columbien, aber auch in Peru haben wir Zeichen ansteigender Konj'unkt u r gefunden. Aber nichts hat dort die riesigen Maßr Stäbe der Vereinigten Staaten. Das Tempo dieser Leider, die geistig zum lateinischen Kulturkreis gehören, ist gemäßigter. Die Aufstiegsmöglichkeiten bescheider ner. Der Lebenskampf darum auch viel weniger hart. Das Judentum in den meisten der Staaten sehr jung. Seine Einflußsphäre mehr als begrenzt. Alles schon dem Gebot der Zahl folgend in einen engeren Kreis gebannt. Dr. Bruno Weil gibt einen Ueberblick über die geographischen, staatlichen, klimatischen oind bevölkerungspolitischen Verhältnisse ':,n den südamerikanischen Staaten und teilt dann über Zahl und Einwanderungsziffern der Juden in diesen Staaten u. a. folgendes mit: Das Judentum in Südamerika hat eine Geschichte hinter sich, die in dem gleichen Augenblick beginnt, in dem die spanischen Eroberer und die portugiesischen Entdecker der Weltkarte den amerkanischen Erdteil einverleibt haben. Diese jüdisch-südamerikanische Frühgeschichte beschäftigt gerade in letzter Zeit Juden und Nichtjuden; der Zeitpunkt ist welleicht nicht fern, zu dem "eine vollständige Darstellung dieser früher wenig beachteten Periode der allgemeinen jüdischen Geschichte geschrieben werden kann. Aber diese stattliche jüdische Einwanderung, deren Bedeutung für die Entwicklung Südamerikas dort heute allgemein anerkannt wird, ist völlig aufgesogen worden. Die Inquisition, die in Lima, der Hauptstadt der eroberten Gebiete, schon von dem zweiten Erzbischof eingerichtet wurde, ist rniit allen Mitteln gegen alle nichtchristlichen Elemente vorgegangen, die Listen der Opfer, die um ihres Glaubens willen dem Henker verfielen, weisen auch in Südamerika viele Juden, mehr noch Abkömmlinge jüdischer