Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 29 (23.7.1937)
- Date
- 1937-07-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 29 — 23. Juli 1937 DIE WAHRHEIT In «Ellen Versicherungsangelegenheiten — z u e r S i QietxicfietmigssteCfe ^P^^ der „Union", I., Schottenring 25, Telephon A 19-2-77, jeden Montag und Freitag von 10 bis 12 Uhr vormittags. / Leiter: Komm.-Rat Alexias Salzer. Für Lebensversicherungsberatung haben wir einen Spezialfachmann bestellt, welche unsere Mitglieder besonders günstig beraten wird. RelSegepäckSVerSiCherung Herzu. TranenhelHmd Tofzmannsaori Mineral-, Mooruni natürliche Kohlensäure-Sprudelbäder I Elektro-Kardiographisches Institut / Röntgen-Institut Tief reduzierte Pensionspreise einschließlich aller Heilbäder Ü. M. U. Dr. I. H. Körner — Reisebüro „CITY", Wien I., Kohlmarkt 8 / Telephon U 26-4-29 „Überfremdung. Dieser Tage hat wieder einmal — anläßlich der Eröffnung des „Hauses der deutschen Kunst" - in München — Adolf Hitler eine Rede gehalten, in der er auf den „verderblichen" Einfluß der Juden auf das deutsche Kunstschaffen hingewiesen hat. Dabei mußte der Redner selbst eingestehen, daß der kulturelle Zusammenbruch von der überwiegenden Mehrheit des Volkes weder gesehen noch verstanden worden sei. Es mußten erst Führer aus Oesterreich, Aegypten, Brasilien und dem Baltikum nach Deutschland kommen, um dem Volke das Verständnis beizubringen. Doch trotz der unerbittlichen Strenge der Schulmeister scheint dies noch keineswegs restlos gelungen. Hugo Valentin zitiert in seinem „AntisemitenSpiegel" (Glanz-Verlag, Wien) Klagen aus den nationalsozialistischen Zeitungen, sogar im Franken Streichers, daß große Teile der Bevölkerung nicht antisemitisch seien, bei Juden kaufen, die „volksfremden" Aerzte aifsuchen und daß die Juden es verstehen, die Sympathien der Bevölkerung zu „erschleichen". In welch „unlauterer" Weise die Juden diesen Konkurrenzkampf führen, hat die schaudernde Welt erst unlängst im Falle Ribbentrop erfahren. Die Tochter dieses deutschen Gesandten in London war von den arischen Aerzten aufgegeben, trotzdem wurde sie von einem schamlosen Juden gerettet. Die Folgen solch echt jüdischen Treibens registrierte jüngst das amtliche Organ der S. S., das „Schwarze Korps". Das Blatt behauptet, Gelehrte, die sich vom jüdischen Geist nicht freimachen können, seien auch jetzt noch unter den deutschen Professoren sehr zahlreich. Man könne sie als „weiße Juden", als „Geistesjuden",; .•Gesinnungsjuden" oder „Charakterjuden" ansprechen. Der Leipziger Professor Heisenberg habe es sogar fertiggebracht, in ein parteiamtliches Organ einen Aufsatz einzuschmuggeln, in dem er Einsteins Relativitätstheorie als die selbstverständliche Grundlage weiterer Forschung bezeichnet habe. Das ist wirklich ein beängstigendes Zeichen fortschreitender Verjudung. Während der Wiener Biehlolawek in der Lueger-Zeit Wissenschaft noch als das definierte, was ein Jud vom andern abschreibt, entlarvt sie heute das „Schwarze Korps" bereits als das, was sogar Arier von Juden abschreiben. Die zugereisten Führer haben halt einen schweren Stand gegenüber der Riesenmasse der der Gefahr der „Ueberfremdung" ahnungslos gegenüberstehenden Bodenständigen. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse in Oesterreich. Während die „Wiener Stadtstimmen" die von uns jüngst zitierte Polemik gegen die von der Essener „Nationalzeitung" aufgestellte Behauptung von der Verjudung der Wiener Universität brachte, in der das Organ der „Vaterländischen Front" feststellte, daß die Wiener Universität mit ihren jüdischen Lehrern keine so üblen Erfahrungen gemacht hat, wie die reichsdeutschen Universitäten mit ihren durchaus rassenreinen Lehrern, sind auch hier Zugereiste eifrig am Werke, Gegensätze zwischen dem arischen „Wirtsvolk" und dem jüdischen „Gastvolk" zu konstruieren, obwohl ihre deutschen Sprachkenntnisse zum Teil noch nicht einmal so gefestigt sind, daß sie die Begriffe „Wirtsvolk" und „Gastvolk" nicht miteinander verwechseln. Wie kamen diese Hetzer nach Oesterreich? Der Werbeleiter der Vaterländischen Front, Ing. v.-Becker, hat jüngst darauf hingewiesen, daß mehr als 100.000 Angestellte des öffentlichen Dienstes auf Grund der Friedensverträge von Oesterreich übernommen worden sind. Er schätzt <Üe seither für ihre Besoldung aufgelaufenen Geldmittel auf 2.5 Milliarden Schilling. Diese Zahlen wertet das „N e u i g k e i t s w e 1 vb 1 a 11" als eindeutigen Beweis, daß ein überaus großer Teil der öffentlichen Angestellten nicht aus Oesterreich stammt, aber daraus nicht die Folgerung zieht, auch trachten zu müssen, der Denkweise des Volkes ihrer Wahlheimat Rechnung zu tragen. Das katholische Wiener Blatt macht diesen Steuerkonsumenten vielmehr den schweren Vorwurf, daß sie ihre eigene Denkweise und ihre politischen Anschauungen, die aus einem dem österreichischen Wesen fremden und oft feindlichen Ideenkreis hervorgehen, den Oesterreichern aufzwingen wollen. Hier ist einmal einwandfrei festgestellt worden, von welcher Seite Oesterreich wirklich eine Gefahr der Ueberfremdung droht: Nicht von Seite der Juden, sondern von Seite der grimmigsten Judenhasser, der Nazi. Gegen den Teilungsplan. Lloyd George: „Die einzige Möglichkeit in Palästina: eine gemeinsame jüdisch-arabische Regierung." Im „S u n d a y Express" veröffentlicht Lloyd George einen scharfen Artikel unter der Ueberschrift „Ein skandalöser Plan", in welchem der Verfasser in Bezug auf den Plan der Teilung Palästinas u. a. ausführt, daß alle Hoffnungen der Juden zerstört seien, weil England sein Versprechen nicht gehalten habe. Was jetzt von Palästina für die Juden übrigbleibe, sei ein kleiner Rest, mit dem sie n i c h t s ,a n f a n g e n könnten. Das einzige, was in Palästina möglich sei, sei eine gemeinsame jüdisch-arabische Regierung. Die besten Elsen WirsteeI SelAvarei 3mal täglich frisch bei IAG0. Hiei IL, PntHstrale 33 Unter Aufsicht des Rabbinates der Adas-Jisroel-(Schiffschul). Ausgezeichnete: Küche, zivile Preise und sorgsamste Bedienung. A la Carte-Speisen und Menüs von S 2.— aufw. Hochzeiten, Diners und andere Festlichkeiten werden in und außer Haus elegantest ausgeführt. J Palästina-Regierung gegen die Kommissions vorschläge? „Evening Standard" berichtet, die Palästina-Regierung habe der britischen Regierung eine Denkschrift überreicht, in der an den Vorschlägen der Kg 1. Kommission scharfe Kritik geübt wird. Insbesondere werde dagegen protestiert, daß Galiläa in den neuen Juden- Staat fallen soll. Die Einwände Sir Arthur Wauchopes und seiner Kollegen stützten sich'auf die von ihnen erwarteten Schwierigkeiten einer Ueberführung eines großen Teiles der arabischen Bevölkerung aus Galiläa nach Transjordanien .und auf die eindringlichen Vorstellungen der Herrscher der arabischen Staaten. 46 Prozent Araber in dem geplanten Judenstaat. In einer Zuschrift an den „Jewish Chronicle" weist der Rechtsberater der Jewish Agency, Leonard Stein, auf einige wichtige Punkte in den Vorschlägen der Kgl. Kommission hin. Von der auf 400.000 Seelen geschätzten jüdischen Bevölkerung fallen für den geplanten Judenstaat die 75-000 Juden in Jerusalem fort. Haifa, Akko, Tiberias und S af ed bleiben „eine Zeitlang" unter Mandatsverwaltung. In diesen Städten leben 58.000 Juden. Jaffa, das arabisch wird, hat eine jüdische Bevölkerung von 8000 Seelen. Es sollen somit 37 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung entweder außerhalb des jüdischen Staates bleiben oder wenigstens für eine Zeit außerhalb seiner Verwaltungshoheit Damit bleiben für den J u d e n s t aa t rund 259.000 Juden neben einer arabischen Bevölkerung von 225.000 oder 46 Prozent. Von einem späteren Bevölkerungsaustausch zu sprechen, scheine unangebracht, wenn 225.000 Arabern im jüdischen 1250 Landwirtschaft treibende Juden im arabischen Gebiet gegenüberstehen. Schließlich weist Leonard Stein auf die u ngünstigen Grenzen hin. Im Süden stelle das geplante jüdische Gebiet einen langen schmalen Korridor dar, der an manchen Stellen kaum 20 Meilen breit ist, eingeengt zwischen dem Meer und dem in fremdem Besitz befindlichen beherrschenden Bergland. Das Tote Meer und der Negew fallen in das arabische Gebiet, das damit die Werke der Palestine Potesh Company übernimmt. Arabische Kundgebung in London. In London sprach in einer von dem Palestine Information Centre veranstalteten Versammlung der Vorsitzende der Arabisch^Palästinensischen Partei (Mufti- Partei), Jemal el Husseini, über den Teilungsplan. Er erklärte, die Kgl. 'Kommission habe die Hauptbeschwerden der Araber damit a! s gerechtfertigt anerkannt, daß sie das Mandat als undurchführbar bezeichnet und seine Beendigung verlangt habe. Trotzdem wolle man dieses undurchführbare Mandat mit all seinen Konflikten in einem Teil des Landes zu einem Dauermandat machen. Nach dem Teilungsplan gewinnen die Juden den besten Teil Palästinas, England den Teil, der am meisten verehrt wird, und die Araber verlieren diese beiden Teile, die sie dreizehn Jahrhunderte lang besessen haben. Als Heilmittel für die Uebel der jüdischen Diaspora schaffe Groß-Britannien eine arabische Diaspora, denn die verdrängten Araber würden in dem neugegründeten arabischen Staat nicht Platz finden. Es würde über die Nervenkrait der Araber in Palästina gehen, ruhig von ihren steinigen Bergen zuzusehen, wie die Juden in dem Ueberfluß schwimmen, der gestern noch den Arabern gehörte. Es gebe eine Grenze für die Unterwerfung des Menschen, selbst unter die Bajonette von Großmächten. Die Kgl. Kommission, die nach Palästina gekommen sei, um Mittel und Wege zur Wiederherstellung des Friedens zu finden, dürfte durch diesen Plan die bereits schwierigen Verhältnisse noch schwieriger gemacht haben. Ein Freund des verstorbenen Obersten Lawrence, Colonel S. F. Newcombe, legte einen Gegenvorschlag vor, von dem anzunehmen sei, daß die Araber ihn freundlich aufnehmen würden: danach sollen 1. alle jetzt in Palästina lebenden Juden in dem Lande bleiben und das zahlenmäßige Verhältnis von 30 Prozent Juden zu 70 Prozent Arabern nicht geändert werden; 2. für eine Reihe von Jahren soll das britische ^Regime nach den im Sudan geltenden Bestirnmunxen im Interesse der gegenwärtigen Landesibewohner ohne. Einmischung von außen fortgesetzt werden; 3. nach