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Die Wahrheit · 1937-07-23 · Heft 29 (23.7.1937) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1937
Issue
Heft 29 (23.7.1937)
Date
1937-07-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Nr. 29 — 23. Juli 1937 Seite 3 Mißtrauens der Araber i n die Fähigkeit, wenn nicht in den Willen, der Regierung Ew. Majestät, ihre Versprechungen zu erfüllen. e) Die Beunruhigung der Araber über den andauernden Kaut von arabischem Boden durchJuden. i) Der intensive Charakter des jüdischen Nationalismus in Palästina; der „Modernismus" vieler unter den jüngeren Einwanderern; die von unverantwortlichen Juden gebrauchte herausfordernde Sprache: der ungezügelte Ton eines großen Teiles der jüdischen und der arabischen Presse. g) Die durch die Zweideutigkeit gewisser Redewendungen des Mandates verschärfte allgemeine Ungewißheit über die letzten Absichten der Mandatarmacht. Diese Ungewißheit hat alle Schwierigkeiten der Situation erhöht, sie hat im besonderen 1. den Wunsch der Juden, ihre Position in Palästina so schnell wie möglich zu erweitern ,und zu befestigen, angespornt, 2. es den Arabern möglich gemacht, die versöhnliche Politik der Palästina-Regierung und die sympathisierende Haltung einiger ihrer Beamten dahin zu unterpretiieren, daß der Entschluß Englands, die Baliour- Deklaration z'u verwirklichen, nicht aufrichtig ist. Falle eines Siemes der Alliierten Palästina in den Bereich arabischer Unabhängigkeit eingeschlossen werden würde. 2. 1917 versprach die britische Regierung, die Errichtung eines Nationalheims für das jüdische Volk in Palästina zu erleichtern, unter der Voraussetzung, daß die bürgerlichen und religiösen Rechte der Araber und anderer Nichtjuden nicht beeinträchtigt werden: die Juden verstanden dies dahin, daß das Nationalheim, wenn das Experiment gelingt, sich im Laufe der Zeit zu einem Judestaat entwickeln wird. 3. Das Mandatssystem wurde als Mittel zur Durchführung dieser Politik angenommen. 'Es enthielt gewisse allgemeine Verpflichtungen, hauptsächlich gegenüber den Arabern. Das Mandat selbst enthielt gewisse spezifische Verpflichtungen, hauptsächlich gegenüber den Juden. A. Die Verbindung der Politik der Baliour-Deklaration mit dem Mandatssystem trug in sich den Glauben, daß die Feindschaft der Araber gegenüber der ersteren (der BaLfour-Deklaration) früher öder später überwunden werden würde. Sollte dieser Glaube sich als falsch erweisen, dann wäre es sehr schwierig, das Mandat durchzuführen oder zu beenden. Privat - Pension 5tfcl)cr Das NandatszieL Sehr bemerkenswert sind die Ausiührungen des zweiten Kapitels des Peel-Berichtes, in dem die Geschichte der Balfour-Deklaration und dos Palästina-Mandates dargestellt ist. Der geschichtliche Rückblick dieses Kapitels des Peel-Berichtes wird folgendermaßen zusammengefaßt: 1. Die Araber waren vor und nach dem Ausbruch der Hedschas-Revolution von 1915 der Meinung, daß " im Restaurant Stefanie Hugo u. Julie Herlinger, geb. Zollner II., TaborstraB« 12 Tel. R 48-4-46 "IklO Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl. Reichhaltige Menüs von S 1.60 aufwärts. Exakte Bedienung. Schöner schattiger Garten. Angenehmer Aufenthalt. Die „Stimme spritzt Gift. Schon das zweite Mal versucht die ,.Stimme", ihren Lesern weiszumachen, daß die „Union" oder „Die Wahrheit" der Bericht der Königlichen Kommission und die beabsichtigte Teilung Palästinas mit Schadenfreude erfülle. Zu diesem Zwecke reißt die „Stimme" aus dem sachlichen Artikel der „Wahrheit" in ihrer Nummer vom 9. Juli 1937 „Das »nationale Heim' in Palästina. Ein ,Erez Israel* ohne Jerusalem!" einen Satz aus dem Zusammenhange heraus, in dem den jüdischnationalen Zionisten an der Entwicklung, deren Resultat die Teilung sein soll, der entsprechende Anteil an Schuld zugemessen wird. Das können die Jüdischnationalen natürlich heute nicht hören, daß man sie jahrelang hunderte und hunderte Male davor gewarnt hat, eine nur jüdischnationale Politik in Palästina zu betreiben und so das Verhältnis zu den Arabern zu vergiften. Das Maß der Schadenfreude, das die „Union" empfindet, möge aus den folgenden, dem erwähnten Artikel entnommenen Zitaten ersehen werden: „Die Teilung Palästinas in drei Teile, in eine arabische Zone, in eine jüdische und in eine internationale unter der Oberhoheit Englands scheint also eine Tatsache zu werden. Dieser Ausweg ist in der ungeheuren Verlegenheit gefunden worden, in welche Großbritannien durch die Vorkommnisse in Palästina versetzt wurde. Er kann nur England momentan selbst befriedigen und vielleicht noch den Emir von Transjordanien, den zukünftigen Beherrscher des arabischen Palästina, sonst niemanden." „In diesem Brief gebraucht Lord Balfour den folgenschweren Ausdruck „a national hoine" für die Juden in Palästina und erklärt, daß England die darauf abzielenden Bestrebungen unterstützen wird, hinc iltae lacrimae. Einer nicht existierenden Nation will England ein nationales Heim schaffen." „In demselben Weltkrieg, in dem Englands Regierung diesen folgenschweren Privatbrief produzierte, haben die jüdischen Angehörigen des englischen, französischen, italienischen, deutschen, österreichischen Volkes etc. aufeinander als treue Bürger ihrer Heimatländer geschossen, so wie es Napoleon vor hundert Jahren in der Notabeinversammlung und im großen Synhedrion von ihnen verlangt hatte. Sie haben damit bewiesen, daß ihnen ihre Verbundenheit zur Nation und zum Staate, dem sie zugehören, am höchsten steht." „Der königliche Bericht enthält nach den bisherigen Mitteilungen ganz überraschend widerspruchsvolle Sätze und wird das höchste Erstaunen der Wissenschaft hervorgerufen werden." „Die Assimilation der verwandten jüdischen und arabischen Rassen in Palästina konnte in den letzten zwanzig Jahren — nicht mehr Zeit stand zur Verfügung — nicht angebahnt oder erreicht werden, weil Araber und Juden, national verhetzt und verblendet, die gemeinsamen Vorteile eines einheitlichen arabisch-jüdischen Palästina nicht erkennen konnten." „Die Teilung Palästinas in einen arabischen und jüdischen Staat, die Begründung eines jüdischen Zwergstaates unter scheinbarer Souveränität ist ein besonderes Unglück für die Juden der ganzen Welt. Kann ein jüdischer Staat in Palästina ohne Jerusalem, das geistige und religiöse Zentrum der Judenheit vor zweitausend Jahren, wo die hebräische Universität auf dem Skopusberge errichtet wurde, überhaupt einen einzigen palästinensischen Juden befriedigen?" „Den jüdischnationalen Zionisten, die an dieser auch sie in Bestürzung versetzenden Entwicklung ein gerüttelt Maß von Schuld tragen und die eine ungeheure Propaganda entwickelt hatten, um den Judoustaat Palästina unter Einbeziehung Transjordaniens zu schaffen, und die Juden veranlaßt haben, mehr als 100 Millionen Pfund, das sind zirka 3 Milliarden Schilling für Palästina zu opfern, kann mit Recht zugerufen werden: parturiunt montes, nascitur ridiculus mus (es kreißen die Berge — geboren wird eine lächerliche Maus)!" (Hervorhebungen durch Fettdruck von uns. Anm. der Red.). Uebrigens sind ia diese Methoden der „Stimme" nicht neu, wir erinnern nur an den Schandartikel der „Stimme" vom 13. Oktober 1936 unter dem Titel: „Die Dolchstoß-Union", in dem der Satz vorkommt, den wir nicht vergessen haben: „Sie, die Herren von der Union, haben sich über jeden Schuß gefreut, der aus einer arabischen Flinte gegen Juden abgegeben wurde, und über jede Bombe, die jüdische Frauen und jüdische Kinder zerriß. ,Seht ihr, es geht doch nicht, Palästina ist ein Bluff, die vierhunderttausend Menschen unten sind verloren, es lebe die Assimilation!' Das war das Echo, das die Schüsse und die Bombenexplosionen in der „Wahrheit" gefunden haben." (Hervorhebungen durch Fettdruck von uns. Anm. der Red.). Die „Stimme" versucht, einseitig die „Wiener Zeitung" als „Unparteiischen" anzurufen, wobei, der Uebung des Organs der Allgemeinen Zionisten entsprechend, wieder eine kleine Volte geschlagen wird. Bisher hat auf dem Gebiete des falschen Sperrdruckes und der dadurch herbeigeführten Verfälschungen und Verdrehungen sich in erster Linie die „Neue Welt" ausgezeichnet. Aber die „Stimme" will beweisen, daß sie es ebenso gut kann. Sie läßt einen ganzen Absatz der „Wiener Zeitung" in Sperrdruck erscheinen, der dort gar nicht hervorgehoben ist. Sie unterschiebt die eigene Bemerkung der „Wiener Zeitung": „Für die Gegner des Zionismus in Wien ist der Teilungsplan der englischen Königlichen Kommission eine Art gerechter Strafe für das Festhalten der jüdischnationalen Zionisten an dem Grundsatze Theodor Herzrs, daß die Juden eine Nation sind" der „Wahrheit". Aber solche Mätzchen verfangen nicht mehr. Daß antisemitische und national betonte Kreise es gerne sehen, wenn die Juden eine Nation sein wollen, und es „kurios" finden, daß die Mehrzahl der österreichischen Juden und der Juden überhaupt diesen Standpunkt mit Entschiedenheit ablehnt ist nichts Neues. Auch in dem Blatte, das Herr Kruckenhauser, der jetzige Herausgeber der „Oesterreichischen Volkspresse", erst vor kurzem verließ, kann die hoffentlich baldige Umstellung der Redaktion nicht so rasch erfolgen. Wir wissen von Hitler, daß sich „national Betonte" auf beiden Seiten „auf einer Ebene" finden. Aber die „Stimme" wählt ihre „Unparteiischen", wo sie sie findet. Genau so wie wir uns mit den Bomben- und Flintenkugeln, die Glaubensgenossen zerrissen haben, gefreut haben, genau so freuen wir uns über den Teilungsplan in Palästina, mit dem sich aber merkwürdiger Weise die „Stimme" jetzt sehr zu befreunden scheint. Sie schreibt im Leitartikel vom 16. d. M. sehr resigniert: „Wir sind wieder, wie stets in unserer Geschichte, vor die These vom kleineren Uebel gestellt und können ihr nicht entrinnen." „Trotz allem aber: Der Judenstaat ist im Entstehen. Es ist uns ein neues großes Ziel gesetzt. Wir haben wieder zu sorgen und zu kämpfen. Wie immer das Schicksal läuft: Unser Volk ist durch das Exil hindurchgeschritten und steht jetzt auf seinem Boden. Es sammelt die Verstreuten von allen vier Enden der Welt. Es ist nicht mehr einsam und auch die große Stadt werden wir aus ihrer Einsamkeit herausholen. Wir sind in der großen Wendung." Wie hieß es doch noch am 13. Juli 1937 in dem Aufruf? „Es wird der Versuch gemacht, unser Recht auf ein ungeteiltes Erez Israel in seinen historischen Grenzen zu vernichten." „Das jüdische Volk muß der Welt beweisen, daß es nicht gesonnen ist, auch nur einen Fuß breit des Heiligen Landes aufzugeben . . Und wie drahtete der Landesverband noch am 13. Juli 1937 an die zionistische Exekutive? „Der Kommissionsbericht muß bedingungslos abgelehnt werden. Wir erwarten von der Exekutive Ablehnung jedes Kompromisses und energischen Kampf für ein ungeteiltes Erez Israel." Und jetzt? Erst klang es wie eine Fanfare und jetzt ist es eine Chamade. 0 quae mutatio rerum! Welt-»Kirchenkonferenz gegen den Antisemitismus. Auf der Welt-Kirchenkonferenz in Oxford erklärte der Londoner Pfarrer P a t o n, daß der Antisemitismus das Leben der chris tlichenKirch ei nvielenL ändern gefährde. Die Kirche stelle einen fortwährenden Vorwurf gegen jene dar, die das Leben eines Volkes auf Grund der Anschauungen von Rasse und Boden reglementieren wollen.

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